27.02.2015

[Rezi] Kerstin Gier - Silber. Das erste Buch der Träume

07:24 1 Comments
Erscheinungsjahr: 2013
Genre: (Jugend-)Fantasy
Reihe: Silber-Reihe, Band 1
Seitenzahl: 410



Teaser:
Lottie hatte Recht - das war nun wirklich nicht unser erstes Mal an einer neuen Schule, wir hatten schon weit schlimmeres überstanden. Dieses Mal konnten wir immerhin die Landessprache verstehen und sprechen, das war zum Beispiel in Utrecht nicht der Fall gewesen.



Handlung
Liv und ihre kleine Schwester Mia sind schon unglaublich oft umgezogen. Von den USA über die Niederlande, Deutschland und jetzt schließlich Großbritannien war schon vieles dabei. Diese Umzieherei hat vor allem damit zu tun, dass ihre Eltern geschieden sind und die beiden hauptsächlich bei ihrer Mutter leben - einer Literaturprofessorin, die immer wieder Lehraufträge an diversen Universitäten bekommt. Und jetzt geht ein Traum für sie in Erfüllung: eine Anstellung in Oxford! Also werden erneut Koffer und Kisten gepackt. Doch der Traum ihrer Mutter beinhaltet eine unschöne Überraschung für Mia und Liv: nicht nur einen neuen Job, sondern auch eine neue Beziehung hat sie in London gefunden, sodass sich eine Patchworkfamilie vom feinsten zusammenfindet.

Und als wäre das in Kombination mit dem Eingewöhnen an einer neuen Schule nicht schon genug an Problemen, beginnt Mia im Traum ihrem neuen Stiefbruder und dessen drei besten Freunden zu begegnen. Auf einem Friedhof. Während diese seltsame lateinische Formeln aufsagen. Richtig gruselig wird es dann, als sie den Verdacht nicht mehr abschütteln kann, dass diese Träume mitnichten nur in ihrem Kopf stattfinden, sondern dass das tatsächliche nächtliche Treffen sind und die anderen Beteiligten genau wissen, was vermeintlich in diesen "Träumen" geschieht. Doch was zum Himmel steckt nur dahinter?

Meine Meinung
Meine zweite Jugendbuch-Reihe von Kerstin Gier habe ich mit hohen Erwartungen begonnen und ich kann freudig verkünden, dass diese Erwartungen nicht enttäuscht wurden!

Mit einer guten Prise trockenem Humor sind Kerstin Giers Figuren normalerweise ausgestattet - und auch Liv lässt sich in diese Gruppe einteilen. Mit einigen lustigen Episoden, die nicht nur aus der Situation heraus komisch sind, sondern vor allem durch Livs Kommentare einen lockeren Witz erhalten, ist die gesamte Geschichte durchzogen und fängt auch gleich schon mit dem Käse-Gate am Flughafen in London an. Allgemein bietet Liv eine gute Identifikationsfläche für so manches Teenie-Herz, ohne dabei platt oder stereotyp zu sein - okay, vielleicht ein biiiisschen stereotyp - was sie für mich zu einer gelungenen Hauptfigur macht. Vor allem, weil die Geschichte auch passenderweise aus ihrer Perspektive geschrieben ist.

Liv und ihre Schwester haben kein allzu einfaches Leben, denn sie sind nirgendwo richtig zu Hause. Doch das soll sich nun ändern - in London wollen sie richtig sesshaft werden und auch ihre Mutter scheint diesen Plan zu verfolgen. Nur leider war in der Gleichung niemals die Rede von Ernest und seinen gut erzogenen Kindern Florence und Grayson, die beide ein bisschen älter als Mia sind. 
Nach einem gemeinsamen Patchwork-Abendessen bemerkt Mia aber, dass das größte Kuriosum in ihrem neuen Leben ist. Sie finden sich nämlich auf einmal in Graysons Traum wieder und es wirkt nicht nur alles seltsam real, sondern sie ist auch nicht der einzige Gast. Graysons beste Freunde sind ebenfalls da und am nächsten Tag in der Schule ist sich Liv sicher, dass sie alle fünf genau das gleiche geträumt haben. Weil sie Rätseln sowieso schon nicht widerstehen kann und Grayson ihr dann auch noch verbietet, sich in die Sache einzumischen, ist Liv natürlich nicht mehr zu halten und muss unbedingt rausfinden, was "die Sache" überhaupt sein soll.

Wer neben fantastischen Elementen und ein paar kleinen Love-Storys auf Klatsch und Tratsch steht - im Tittle Tattle Blog, der von einer Unbekannten Schülerin geführt wird, kann man regelmäßige Updates zum neusten Gossip an der Schule lesen. Natürlich ist Liv ab und an ein Thema, aber hauptsächlich geht es um gescheiterte Beziehungen und missglückte Frisuren. 

Kurz gesagt: Ich habe das Lesen total genossen - eine interessante und spannende Handlung gepaart mit humorvollen Charakteren und einem lockeren Schreibstil. Das ideale Buch für zwischendurch. 4 Wölkchen von mir.


24.02.2015

[Rezept] Spaghetti mit Feta, Paprika und Champignons

08:27 1 Comments
Hauptbestandteil einer typischen Studentenküche sind natürlich Nudeln. Kann man super lagern und sind ratz-fatz gemacht. Ein bisschen Pesto aus dem Glas und man hat in 10 Minuten und mit an den Nullpunkt grenzendem Aufwand eine vollwertige und sättigende Mahlzeit. Aber Abwechslung ist bekanntlich alles und deshalb kam bei mir jüngst ein alternatives Spaghetti-Menü auf den Tisch. Mit ein bisschen Gemüsegeschnibbel zwar, aber das kann man schonmal in Kauf nehmen, wenn dafür etwas so leckeres rauskommt.

Die Zutaten
250g Spaghetti
1 Paprika
300g frische Champignons
100g Feta
Öl
Gewürze (in meinem Fall waren das Salz, Pfeffer, Majoran und etwas Basilikum)

Die Gerätschaften
ein großer Topf
ein Nudelsieb
eine große Pfanne
ein scharfes Messer

Der Spielplan
Als erstes setzt ihr ein bisschen Wasser mit einer Prise Salz auf. Wenn es kocht, gebt ihr die Nudeln rein. Sind sie bissfest, gießt ihr sie ab. Bis es soweit ist, könnt ihr die Paprika in Würfel und die Champignons in Scheiben schneiden - das Waschen vorher nicht vergessen! - und einen guten Schuss Öl in die Pfanne geben. Kenner werden um ein gutes Olivenöl nicht rumkommen, aber mir als Geschmacksbanausen hat auch das gute alte Sonnenblumenöl gereicht :D

Die Paprikawürfel als erstes in die Pfanne geben, kurz anbraten und anschließend die Champignons dazu werfen, bis die Pilze klein, braun und schrumpelig sind :D Würzen, die Nudeln in die Pfanne kippen und alles einmal gut vermengen. Wenn es zu trocken ist, noch ein bisschen mehr mit Öl beträufeln und als letztes den klein gewürfelten Feta obendrauf bröseln. Fertig!

So ähnlich sieht das dann aus


Wenn ihr mich fragt, ist das die ultimative Kombination: frische Champignons sind ja eh das beste auf dieser Welt und in jeder Konstellation unglaublich lecker. In diesem Sinne: viel Spaß beim Nachkochen!

22.02.2015

[Musik] Sonntagslieder #113

10:44 2 Comments
Manchmal würde ich gerne zaubern können. Aber nicht so im Harry-Potter-Style, sondern eher still, leise und ohne Zauberstabgewedel. Am liebsten hätte ich so eine Art Körperzauber-Spezialisierung, mit der ich jede Verletzung und alle anderen Schmerzursachen mit einem Blick verschwinden lassen könnte. Was für ein geniale Physiotherapeut ich damit wäre, liegt ja auf der Hand.
Leider ist das mit der Zauberei nicht nur eine unwahrscheinliche, sondern eine unmögliche Sache, sodass es auch weiterhin nur eine Lösung gibt: aushalten, ablenken, abwarten und Tee trinken. Ich hasse Tee.
Womit lenkt man sich am besten ab? Natürlich mit Musik, weshalb ich euch nun hier meine Top-3 Ablenkungslieder der Woche präsentiere (Tee mag ich übrigens eigentlich doch):


Red Hot Chilli Peppers - Snow
Alles an diesem Lied ist einfach so ziemlich perfekt. Vor allem liebe ich den Text; ab und zu mal ein bisschen was komplexeres schadet ja auch nicht. Und Menschen brauchen wirklich manchmal perfekte Wunder :)


Limp Bizkit - Rollin
Einer meiner Evergreens. Auch gut, um Aggression zu kanalisieren. Aber irgendwie macht es mir auch gute Laune; wahrscheinlich, weil es mich an meine ersten Party erinnert :D


Nickleback - What Are You Waiting For
Und für kleine Streicheleinheiten der zarten Seele dann nochmal ein bisschen was softeres.

Einen entspannten und gemütlichen Sonntag wünsche ich allerseits ♥

20.02.2015

[Rezi] Nick Hornby - About a boy

13:16 0 Comments
Erscheinungsjahr: 2011 (Erstausgabe 1998)
Originaltitel: About a Boy
Genre: Entwicklungsroman
Seitenzahl: 346



Teaser:
Außerdem betrank er sich; er tat Eis in ein Glas und kippte sich einen Scotch nach dem anderen rein. Und als der Scotch zu wirken begann, wurde ihm klar, dass Menschen, die Dinge ernst nahmen, viel eher dazu neigten, sich umzubringen, als Menschen, die das nicht taten: [...]


Handlung
Was passiert, wenn man das Kind eines ziemlich alternativen Elternpaares ist, die einem von vorne herein Individualismus und feste moralische Grundsätze beibringen, die außerdem dafür sorgen, dass man auf Oberflächlichkeiten und Pop-Musik nichts gibt und dann mit seiner frisch getrennten Mutter nach London zieht und als Neuer auf eine londoner Schule geht? Fragt mal Marcus: man wird jeden einzelnen Tag gehänselt, gedemütigt und von so ziemlich jedem sich cool fühlenden 13-jährigen gemobbt. Und mit diesem Spießroutenlauf in der Schule und einer depressiven Mutter zu Hause hat Markus damit wirklich nicht viel zu lachen.
Gut, dass auf kuriose Umwege plötzlich Will in Marcus' Leben tritt. Der 12- und der 36-jährige führen auf auf einmal eine richtige Männer- (oder besser Jungen-)Freundschaft, die für beide zu einem wichtigen Anker im Leben wird.

Meine Meinung
Nick Hornby gehört zu den Autoren, die man wunderbar zwischendurch lesen kann, wen einem mal wieder nach ein paar sehr selbstreflexiven Charakteren ist, die sich allesamt im Verlauf der Geschichte weiterentwickeln und am Ende ein bisschen besser mit sich und der Welt klarkommen.

Marcus und Will - die beiden Protagonisten dieser Geschichte. Und obwohl der eine 12 und der andere 36 Jahre alt ist, kann man den Titel "About a boy" auf beide beziehen, denn wirklich erwachsen ist Will auch nicht. Als Sohn eines Mannes, der mit einem One-Hit-Wonder-Weihnachtslied für immer ausgesorgt hat, lebt er eigentlich nur von den Einnahmen durch dieses Lied. Er hat also noch nie in seinem Leben gearbeitet und füllt seine Tage mit diversen Hobbys, Partys und Frauen aus. Verantwortung oder irgendwelche Probleme kennt er nicht und ist auch ganz glücklich darüber. Doch dann schlittert er in diese ziemlich kaputte Familie hinein und wird von Marcus dazu auserwählt, sein Rückzugsort zu sein. Denn Will kann im nicht nur wertvolle Klamotten- und Frisurentipps geben, sondern auch eine Vermittlerrolle zwischen Marcus und der Welt einnehmen.

Immer abwechselnd wird ein Teil der Handlung aus der Perspektive von Will und dann wieder aus der Perspektive von Marcus erzählt. Dabei wechseln auch Schreibstil - also Wortwahl und Satzkonstruktionen - je nach Erzählperspektive. Beide habe ihre ganz eigene Art, die Welt um sie herum zu deuten: Will, der eher extrovertiert ist und immer versucht, die Menschen um sich herum zu seinem eigenen Vorteil zu beeinflussen. Und Marcus, der solange es geht versucht, alles Negative weit von sich wegzuschieben und abgeschottet von seiner Umgebung zu leben versucht.

Während die beiden Protagonisten sehr gut entwickelte Figuren sind, bleiben die Nebencharaktere relativ blass und eigenschaftslos. Marcus' Mutter ist die depressive Hippie-Frau, sein Vater der kiffende Sozialarbeiter. Höchstens Zoe, eine Freundin, die Marcus irgendwann tatsächlich findet, ist als Figur noch ein bisschen interessant. Aber auch sie verkörpert eigentlich zum großen Teil auch nur das typische Grunge-Fangirl der 90er.

Richtig verrückt fand ich übrigens, dass die Geschichte in den 90ern spielt und man einfach sieht, wie krass vor allem die technischen Unterschiede im Vergleich zu heute sind. Der gesamte Alltag war ohne Smartphone und W-Lan völlig anders strukturiert und organisiert. Wenn mir das als 90er-Kind schon völlig fremd vorkommt, was denken dann Leute, die 5 Jahre jünger sind als ich?

Insgesamt ist das Buch auf jeden Fall sehr lesenswert. Trotz der schweren Themen, die behandelt werden, bleibt der Humor - und wenn es schwarzer ist - nicht auf der Strecke und macht das alles erträglich für die Figuren und angenehm zu lesen für den Rezipienten. 4 Wölkchen gibts von mir.


18.02.2015

[Gerede] Warum Hufflepuffs dramatisch unterschätzt werden

08:43 8 Comments

Mal abgesehen davon, dass wir hier natürlich von einer fiktiven Geschichte reden - das wird wegen des hohen Identifikationspotentials der Romane verständlicherweise oft vergessen - muss ich doch davon ausgehen, dass sich mehr oder weniger jeder, der das hier liest und Harry Potter kennt (Leute, wenn hier irgendjemand ist, der Harry Potter nicht kennt, dann... wirds hier aber zappenduster!), zu einem bestimmten Haus von Hogwarts zugehörig fühlt. Ein großer Teil wird sagen "Klar man, Gryffindor! Erstens sind da die Helden der Geschichte drin und zweitens sind das die coolsten Leute! Die In-Leute. Die, die das Sagen haben. Weil sie tollkühn, verwegen und trotzdem so bescheiden sind. Weil sie die höchste Moral verkörpern!". Ein paar andere denken sich wahrscheinlich "Boa, immer diese Gryffindor-Angeber. Das ist so langweilig und dieses moralische Gelaber geht mir eh auf den Keks. Slytherin ist viel besser. Die wissen, wo sie hinwollen und erreichen diese Ziele auf dem schnellsten Weg - passt perfekt zu mir!". Und es wird die unter euch geben, die erhaben über allem stehen und sagen "Schön und gut, nützt aber alles nichts - ich gehöre auf Grund vom Gründen offensichtlich zu der geistigen Elite, zu den pausenlos Denkenden und permanent Lernenden. In Ravenclaw legen sie noch wert auf das, was wirklich wichtig ist: Belesenheit, Logik und Verstand." Tja. Und diejenigen, die sich bittertraurig eingestehen, weder besonders mutig, listig oder intelligent zu sein, gehen dann halt nach Hufflepuff. Zur Ausschussware. Zum Rest. Den letzten Menschen. Den Verlierern, die halt nichts besonders gut können. Zeit, sich damit abzufinden.

Aber halt! Nehmen wir uns einen Moment Zeit, treten einen Schritt zurück von dieser Stigmatisierung und schauen uns doch einmal an, warum ein Großteil der Harry-Potter-Welt Hufflepuff für das absolut furchtbarste und langweiligste Haus halten. Und warum das völliger Blödsinn ist.

1. Hufflepuff ist eine Art Müllschlucke für die Sorte Menschen, die keine besondere Eigenschaft haben.
Das klingt auf den ersten Blick wirklich sehr negativ. Dabei ist es überhaupt nicht so, dass ein echter Hufflepuff keine herausragenden Eigenschaften haben soll (s. Punkt 2). Es ist vielmehr so, dass es genau die besonderen Eigenschaften eines Hufflepuffs sind, die dazu führen, jeden Menschen gleich zu behandeln und allen eine Chance zu geben. Anstatt sich die vermeintlichen Eliten rauszupicken, erhält hier jeder die Möglichkeit, eine Ausbildung zu absolvieren und niemand wird ausgeschlossen, weil er vielleicht nicht gerade besonderes Talent zum Intrigen-Spinnen hat oder gegen einen Drachen kämpfen würde. Gleichberechtigung ist nicht gleichbedeutend mit Resteverwertung.

2. Die Eigenschaften, die einen Hufflepuff auszeichnen, sind langweilig.
Der sprechende Hut sagt schon im ersten Buch, was einen Hufflepuff ausmacht: er muss gerecht sein, loyal, treu, geduldig und arbeitsam. Auch, wenn diese Attribute nicht gerade zu solch glamourösen Auftritten führen, wie die der anderen drei Häuser, sind es doch keine anspruchslosen Anforderungen. Ganz im Gegenteil - um jeden dieser Punkte zu erreichen, muss man schon hart arbeiten. Und zwar nicht über einem Buch, auf einem Besen oder an seinem Beziehungsnetzwerk, sondern an sich selbst. Und diese stille, tendenziell bescheidene Arbeit sorgt dann dafür, dass viele dieses Haus überhaupt nicht wertschätzen. Weil die Arbeit nach Innen und nicht nach Außen gerichtet ist und deshalb zu wenigen Massenjubelphänomenen führt.

3. Selbst der Hausgeist ist lahm!
Wenn man sich Punkt 1 und 2 also aus meiner Perspektive sieht, muss man ja wohl eindeutig davon ausgehen, dass der Fette Mönch mit Abstand der sympathischste Hausgeist von allen ist: keine Identitäsneurosen wie bei Nick, kein unverständliches, mörderisches Rasseln wie bei dem Blutigen Baron und er ist im Zweifel immer zur Stelle - im Gegensatz zur Grauen Dame. Für jeden ein nettes Wort auf den Lippen und offensichtlich die richtigen Prioritäten setzend - Essen! ;) - verkörpert er den Prototypen des gemütlichen, herzensguten Hufflepuff, den man gerne knuddeln würde, wenn er nicht leider ein Geist wäre.

4. Gryffindor hat viele Helden hervorgebracht, Ravenclaw hat immerhin Luna und Slytherin hat Malfoy als Charakterfiguren. Und wen hat Hufflepuff? Niemanden.
Erstmal ist es eine unanfechtbare Tatsache, dass ausnahmslos alle Hufflepuffs gegen Voldemort gekämpft haben - im Gegensatz zu den anderen drei Häusern - und entsprechend alle Helden sind. Da greift der Toleranz- und Loyalitätsgedanke doch direkt mal konkret.
Außerdem gibt es einige geniale Figuren, die diesem Haus entspringen. Meine absolute Lieblingsfigur in diesem Fall ist Nymphadora Tonks (es steht nicht in den Büchern, aber der wahre Potterhead weiß trotzdem, dass sie während ihrer Schulzeit eine Hufflepuff war). Sie wird zwar nicht mega ausführlich entwickelt und hat auch nicht viele Auftritte, aber wir sind uns wohl alle einig, dass Tonks einfach rockt. Sie ist direkt, super witzig, ein bisschen verwirrt und außerdem ist sie ein Auror, obwohl sie keine Gryffindor ist. BÄM!

Zusammengefasst: keine Retterkomplexe, keine Identitätsneurosen, keine Egomanen. Dafür aber viele solide, und bei genauem Hinsehen durchaus herausragende Eigenschaften - das sind die Hufflepuffs. Die breite Basis dafür, dass die Helden eben Helden sein können - denn ohne einen kräftigen Rückhalt funktioniert das nicht. Deshalb fand und finde ich dieses Haus schon immer bei weitem am bezauberndsten. Vielleicht auch, weil ich mich eher mit der zweiten als mit der ersten Reihe identifiziere. Und das auch gut so finde - den Stress, der eine solche Exzellenz-Position mit sich bringt, können sich meinetwegen ruhig andere antun.

15.02.2015

[Rezi] Italo Calvino - Wenn ein Reisender in einer Winternacht

09:00 2 Comments
Erscheinungsjahr: 1983
Originaltitel: Se una notta d'inverno un viaggiatore
Genre: Roman
Seitenzahl: 312


Teaser:
Doch wenn es stimmt, daß die einzige Wahrheit, die ein Buch enthalten kann, eine individuelle ist, dann kann ich auch gleich meine eigene schreiben. Also das Buch meiner Erinnerungen? Nein, Erinnerungen sind nur so lange wahr, wie sie nicht gerinnen, nicht in eine Form gepresst werden.




Handlung
Du kaufst dir ein neues Buch von einem deiner Lieblingsautoren. Voller Vorfreude machst Du es dir zu Hause gemütlich und beginnst zu lesen. Nur, um nach ein paar Seiten, die dich gleich gepackt haben, festzustellen, dass die Geschichte nicht weitergeht. Die folgenden Seiten des Buches sind nur die Wiederholung des spannungsverheißenden Anfangs, den du schon kennst. Da muss wohl etwas in der Produktion schiefgelaufen sein. Also gehst du zum Buchhändler, um dein Exemplar gegen ein vollständiges umzutauschen. Und schon bist du mittendrin in einer Suche nach dem Fortlauf von Geschichten, bei der du nur immer wieder auf neue Anfänge stößst. Aber du bist nicht alleine. Die Leserin gesellt sich mehr oder weniger zu dir; auch sie hält Ausschau nach Lesestoff und taucht deshalb immer wieder auf deinem Weg auf.

Meine Meinung
Selten habe ich ein Buch als gleichzeitig extrem komplex und hoch faszinierend empfunden. Diese Kombination kommt in meinem Erfahrungshorizont nur sehr selten vor, weil mich komplex doch meistens eher aggressiv macht, vor allem, wenn die Komplexität so bewusst und fast schon provokativ in die Geschichte gesetzt wird, wie bei diesem Buch. Aber das hier ist eindeutig eine Ausnahme.

Alles beginnt damit, dass ein fiktives Du - mit dem man sich als Leser natürlich gleich identifiziert, weil man sich angesprochen fühlt und dieses Du außerdem auch noch mit "der Leser" tituliert wird - ein Buch von Italo Calvino kauft und beim Lesen feststellt, dass die Bögen beim Binden durcheinander geraten sein müssen. In der Buchhandlung erfährt der Leser dann, dass nicht nur die Bögen innerhalb des Buches vertauscht wurden, sondern dass sie sich mit Bögen einer weiteren Neuerscheinung vermischt haben und er gar nicht den Anfang des Buches gelesen hat, das er eigentlich wollte. So angefixt von der Geschichte, will er jetzt aber nicht mehr den neuen Calvino haben, sondern das Buch, das er zu lesen begonnen hat. Der Buchhändler verkauft ihm ein Exemplar. Während dieses Verkaufsgesprächs taucht eine weitere Leserin auf, die augenscheinlich das gleiche Problem hat, wie der Leser. Also tauschen die beiden ihre Telefonnummern aus, um sich über das nun hoffentlich richtige Buch unterhalten zu können.
Doch auch diese Lektüre bricht der Leser nach wenigen Seiten ab, weil es sich defintiv nicht um die erste Geschichte, sondern um eine völlig neue handelt. Also macht er sich zusammen mit der Leserin erneut auf den Weg, die passende Fortsetzung zu finden.

Insgesamt 10 Romananfänge findet der Leser so, und immer sind es völlig neue Geschichte, die abrupt abbrechen. Ganz dem Gedanken folgend "Was wäre, wenn ein Roman niemals weitergehen würde, sondern sich immer den Zauber des Anfangs bewahren könnte". 
Es ist ein Buch über Bücher, über Schreibweisen und eine Kritik an so ziemlich jeder Literaturtheorie, die es bis zu den 80er-Jahren gab. Die einzelnen Romanstücke, aber auch die übergeordnete Ebene von Leser und Leserin referieren nicht nur auf verschiedene Werke des 20. Jahrhunderts - Kafka oder Dostojevski, um nur zwei zu nennen - sondern nimmt auch die Arbeitsweise der Literaturwissenschaft aufs Korn, die versucht, einen objektiven Sinngehalt hinter dem geschriebenen Text zu finden, der faktisch aber nicht da sein kann. So entwickelt der Roman nicht nur elf verschiedene Geschichten, sondern erklärt gleichzeitig seine eigene Poetologie, nach der er funktioniert.

Es ist ein wirklich grandioser Roman, der von Meta-Ebenen nur so wimmelt. Kunstwerke aus Büchern, deren Fotos in Büchern festgehalten werden, aus denen neue Kunstwerke entstehen, die wieder in Büchern ebgedruckt werden; eine von der Polizei in die Revolutionäre infiltrierte Kommissarin, die eine bei der Polizei infiltrierte Revolutionärin ist. Endlosschleifen, in denen sich die Gedanken verlieren können. Und ich unterstelle dem Text, das genau das auch seine Absicht ist. Passend dazu am Ende eine kleine Reflexion über verschiedenes Leseverhalten. Ich denke, jeder findet sich dort wieder.
Insgesamt verleihe ich diesem Buch mit großem Vergnügen die höchste Punktzahl und spreche eine allgemeine Leseempfehlung aus.


12.02.2015

Kleine Seifenblase

22:15 0 Comments
Da, wo ich lebe, ist es selbstverständlich, ein gewisses Level an Toleranz zu besitzen. Egal, worum es geht. Das muss gar nicht diskutiert werden.

Jeder darf essen, was er will. Vegetarier, Veganer, der grobe Rest. Alle sitzen zusammen und niemand wird angegriffen oder muss sich in irgendeiner Form erklären. Läden, in denen jeder satt wird, gibt es mittlerweile auch genug, sodass ein gemeinsames Essen nicht auf die heimische WG-Küche beschränkt ist. Obwohl auch das extrem schön ist.

Jeder darf aussehen, wie er will und es eben tut. Muss man jedes Tattoo hinterfragen und Dreadlocks direkt als unhygienisch abstempeln? Und andersrum meine Nerdbrille gleich in eine bestimmte Ecke stellen? Irgendwie nicht so, nein.
 
Jeder darf lieben, wen er will. Das ist dein neuer Freund? Sieht nett aus. Und mehr ist dazu nicht zu sagen. Jede Kombination ist gleich gültig. Weil gleich wertig.

Jeder darf glauben, woran er will. Gott, Allah, das Nudelmonster oder Nietzsche. Irgendwie sucht doch jeder nur nach einem Sinn in all dem Chaos.

Manchmal glaube ich, dass ich in einer Seifenblase lebe. Außerhalb dieser Seifenblase befinden sich die "besorgten Eltern", PEGIDA und religiöse Fundamentalisten. Es kommt vor, dass ein Ableger dieser Leute in meine Seifenblase reinspaziert und alles durcheinander bringt. Aber wisst ihr, was noch nie passiert ist? 
Sie ist noch nie geplatzt.

08.02.2015

[Musik] Sonntagslieder #112

11:48 4 Comments
Wenn man 16 oder 17 Jahre alt ist, kann man das komplette Wochenende durchfeiern und sieht am Ende trotzdem wie ein Mensch aus. Und viel wichtiger: man kann Montags in die Schule gehen und einen einigermaßen kompatiblen Teil der Klasse oder des Kurses darstellen. Wenn man Mitte 20 ist und auf die Schnapsidee kommt, eine Nacht lang bis zum nächsten Morgen durchzumachen, sieht man die nächsten zwei Tage aus, als wäre man mehrmals gegen eine Betonwand gelaufen. Und fühlt sich auch so.
Was lernen wir also daraus? Nutzt eure Jugend!
Was lief eigentlich vor so 10 Jahren für Musik in den Charts? Das ist eine interessante und gleichermaßen peinliche Frage. Denn es war nicht unbedingt gute Musik. Aber dennoch erfreute es mich in dieser Woche, mal ein bisschen in alten Schubladen zu wühlen. Und im folgenden kommt jetzt eine Auswahl an Liedern, die ich wirklich wirklich früher gehört habe. Ich verspreche, es werden die drei Lieder sein, für die ich mich am ehesten schämen würde (gesetzt den Fall, ich fände es angebracht, sich für seinen Musikgeschmack zu schämen. Was ich nicht tue. Außer, jemand mag Schlager. Dann ist es mehr als angebracht).



Alexander Klaws - Free Like The Wind
Jaja, wer hätte gedacht, dass der erste DSDS-Gewinner mehr als einen Song in den Charts hatte. Leider ist das Musikvideo dazu nicht mehr online, denn das war einfach episch in seiner Abgespacktheit :D


O-Zone - Dragostea Din Tei
...oder auch "majahiii, majahoo" genannt. Keine Ahnung, was die singen, aber wen interessiert schon der Text. Die viel wichtigere Frage ist doch auch, was die Stylisten der Jungs sich bei diesen weißen Hosen gedacht haben :D


Nu Pagadi - Sweetest Poison
Es ist einfach so witzig, wie die versuchen, auf knallhart zu machen und irgendwie an Rammstein anzuknüpfen. Aber das Lied ist schon ein Ohrwurm. Muss man zugeben.

Das war ein kleiner Ausflug in meine musikalische Vergangenheit. Die momentan wieder Gegenwart geworden ist, denn ich habe eine 2000er-Playlist erstellt und von dort erschallt seit einer Woche genau sowas. Immerhin war schon damals meine Genreauswahl sehr gemixt. Das hat sich also nicht verändert. Was habt ihr vor 8, 9 oder 10 Jahren für Musik gehört?
Einen schönen Sonntag wünsche ich euch! ♥

05.02.2015

[Lieblinge] Was an anstrengenden Tagen für kleine Lichtblicke sorgt

19:06 2 Comments
Im Moment fällt es mir wirklich schwer, mich aus dem Rage Mode auszuklinken und zu meinem ansonsten bemerkenswert ausgeglichenen und fröhlichen Naturell zurückzukehren. Manchmal wendet sich aber halt auch alles gegen einen, sodass ich kürzlich nach einem regelrechten Gewaltmarsch durch einen Schneesturm nass, zitternd, frustriert und verzweifelt mit dem Gedanken gespielt habe, mich einfach in den Schnee zu legen und auf den Tod zu warten. Dankenswerterweise kam der Bus aber vor dem Tod an meinem Aufenthaltsort an, sodass ich zwar nicht schnell, aber doch konstant meinem kuscheligen Zuhause entgegentransportiert wurde, wo ich der sich ankündigenden Lungenentzündung hoffentlich mit literweise Tee und einem verdienten Serientag entgegenwirken konnte. So eilig habe ich es ja dann doch nicht mit dem Sterben. Aber wenn man in der postweihnachtlichen Winterdepristimmung gefangen ist, muss man sich diesen Lebenswillen doch immer mal wieder bewusst vor Augen halten und die Schätze betrachten, die das Ganze dann doch wesentlich weniger dramatisch und furchterregend machen:

Gegenstand des Tages

Sehr wichtig dafür ist dieses wunderbare Gerät, dass ich von meiner Mutter zu Weihnachten bekommen habe und seitdem fast nicht mehr wegzudenken wage. Außerdem ist es das erste Küchengerät, das mir jemand geschenkt hat; irgendwie bin ich froh, dass das meine Mutter war. Naja, wie auch immer. Tee aufbrühen ist jetzt nur noch die Sache eines Knopfdrucks. Und damit der Komfort noch nicht aufhört, hat das Schätzchen sogar eine automatische Warmhaltefunktion. Quasi ein elektrisches Stöfchen. Das ist so super. Ich liebe das Ding!

Zitat des Tages
Dieses Gefühl, das Georg Büchner so treffend formuliert hat (auch, wenn ich mich mit dem Charakter, der die Worte spricht, ansonsten lieber nicht so sehr identifizieren möchte), kennt sicher jeder. In letzter Zeit habe ich aber manchmal sehr das Gefühl, meine Empathiefähigkeiten stetig zu verlieren. Das ist ein bisschen anstrengend. Aber dass es mir offensichtlich nicht alleine so geht, ist doch direkt mal ein tröstendes Gefühl.

Snack des Tages
Totale Obsession. Von einer Freundin angefixt und seitdem mampfe ich die Dinger fast mehr als Schokolade. Und das will schon was heißen. Obwohl dieses gesunde Zeug leider ziemlich auf den Geldbeutel geht, sodass ich doch wieder auf die billige Ersatzdroge umgestiegen bin. Aber ab und an gönne ich mir so ne kleine Tüte schonmal ganz gern :D

Getränk des Tages
Weniger wegen des Geschmacks, sondern mehr wegen der stabilisierenden Wirkung ist dieses Getränk zu nennen: Cranberrysaft. Nein, ich bin nicht auf Bio umgestiegen, aber manchmal kann man dem Neuen und Vourteilsbehafteten schon mal ne Chance geben. Wie gesagt, schmecken tut das Zeug relativ furchtbar, aber ein paar Schlucke am Tag reichen schon aus, um mich vor einer nervigen Blasenentzündung zu bewahren. Und das ist mehr, als so manches Tablettchen aus der Apotheke geschafft hat. Mag ich!

Paradox des Tages
Ich liebe die Uni. Ich hasse die Uni. 
Ein Semester liegt noch vor mir. Kanns kaum erwarten. Will nicht weg.
Dabei weiß ich gar nicht, ob es die Panik vor dem bösartigen Arbeitsmarkt ist, die dafür sorgt, dass ich mich an die "sichere" Uni klammere, oder doch vielleicht meine Begeisterung für meine beiden Studienfächer. Die sind nämlich echt grandios. Aber dieses Gerenne nach Credit Points geht mir so auf die Nerven. Aber... Aber... Aber... Da komm ich einfach zu keinem Konsens mit mir selbst.

Werk des Tages
Schals und Topflappen kann ich seit letztem Jahr wie am Fließband herstellen. Jetzt wollte ich den Schwierigkeitsgrad ein bisschen erhöhen. Und obwohl der aber eigentlich gar nicht so unendlich hoch war, hab ich es einfach nicht hinbekommen, eine Mütze zu häkeln - bis jetzt! Denn dieses Teil ist unter Blut, Schweiß und Tränen von meinen Händen erschaffen worden. Hätte ich gewusst, wie befriedigend sowas ist, wäre ich lieber doch Handwerkerin geworden.

Menschen des Tages
Die Retter meines Lebens: genau die Menschen, die es tatsächlich schaffen, mit einem muffeligen Wesen wie mir klarzukommen und ihm sogar ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Auch, wenn die Stimmung so am Boden ist, dass man in dem Fall wirklich von Magie sprechen kann. Ob witzige Geschichten, geschickte Ablenkungsmanöver oder einfach ein offenes Ohr - wenn ich auf einen Punkt dieser Liste nicht verzichten kann, dann auf genau die handvoll Leute, die wissen, was grade angebracht ist. Herzchen! Herzchen für sie! ♥♥♥♥♥

Trotz allem: das Leben geht weiter. Und auch, wenn genau das mein momentanes Problem ist, bleibt dabei doch der Vorteil, dass auch jeder Winter irgendwann vorbei ist. Und wenn das kein Lichtblick ist, dann weiß ich auch nicht weiter ... :D

01.02.2015

Leserückblick Januar 2015

09:54 3 Comments
Dieser erste Monat des Jahres war ein beständiges Auf und Ab. Das ging schon beim Wetter los - mal fast frühlingshaft lau und sonnig und zwei Tage später ein einziges Schneechaos. Meine Stimmung wiegt sich passend dazu zwischen den Extremen super fröhlich und motiviert vs niedergeschlagen und hoffnungslos. Zweifel am großen Ganzen lassen sich manchmal verdrängen und manchmal nicht.
Und so ungefähr lief es auch buchtechnisch ab. Ein Buch habe ich an einem einzigen Tag durchgesuchtet. Und dann wieder habe ich für ein Buch drei Wochen gebraucht. Gut, die Seitenzahlen variierten schon beträchtlich. Aber dennoch war der Leserausch einfach nicht mehr zu finden. Ich würde gerne sagen, dass es nur besser werden kann. Aber meiner momentanen Erfahrung entsprechend muss ich feststellen, dass es immer schlimmer geht. Sind wir also gespannt.

Gelesen
Jane Austen - Stolz und Vorurteil (Hier geht's zu einer alten *Rezi*)
Ferdinand von Schirach - Der Fall Collini (*Rezi*)
Juli Zeh - Spieltrieb (*Rezi*)

In Seiten
1212 (Schnapszahl! :D )

Durchschnittsbewertung
4,3 Wölkchen

Highlight des Monats
Da einer meiner beiden Favoriten ein absoluter Standart-Liebling ist, den ich schon oft gelesen habe, entscheide ich mich hier für das Neue. Neu ist immer eine Attraktion und dazu zählt Spieltrieb von Juli Zeh auf jeden Fall.

Enttäuschung des Monats
Keine :)

In Bildern