15.03.2015

[Rezi] Kristin Cashore - Die Königliche

Erscheinungsjahr: 2012
Originaltitel: Bitterblue
Genre: (Jugend-)Fantasy
Reihe: Sieben-Königreiche-Trilogie, Teil III
Seitenzahl: 552


Teaser:
Sich herauszuschleichen war eine Art Betrug. Genau wie sich zu verkleiden. Kurz nach Mitternacht schlich sich die Königin, in eine dunkle Hose und Fox' Kapuzenumhang gehüllt, aus ihren Räumen und betrat eine Welt voller Geschichten und Lügen. 
*Achtung!*Spoilergefahr!*Achtung!*Spoilergefahr!*Achtung!*Spoilergefahr!*

Handlung
Zehn Jahre sind vergangen, seit Bitterblue mit der Hilfe ihrer beiden Freunde Katsa und Bo das Schicksal Monseas in ihre Hand genommen hat. Mit dem Tod ihres grausamen Vaters, König Leck, ist die damals achtjährige Prinzessin zur Regentin über dieses Land geworden - und jetzt, mit 18 - fühlt sie sich noch genauso überfordert und hilflos wie damals. Bos Vater, der König von Lienid, hat ihr zwar geholfen, einen fähigen Beraterstab aufzubauen und die Strukturen der Stadt umzustellen, aber Bitterblue überblickt noch immer nur das wenigste, was in ihrem Königreich passiert. Den ganzen Tag sitzt sie in ihrem Arbeitszimmer und unterschreibt diverse Unterlagen, während ihre Berater die politische Strategie des Nach-Vorne-Schauens proklamieren. Bitterblue selbst stößt in letzter Zeit immer öfter auf Ungereimtheiten und erkennt, dass sie weder etwas über die Herrschaft ihres Vaters, noch über ihr eigenes Volk weiß. Um die Wahrheit herauszufinden, schleicht sie sich nachts verkleidet in die Stadt und besucht die Erzählstuben, in der Fabulierer Geschichten von früher erzählen. Dort trifft sie auf Teddy und seinen Freund Saf - einen Beschenkten aus Lienid - mit denen sie sich unter dem Decknamen Sparks anfreundet. Und so tritt sie auf ihrer Suche nach Wahrheit ein ein eine Welt voller Geheimnisse und Täuschungen.

Meine Meinung
Die kleine Bitterblue von damals ist erwachsen geworden. Das war der erste Gedanke, der mich beim Lesen dieses Buchs getroffen hat. Und sie hat sich zu einer tollen Person weiterentwickelt, trotz ihrer Geschichte. Allgemein war dieses Buch wie ein Klassentreffen - altbekannte und fast vergessene Figuren tauchten wieder auf. Nur leider bestehen die ausgetauschten Neuigkeiten nicht aus Familie und Beruf. Es geht um politische Probleme, höfische Intrigen und eine nicht vorhandene Vergangenheitsbewältigung.

Nachdem es nun schon eine ganze Weile her ist, seit ich die ersten beiden Teile dieser Trilogie gelesen habe und der Einstieg in diese Geschichte hier ist mir ein bisschen schwer gefallen. Die Grundidee mit den Beschenkten kannte ich natürlich noch, aber die Einzelheiten zu Lecks Sturz vom Thron und Bitterblues Mutter waren mit nicht mehr allzu präsent. Gut, dass es Bitterblue genauso geht, denn auch sie hat keine Ahnung, wie grausam Leck wirklich geherrscht hat, und dass sein Geist irgendwie immernoch im Land schwebt. Die folgt ihren Ratgebern, die eine Strategie der Verdrängung anstreben, aber nur so lange, bis sie bemerkt, dass dies immer neue Ungerechtigkeiten hervorruft.
Bitterblue versucht nicht nur, eine gute Königin für ihr Volk, sondern auch insgesamt ein guter Mensch zu sein, auf den ihre verstorbene Mutter stolz sein kann. Da sie allerdings völlig darauf angewiesen ist, sich darauf verlassen zu können, was andere ihr sagen, liegt trotz ihres Status' als Königin wenig in ihrer direkten Kontrolle.Als Katsa und Bo bei ihr eintreffen, ist sie gerade dabei, daran etwas zu ändern. Leider wird das alles dadurch verkompliziert, dass Katsa und Bo einen Putsch in Estrill organisieren müssen und Bitterblue außerdem in ihrer zweiten Identität als Sparks, die nachts durch die Stadt streicht, selbst zur Zielscheibe von Angriffen wird.

Die ersten beiden Teile haben ja einmal die Beschenkte Katsa und einmal das Monster Fire als Hauptfiguren. Bitterblue ist jetzt hier zum Abschluss tatsächlich ein Mensch, wenn auch kein ganz gewöhnlicher, weil immerhin die Königin. Dennoch fand ich es sehr spannend, diese dritte Variante zu lesen. Die Idee der Beschenkten halte ich nach wie vor für absolut grandios, weil sie so viele verschiedene Formen annehmen kann. Jemand, der am Geruch eines Menschen erraten kann, was dieser am liebsten zu essen haben möchte? Hallejulia, wie genial! Aber gut, Bitterblue kann das alles nicht, aber sie kann etwas anderes: durchhalten, dranbleiben und hartnäckig gegen alle Widerstände nachforschen, bis sie endlich weiß, was gespielt wird. Auch, wenn dieser Weg mehr als nur schmerzhaft ist, sie sich öfter völlig alleine und hilflos fühlt und ich an ihrer Stelle sicher alles hingeschmissen hätte.

Da Wahrheit und Wahrheitsfindung ja sozusagen die Leitthemen sind, wird passenderweise der Fortschritt in Form von Dechiffrierungsarbeit dokumentiert. Verschlüsselte Texte müssen decodiert werden und es gibt sogar ein eigene Alphabet mit 36 verschiedenen Zeichen. Was es wohl damit auf sich hat? ;)

Mein größter Kritikpunkt an der Geschichte ist - und das glaube ich tatsächlich selbst fast nicht - dass mir die Liebesgeschichte zu schwach ausgearbeitet war. Quasi kaum vorhanden. Aber nicht künstlerischerweise nur leicht angedeutet, weil es ein zartes Pflänzchen ist oder so. Ich hatte eher das Gefühl, es gab nicht mehr genug Platz dafür neben all der Politik und den traumatisierten Leuten. Das war sehr schade und vor allem das Ende war wirklich lieblos und hätte ein bisschen mehr Mühe verdient. Die ganze Zeit habe ich sogar auf einen Twist gewartet, der leider nicht kam.
Stattdessen lernen die Leute im Buch aber kennen, was man Posttraumatische Belastungsstörung nennt. Und ich frage mich die ganze Zeit, wieso niemand in dieser ganzen Welt mal auf die Idee gekommen ist, die Bevölkerung von Monesea auch auf seelische Schäden hin zu überprüfen. Schließlich hatten sie 35 Jahre lang einen Herrscher, der ihre Psyche manipuliert hat. Dass das nicht schadlos an einem vorbei geht, hätte wirklich mal jemandem einfallen können.

Aber gut. Im Vergleich fand ich den letzten Teil tatsächlich am schwächsten, aber das ist wirklich Meckern auf hohem Niveau. Daher gibt es dennoch 4 Wölkchen von mir.


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