04.12.2014

# Katzenjammer

[Gerede] Dating wird völlig überbewertet

Wenn man quasi Mitte 20 ist und dazu bekennender Single, hört man immer wieder die selben Fragen:
"Na, wie läufts in der Liebe?", "Willst du dir nicht langsam mal was festes suchen?", "Hast du etwa vor, alleine alt zu werden?" und die mit Abstand schlimmste Frage: "Warum gehst du denn nicht öfter aus? Dating-Möglichkeiten hast DU ja schließlich genug!"
Ohne den Wahrheitsgehalt dieser letzten Aussage grundsätzlich zur Debatte stellen zu wollen, würde ich hier dem selbsternannten Love Expert, der diese trifft, am liebsten über die Wange streicheln. Mehrmals. Mit meiner Faust.

Denn erstens drängt sich mir bei all diesen Gesprächen selbst eine Frage auf: Warum seid ihr nur alle so unentspannt? "Chillt euch mal!" würde ich am liebsten in die mitleidig-besorgten Gesichter schreien. Völlig relaxed natürlich. Der Fragesteller hat sich sein Gesellschaftsbild anscheinend von schlechten amerikanischen Teeniefilmen und How I Met Your Mother abgeschaut, wo die Prämisse lautet: stehst du am Wochenende ohne Date da, bist du entweder Soziopath oder ein Beziehungsversager. Denn natürlich besteht der einzige Sinn des Seins darin, einen Partner zu finden und für immer immer immer zu behalten. Dass es nicht unbedingt ein Gewinn ist, wenn man jedes Wochenende vor einer neuen Person sitzt, bleibt da mal dezent außen vor. Du musst 99 Frösche küssen, und der hundertste verwandelt sich dann in deinen Prinzen? ...also bitte!

Zweitens kommen diese Ratschläge doch meistens von dem selben Typ Mensch. Diese Leute, die seit ihrer Geschlechtsreife maximal zwei Wochen nicht in einer Beziehung gesteckt haben und sich im Grunde gar nicht als eigenständige Persönlichkeit definieren können. Diese Leute, die von Partner zu Partner hüpfen und ihre Erfüllung nur im Doppelpack finden. Versteht mich nicht falsch - wen das glücklich macht, dem stehe ich sicher nicht im Weg. Selbst bin dann aber doch lieber der unabhängige Typ.

Und drittens - last but not least: Dates sind ganz ganz schrecklich. Wäre das die einzige Möglichkeit, potentielle Partner kennenzulernen, wäre ich sicher noch nie in einer Beziehung gewesen. Dates laufen immer nach dem gleichen Schema ab, wenn man die Person noch nicht kennt - egal, wie originell man es verpacken will: im Grunde ist das bloß eine Mikro-Castingshow, bei der die jeweils wichtigen Punkte in Form eines mehr oder weniger zwanglosen Informationsaustausches überprüft werden. Musikgeschmack? Check! Hobbys? Check! Ach, du warst ein Jahr in Australien? Verrückt, 32 meiner Bekannten auch! Ja, ich studiere xyz-Gedöns. Oh, spannend. Blablablabla. Was das wirklich interessante an Mensche ist, geht einfach meistens unter, wenn als Subtext jeder Aussage ein "Super, noch zwei ungefähre Gemeinsamkeiten, und es reicht auf jeden Fall für einen Kaffee bei mir" mitschwingt. Wie eingefahren dieses Schema ist, merkt man vor allem dann, wenn man einfach mal untypische Fragen stellt oder bescheuerte Antworten gibt. "Und, was war so in deiner Schultüte?" sagt als purer Informationswert ungefähr genauso viel aus wie die Lieblingsserien, aber die Reaktionen sind wenigstens mal anders. Von irritiert bis unterhaltsam ist da alles dabei.

Jedenfalls empfinde ich es nicht als das ultra-krass alternative Lebenskonzept, wenn man nicht beständig auf der Suche nach einer besseren Hälfte ist. Auch, wenn einige Leute in meinem Freundes- und Bekanntenkreis das anscheinend so sehen. Aber ich arbeite lieber erstmal daran, alleine schon eine vollständige Person zu sein. Und sollte jemand auftauchen, der ebenfalls eine vollständige Person ist, können wir gerne zusammen vollständig sein. Und wenn nicht, ist das auch gut.

Kommentare:

  1. Word! Ich kann das so unterschreiben.
    Ich bin mit 23 Jahren auch schon seit 4 Jahren Single und muss mir von Bekannten, aber auch von meinen Eltern immer wieder anhören, warum ich noch immer keinen Partner habe -.-
    Aber mir geht es da nun mal genau so wie dir: Ich hasse Dates! Die letzten vier, die ich hatte, sind alle sehr schlecht verlaufen, da es mir einfach total unangenehm war (und die Typen eh nichts für mich gewesen wären), aber man kann es ja schließlich auch nicht erzwingen, oder? Ich muss nicht auf Teufel komm raus eine Beziehung eingehen, nur um meine Mitmenschen glücklich zu machen. Klar ist das Single Dasein mit der Zeit deprimierend und ermüdend, aber entweder kommts, oder es kommt nicht.
    Daher stimme ich dir voll zu!
    Liebe Grüße, KQ

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    1. Immer gut, nicht alleine zu sein! :D
      Das mit dem Erzwingen ist auch genau mein Punkt. Ich finde es total dämlich, immer offen sein zu müssen "ja komm, ist doch nur ein Date, dann geh halt hin", wenn man schon genau weiß, dass es nicht mal für ne Freundschaft reicht. Auch wenn ich noch nie ein wirkliches Date des Grauens hatte, bin ich dafür einfach nicht geschaffen. Ich lerne Menschen gerne ungezwungener kennen :D

      Aber deprimierend finde ich das gar nicht :) Abgesehen von kleinen Phasen bin ich durchaus sehr zufrieden im Moment. Man ist ja auch nicht völlig alleine - Familie und Freunde sind ja trotzdem da. Und wenn die grade mal nicht mit der Partner-Geschichte nerven, ist das doch auch ganz schön :)

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  2. Obwohl ich aktuell für das "gegnerische" Team spiele, kann ich dir nur im allgemeinen sehr sehr sehr zustimmen.
    Ich hab diese Phasen nur zu genüge durch gemacht und war mehr als angenervt davon, dieses ständige "Du bist viel zu wählerisch." und überhaupt "Willst du alleine alt werden?" ... Bei Familienfeiern war ich immer die, die alleine eingeladen wurde...Ach, du hast ja niemanden. ...

    Der Mensch ist und bleibt zu allererst Individuum und es erschüttert mich, dass es so unendlich viele Menschen gibt die ausschließlich als WIR funktionieren.

    Bleib dir selbst treu. Ich kann dich wirklich verstehen. Vor allem ist es ja wohl auch völlig legitim (auch wenn nicht jeder Mensch diesen Gedanke vertritt), dass man ALLEINE und mit sich selbst absolut glücklich und zufrieden ist.
    Wenn irgendwann einmal jemand zufällig in dein Leben stolpert, der dann einfach passt, dann ist es so.
    Aber meiner Ansicht nach funktioniert eine Beziehung ohnehin nur dann, wenn man mit sich selbst im Reinen ist, wenn man sich selbst kennt und sich selbst versteht, denn nur dann kann man wirklich wissen, was man von sich und vom Leben erwartet.
    Ich denke auch, dass eine Beziehung NICHT die Erfüllung des Lebens ist oder sein sollte. Jeder Mensch hat seine Träume, Wünsche und Ziele - wenn wir jemanden finden der uns dabei begleiten will und mit dem wir diese Dinge teilen wollen, dann ist das ganz schön, aber es ist definitiv kein MUSS. Man kann eben auch alleine sehr glücklich, unabhängig und zufrieden sein.

    (Wie immer am Ende eines Kommentares bei dir, hoffe ich, dass meine Gedanken nicht zu wirr und nicht zu doof klingen... ._______. )


    P.S. Ich erinnere mich an ein richtig,richtig furchtbares Date mit einem Typen der einfach so sterbens-langweilig war. Ich war SO unendlich froh, als ich wieder weg konnte von ihm... BRRRR schrecklich - warum soll man Zeit mit so einem QUATSCH verschwenden, wenn man die Zeit sinnvoller mit sich selbst nutzen kann.

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    1. Genau, da schwingt immer so was Gönnerhaftes mit, finde ich. Als ob man da was nicht auf die Reihe kriegen würde.

      Absolut so sehe ich das auch. In erster Linie braucht man doch mal ein Konzept von sich selbst als Individuum. Das zu finden dauert halt bei manchen länger und bei manchen kürzer, aber es ist doch alles erlaubt :) Ich habe super viele Freundinnen, die sehen das absolut anders und finden ihren Lebensinn anscheinend wirklich nur in einer Beziehung. Das finde ich auch ganz erschreckend. Als wäre man sonst nicht lebensfähig.

      Keine Sorge, ich kann absolut folgen und unterschreibe alles ;D

      Hahaha, genau! Da hat man doch bei einem Mädels-Abend oder so viel mehr gewonnen. Oder mit einem Buch.

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  3. Und wenn du dann einen Partner hast, dann nerven genau diese Menschen mit Heirat, danach mit Nachwuchs, mit noch mehr Nachwuchs, mit... Irgendwas finden sie immer!
    Lg Lara

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    1. Na du machst ja Mut :D Da kann man wohl nie was richtig machen xD

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  4. Ich sehe Dates mittlerweile als Treffen - man macht was zusammen, beschnuppert sich und man bleibt irgendwie in Kontakt. Es kann sich ne Freundschaft entwickeln. Oder ne Liebe. Oder ne Bekanntschaft. Auf die Suche zu gehen, das wäre gruslig :-(

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    1. Das ist eine gute Einstellung :) Wenn die auf beiden Seiten so ist, finde ich das optimal. Aber alleine schon die Begrifflichkeit "Date" suggeriert doch immer so einen gewissen Zwang, finde ich. Ich sage deshalb immer "Lass ma treffen zum chillen" oder sowas xD

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  5. Cooler Post =D Also da ich jetzt noch nichtmal anfang zwanzig bin, kommen die Fragen ja eher so rüber am Familiensammtisch: Naaaa, hattest du denn schon deinen ersten/s Freund/Kuss/Mal blablabla. Ist halt echt wahr , irgendwas wollen die immer finden. Als meine Schwester öfters mal ohne ihren Freund hier (also Heimatstadt, die beiden leben in Karlsruhe) runterkam, fings auch schon an mit - waaas bist scho wieder alloan? Und irgendwann wars dann soweit, dass wir hysterisch uns über jeden aufgeregt haben, der im Gespräch auch nur in die Richtung gehen wollte ..... - eigentlich hatte er da nur selbst seinen Urlaub und sein eines Jobprojekt bei seiner Familie oben in Frankreich verbracht, so viel dazu xD ham alle große Augen gemacht, ne :P

    JA ICH KOMMENTIERE BEI DIR UND JA ICH HAB ÜBER 140 UNGELESENE POSTS AUF BLOGLOVIN ABER GEHE ZUERST AUF DEINEN POST WEIL ER SEHR VIELVERSPRECHEND WAR !!
    Ich will wieder ins Blogger-Leben....und aus dem Schülerin-die-nonstop-Klausuren-schreibt-Leben raus *heul*

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    1. Leeyy! ♥ :)
      Es freut und ehrt mich, dass du deine bemessene Zeit hier verbringst :D Ist denn ein Ende der Klausuren-Zeit in Sicht? Ich weiß gar nicht mehr genau wie das war (oh Gott, ich bin ALT^^), aber nach Weihnachten wird es doch immer ein bisschn ruhiger, oder? Wie auch immer, bald sind ja erstmal Ferien :)

      Immer diese Tratschtanten. Und Onkel. Und alle. Diese Fragen haben mich früher auch schon zur Raserei gebracht; meine Schwester übrigens auch - ich kann mir also die Hysterie bei euch ganz gut vorstellen :D Es ist wirklich nervig und ich habe mir fest vorgenommen, bei meinen Kindern, Neffen/Nichten etc. auf keinen Fall zu so einer Person zu werden. Ich meine, die Neugier kann man ja schon verstehen, aber trotzdem. Ich frag ja auch meine Tante nicht nach ihrem Liebesleben aus oder urteile darüber.
      ...ist wahrscheinlich auch besser so xD

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  6. Ha, das hast du ja toll geschrieben :) Da will ich gar nix mehr hinzufügen, ich seh das genauso. Menschen, die zu allen Anlässen mit ihrem Partner kommen und an dem kleben, versteh ich eh gar nicht. Ich bin auch glaube ich ohnehin nicht so der Klebe-Mensch :D Ich finde es auch unheimlich nervig, wenn man - besonders in meinem Alter - ohne Freund dann als "forever alone" gilt. Ich bin vielleicht alone, aber (wahrscheinlich, haha) nicht forever und sicher nicht einsam. Abgehen tut mir auch nix. Gezielt auf die Suche gehen hat auch was grusliges, find ich :D

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    1. Klebe-Mensch! :D Genialer Ausdruck :D Dazu gehöre ich auch nicht so unbedingt. Ja, eben. Aber du bist meiner Meinung nach auch nicht alone. Du hast ja Freunde und Familie (denk ich mal xD ) und damit Menschen, die dich begleiten. Ein Partner wäre vielleicht das i-Tüpfelchen. Aber keine Existenzgrundlage.

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