12.12.2014

# Rezensionen

[Rezi] Kai Meyer - Asche und Phönix

Erscheinungsjahr: 2012
Genre: Fantasy
Seitenzahl: 459



Teaser:
In Lyon hatte Ash seine Narben gesehen, an den Armen und am Bauch: streichholzlange Schnitte, einer neben dem anderen, und auch ein paar größere, auf die sie nur einen kurzen Blick hatte werden können, als er aus der Dusche gekommen war.




Handlung
Unsichtbar fristet Ash ihr Leben in London - von niemandem wahrgenommen und völlig zufrieden damit. Ihren Pflegeeltern ist es egal, wo sie sich rumtreibt und so hat sie sich einer ominösen Gruppe angeschlossen. Menschen, die in fremde Wohnungen einbrechen und dort leben, während die Besitzer gerade auf Reisen sind. Wenn sie wieder gehen, hat sich im Idealfall nichts in der Wohnung verändert - kein Essen fehlt, kein Dekostück ist verschoben, nichtmal ein fremder Geruch steht in einem der Zimmer.
Um sich ihr Essen zu verdienen, jobbt Ash außerdem als Zimmermädchen in großen Hotels. Aber nur, um ihrer eigentlichen Profession nachzugehen - dem Diebstahl. Wenn die großen Stars und Sternchen zu Filmpremieren und weiteren offiziellen Anlässen ihre Zimmer verlassen haben, steckt Ash dort alles an Bargeld ein, was sie finden kann. Bis sie eines Tages erwischt wird. Von Parker Cale, dem Hauptdarsteller des beliebtesten Teenie-Films aller Zeiten. Doch anstatt sie bei der Polizei anzuzeigen, lässt er sich von Ash unbemerkt aus dem Hotel bringen und zieht sie mit in eine abstruse Geschichte aus Seelenverkäufen, Familiendramen und einem waschechten Pakt mit dem Teufel - oder sowas ähnlichem.

Meine Meinung
Wenn man die Inhaltsbeschreibung dieses Buches liest, weiß man eigentlich schon mehr oder weniger, worauf man sich einlässt. Vielleicht aber eher weniger als mehr. Denn obwohl die angelegte Liebesgeschichte sehr vorhersehbar ist, überrascht das Buch dennoch - nur auf einer anderen Ebene.

Teilweise habe ich mich dabei erwischt, wie ich die Geschichte als weltlich gewordene Kritik an der gesamten Popkultur interpretiert habe. Das ist vielleicht ein bisschen zu hoch gegriffen und dichtet der Geschichte einen nicht vorhandenen Anspruch zu, aber unteranderem kann man sie definitiv so lesen.

Nehmen wir zunächst einmal Parker Cale, der Jungstar der aktuellen Filmindustrie. Ihm liegen sämtliche Fangirls zu Füßen, er räumt alles ab, was geht. Mit einer einzigen Hauptrolle in den Verfilmungen einer Fantasy-Buchreihe. Wer sich da nicht direkt an den gesamten Twighlight-Hype erinnert fühlt, dem kann ich auch nicht helfen. Parker selbst findet seine Rolle, die ihn zum Erfolg geführt hat, mehr als furchtbar. Sie erfüllt weder seinen Anspruch an qualitative Schauspielerei, weil sie ihm einfach zu platt konzipiert ist, noch hält er überhaupt irgendwas von der Marketing-Maschinerie dahinter. Außerdem ist er zermürbt von der Presse und den Fans, weil er ständig im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht. Was er gleichzeitig verabscheut und braucht wie eine Droge. Also geigt er seinem Vater, der alle Fäden in der Hand hält, öffentlich die Meinung, und tritt damit eine regelrechte Lawine los.

Denn da taucht auch schon der personifizierte Pop selbst auf - Libertaque, der sich von dem Ruhm anderer ernährt. Sucht nach Ruhm ist ein zentrales Thema im gesamten Roman, aber in dieser Figur konzentriert sich diese Sucht aufs Höchste. Allerdings - und das finde ich besonders interessant - unterscheidet Libertaque zwischen richtigem und falschem Ruhm - Menschen, die etwas mit einem künstlerischen Anspruch erschaffen und damit berühmt werden, liefern ihm den richtigen Ruhm. Und Menschen wie Parker oder sein Vater, die lediglich Masse für die Massen produzieren, liefern zwar Ruhm, der satt macht, aber sonst nichts kann.
Überhaupt ist es diese Gegenfigur, die mich an dem Roman am meisten fasziniert hat. Weil sie als einzige nicht nach einem bekannten Stereotypen konzipiert ist und man nie wissen kann, was als nächstes mit ihr passiert. Die fantastischen Elemente und die knallharte Kritik am Showbusiness - beziehungsweise an der Motivation vieler Beteiligter - allgemein verbinden sich in pervertierter, zugespitzter Form in dieser Figur.

Ansonsten sind mir zwei, drei logische Brüche in der Geschichte aufgefallen - vor allem am Ende -, was natürlich nicht hätte sein müssen. Auch wird mir ein bisschen zu schwarz/weiß gemalt und die Hauptfiguren sind eher langweilig. Im Endeffekt knüpft das Buch nämlich doch an bekannte Mechanismen an: berühmter, unglücklicher Star PLUS Außenseitermädchen, das die Persönlichkeit und nicht den Ruhm sieht GLEICH wahre Liebe. Also die heimliche Fantasie eines jeden Teenies. Aber wegen der grandiosen Gegenfigur und dem gewohnt mitziehenden meyerischen Schreibstil gibt es dennoch vier Wölkchen von mir.


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