20.02.2015

# Rezensionen

[Rezi] Nick Hornby - About a boy

Erscheinungsjahr: 2011 (Erstausgabe 1998)
Originaltitel: About a Boy
Genre: Entwicklungsroman
Seitenzahl: 346



Teaser:
Außerdem betrank er sich; er tat Eis in ein Glas und kippte sich einen Scotch nach dem anderen rein. Und als der Scotch zu wirken begann, wurde ihm klar, dass Menschen, die Dinge ernst nahmen, viel eher dazu neigten, sich umzubringen, als Menschen, die das nicht taten: [...]


Handlung
Was passiert, wenn man das Kind eines ziemlich alternativen Elternpaares ist, die einem von vorne herein Individualismus und feste moralische Grundsätze beibringen, die außerdem dafür sorgen, dass man auf Oberflächlichkeiten und Pop-Musik nichts gibt und dann mit seiner frisch getrennten Mutter nach London zieht und als Neuer auf eine londoner Schule geht? Fragt mal Marcus: man wird jeden einzelnen Tag gehänselt, gedemütigt und von so ziemlich jedem sich cool fühlenden 13-jährigen gemobbt. Und mit diesem Spießroutenlauf in der Schule und einer depressiven Mutter zu Hause hat Markus damit wirklich nicht viel zu lachen.
Gut, dass auf kuriose Umwege plötzlich Will in Marcus' Leben tritt. Der 12- und der 36-jährige führen auf auf einmal eine richtige Männer- (oder besser Jungen-)Freundschaft, die für beide zu einem wichtigen Anker im Leben wird.

Meine Meinung
Nick Hornby gehört zu den Autoren, die man wunderbar zwischendurch lesen kann, wen einem mal wieder nach ein paar sehr selbstreflexiven Charakteren ist, die sich allesamt im Verlauf der Geschichte weiterentwickeln und am Ende ein bisschen besser mit sich und der Welt klarkommen.

Marcus und Will - die beiden Protagonisten dieser Geschichte. Und obwohl der eine 12 und der andere 36 Jahre alt ist, kann man den Titel "About a boy" auf beide beziehen, denn wirklich erwachsen ist Will auch nicht. Als Sohn eines Mannes, der mit einem One-Hit-Wonder-Weihnachtslied für immer ausgesorgt hat, lebt er eigentlich nur von den Einnahmen durch dieses Lied. Er hat also noch nie in seinem Leben gearbeitet und füllt seine Tage mit diversen Hobbys, Partys und Frauen aus. Verantwortung oder irgendwelche Probleme kennt er nicht und ist auch ganz glücklich darüber. Doch dann schlittert er in diese ziemlich kaputte Familie hinein und wird von Marcus dazu auserwählt, sein Rückzugsort zu sein. Denn Will kann im nicht nur wertvolle Klamotten- und Frisurentipps geben, sondern auch eine Vermittlerrolle zwischen Marcus und der Welt einnehmen.

Immer abwechselnd wird ein Teil der Handlung aus der Perspektive von Will und dann wieder aus der Perspektive von Marcus erzählt. Dabei wechseln auch Schreibstil - also Wortwahl und Satzkonstruktionen - je nach Erzählperspektive. Beide habe ihre ganz eigene Art, die Welt um sie herum zu deuten: Will, der eher extrovertiert ist und immer versucht, die Menschen um sich herum zu seinem eigenen Vorteil zu beeinflussen. Und Marcus, der solange es geht versucht, alles Negative weit von sich wegzuschieben und abgeschottet von seiner Umgebung zu leben versucht.

Während die beiden Protagonisten sehr gut entwickelte Figuren sind, bleiben die Nebencharaktere relativ blass und eigenschaftslos. Marcus' Mutter ist die depressive Hippie-Frau, sein Vater der kiffende Sozialarbeiter. Höchstens Zoe, eine Freundin, die Marcus irgendwann tatsächlich findet, ist als Figur noch ein bisschen interessant. Aber auch sie verkörpert eigentlich zum großen Teil auch nur das typische Grunge-Fangirl der 90er.

Richtig verrückt fand ich übrigens, dass die Geschichte in den 90ern spielt und man einfach sieht, wie krass vor allem die technischen Unterschiede im Vergleich zu heute sind. Der gesamte Alltag war ohne Smartphone und W-Lan völlig anders strukturiert und organisiert. Wenn mir das als 90er-Kind schon völlig fremd vorkommt, was denken dann Leute, die 5 Jahre jünger sind als ich?

Insgesamt ist das Buch auf jeden Fall sehr lesenswert. Trotz der schweren Themen, die behandelt werden, bleibt der Humor - und wenn es schwarzer ist - nicht auf der Strecke und macht das alles erträglich für die Figuren und angenehm zu lesen für den Rezipienten. 4 Wölkchen gibts von mir.


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