31.12.2015

Silvester-, Neujahrs- und Rückblicksblabla

Da es ja schon keine lieben Weihnachtswünsche an meine liebste Leserschaft gab, hole ich hiermit meine Verpasste Eingliederung in die Blogger-Ritualien nach und reflektiere bzw referiere ein bisschen über das vergangene Jahr 2015.

Eigentlich käme hier nun lediglich ein büchriger Rückblick, aber da ich die letzten drei Monate im Grunde genommen genau ein Buch beendet habe, käme mir das nun lächerlich vor. Auch wenn das Bücherjahr 2015 insgesamt gar nicht so unzufriedenstellend war. 
Dennoch blicken wir ganz kurz zu den Büchern, denn ich möchte meine Top3-Bücher des Jahres 2015 bekanntgeben. Wie das so ist bei meinem durchmischten Geschmack sind sie alle aus verschiedenen Genres und haben mich auf die eine oder andere Art beeindruckt, beschäftigt und berührt.

Unangefochtener Sieger ist für mich in diesem Jahr der liebe Herr Eco mit seinem "Foucaultschen Pendel" gewesen. Warum?

Wochenlang schon freue ich mich darauf, endlich diese Rezi schreiben zu können. Denn schon nach dem ersten Drittel zeichnet sich die Genialität dieses Werkes ab. Es ist ein Feuerwerk! Ein Fest! Eine absolute Freude dieses Buch zu lesen!
(Zitat aus der Rezi)

Keine leichte Lektüre, aber wenn man sich darauf einlässt, dem ganzen eine Chance gibt, und eine Vorliebe für postmoderne Literatur hat, ist dieses Buch ein absoluter Lesegenuss! ♥


Auf Platz Zwei ist ebenfalls ein ganz schöner Wälzer; allerdings mit einer völlig anderen Thematik und einem wesentlich eingängigeren Stil. Mein Fazit direkt nach dem Lesen lautete:

Das Lesestündchen jeden Abend war immer ein bisschen wie nach Hause kommen, weil man viele Figuren von Geburt an begleitet und ihre Entwicklungen beobachten kann. Deshalb war ich auch ein bisschen traurig, als das Buch dann doch irgendwann dem Ende zuging. Einen so gut recherchierten historischen Roman habe ich lange nicht mehr gelesen.
(Zitat aus der Rezi)

Ein absolut tolles Buch, auf dessen Fortsetzungen ich mich schon total freue und die sicher auf der Leseliste für das kommende Jahr stehen!


Und hier stellvertretend auf dem Treppchen der erste Teil meiner liebsten Jugend-Trilogie, die ich dieses Jahr gelesen habe. Ursula Poznanski rockt einfach.

Leute, diese Reihe hat mich völlig geschafft. Ständig taucht ein neues Teil auf, das eine Verschwörung-Verschwörungs-Verschwörung aufdeckt und immer mehr Blick auf die Hintergründe freigibt, die so viel weitere Kreise ziehen, als die Sphäre Vienna oder der Clan der Schwarzdornen.
(Zitat aus der Rezi zum 3. Teil)

Dieses Jahr hat sich bei mir eine regelrechte Abneigung gegen Jugend- oder YA-Literatur entwickelt, weil Charaktere und Storys doch meistens sehr platt sind. Aber dieses hier rettet die Ehre des gesamten Genres!


Soviel also dazu. Ansonsten hat der Blog vor allem im letzten Halbjahr leider ziemlich geruht und ich denke, das wird sich auch noch eine Zeit lang so fortsetzen. Dennoch versuche ich, bei euch weiterhin fleißig zu lesen und freue mich nach wie vor über Kommentare (die ich irgendwann beantworte! Irgendwann!)
Was waren eure Lese-/Film-/Serienhighlights im letzten Jahr? Und kennt ihr die Bücher, von denen ich oben rumschwärme?

Ich wünsche euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr, ein zauberhaftes Silvester und einen tollen Start ins Jahr 2016! ♥

27.12.2015

[Musik] Sonntagslieder #131

Weihnachten kommt erst schleichend, steht dann plötzlich vor der Tür und ist genauso plötzlich wieder vorbei. So würde ich zumindest empfinden, wenn nicht im elterlichen Wohnzimmer noch bis mindestens Ende Januar der kunterbunt geschmückte Tannenbaum als allgemeine Raumdekoration stehen würde. Dennoch sind natürlich die Feiertage nun vorbei und am morgen beginnt wieder der Alltagstrott - nur noch unterbrochen durch das neue Jahr und ab dann wieder gänzlich im Haus des Wahnsinns angelangt. Ein bisschen freue ich mich allerdings darauf, waren doch die letzten Monate alles andere als alltäglich und auch für den Jahresanfang sind wieder einige Ausbrüche aus der Routine geplant. Aber was auch immer kommt, Weihnachten war wie jedes Jahr die ideale Gelegenheit, alles ruhen zu lassen und nun bald mit neuer Energie und erhöhter Motivation anzupacken. Und deshalb kann und werde ich noch nicht damit aufhöre, Weihnachtslieder zu hören. Denn tatsächlich habe ich sie noch nicht satt. Und ihr hoffentlich auch nicht ;)


Under the Christmas Tree
Bob Gulley


Liebste Textstelle:
The songs I love on the radio
The people I love on the way
I'm wishing once again the world could always be
a holiday, just a holiday!


Ich komm' jetzt heim
Tonbandgerät


Liebste Textstelle:
Ich bin gestolpert, bin geflogen,
War weit unten und ganz oben,
Ich bin viel zu lange auf den Beinen,
Ich komm' jetzt heim.


Always look on the bright sight of Life
Monty Python


Liebste Textstelle:
If life seems jolly rotten there's something you've forgotten
And that's to laugh and smile and dance and sing
When you're feeling in the dumps don't be silly chumps
Just purse your lips and whistle, that's the thing


Gerade, wenn Freunde und Familie in alle Himmelsrichtungen verstreut sind, ist es besonders lustig und toll, sie zu so einer sentimentalen Zeit wie Weihnachten alle auf einem Haufen zu haben. Dieses Jahr war es wirklich ganz besonders schön, und auch die alte Familientradition, an einem der beiden Feiertage "Das Leben des Brian" zu schauen, wurde wieder aufleben lassen. 
Ich hoffe, ihr habt auch ein paar schöne Tage verbracht und seid nun bereit dafür, ins neue Jahr zu tanzen!♥

13.12.2015

[Musik] Sonntagslieder #130

Da ich mir für die kommenden Blog-Einträge vorgenommen habe, nicht zu jammern und allgemein keine negative Stimmung zu verbreiten. Daher wechsele ich nun einfach die Perspektive und schreibe den Mecker-Text, den ich schon im Kopf hatte, ein bisschen um. Denn: ich bin noch überhaupt nicht in Weihnachtsstimmung. Aufgefallen ist mir das gestern, als mir bewusst wurde, dass es nur noch runde zehn Tage bis Heiligabend sind und ich weder das Bedürfnis nach meinen weihnachtlichen Nagellacken verspürte, noch kleine Geschenkchen für alle Leute in meinem Umfeld kreiere und schön verpacke und! noch nicht einmal eine Weihnachtsplaylist angelegt habe. Die aus dem letzten Jahr ist leider mit meiner geschrotteten Festplatte ins Nirvana eingezogen, sodass es einfach keine solche Playlist gibt. Meiner messerscharfen Analyse zufolge liegt dieses Versäumnis hauptsächlich im fehlenden Schnee begründet. Und bei genauer Betrachtung ist das eigentlich wirklich positiv, denn es ist nicht kalt. Nicht kalt ist gut. Ich hatte in diesem gesamten Winter noch keine Blasenentzündung, die Busse kommen so pünktlich wie immer, weil sie nicht von einzelnen Schneeflocken am Fahren gehindert werden und dennoch ist es kühl genug, damit alle Stechmücken etc von der Bildfläche verschwunden sind. Wenn das mal nicht ein wahres Weihnachtswunder ist.
Aber trotz allem habe ich mir vorgenommen, ab morgen an meiner Einstellung zu arbeiten. Schließlich liebe ich Weihnachten eigentlich über alles, wenn es nicht gerade vom Stress überlagert wird. Also gilt es jetzt, eine Playlist zu erstellen, die Geschenkeproduktion hochzufahren und schnell noch ein paar Kärtchen zu verschicken. Eine Woche ist schließlich noch Zeit, um das ohne großartige Hektik erledigen zu können - das sollte reichen. Aber heute gelten noch die alten Maßstäbe. Und damit auch die alte Playlist. Hier meine liebsten Lieder dervergangenen Zeit:

Schunder Song
Die Ärzte


Liebste Textstelle:
Ich bin nicht stark und ich bin kein Held,
doch was zu viel ist, ist zu viel.
Für deine Aggressionen war ich immer das Ventil [...]
Immer mitten in die Fresse rein!


Mr. Brightside
The Killers


Liebste Textstelle:
But it's just the price I pay
Destiny is calling me
Open up my eager eyes
'Cause I'm Mr. Brightside


The Show Must Go On
Queen feat. Elton John


Liebste Textstelle:
The Show must go on.
Inside my heart is breaking,
My make-up will be flaking,
But my smile still stays on.


Weihnachtlich ist es wirklich alles so kein bisschen. Aber das kommt. Nummer eins läuft im Moment nicht nur sehr oft bei mir zu Hause, sondern auch immer wieder auf der Arbeit, wenn ich nett und freundlich mit anstrengenden Kunden spreche und/oder mich von diesen zusammenfalten lasse. Ebenso wie Nummer 2. Die richtige Musik hilft halt gegen alles. Selbst gegen unglaublich hohe Frustrationsraten.
In diesem Sinne einen entspannten Sonntag und vor allem einen schönen 3. Advent!♥

07.12.2015

[Rezi] Walter Moers - Die Stadt der träumenden Bücher

Erscheinungsjahr: 2004
Genre: Phantastik
Reihe: Zamonien-Reihe, Band IV
Seitenzahl: 455


Teaser:
"Die größte aller Gefahren? Hier? Wo? Wo ist sie?" Ich sah mich panisch um, nach einer fetten Schlange oder einer giftigen Tunnelspinne, aber da war nichts. "Sie steckt in dir", sagte der Homonkoloss. "Die Furcht."





Handlung
Hildegunst von Mythenmetz gehört zu einem von der Natur reich beschenkten Volk - zumindest, wenn man das geschriebene Wort verehrt. Denn Lindwürmer wie er können alle außnehmend gut mit Sprache umgehen, sodass sie allesamt Literaten, Schriftsteller und Dichter sind. Hildegunst ist mit seinen 70 Jahren noch ziemlich jung und erlernt das Dichterhandwerk daher gerade erst noch. Unterstützt wurde er dabei traditionsgemäß von seinem Dichtpaten Danzelot. Nachdem dieser leider verstorben ist, macht Hildegunst sich auf den Weg, um in Zamonien mehr über die Welt und das Leben zu lernen und mit diesem Wissen bald sein erstes eigenes Buch verfassen kann. Danzelot hat ihm zwar wenig materielles vererben können, aber dennoch war etwas sehr Wertvolles unter den Hinterlassenschaften; ein Schriftstück mit einer Geschichte so wundervoll, bewegend, fesselnd und virtuos geschrieben, wie es noch nie zuvor jemand zu Papier bringen konnte.
Hildegunst macht sich also auf den Weg, um den genialen Verfasser des Textes zu finden. Sein Weg führt ihn direkt nach Buchhain, die Stadt der Bücher. Wenn er hier nicht fündig wird, dann wohl nirgendwo.

Meine Meinung
Wo soll ich bei der Motivvielfalt, die dieses Buch durchzieht, bloß anfangen mit meinem Loblied? Denn der folgende Text wird genau das sein: Ausdruck meiner Begeisterung für diese liebenswerte Geschichte, die mich zu hildegunst nach Zamonien gebracht und dort eine zeitlang großzügig beheerbergt und vorzüglich unterhalten hat.

Hildegunst von Mythenmetz, der fingierte Autor des Textes, ist der Ich-Erzähler und als solcher Hauptidentifikationsfläche. Weil er ein ziemlich komplex angelegter Charakter ist, gelingt diese Identifikation auch sehr gut; seine Persönlichkeit umfasst facettenreiche Eigenschaften, die von herablassend, neugierig und unglaublich naiv bis hin zu empathisch und leidenschaftlich ist alles dabei.
Generell die Figuren - ein Traum! Nicht nur, dass sie an sich sowohl von einer umfassenden Literaturkenntnis des Autors sprechen, sie sprechen auch gestalterisch von unglaublich viel Fantasie und Liebe zum Detail. Außerdem sind sie charakterlich toll angelegt, dass ich mich über jede auftauchende Spezies riesig gefreut habe. Meine unangefochtenen Helden allerdings sind und bleiben die vielleicht doch nicht ganz so schrecklichen und von vielen anderen Lesern des Buches geliebten Buchlinge♥

Relativierenderweise muss ich gestehen, dass sich ein Leserausch bei mir erst im letzten Drittel eingestellt hat, ansonsten haben die zahlreichen genauen Beschreibungen von Umgebung, Gefühlen und Geschichten durchaus ihre Längen. Aber aufmerksames Lesen lohnt sich trotzdem - ist doch alles gespickt mit massenweisen Anspielungen und Reflexionen zur Literaturproduktion. Im Grunde ist das Buch wie ein Spiegel von einem Buch - ein Spiegelbuch sozusagen - über den Schaffensprozess bis zu den Gesetzmäßigkeiten des Buchmarktesalles thematisiert.

Wunderschön ist nicht nur der Text an sich, sondern auch die tollen Illustrationen, die Moers selbst angefertig hat und die der Geschichte nochmal eine ganz eigne Art von Leben einhauchen.

Insgesamt wurde ich sehr sehr gut unterhalten und vergeben daher gerne 4 Wölkchen inklusive einer großen großen Leseempfehlung. Es ist zwar ein dickes Buch mit ein paar Längen, aber es lohnt sich, diese zu besiegen.


03.12.2015

Der Irrsinn hat einen Namen. Oder: Willkommen im Einzelhandel

Die ohrenbetäubende Stille, die sich hier breit macht, ist natürlich trotz gegenteiliger Vorsätze und Ankündigungen mehrmals der inhaltliche Aufhängers eines Posts geworden. Aber viel wichtiger und vor allem viel gehaltvoller ist doch der Grund für diese Stille. Denn natürlich gibt es einen. Es gibt immer einen Grund. Oder mehrere. Kausal betrachtet sind es auch in diesem Fall mehrere Gründe, die sich in einem ganz spezifischen Phänomen konglumieren: dem Einzelhandel zur Vorweihnachtszeit *bam bam baaam*

Wie natürlich niemand weiß, überziehe ich zur Zeit fröhlich die Regelstudienzeit (unter Zeitdruck kann ich zwar arbeiten, aber es macht mit keinen Spaß. Und ob das jetzt streberhaft klingt oder nicht - die Master-Arbeit soll mir Spaß machen und tut es auch. Zeitweise nicht. Aber auch.) und damit setzte mich das BAFöG-Amt eiskalt und herzlos vor die Tür. Aber weil das hier keine Tirade über die unflexiblen Gestaltung der Fördermaßnahmen des BAFöGs werden soll - denn im Vergleich zu anderen Ländern sind wir in Deutschland doch meistens noch ganz gut unterstützt - kommen wir nach dieser Info direkt zum Knackpunkt: für Geld tut man vieles. Manche Leute drehen Pornos, andere tragen Zeitungen aus und wieder andere versuchen sich als Youtube-Online-Star. Jeder nach seinem persönlichen Narziss, seinem Gusto und idealerweise nach seinen Talenten. Selbige habe ich vermutlich in durchschnittlich höher (oder niedriger) Anzahl; wie auch immer geartete Arbeit vor der Kamera oder mit Printmedien gehört nicht dazu. Also bleiben als kurzfristige Geldbeschaffungsmaßnahme zwei Möglichkeiten: Gastro oder Einzelhandel. Und weil ich nicht nur außnehmend talentiert bin, wie wir geklärt haben, sondern auch noch unglaublich intelligent, hatte ich die grandiose Idee, über die Vorweihnachtszeit als Aushilfe in einem mehr oder weniger bekannten und verbreiteten Laden im ortsansässigen Einkaufszentrum anzuheuern.

Ich möchte nicht sagen, dass das die dümmste Idee war, die ich je hatte - direkt nach der Entscheidung, den Inhalt eines Aschenbechers zu essen, die ich als Zweijährige getroffen habe. Aber. Die Leute haben alle absolut einen an der Waffel. 
Wer mit Menschen arbeitet, weiß, wovon ich rede. Wer das nicht tut, erhält hier eine kostenlose Lektion aus dem Kunden-Knigge. Den es leider nicht gibt. Den es aber dringend geben sollte. Denn manche Leute denken wirklich, als Kunde sind sie König. Wenn sich Könige benehmen wie manche Kunden, gibt es eine Revolution. Fragt mal die Franzosen.

Aber gut. Um meinen seelischen Zustand besser nachvollziehen zu können, wende ich den guten alten Journalisten-Trick an und füttere den geneigten Leser mit Beispielen.
Beispiel 1: Kunden, die sich erst an der Kasse während des Kassiervorgangs nochmal anschauen, welchen Krimskrams sie da eigentlich seit zwei Stunden in ihrem Korb mit sich herumschleppen und dann eine Pro/Contra-Liste aufstellen, ob sie dieses oder jenes Teil nicht vielleicht doch lieber im Laden zurücklassen, aber es ist doch so niedlich, oder doch lieber in blau, oder ist das doch nichts für die Großmutter/Tante/Katze, aber ja, aber nein, aber doch. Währenddessen vervierfacht sich die Anzahl der in der Schlange wartenden Kunden, aber das lässt unseren Unentschlossenen völlig kalt, so versunken ist er in seinen Gedankengängen. Und die arme Person an der Kasse? Sucht verzweifelt nach einer höflichen Formulierung für "entscheid dich entweder sofort oder pack dein Zeug wieder ein, stell dich in die Ecke und komm erst zurück, wenn du weißt, was du willst". Fun Fact: es gibt keine höfliche Formulierung dafür. Es bleibt einem nur übrig, sein zuckersüßtes Lächeln aufzusetzen und geduldig abzuwarten, bis die Entscheidungsfindung abgeschlossen ist.
Beispiel 2: Kunden, die es nicht als notwendig empfinden, zu grüßen, sich zu bedanken, sich zu entschuldigen, wenn sie etwas kaputt machen oder generell soziale Interaktion mit den Angestellten für eine optionale, nicht weiter beachtenswerte Angelegenheit halten. Die schmeißen (und ja, ich meine schmeißen: mit Schwung und voller Absicht) dann auch gerne mal ihre Ware gleich gefolgt von der EC-Karte auf das Kassenpult und drehen sich dann sofort halb von der Kasse weg - dieser lästigen Person hinter der Kasse und dem Bezahlvorgang überhaupt offensichtlich und natürlich zu recht überdrüssig. In diesem Fall wende ich gerne meine bewährte je-unhöflicher-du-mich-behandelst-desto-ausgesucht-freundlich-aber-dumm-und-langsam-behandele-ich-dich-Methode an. Das erzwingt nämlich selbst von diesen Hobby-Soziopathen eine Reaktion. "So, der Schal soll es also sein?" - "Natürlich, sehr gerne. Wie möchten Sie zahlen, etwa mit EC-Karte (Subtext: oder ist die ihnen vielleicht nur aus Versehen aus der Hand gerutscht, was die verzeihlichere Variante wäre)?" - "Ach, den Vorgang hat die Kasse leider nicht akzeptiert, da müssen wir wieder von vorne anfangen" und so weiter. Die Variationsmöglichkeiten sind enorm. Um nicht zu sagen manigfaltig.
Beispiel 3: Kunden, die das Prinzip des Anstellens nicht verstehen. Und damit meine ich keine kleinen, gebeugten Omis mit ihrem Rollator, denen vielleicht der Überblick im Laden fehlt und die sich deshalb einfach irgendwie irgendwo anstellen. Die transportieren ja meistens nur Kleinigkeiten herum und sind daher schnell bedient. Ich meine Leute, die sich bewusst und mit einer Selbstverständlichkeit vordrängeln, weil sie zum Zug müssen/aufs Klo wollen/das Parkticket abläuft/der Hund nicht so lange allein sein kann/der Korb so schwer ist oder oder oder, das es wirklich schon frech ist. Diese Kunden sind mir aber dennoch fast die liebsten, weil es in diesem Fall weniger mir obliegt, sie in die Schranken zu weisen (was ich im Zweifel allerdings ebenso liebend gerne wie höflich und charmant lächelnd zum Wohle der Gemeinschaft tue), sondern es mehr an den zurückgedrängten Kunden selbst ist, ihre Position zu verteidigen und den Drängler in seine Schranken zu weisen. Und das beste daran: Kunden müssen zu Kunden nicht höflich sein. Die können sie gegenseitig so viel anmeckern, wie sie wollen. Und das kanalisiert dann unter Umständen meinen eigenen Mecker-Drang.

So könnte ich wirklich ewig weitermachen. Leute, die ihr ganzes Leben lang im Einzelhandel arbeiten, müssen hunderte Bücher mit den Absonderlichkeiten der Kunden füllen können. Ich belasse es allerdings fürs erste hiermit und möchte nur noch mit den Worten schließen, dass es mindestens genauso viele freundliche, unkomplizierte Kunden gibt wie besagte Pappnasen, mit denen man über den neuen 20€-Schein lästern und sich auf die Weihnachtsplaylist im Radio freuen kann. Und denen ist es auch zu verdanken, dass der Job Spaß macht. Denen und den Kollegen, die mit einem zusammen Pappkartons kleintreten, wenn es mal alles arg schlimm war und die Wut raus muss.

29.11.2015

[Musik] Sonntagslieder #129

Das gute an Formaten ist ja, dass sie wenig Kreativität erfordern und daher mit möglichst geringem Arbeitsaufwand in die Welt rausgehauen werden können. Und was für faule und nicht innovative Youtuber gilt, kann natürlich auch und vor allem in der Blogger-Welt angewendet werden. Obwohl 'faul' in meinem Fall eigentlich nicht so richtig zutrifft. Aber vielleicht rede ich mir das auch nur ein, um mein ohnehin schon instabiles Seelenleben nicht noch mehr zu belasten.

Jeeeeeedenfalls war die vergangene Woche musiktechnisch mal wieder voller Highlights, sodass es mir ganz schrecklich schwer fällt, überhaupt drei Lieder aus dem Topf rauszupicken. Dafür sind aber die Bands ziemlich schnell und ohne Diskussion klar. Denn mit dem liebsten Schwesterherz war ich in dieser Woche auf einem wundervollen Konzert und wie der aufmerksame Leser weiß: überzeugt mich eine Band live, läuft sie nach dem Konzert in meiner Playlist rauf und runter. Mindestens eine Woche lang. Und je nach Tagesform länger und generell auch immer wieder. Und da selbst mein kritisches, sowohl Vorband als auch Hauptact nicht kennende Schwesterlein begeistert wurde, steht außer Frage, was seitdem bei uns rauf und runter läuft.

Halbmond
Tonbandgerät


Liebste Textstelle:
Ich hab immer nur halb verstanden,
Wie so viel enden kann, nur weil irgendetwas geht.
Ich verlier langsam was ich kannte,
Weil das so nicht in den Skripten steht.


Vorher leben 
Domi, bade!


Liebste Textstelle:
Tut mir leid, denn ich bin leider viel zu viel unterwegs,
Ich trinke viel zu viel Schnaps und brauche zu viel Kaffee.
Ich bin im besten Alter und auf dem allerbesten Weg.
Zwar keine Ahnung, wohin, aber nicht das Ziel ist das Werk.


Sekundenstill
Tonbandgerät


Liebste Textstelle:
Wir haben uns mal geschworen, wir werden nie erwachsen. 
Wir werden einfach älter und den Rest werden wir lassen. 
Und ich glaub, das kriegen wir auch sehr gut hin.



Nummer 1 hat mich beim ersten Mal hören doch tatsächlich fast zum Weinen gebracht, was eindeutig für die Qualität des Lieds steht. Und während ich diesen Text hier schreibe, klimpert (äähm, spielt wunderschön) meine Schwester dieses Lied auf der Gitarre. Und mit Nummer 2 und 3 kann ich mich grad einfach sehr gut identifizieren - da ist die liebste Textstelle auch eher stellvertretend für den ganzen Text ♥

18.11.2015

Leserückblick Oktober 2015

Um den guten Vorsätzen direkt auch inhaltlich etwas folgen zu lassen, schiebe ich sehr verspätet den üblichen Statistik-Post hinterher. Allerdings bedurfte auch dieser wieder einer kleinen Umstrukturierung, von der ich mir aber noch nicht sicher bin, ob wir hiermit schon bei der finalen Version angekommen sind. Das wird sich im Laufe der Zeit noch zeigen.

Gelesene Bücher

Cassandra Clare - Clockwork Princess (3/5) Hier lang zur Rezi
Sebastian Fitzek/Michael Tsokos - Abgeschnitten (3,5/5) Hier lang zur Rezi
Rebecca Gablé - Das Lächeln der Fortuna (5/5) ♥ Monatshighlight ♥ Hier lang zur Rezi
Eva Menasse - Quasikirstalle (3,5/5) Hier lang zur Rezi

//2615 Seiten insgesamt // 3,8 Wölkchen Durchschnittsbewertung //


Gelesene Artikel
Der abschließende Artikel einer interessanten und komplexen Essay-Reihe, in der das Konzept Europa aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet wird. Gerade auch in Anbetracht der aktuellen Ereignisse einen Blick wert. 

Über engagierte Literatur (Die Zeit Magazin, 03.11.15)
Harald Martenstein gehört zu den Leuten, mit denen ich zwar nicht immer einer Meinung bin, die ich aber gerade deswegen umso mehr bewundere. In dieser Kolumne über die Funktion von Literatur stimme ich allerdings absolut zu.

Reaktionen auf das Youtube-Handy (Chip online, 22.10.15)
Einige werden vielleicht mitbekommen haben, dass unter den sich selbst vermarktenden Youtubern eine ganz besonderes Glück mit einem fleißigen Management hat, denn Bibi bringt nicht nur Kosmetik, sondern auch eine Theme-Handy auf den Markt. Während die Produkte eher langweilig bis irrelevant sind, machen die Twitter-Reaktionen darauf schon mehr Spaß. Häppchenweise aufbereitet in diesem Artikel.


Diverses
Im Oktober hatte mich die Leseflaute offensichtlich noch nicht erreicht, sodass neben allem, was man so täglich liest, um up-to-date zu bleiben oder sich zu entspannen, noch weitere Buchstaben in ihrer semantischen Kombination von mir erfasst wurden. Nämlich Inhaltsstoffe von Kosmetikprodukten.
Eigentlich bin ich in diesem Gebiet absolut nicht bewandert, aber der sich stetig verschlechternde Zustand meiner Haut hat mich dazu gezwungen, Gegenmaßnahmen zu ergreifen und mich ein bisschen weiterzubilden. Mit Erfolg! Zwar kann ich nach wie vor nicht sagen, ich wüsste, was die einzelnen Stoffe tun oder nicht tun, aber immerhin habe ich nun ein wenig Übersicht darüber, was in meinem Gesicht Irritationen hervorruft. Dieses Waschgel links im Bild übrigens nicht. Dafür brennt es in den Augen. Aber man kann nicht alles haben. Wenn ich demnächst davon erblindet bin, kann ich es auch wieder wechseln, dann sehe ich die Pickel in meinem Gesicht, die andere Waschgele verursachen ja nicht mehr ;D

15.11.2015

[Musik] Sonntagslieder #128

Sätze wie "Still ist es hier auf dem Blog im Moment" oder "Ich konnte leider schon länger nichts mehr posten, weil..." sind ja etwas, was ich für mich eigentlich kategorisch ausschließe. Die Posting-Lücke ist ja schließlich ziemlich offensichtlich und bedarf keiner eigenen Erwähnung. Zumal ich generell dagegen bin, inhaltliche Leere mit sich selbst zu kompensieren. Wenn man Nichts mit Nichts füllen will, kommt bekanntlich nur noch mehr Nichts heraus - sofern man Nichts überhaupt steigern kann. -- Notiz an alle Hobby-Mathematiker: in der realen Welt wir aus Negativ x Negativ leider nur äußerst selten Positiv. --

Dennoch kann ich mich des Reflexes nicht erwehren, wenigstens ein bisschen an Erklärung für die aktuell sehr ruhige Lage hier zu liefern. Wenn auch hauptsächlich als kleine Bestandsaufnahme und Reflektionsplattform für mich selbst. Obwohl ich mich selbst wohl kaum über die allgemeine Schreibblockade aufklären muss, die seit drei Wochen sowohl den Blog, die Master-Arbeit und diverse andere Schreibkompetenz erfordernde Aktivitäten meines Alltags sabotiert. Vor allem gegen Jahresende kommt manchmal einfach zu viel zusammen, das geistige Präsenz erfordert, und das hat irgendwann seinen Preis. Bei mir schlägt sich das nun leider in einer absoluten Verweigerungshaltung nieder, die zuweilen stärker als das Pflichtempfinden ist und deshalb einfach alles liegen lässt. Nach nun einer Woche bewusster (Denk-)Pause habe ich aber glücklicherweise das Gefühl, es geht wieder bergauf. Zumindest lässt der Anfall von Renovierungsbedarf bezüglich des Haus des Wahnsinns darauf schließen. Denn als erste Amtshandlung habe ich gleich mal die Sonntagslieder ein bisschen reformiert.

Dirty little Secret
The All American Rejects


Liebste Textstelle:
Who has to know 
When we live such fragile lives? 
It's the best way we survive 
I go around a time or two 
Just to waste my time with you 

Dance, Dance
Fall Out Boy


Liebste Textstelle:
Weighed down with words 
Too over-dramatic 
Tonight it's a "Can't get much worse" 
And a "No one should ever feel like"

Hurra
Die Ärzte


Liebste Textstelle:
Gestern ging es allen dreckig, heute geht es steil bergauf. 
Jeder hat sechs Richtige - alle sind total gut drauf. 
Europa, Asien, Afrika, Australien und Amerika: 
Friede, Freude, Eierkuchen - alle singen jajajaaaaa.  


Praktischerweise habe ich für dieses Mal Lieder rausgesucht, die relativ platte Texte haben (abgesehen selbstverständlich von den Ärzten; da werden die Ironie und Vielschichtigkeit des Textes selbst ohne Zusammenhang durchaus deutlich). Jedenfalls trällern momentan eher softe Gitarren in meiner Playlist. Hauptsächlich, weil ich noch keine Lust auf die herbstwinterdepressiven melancholischen Lieder habe, die normalerweise um diese Zeit Einzug halten. Beziehungsweise erlaube ich den Einzug nicht, um die Stimmung hier wenigstens ein bisschen oben zu halten :D
Jedenfalls hoffe ich, dass es ab jetzt wieder besser klappt mit meiner Teilnahme an der Blogger-Welt. Einen schönen und gemütlichen Sonntag wünsche ich allerseits und bis ganz bald! ♥

08.11.2015

[Rezi] Kerstin Gier - Silber. Das ditte Buch der Träume

Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Jugend, Fantasy
Reihe: Silber-Reihe, Teil III
Seitenzahl: 462



Teaser:
Er sollte nicht denken, dass wir Angst vor ihm hatten. Ich warf also nur einen kurzen, möglichst verächtlichen Jaguarblick auf die Worte "Carpe Noctem", die in die glatte Metalloberfläche seiner Tür gehämmert waren, da wandte ich den Kopf ab und scannte weiter die Umgebung.


*Achtung! Spoilergefahr!*Achtung! Spoilergefahr!*Achtung! Spoilergefahr!*

Handlung
Dass sowohl von Arthur als auch von Anabel jeweils nach wie vor große Gefahr ausgeht, war ja zu erwarten. Dass diese beiden Probleme nicht die einzigen drohenden Dramen sind, die auf Liv Silber zurrollen, ebenfalls. Allerdings ist sie selbst daran nicht völlig unschuldig - zwar kann sie nichts dafür, dass Anabel völlig durchgeknallt und Arthur in ungesundem Maße rachsüchtig ist; und auch an der Sabotage der Hochzeitspläne ihrer Mutter durch das Bocker hat sie wirklich keinen Anteil. Das schlechte Gewissen, dass sie wegen einer nicht ganz so kleinen Lügengeschichte gegenüber Henry hat, ist allerdings ganz und gar ihr Verdienst. 
So hat sie also nicht nur an der Traum-Front weiterzukämpfen, wo Arthur einen wirklich schrecklichen Plan ausgeheckt hat, um sich an seinen ehemaligen besten Freunden zu rächen, sondern muss auch noch diverse zwischenmenschliche Probleme lösen. Und eins haben Traum und Wirklichkeit ja auch gemeinsam: mit ein bisschen Phantasie ist da schon viel geholfen!

Meine Meinung
Ja, was soll ich sagen? Teil I und II mochte ich wirklich gerne und habe deshalb den finalen Band der Trilogie freudig erwartet. Um dann ziemlich desillusioniert und ein bisschen enttäuscht zu werden. Denn die Geschichte ist extrem billig - es passiert im Grunde fast nichts und selbst der große Showdown ist nach 3 Sätzen vorbei. Ein Rätsel, wie das 400 Seiten füllen konnte.

Obwohl ich ganz so ungnädig eigentlich wirklich nicht sein möchte. Es ist ja auch nicht so, als hätte die Lektüre mir keinen Spaß gemacht - im Gegenteil ist der altbekannte und beliebte gier'sche Humor auch hier wieder sehr präsent und sorgt für einige Lacher. Vor allem Liv hat einen wirklich schön sarkastischen und trockenen Humor, der mit einer kleinen Prise Drama immer wieder erheiternde Momente mit sich bringt. Auch, wenn sie in diesem Buch an manchen Stellen mindestens überdreht, wenn nicht sogar überzeichnet dargestellt ist, macht es Spaß, die Geschichte aus ihrer Sicht zu verfolgen.

Generell finde ich die Figuren ganz passabel ausgestaltet. Sie sind halt ein bisschen sehr auf ihre Rolle reduziert: Henry, der ritterliche Freund, Grayson, der gutmütige Stiefbruder mit seiner Zwillingsschwester Florence als bösen Gegenpart und so weiter. Da hätte ich mir ein bisschen mehr Dimension gewünscht; vor allem bei Mia sehe ich da nach wie vor einiges an Potential. Sie ist nämlich auch die einzige Figur, die die Handlung mal ein bisschen voran treibt. Aber leider tut sie das parallel zu der Schockstarre von Liv und Co, sodass der Leser davon nur wenig mitbekommt.

Und da wären wir auch schon wieder bei der großen Kritik. Die meiste Zeit der Geschichte verbringen unsere Hauptfiguren nämlich damit, festzustellen, wie schrecklich die Bedrohungen von Arthur und Anabel sind. Vor allem Arthur legt ein solches Dominanzverhalten an den Tag, dass er immer wieder noch einen drauf setzen muss, um zu beweisen, welche Fähigkeiten er durch die Traumwelt erhält. Und jedes Mal sind Liv, Grayson und Henry total schockiert, überrascht und verwirrt. Weil man damit ja jetzt wirklich nicht gerechnet haben kann.
Äh, doch. Es ist ja nicht so, dass Arthur irgendwas verheimlichen würde. Er legt alles ziemlich schnell ziemlich offen. Man könnte also was tun. Aber unsere Helden warten die meiste Zeit lieber erstmal ab. Nicht so gut - weder für sie, noch für den Spannungsbogen.

Die kleine Nebengeschichte mit Secrecy und dem TittleTattle-Blog ist tatsächlich der einzige Handlungsstrang, bei dem ich das Ende nicht vorhergesehen habe und der dadurch wenigstens ein bisschen spannend zu verfolgen war.

Insgesamt also eine eher ernüchternde Bilanz. 3 Wölkchen von mir.

30.10.2015

[Rezi] Eva Menasse - Quasikristalle

Erscheinungsjahr: 2013
Genre: Roman
Seitenzahl: 425




Teaser:
Wie sehr Xane staunte, merkte man an ihrem abgewandten Blick. Sie war in der Urban-Intellectual-Uniform gekommen, Blue Jeans und oben etwas Schlichtes, Teures, Schwarzes.




Handlung
13 kurze Geschichten mit jeweils anderen Protagonisten, die dennoch mit der eigentlichen Hauptperson dieses Buches irgendwie in Verbindung stehen: Xane Molin. Die Entwicklung ihrer Person, die Stationen ihres Lebenswegs kann der Leser mit dieser Geschichtensammlung aus der Perspektive der Beobachtung 2. Grades nachvollziehen: die Geschichten werden (mit einer Ausnahme, bei der Xane selbst zu Wort kommt) aus der Sicht von Figuren erzählt, mit denen Xane Kontakt hat. Zu manchen hat sie eine enge Beziehung - es sind ihre besten Freunde oder Teile der Familie - und andere streifen nur kurz ihren Weg. Daher nimmt jede Figur Xane Molin auch anders wahr, beurteilt sie anders und eröffnet dem Leser daher einen neuen Blickwinkel auf diese Figur. Die Zeitspanne reicht von dem 14-jährigen Mädchen, das Sommerferien hat und große Träume träumt, über ihre Studentenphase, ihre Ehe und ihr Leben in einer Patchwork-Familie bis hin zu der alt gewordenen Xane Molin, die nun mehrfache Großmutter ist. 

Meine Meinung
Dieses Buch enthält eine sehr interessante Geschichte, und ist vor allem spannend konstruiert. Roxane Molin - kurz Xane genannt - ist zwar die eigentliche Hauptperson, doch tritt sie meistens nur am Rande der Geschichte auf, als Teil des Lebensausschnitts einer anderen Figur. Je nachdem, wie nahe sie dieser Figur ist, desto größeren Raum nimmt Xane ein, doch ist sie selbst selten richtig fassbar.
Dennoch verfolgt der Leser Xanes komplettes Leben, ihre verschiedenen Phasen, fast schon stalkermäßig durch das Buch hindurch mit. Es ist ein literarisch sehr stark konstruiertes Buch, das aber inhaltlich ziemlich authentisch (sofern man dieses Wort benutzen möchte) wirkt und seine Qualität weniger in einer spannenden Story, als mehr in einem wirklichkeitsnahen Abbild der Gesellschaft - oder, wenn man nicht ganz so weit gehen möchte, doch einem prototypischen Abbild des Lebens einer Frau innerhalb dieser Gesellschaft - entfaltet und dabei diverse ethische Fragen quasi im vorbeigehen aufwirft.

Betrachtet man die einzelnen Themenkomplexe, die im Laufe des Buches aufgeworfen werden, wird schon ziemlich deutlich, dass es sich hier um die Lebenswelt einer sehr spezifischen Gruppe zu einer bestimmten Zeit dreht. Ich habe mich nie besonders mit der Geschichte Österreichs beschäftigt, und weiß daher nicht, wie der Nationalsozialismus gesellschaftlich aufgearbeitet wurde und wird. Besonders in einem Kapitel wird genau diese Aufarbeitung thematisiert, wenn Xane mit einer studentischen Gruppe und einem Professor nach Auschwitz fährt und das Konzentrationslager besichtigt. Vor allem in diesem Kapitel fand ich, dass die Autorin eine wirklich dichte Atmosphäre erschaffen konnte und die widersprüchlichen Gefühle, die ein solcher Ort in Menschen wecken kann - was ja auch je nach Biografie und seelischer Verfassung variiert - gut und sehr eindringlich dargestellt hat. 

Ist Xane in ihrer Jugend noch damit beschäftigt, die Vergangenheit zu begreifen und sich selbst zu finden, so hat sie später andere Probleme. Mit ihrer Stieftochter zum Beispiel. Aber eigentlich läuft ihr Leben soweit sehr gut. Höhen folgen Tiefen, die wiederum Höhen folgen und dann wieder ein paar Tiefschläge. Sie lebt die meiste Zeit in Berlin und missioniert ein wenig die österreichische Kultur.
Aber obwohl ich so viel faktisch über sie weiß, hatte ich nie das Gefühl, wirklich einen Draht zu dieser Figur zu haben. Zu allen anderen schon. Charakterlich sind die jeweiligen Protagonisten der Kurzgeschichten nachvollziehbar und für den ihnen zugedachten Raum facettenreich ausgestattet. Nur Xane lässt sich nicht so richtig fassen, bleibt schwammig und unnahbar. Der besondere Kniff des Romans ist für mich auch gleichzeitig das große Kümmernis, denn weil Xane immer bloß in verschiedenen Rollen und verschiedenen Altersstufen gezeigt wird, hat man niemals ein Gesamtkonzept von ihr und das ist irgendwie schade. Aber auch spannend. Es ist einfach ein Dilemma.

Jedenfalls habe ich die Lektüre die meiste Zeit über sehr genossen. Es ist schon ein eher eloquenter Schreibstil, der aber dennoch keine komplizierten Satzungetüme beherbergt und die Länge der Geschichten macht es zu einem idealen Bus-Buch. 3 Wölkchen von mir.


26.10.2015

[Rezi] Rebecca Gablé - Das Lächeln der Fortuna

Erscheinungsjahr: 1997
Genre: Historischer Roman
Reihe: Waringham-Family-Reihe, Teil I
Seitenzahl: 1193



Teaser:
Conrad setzte sich zu ihm, und Robin mußte an den Tag denken, als er hier angekommen war. Zum Abendessen war er hier gewesen, und dieser Mann hatte ihn mit solcher Ehrfuchrt erfüllt, daß es ihm die Kehle zugeschnürt hatte. So war es nicht mehr.



Handlung
Das Jahr 1360 ist für den jungen Robin von Waringham ein Jahr voller schlimmer Nachrichten. Nicht nur, dass sein Vater in seiner Funktion als Kronvasall mit dem Schwarzen Prinzen von England gemeinsam im Hundertjährigen Krieg kämpft und bis auf seine jüngere Schwester Agnes alle übrigen Familienmitglieder an der Pest gestorben sind, Robin muss seine Tage in einem Kloster verbringen, um dort von den Mönchen unterrichtet und seinem Stand gemäß erzogen zu werden. Eines Tages wird er vom Abt aus dem Lateinunterricht gerufen und erhält eine schlimme Nachricht: sein Vater wurde wegen Hochverrats verurteilt, all seiner Besitztümer enthoben und hat sich schließlich im Gefängnis selbst erhängt. Nicht nur, dass Robin von den Taten seines Vaters mehr als erschüttert ist, er ist dadurch auch nicht länger der Erbe des Lehens Waringham, sondern ein normaler, mittelloser Zwölfjähriger. 
Dennoch beschließt er, nicht länger in dem verhassten Kloster zu bleiben, sondern endlich nach Hause zurückzukehren. Auch, wenn er kein Recht mehr auf die Burg hat, so ist Waringham doch der Ort, an dem sein Herz hängt. Also flüchtet er aus dem Kloster, schlägt sich nach Waringham durch und findet in den Zuchtställen einen Platz als Pferdeknecht. Sein Leben sieht von nun an völlig anders aus, als er es als junger Adeliger gewohnt war, doch Robins Leidenschaft für Pferde und sein pragmatisches, bescheidenes Wesen sorgen dafür, dass er sich mit den neuen Umständen nicht nur arrangiert, sondern sogar zufrieden damit ist. Wäre nur nicht der Sohn des neuen Earls von Waringham, Mortimer, der als verwöhnter und sadistisch veranlagter Sproß die hart arbeitenden Einwohner tyrannisiert. Robin und Mortimer hassen sich von der ersten Sekunde an und Robins Charakter ist nicht dazu geeignet, ungerechte Autoritäten ohne Widerworte anzunehmen.

Meine Meinung
Dieses Buch erzählt die Geschichte des jungen Robin von Waringham - seinen Weg von dem zwölfjährigen Pferdeknecht zu einem ehrenhaften Ritter. Und das tut es in einer Form, die wohl auch den kritischsten Leser historischer Romane begeistern wird - bei mir zumindest hat es das geschafft und ist damit in den Olymp meiner absoluten Lieblingsbücher aufgestiegen.

Schon gleich von Beginn an lernt man Robin kennen und begleitet ihn und seine Lieben von da an auf ihren verschlungenen und zum Teil extrem gefährlichen Leben. Der Roman erzählt die Geschichte von runden 40 Jahren, in denen Robin mal ober- und mal unterhalb von Fortunas Glücksrad sitzt und dennoch in seinen Grundsätzen niemals erschüttert wird. Die große Stärke dieses Buches ist es, realhistorische Personen und fiktive Charaktere so in der Handlung zu verbinden, dass man den Eindruck hat, auch die fiktiven Figuren gehörten damals wirklich dazu und haben die politischen Entwicklungen im England des Mittelalters maßgeblich mitgestaltet. Von den real existenten Personen sind natürlich die der Königsfamilie und deren Abkömmlinge besonders relevant. Das Haus Lancaster spielt eine wichtige Rolle, und der Leser ist bei allen prägnanten Ereignissen dieser Familie anwesend. Generell erfährt man unglaublich viel über die englische Geschichte, über das Rittertum an sich mit all seinen bindenen Treueschwüren, der komplexen Hochzeitspolitik und den zum Teil lebensgefährlichen Intrigen bei Hofe. Sehr interessant, lehrreich und unterhaltsam sind auch die Referenzen auf mittelalterliche Sagentraditionen, die zwar meistens nur angerissen werden, mir aber trotzdem immer ein freudiges Lächeln entlockt haben.

Eine weitere Besonderheit des Romans sind die ausgearbeiteten Charaktere. In verschiedenen anderen Rezensionen habe ich immer wieder von schwarz/weiß-Malerei bei der Gestaltung der Figuren gelesen, kann mich dieser Kritik aber nicht anschließen - und das, obwohl ich in der Beziehung ebenfalls sehr empfindlich und äußerst kritisch bin. Natürlich sind die Rollen des Protagonisten Robin und seines Gegenspielers Mortimer klar verteilt und Robin ist eindeutig der Gute in dieser Konstellation. Aber er ist durchaus nicht als erhabener, besonnener Moralapostel dargestellt, dem alles gelingt; er hat eine ziemlich große Klappe und eine scharfe Zunge, die er oftmals nicht in Zaum halten kann und dadurch sich und andere in große Schwierigkeiten bringt. Und auch Mortimer ist nicht bloß auf die Rolle des despotischen Tyrannen zu reduzieren, sondern hat durchaus auch eine angreifbare, menschliche Seite. Die versteckt er halt nur gut.
Und auch die übrigen Figuren sind so ausgearbeitet, dass sie über eine bloße Funktionserfüllung weit hinausgehen, in ihrem Verhalten oder zumindest ihren Gedanken durchaus wanken und auf jeden Fall Ecken, Kanten und Fehler haben, die sie auszeichnen.

Insgesamt habe ich mich in Waringham sehr heimisch gefühlt und mich bei diesem gut 1000-Seiten schweren Wälzer wirklich sehr an die Figuren gewöhnt. Das Lesestündchen jeden Abend war immer ein bisschen wie nach Hause kommen, weil man viele Figuren von Geburt an begleitet und ihre Entwicklungen beobachten kann. Deshalb war ich auch ein bisschen traurig, als das Buch dann doch irgendwann dem Ende zuging. Einen so gut recherchierten historischen Roman habe ich lange nicht mehr gelesen und ich freue mich schon jetzt auf die Fortsetzungen. 5 rosa Wölkchen von mir!


22.10.2015

[Rezept] Bandnudeln mit Gemüse-Frischkäse-Soße

In letzter Zeit mag ich es entgegen meiner eigentlichen Gewohnheit extrem gerne, jeden Tag frisch zu kochen. Das ist wirklich etwas neues, lebe ich doch, seit ich vor fünf Jahren das heimische Nest verlassen habe, hauptsächlich von Brot und Marmelade. Hauptsächlich aber nicht ausschließlich und jetzt wo es draußen immer kälter und ungemütlicher wird, weiß ich eine leckere Portion warmes Essen einfach richtig zu schätzen und finde sogar die Zubereitung nicht mehr so anstrengend und langweilig wie sonst, sondern es macht mir richtig Spaß.
Natürlich halte ich es nach wie vor hauptsächlich simpel. Und so ist auch das folgende Rezept wieder aus der Kategorie einfach und schnell. Aber lecker.

Gebraucht wird
250g Bandnudeln
100g Putenbrust (Brotaufschnitt)
1 rote Zwiebel
200g Champignons
getrocknete Tomaten in Öl (Antipasti)
100g Frischkäse
150ml Gemüsebrühe
Salz, Pfeffer

Außerdem
einen großen Topf
eine Pfanne
ein Nudelsieb
Schneidebrettchen und Messer
Küchenrolle

So wird's gemacht
Zunächst die Nudeln in einen Topf mit leicht gesalzenem, kochendem Wasser geben. 
Während die gar werden, die Zwiebel in feine Würfel und die Pilze in Scheiben schneiden. Die Tomaten mit der Küchenrolle gut abtupfen und vom Öl befreien und dann ebenfalls in Würfel schneiden. 

Die Putenbrust ebenfalls in Stücke schneiden und dann in der Pfanne mit ein wenig Öl knusprig anbraten. Zwiebel und Tomatenstücke dazu geben und kurz mit anschwitzen. Anschließend kommen die Champignons dazu und werden ebenfalls schön von beiden Seiten angebraten. 

Anschließend mit der Gemüsebrühe ablöschen und den Frischkäse darin schmelzen lassen. Alles ein bisschen köcheln lassen und schließlich mit den Gewürzen abschmecken. Mittlerweile sollten auch die Nudeln al dente sein, sodass die abgegossen werden und unter die Sauce gemischt werden können. Fertig!

Bei mir sah das so aus 


Bandnudeln mache ich eigentlich total selten, weil die mir immer eher von der Gabel flutschen, als Spaghetti. Aber in diesem Fall hatte ich mal Lust darauf und außerdem musste die offene Packung endlich mal verwertet werden. 
Auf jeden Fall steht dieses Gericht in 15 Minuten auf dem Tisch und schmeckt einfach lecker. Yumm!

18.10.2015

[Musik] Sonntagslieder #127

Im Moment habe ich das Gefühl, ein wenig außerhalb der Blogger-Welt zu stehen. Der Tag hat einfach zu wenige Stunden, als dass ich mir zusätzlich zu den alltäglichen Arbeiten Gedanken zu neuen Blog-Posts machen kann oder dazu komme, bei anderen Blogs zu stöbern und mich da einfach mal wieder festzulesen. Und eine Besserung der Umstände ist erstmal nicht in Sicht, denn das Ende des Jahres ist ja bekanntermaßen immer noch mal ein Stück stressiger als der Rest. Zumindest seit meinem leidigen Zustand als quasi-erwachsene Person.
Aaaaber genug gejammert, es geht auch irgendwann wieder aufwärts. Und bis dahin hören wir doch einfach ein bisschen Musik!



Sasha - Lucky Day
Furchtbar alt - zumindest vergleichsweise - und ich weiß überhaupt nicht, warum ich darauf gekommen bin. Aber es macht mir zur Zeit jedes Mal gute Laune, wenn ich dieses Lied höre :D


Systemfehler - Wenn Inge tanzt
Ebenfalls wirklich immer Lachen muss ich bei diesem Lied. Wie der ganze Film ist es einfach total putzig (vermutlich nicht unbedingt die Intention dahinter). Falls ihr den Film noch nicht kennt und mal Lust auf einen seichten RomCom-Film mit einem wirklich wirklich guten Soundtrack habt, dann ist das hier eine offizielle Empfehlung!


The Killers - Somebody Told Me
Auf die Gefahr hin mich zu wiederholen: gute Laune macht auch dieser Song. Den ich deshalb immer und immer wieder neu in diverse Playlists aufnehme.

Vermutlich ballere ich mich grade so mit Musik zu, die die Laune eher hebt, damit zum stressigen Leben nicht jetzt schon die Herbst-/Winterdepression dazu kommt. In Kombination mit viel fettigem Essen hat sich diese Strategie auf jeden Fall bisher bewährt :D
Einen entspannten Sonntag allerseits! ♥

14.10.2015

[Rezi] Sebastian Fitzek / Michael Tsokos - Abgeschnitten

Erscheinungsjahr: 2012
Genre: Thriller
Seitenzahl: 393



Teaser:
Es dauerte noch eine Weile, bis Eder sich wieder gesammelt hatte, dann war der Moment gekommen, vor dem Linda sich fürchtete, seitdem sie hier unten im Keller stand: Vorhin am Strand hatte sie die Leiche nicht berühren müssen. Jetzt würde ihr das nicht länger erspart bleiben.



Handlung
Linda hat eigentlich wirklich schon genug Probleme. Seitdem sich ihr Ex-Freund Danny als psychotischer, gewalttätiger Stalker entpuppt hat, lebt sie in permanenter Angst. Deshalb ist sie nach Helgoland gereist, von wo die meisten Leute gerade überstürzt abreisen, denn ein furchtbarer Sturm braut sich zusammen, sodass die Insel für einige Zeit vom Festland abgeschnitten sein wird. Nur ein paar weniger Anwohner und eben Linda harren dort aus. Und als würde das noch nicht reichen, stolpert sie am Strand im wahrsten Sinne des Wortes über eine Leiche. Doch damit sind die surrealen Verrücktheiten noch lange nicht vorbei - oh nein. Linda lässt sich von einem Paul Herzfeld übers Telefon dazu überreden, den Toten nicht nur in die Pathologie des leeren Inselkrankenhauses zu schaffen, sondern ihn auch noch zu sezieren - Anweisungen per Telefon entgegennehmend.

Meine Meinung
Von Fitzeks Thrillern verspreche ich mir ja immer einiges. Und an diesen hier hatte ich ganz besondere Erwartungen, ist er doch in Zusammenarbeit mit dem Rechtsmediziner Tsokos entstanden, was mich auf ein ganz besonderes Leseerlebnis hoffen lies. Und auch, wenn ich mit der Handlung leider nicht vollständig warm werden konnte, hat das Duo hier einen soliden Thriller abgeliefert, gespickt mit medizinischen Details.

Der Rechtsmediziner Paul Herzfeld findet bei der Obduktion einer Frauenleiche die Handynummer seiner 17-jährigen Tochter Hannah, die offensichtlich von einem kranken Typen entführt worden ist, dem es ein perverses Vergnügen bereitet, für den verzweifelten Vater eine Schnitzeljagd zu arrangieren, bei der neue Hinweise zum Aufenthaltsort seiner Tochter in diversen Leichen versteckt sind. Eine davon befindet sich auch auf Helgoland, weshalb Paul mit der verängstigten Comiczeichnerin Linda die Hinweise per Telefon in den toten Körpern suchen muss.

So weit, so bizarr. Gut bizarr. In bekannter Fitzek-Marnier werden von Anfang an verschiedenste Handlungsstränge angefangen, die dann erst am Ende zu einem wie immer überraschenden - und ein wenig konstruiert wirkenden - Gesamtbild verschmelzen. Wie immer spielt Fitzek geschickt mit den Lesererwartungen, hält Formulierungen bewusst vage, sodass der Leser die falschen Schlüsse ziehen muss und am Ende auf jeden Fall überrascht wird. 
Der Schreibstil ist wie gewohnt rasant, legt enorm Tempo vor und die kurzen Kapitel mit den Cliffhangern am Ende tragen ihren Teil zum Spannungsaufbau bei. 

Trotzdem bin ich in die Handlung nie wirklich so eingetaucht, wie ich es mir gewünscht hätte. Ich weiß nicht, ob es an den sehr expliziten Szenen des Sezierungsvorgangs gelegen hat, die die Handlung doch des öfteren unterbrochen haben, denn eigentlich fand ich gerade, dass diese Szenen der Geschichte erst die Würze gegeben haben. Was auch immer es war, so richtig Fahrt nahm die Handlung einfach nicht auf.

Dennoch war das Buch äußerst interessant zu lesen, auch wenn ich den gewünschten Thrill-Effekt ein wenig vermisst hab. Für zarte Nerven ist es stellenweise allerdings nichts, da es manchmal doch sehr blutig zugeht. Diesmal lag der Fokus mehr auf den Körpern und weniger auf der Psyche der Figuren und damit auch der Leser. Ich glaube, das ist das, was mich ein bisschen gestört hat. Trotzdem gibt es grade so noch 4 Wölkchen.

11.10.2015

[Gerede] Youtube ist halt auch nicht besser als RTL

Vor einiger Zeit gehörte es auf Youtube zum guten Ton der Webvideomacher, in regelmäßigen Abständen Witze über RTL in ihren Videos unterzubringen. Und mit Witzen meine ich mal mehr und mal weniger humorös eingepackte Kritik an der Art der Programmgestaltung der privaten Fernsehsender, für die RTL nur symbolisch als Repräsentant herhalten muss. Wohl auch deshalb, weil dieser Sender mit einigem Abstand die Riege der geistlosen TV-Formate, die nicht nur einfach keinen Inhalt, sondern als Ausgleich eiskalt kalkuliertes Vorführen offensichtlich nicht vollständig zurechnungsfähiger Menschen liefern, anführt.

Mittlerweile macht niemand mehr Witze über RTL.
Zumindest ist mir seit längerer Zeit kein entsprechender Kommentar mehr in einem Youtube-Video aufgefallen. Und ich weiß nicht, ob es ein positives oder doch eher negatives Licht auf meine Person wirft, wenn ich sage, dass ich wahrscheinlich leider die allermeisten Videos der größeren deutschen Youtuber sehe - einfach auf Grund der Tatsache, dass ich viel zu viel Zeit im Internet allgemein und mit unnötigen Dingen im speziellen verschwende.

Schaut man sich die Formate der Kassenschlager an, erkennt man eine eindeutige RTL-ifizierung, die ich hier pseudo- und populärwissenschaftlich als den Grund für besagten Witzerückgang anführen möchte. Nach dem Motto "Wer im Glashaus sitzt, sollte lieber nicht mit Steinen werfen" halten sich Leute, die sich früher in einem eindeutigen Abgrenzungsverhalten gegen Fernsehsender wie RTL ausgesprochen haben, in dieser Beziehung nun eher bedeckt. Haben sie plötzlich einfach das Interesse verloren oder sind sie es leid, immer die ein und selben Witze zu wiederholen? Was letztere Frage angeht, kann man sie, denke ich, ohne großartige Reflektion pauschal mit "nein" beantworten: wenn Youtube vor einer Sache ganz sicher nicht zurückschrecken, dann davor, ständig das gleiche zu sagen und zu tun.
Die Frage nach dem verlorenen Interesse ist da schon schwieriger zu beantworten, schließlich bin ich weder Psychoanalytikerin noch beherrsche ich die Kunst der Telepathie. Dennoch wage ich die steile These, dass es nicht unbedingt an mangelndem Interesse, sondern an abhanden gekommenem Abstraktionsvermögen liegt, das dazu führt, dass weder der Content fremder Sender, noch - und das ist das Tragische an der Geschichte - der eigene Content kritisch überdacht wird.
 Die Grenze zwischen dem verwirrten Bauern, die alliterationsreich mit diversen Frauen verkuppelt werden soll und dem kreischenden Trio, das Hotelzimmer verwüstet oder dem Möchtegern-Modedesigner, der Kindergartengekrikel als Mode verkaufen will, liegt meiner Meinung in puncto Zurrechnungsfähigkeit kein großer Unterschied.

Denn wenn doch, müssten einige der hier erwähnten Leute - und noch einige andere mehr - längst metertief im Boden versunken sein.

Es gibt gute Kanäle auf Youtube. Es gibt auch gute Fernsehsendungen. Es scheint nur einfach die Prämisse zu gelten: folgst du der Masse, verlierst du deine IQ-Punkte. Denn das, was viel angeschaut wird, ist purer Müll. Da nehmen sich RTL und Youtube wirklich nicht viel.

06.10.2015

[Rezi] Cassandra Clare - Clockwork Princess

Erscheinungsjahr: 2013
Originaltitel: The Infernal Devices. Book Three. Clockwork Princess
Genre: Jugend, Fantasy
Reihe: Die Schattenjägerchroniken, Teil III
Seitenzahl: 604

Teaser:
Doch Tessa nahm bereits ihre ganze kraft zusammen und konzentrierte sich auf ihre Beine, so wie sie es gelernt hatte. Und als sie mit voller Wucht gegen die Tür Trat, hörte sie, wie das Schloss unter dem Aufprall nachgab und Mrs Black einen Wutschrei ausstieß.

*Achtung!*Spoileralarm!*Achtung!*Spoileralarm!*Achtung!*Spoileralarm!*

Handlung
Man muss im Leben ja bekanntlich Prioritäten setzen. Und weil Mortmain schon seit einiger Zeit im Untergrund verschwunden ist und auch seine Roboter-Clockwork-Maschinen sind nicht mehr aufgetaucht. Deshalb konzentrieren sich die Bewohner des Londoner Schattenjägerinstitus nun auf die Hochzeit des Jahres: Jem und Tessa wollen so schnell wie möglich zu Mann und Frau erklärt werden. Dabei scheint Jem aus der Beziehung mit Tessa tatsächlich körperliche Kraft zu schöpfen, denn er ist so fit wie schon lange nicht mehr.
Doch wie aus heiterem Himmel überfallen einige der Maschinen das Institut, überrumpeln die Bewohner und entführen Tessa aus dem Kampfgetümmel heraus. Denn obwohl Mortmain nicht auffällig geworden ist, hat er mittlerweile alles arrangiert, um seine Pläne zu verwirklichen und Tessa ist der einzige Baustein, der ihm noch fehlt. Während Tessa also gezwungenermaßen auf dem Weg zu Mortmain ist, wurde Jem in dem Kampf so schwer verletzt, dass er um sein Leben bangt. Will ist hin und her gerissen: soll er Tessa nachreiten oder bei seinem Parabatai bleiben wie der Schwur es verlangt?
Nebenbei verhandeln die beiden Oberhäupter der Schattenjägergemeinschaft - der Konsul und der Inquisitor - um den Nachfolger des ersteren, denn dieser wird in naher Zukunft in Rente gehen.

Meine Meinung
Zugegebenermaßen hatte ich an diesen Teil höhere Erwartungen als an Teil 1 und 2, weil in diesen Vorgängerbänden einige Aspekte angelegt wurden, die gut ausgearbeitet richtig spannend hätten werden können. Tjaaaaaa nun. So richtig warm bin ich dann leider doch nicht mit dem Buch geworden. Und zwar so sehr nicht, dass ich bei meiner Wertung fast unter die 3 Wölkchen gekommen wäre. Aber das Ende hat es dann irgendwie wieder rausgerissen. Zwar nicht, weil es weniger konstruiert ist als der Rest der Geschichte, sondern einfach, weil ich damit wirklich nicht gerechnet habe und dieser Twist eine Würdigung verdient hat.

Meine Kritik zu den flachen Charakteren aus den letzten Bänden kann ich ein bisschen relativieren; vor allem die Nebencharaktere wie Charlotte oder Gabriel sind wieder so angelegt, dass sie sich stark entwickeln und deshalb spannend zu verfolgen sind. Und auch Will, der meiner Meinung nach der einzige Hauptcharakter ist, der der Bezeichnung "Charakter" überhaupt gerecht wird, emanzipiert sich weiter von seinem alten Ich, das er sich zugelegt hatte, als er noch dachte, er stünde unter einem bösen Dämonenfluch. 

Diese ganze Geschichte um die Hochzeit und das entstandene Liebesdreieck zwischen Will, Jem und Tessa fand ich ja von Anfang an sehr überzogen und gerade in diesem Buch, wo alles auf den großen Showdown zusteuert, wurde es mir einfach zu pathetisch. Nach wie vor bin ich der Meinung, dass das Setting nur aus dem Grund ins 19. Jahrhundert platziert wurde, damit eben diese krasse Bindung an einen Menschen durch die Verlobung - die ja, da kann man sagen, was man will, vor 100 Jahren durch gesellschaftlichen und religiösen Druck viel großer war als heute in der Gegenwart - sozusagen überindividuell geregelt ist und der ganze Herzschmerz noch unausweichlicher ist als sowieso schon. Denn abgesehen von dem klassischen Rollenmodell, in dem sich alle Figuren so ein bisschen bewegen, und dass sie in Kutschen statt in Autos durch die Gegend gondeln, gibt es da nicht viel, was ins 19. Jahrhundert passt. 
Allgemein war mir liebestechnisch alles viel zu sehr konstruiert - auch und vor allem mal von unserem Liebesdreieck abgesehen.

Wenn wir diesen Aspekt der Geschichte aber mal außer Acht lassen, ist der restliche Handlungsverlauf richtig spannend. Mortmain ist eine ziemlich tragische Figur und ich finde, er hätte ein bisschen stärker ausgearbeitet werden können, sodass die Grenzen von schwarz und weiß noch etwas mehr verwischt worden wären.
Der Schreibstil ist auch ganz nett - ein bisschen ausschweifend an der einen oder anderen Stelle, aber insgesamt entspannt zu lesen.

Mein Gesamtfazit ist etwas weniger streng, als es meine Kritik vermuten lässt, denn trotz allem war es eine solide Geschichte, die definitiv ihre guten Momente hatte. Das Ende vor allem - das hat mich trotz allem ein paar Tränchen gekostet und die Wertung deutlich nach oben gerissen. Deshalb gibt es gerade so noch 3 Wölkchen von mir.


02.10.2015

Leserückblick September 2015

Im September hatte ich wirklich einen Lauf. Das kann man vor allem im Vergleich zu den vorhergehenden Monaten wirklich sagen, denn ich habe meinen Jahresrekord gebrochen. Und das, obwohl ich vor kurzem noch in einer fetten Leseflaute und aktuell mitten in meiner Master-Arbeit stecke. Aber letzteres ist ja vielleicht sogar ein bisschen förderlich gewesen - schließlich lese ich sowieso schon den ganzen Tag, sodass ich extrem im Training bin und vür meine Verhältnisse echt flott voran komme momentan.
Oder aber mein erhöhter Bücherkonsum ist der Tatsache geschuldet, dass momentan alle meine Lieblingsserien keine neuen Folgen abliefern, weil die die erst drehen müssen. Also wirklich, das hätte man echt besser planen können, anstatt mich jetzt in einer Dürreperiode versauern zu lassen und ab April 2016 dann mit diversen neuen Staffeln diverser grandioser Serien zuzuballern, die ich doch dann sowieso nicht alle gleichzeitig gucken kann. First World Problems sind manchmal wirklich grausam. Kommen wie lieber schnell zu was schönem: der Statistik! :D

Gelesen
Juli Zeh - Adler und Engel (*Rezi*)
Peter Behrens - Das Gesetz der Träume (*Rezi*)
Clarissa Clare - Clockwork Angel (*Rezi*)
Jennifer L. Holm - Bosten-Jane-Reihe (*Reihen-Rezi*)
Clarissa Clare - Clockwork Prince (*Rezi*)

In Seiten
2873

Durchschnittsbewertung
3,9 Wölkchen

Highlight des Monats
Unangefochten alle drei Boston-Jane-Bücher. Ich liebe sie einfach♥

Enttäuschung des Monats
Wenn auch kein schlechtes Buch, hatte ich mir von Das Gesetz der Träume ein bisschen mehr erhofft. 

In Bildern



Wer hätte gedacht, jemals nochmal so eine lange Bilderreihe zu sehen? Schön. Der September war einfach ein schöner Monat. Nicht nur buchtechnisch, auch generell war ich rundum glücklich. Muss man sich auch mal vor Augen führen.
Auf einen ebenso glücklichen Oktober allerseits! :)

29.09.2015

[Rezept] Pasta mit Spinat-Champignon-Sauce

Manche Lebensmittel mag man ja total gerne, isst sie aber aus unerfindlichen Gründen viel zu selten. So geht es mir mit dem lieben Spinat. Schon seit meiner Kindheit liebe ich ihn, aber weil ich die einzige aus meiner Familie bin, der das so geht, gab es ihn nur sehr selten auf dem Tisch. Vielleicht ist es jetzt deshalb so, dass mir Spinat nie als erstes einfällt, wenn ich überlege, was ich kochen soll. Aber als ich neulich durch die Lebensmittelabteilung geschlendert bin und die herbstlich niedrigen Preise für Champignons gesichtet habe, ist mir sofort eine leckere Nudelsoße eingefallen, die - tadaaa! - Spinat beinhaltet. Also nichts wie ran an den Kochlöffel!

Ihr braucht:
250g Nudeln (bei mir waren es Penne)
1 rote Zwiebel
170g TK-Blattspinat
250g Champignons
etwas Öl
150 ml Sahne
etwas Gemüsebrühe
Salz, Pfeffer, Majoran

Des weiteren:
einen großen Topf
eine Pfanne
Schneidebrettchen und -messer
ein Nudelsieb
diverse Umrührlöffel

So geht's:
Erstmal Wasser in den Topf füllen, etwas salzen, zum Kochen bringen und die Nudeln darin bissfest kochen. Währenddessen die Zwiebel in kleine Würfelchen und die Champignons in Scheiben schnibbeln und diese dann mit einem Schuss Öl in der Pfanne kurz anbraten. Mit Gemüsebrühe und Sahne ablöschen, die Gewürze dazu geben und den angetauten Spinat dazu geben. Auf jeden Fall die Flamme runterdrehen und den Spinat bei niedriger Hitze langsam in die Sauce auftauen lassen. Wenn das geschehen ist, nochmal die Hitze ein bisschen höher stellen und alleskurz köcheln lassen.
Jetzt müssen die Nudeln nur noch abgegossen werden und kommen dann zu der Sauce in die Pfanne. Ein bisschen umrühren und fertig ist das leckere Mahl!

Bei mir sah das dann so aus:
Obwohl sich hartnäckig das Gerücht hält, Spinat nicht aufzuwärmen, kann ich sagen, dass sich dieses Gericht auch dazu eignet, zwei Tage davon zu essen. Das müssen alle meine Rezepte hergeben und wenn man alles über Nacht im Kühlschrank aufbewahrt und am nächsten Tag schnell wieder zum Kochen bringt, ist aufgewärmter Spinat für einen Erwachsenen absolut ungefährlich. Wollte ich nur am Rande mal erwähnt haben! ;)

26.09.2015

[Rezi] Cassandra Clare - Clockwork Prince

Erscheinungsjahr: 2012
Originaltitel: The Infernal Devices. Book Two. Clockwork Prince
Genre: Jugend, Fantasy
Reihe: Die Chroniken der Schattenjäger, Teil II
Seitenzahl: 578

Teaser:
Wenn er kein Schattenjäger wäre, überlegte Tesse, wäre er bestimmt gestürzt und hätte sich böse verletzt? Doch so landete er mühelos auf den Füßen und bahnte sich einen Weg durch die dichte Menge aus Gepäckträgern, Pendlern und Mitgliedern des Landadels auf dem Bahnsteig, die mit wuchtigen Koffern und nervösen Jagdhunden Richtung Norden reisten, um das Wochenende auf dem eigenen Landsitz zu verbringen.

*Achtung!*Spoilergefahr!*Achtung!*Spoilergefahr!*Achtung!*Spoilergefahr!*
Handlung
Nach den sich überstürzenden Ereignissen im Institut stehen Charlotte und ihr Mann Henry nun vor dem Rat der Schattenjäger und müssen sich verantworten. Dafür, dass sich unbemerkt ein Spion in das Institut schleichen konnte, dafür, dass Mortimer entkommen ist und sogar ein wertvolles Artefakt gestohlen hat und generell für alles, was in der letzten Zeit schief gelaufen ist. Vor allem Charlottes schärfster Konkurrent Benedict Lightwood führt Reden gegen sie - hauptsächlich, um selbst die Leitung des Instituts übernehmen zu können. Dabei hat sich Tessa gerade mehr oder weniger eingerichtet und betrachtet die Bewohner des Instituts fast schon als eine Art Familie. Weshalb sie natürlich alles in ihrer Macht stehende tun wird, um mitzuhelfen, die Prüfung, die der Rat Charlotte und Henry auferlegt, erfolgreich zu absolvieren: innerhalb von zwei Wochen sollen sie nicht nur Mortimers Aufenthaltsort ausfindig machen, sondern idealerweise seine schrecklichen Pläne durchkreuzen. Ansonsten werden sie als Leiter abgesetzt.
Diese schier unmöglich zu bewerkstelligende Aufgabe versuchen nun alle Institutsbewohner gemeinsam zu stemmen. Tessa wird die Sache allerdings etwas dadurch erschwert, dass sie in Wills Nähe nicht klar denken kann und langsam aber sicher auch für Jem tiefere Gefühle entwickelt.

Meine Meinung
Das klassische Liebesdreieck hat sich ja schon im ersten Teil angekündigt und nimmt nun in diesem zweiten Teil so ziemlich den größten Raum ein. Und obwohl einige Stellen wirklich etwas übers Ziel hinausschießen und Tessas hin- und her-eiern im Fokus der Geschichte steht, sind es doch auch spannende Entwicklungen und Verwirrungen, die die Handlung vorantreiben, etwas vom Hormonchaos ablenken und das ganze dann irgendwie doch zu einem runden Ende führen. Zumindest zu einem runderen als beim Vorgängerband.

Kritik habe ich aber natürlich trotzdem. Und es ist ja nicht so, dass meine nächste Aussage irgendwie selten von mir zu hören ist. Aber ich werde nicht müde, es immer und immer wieder zu betonen: ich hasse es abgrundtief, wenn Figuren ein gaaaaanz schlimmes Geheimnis haben, dadurch sich und das Leben ihrer Nächsten unglaublich schwer machen und einfach alles nur halb so tragisch wäre, wenn sie mal den Mund aufkriegen würden.
Diese Lektion muss auch Will lernen, der sich die ersten beiden Drittel immer wieder in sich selbst zurückzieht und vor allen verschließt. Leider büßt er für mich dadurch einiges von seinem derben Charme ein, denn er ist viel zu sehr mit sich selbst und seinem Kampf gegen die Liebe zu Tessa beschäftigt, als das er viele humoröse Glanzpunkte in dem Buch setzen würde. Leider schwächt dieser Umstand die Qualität der Dialoge um einiges ein - nicht desto trotz handelt es sich stilistisch und inhaltlich um ein eher typisch flockig-pathetisches Jugendbuch, das man gut weglesen kann.

Spannend fand ich es dennoch zu sehen, wie sich die Figuren - vor allem Jem und Henry - entwicklet haben. Obwohl die beiden nur mehr oder weniger Nebencharaktere sind (bei Jem ließe sich da sicherlich streiten) sind, machen sie doch unheimlich tolle Sprünge und werden die wichtigsten Säulen des Handlungsverlaufs. Vor allem die Story von Henry und Charlotte war so absurd, dass ich sie schon wieder absolut allerliebst fand. Und Jem, der gutmütige Jem, zeigt endlich einmal, dass auch er bei aller Freundlichkeit durchaus in der Lage ist, rigoros zu werden, wenn es die Situation erforderlich macht.

Es wird ein bisschen aufgeräumt, was Wills Vergangenheit angeht und endlich erfahren Tessa und der Leser, warum er damals seine Familie verlassen hat. Wäre das 200 Seiten früher passiert, wäre nichts verloren gewesen. Generell finde ich diese beiden Figuren ziemlich blass im zweiten Teil, gerade im Vergleich zu Henry oder Jem treten sie doch ziemlich auf der Stelle. Die einzige Situation, in der Tessa etwas Profil bekommt, ist beim Kampf gegen ihren Bruder. Diese Szene ist für alle Beteiligten einfach sehr stark und führt einem das Potential der Geschichte vor Augen, das leider nicht völlig ausgeschöpft wurde.

Was außerdem weiterhin völlig im Dunkeln bleibt, ist der tatsächliche Plan Mortmains und vor allem sein Aufenthaltsort; ein bisschen Info gibt es zwar, aber richtig zusammenführen kann man die einzelnen Enden noch nicht.

Von einigen Längen und wirklich unmöglichen Hormonschüben abgesehen fand ich diesen Teil doch ein gutes Stück besser als den Vorgänger. Es gab einiges wirklich überraschende Wendungen und sehr tolle Charakterentwicklungen, sodass ich schon wirklich gespannt auf das Finale bin. Diesesmal gibt es statt den knappen 3 wirklich gute Wölkchen von mir!

23.09.2015

[Lieblinge] Sommer adé!

Genau pünktlich zum September verfiel ich in einen regelrechten Herbst-Wahn. Da musste der Kleiderschrank umsortiert, die Herbstdeko ausgepackt und aufgestellt und das Tee-Sortiment aufgestockt werden. Schließlich muss man vorbereitet sein, um auch diese Jahreszeit angemessen begehn zu können. Vor allem, wenn einen die Hauptbeschäftigung (aka Master-Arbeit) aller Tage an/unter/auf den Schreibtisch fesselt (je nachdem, welche Sitzposition der Büro-Rücken zulässt), muss die freie Zeit für Körper und Seele erholsam und freudig zugleich sein. Bisher hat das ganz gut geklappt. Unter anderem deshalb, weil Aldi vor ein paar Wochen Drachen im Angebot hatte! Drachen!! Ich verrate wohl nicht zu viel, wenn ich sage, dass das die am besten investierten fünf Euro der letzten Monate waren!

Getränk des Tages
Doch fangen wir lieber etwas entspannt an: was braucht man, wenn man den halben Tag bei Regen und Wind zwischen verschiedenen Bibliotheken hin und her rennt, weil die Bücher, die man braucht, offensichtlich über dem gesamten Campus verteilt sind? Richtig - eine heiße Tasse Tee. Im Herbst außnahmsweise auch mal einen Früchtetee: Apfel-Ingwer schmeckt super lecker und wärmt richtig gut durch.

Buchreihe des Tages
Lassen wir Band I der Boston-Jane-Reihe hier mal stellvertretend für die gesamte Serie stehen. Wer hier schon ein bisschen länger mitliest, dem kommt mein Gelaber darüber vermutlich bekannt vor, denn hin und wieder überkommt es mich und ich muss diese Reihe zum gefühl 1000sten Mal lesen. Und dann darüber reden. Und dieses mal ist mit aufgefallen, dass diese Reihe und ich unser zehnjähriges Jubiläum feiern, und das war mir doch direkt eine Erwähnung hier wert. Auch, wenn ich mittlerweile den Text kritischer betrachte als früher, hat sich dennoch nichts an meinem Verhältnis dazu verändert. Jane ist (neben Harry Potter & Co.) die fiktive Figur, die mir am meisten durch meine Teenie-Zeit geholfen hat, weil sie ein unheimlich starker Charakter und dadurch eine Quelle der Inspiration ist. Wer mag, kann sich gerne meine Reihen-Rezi zu der Serie ansehen.




Freude des Tages
Jetzt haben wir Tee und ein wundervolles Buch - was fehlt neben Schokolade noch zu einem perfekten, kuscheligen Leseabend? Richtig, die gemütliche Beleuchtung. Und der kleine Igel, über den ich mich jedes Jahr erneut freue, wenn ich ihn aus der Deko-Kiste befreie. Er ist einfach viel zu niedlich! :D

Serie des Tages


Als ich vor kurzem mit einer dicken Erkältung drei Tage im Bett verbracht habe (manchmal hilft halt auch kein Tee mehr), ist mir diese Serie wieder in den Sinn gekommen, die der Grund für meine guten Bio-Noten in der Unterstufe war. Kennt jemand von euch noch "Es war einmal das Leben"? So eine niedliche Serie! Und sie erklärt kindergerecht so ziemlich alle Prozesse im Körper. Unter anderem auch, wie das Immunsystem funktioniert - es war also weniger für mich als Unterhaltung, sondern für meine weißen Blutkörperchen als Lehrgang gedacht. Hat auch funktioniert! :D

Errungenschaft des Tages
Wenn ich eine bestimmte psyschiche Krankheit verstehen sollte, dann wäre es wohl Shopping-Sucht. Das Gefühl, ein richtig tolles Schnäppchen gerissen zu haben und dann auch noch bei etwas, das genau das Teil ist, das man schon ewig so oder so ähnlich haben wollte, ist famos. So erging es mir bei meinem neuen Paar Schuhe, die jetzt zwar nichts sooooo besonderes sind, aber ich freue mich schon jetzt wahnsinnig darauf, sie zu tragen, wenn es eisig kalt geworden ist, weil sie so eine ultra kuschelige Fütterung haben.

Nagellack des Tages
Wenn hier mit keinem Wort ein Nagellack erwähnt werden würde, wäre etwas gewaltig schief gelaufen in letzter Zeit. Oder meine Prioritäten hätten sich krass verschoben. Heute gehe ich mal mit einem sehr klassischen Rot. Das ist ja bekanntlich nie verkehrt. Und ich finde ja, eine solche Farbe ist immer auch ein wenig ne Kampfansage. Ich fühle mich auf jeden Fall direkt viel selbstbewusster damit. Man muss halt nur wissen, wie man sein Ego überlisten kann, was? ;D


Aktivität des Tages
Und zum Abschluss endlich zu meinem neuen Hobby: Drachen steigen lassen
Nun gut, Hobbyqualität hat es vermutlich noch nicht - zumal ich mir wohl auch nicht den funktionalsten, sondern den hübschesten Drachen (es ist ein Schmetterling!! Mit Flatterbändern!!!♥) ausgesucht habe. Das ist auch irgendwie eine Wissenschaft für sich mit diesem Wind und dem Auftrieb und diesem ganzen physikalischen Kram. Aber ist das Ding mal oben, macht es riesigen Spaß. Und Bewegung an frischer Luft ist auch noch dabei.

Was beschäftigt euch im Moment so? Seid ihr auch schon so auf den Herbst eingestimmt, oder hofft ihr noch auf ein letztes Aufbäumen des Sommers? Und wann habt ihr zum letzten Mal einen Drachen fliegen lassen?