26.12.2014

# Rezensionen

[Rezi] Jason F. Wright - Das Weihnachtsglas

Erscheinungsjahr: 2009
Originaltitel: Christmas Jars
Genre: Erzählung
Seitenzahl: 142



Teaser:
Als sie das Glas in ihren Händen drehte, fiel ihr zum ersten Mal die Aufschrift auf: Weihnachtsglas, handgeschrieben in Rot und Grün, quer über das zwanzig Zentimeter große Glas.




Handlung
Hope ist eine aufstrebende Journalistin bei der städtischen Zeitung; nach jahrelanger harter Arbeit hat sie es von der einfachen Praktikantin zu einer voll verantwortlichen Redakteurin geschafft. Zusammen mit ihrer Adoptivmutter hat sie die Weihnachtstradition, an Heiligabend in einem bestimmten Diner an einem bestimmten Platz zu sitzen und ein leckeres Essen zu genießen. In diesem Jahr ist ihre Mutter allerdings verstorben und an Weihnachten holt die mit Arbeit verdrängte Tradition die arme Hope ein. Als sie von ihrem einsamen und traurigen Weihnachtsessen nach Hause kommt, kommt noch eine bittere Überraschung dazu: in ihre Wohnung wurde eingebrochen und ihre Wertsachen sind allesamt weg. Als sie völlig verzweifelt nach draußen zum Durchatmen geht, findet sie ein herrenloses Glas mit der Aufschrift "Weihnachtsglas". Dieses ist bis obenhin gefüllt mit Münzgeld und auch ein paar Scheinen - alles in allem eine stattliche Summe, die Hope zwar nicht ihren Verlust ersetzen lässt, aber ihr auf emotionaler Ebene enorm weiterhilft. Als engagierte Journalistin riecht sie in diesem Glas ihre erste Titelstory und beginnt nach der Herkunft zu forschen.

Meine Meinung
Weihnachten ist die einzige Zeit des Jahres, in der Kitsch nicht nur erlaubt, sondern sogar gefordert ist. Und diesen Anforderungen wird das kleine Büchlein hier absolut gerecht.

Hopes Geschichte ist ein bisschen dramatisch und sowohl von Verlusten als auch von großem Glück geprägt. Ihr Leben fing schon gleich ziemlich schlecht an. Ausgesetzt von einer Mutter, die sie offensichtlich nicht ernähren konnte, wurde sie von der alleinstehenden Louise gefunden und gleich liebevoll aufgenommen. Ihre Kindheit war sehr glücklich und Mutter und Tochter waren ein eng zusammengeschweißtes Team.
Nach Louises Tod hat Hope nur noch ihre Arbeit, in die sie alle ihre Energie steckt. Dass ihre Mühe belohnt wird, ist nur ein schwacher Trost und nach dem Einbruch in ihrer Wohnung scheint sich die Welt für ein paar Momente völlig gegen sie gestellt zu haben. Doch dann findet sie ihr Weihnachtsglas und das Blatt wendet sich. Weniger, weil sich die äußeren Umstände so sehr wandeln, sondern mehr, weil sich in Hopes Innerem so viel tut.

Bei ihren Nachforschungen um den Ursprung des Glases lernt Hope eine nahezu ideale Familie kennen: sie haben sich ein sicheres Leben mit einem handwerklichen Betrieb aufgebaut und leben in schönster Harmonie zusammen. Hope, die nie ein solches Familienidyll erlebt hat, wird schnell und herzlich bei diesen Menschen aufgenommen und bald auch in das große Familiengeheimnis eingeweiht. Die Familie verschenkt nämlich in jedem Jahr "Weihnachten" in Form eines Einmachglases, in dem sie das gesamte Jahr über ihr Kleingeld sammeln. An Weihnachten suchen sie sich eine Person aus, die vielleicht auch das Geld, aber in erster Linie ein bisschen Liebe und Positivität nötig hat, und überlassen dieser dann anonym das Glas.

Eine rührende Geschichte, die ganz dreist auf den emotionalen Weihnachts-Sentimentalitäts-Zug aufspringt und mit ein paar stereotypen Figuren einige schöne und viel zu selten gedachte Gedanken formuliert. Kurz und knackig ein hübsches Geschichtchen vielleicht auch zum Vorlesen für kleine Geschwister. 3 solide Wölkchen von mir dafür.


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