28.03.2015

[Rezi] Ursula Poznanski - Die Vernichteten

Erscheinungsjahr: 2014
Genre: (Jugend-)Dystopie
Reihe: Eliria-Reihe, Teil III
Seitenzahl: 526



Teaser:
Im Schatten dieser Erinnerung bin ich heilfroh, dass Tycho sich gestern zur Hecke geschlichen hat, auch wenn es eine Wahnsinnstat war. Heute früh war seine Stirn heiß und drei Kratzer waren rot und angeschwollen. Dhalion sollte ihm nichts mehr anhaben können.



*Achtung!*Spoilergefahr!*Achtung!*Spoilergefahr! *Achtung!*Spoilergefahr! 

Handlung
Sollte jemand die rote Spoilerwahrnung ignoriert haben, und weiterlesen, obwohl im Teil 1 und 2 der Reihe nicht bekannt sind, ist hier eine letzte Chance, um aufzuhören. Ernsthaft, ich muss wichtige Infos aus diesen Teilen aufgreifen und rate dringend davon ab, die schon vorm Lesen zu kennen. Das ist hier kein Spaß! ...;D

Ria kennt nun also das Geheimnis, wegen dem sie und viele andere junge Sphärenbewohner als Teil einer schrecklichen Verschworung gegen den Sphärenbund gelten und getötet werden sollen. Und viel schlimmer noch: auch, wenn Tyvho, Aureljo, Dantorian und sie nicht mehr akut auf dem Schirm der Sentinel stehen, sind sie dennoch in höchster Gefahr. Zumindest Aureljo und Dantorian, denen Ria nichts von ihrem Verdacht erzählt hat, bevor sie aus der Sphäre geflohen ist, und die entsprechend nichts von Dhalion und Quririns Plan wissen können. Sie tragen den hoch ansteckenden Erreger immernoch in sich und sind langsam in dem Alter, in dem er jederzeit ausbrechen kann.
Dazu kommt, das Quirin durch nichts dazu zu bewegen ist, das Heilmittel herauszugeben und Ria bei allen Infizierten eine Immunisierung durchführen zu lassen. Zu tief sitzt sein Plan, zu lange schon trägt er die Verzweiflung und Verantwortung alleine.

Als Qurin plötzlich verschwindet, kommt es zu Unruhen im Clan. Ria und Tycho werden wegen Mordes an Quirin angeklagt und entkommen nur knapp einem Todesurteil. Dass dahinter ein raffinierter Plan steckt, erscheint allen Eingeweihten offensichtlich und doch müssen die beiden zusammen mit Sandor und Andris den Clan verlassen. Quirin mag seinen Plan rücksichtslos verfolgen, aber auch Ria ist fest entschlossen, ihren nicht aufzugeben.

Meine Meinung
Leute, diese Reihe hat mich völlig geschafft. Ständig taucht ein neues Teil auf, das eine Verschwörung-Verschwörungs-Verschwörung aufdeckt und immer mehr Blick auf die Hintergründe freigibt, die so viel weitere Kreise ziehen, als die Sphäre Vienna oder der Clan der Schwarzdornen. Und vor allem gegen Ende hätte ich am liebsten jeden dieser Dumpfbacken mit Dostojewskis "Schuld und Sühne" beworfen. Hätte wirklich nicht geschadet, wenn das die Lange Nacht überlebt und dem ein oder anderen Verschwörer in die Hände gefallen wäre.

 Am Anfang sind von der ehemaligen Flüchtlingsgruppe nur noch Ria und Tycho übrig. Zwei sind tot und zwei sind noch immer in der Sphäre und versuchen, ein Rätsel zu lösen, dem Ria schon längst auf die Spur gekommen ist. Mit Sandor, Tycho und Andris an ihrer Seite will sie nun versuchen, zuerst ihre beiden Freunde und danach alle anderen Infizierten vor dem tödlichen und hoch infektiösen Virus zu retten. Dabei lauert Gefahr nicht nur auf Seiten der Sphären, die sich zu einem vernichtenden Rundumschlag gegen die Clans aufrüsten, sondern zunächst vor allem in den Reihen der Schwardornen. Vertrieben aber nicht wehr- und schon gar nicht hoffnungslos versucht die Gruppe, bei dem Bewahrer einer anderen Linie des Clans an das so dringend benötigte Heilmittel zu kommen.

Die Stimmung ist grundlegend sehr nervenaufreibend. Immer wieder finden sich die Figuren in plötzlichen Gefahrensituationen wieder und müssen versuchen, dort herauszukommen. Oder, und das ist viel öfter der Fall, sie bringen sich bewusst in eine solche Situation, weil es eben gerade erforderlich ist. So oft, wie mein Herz beim Lesen stehen geblieben ist, ist es ein Wunder, dass ich noch keine Herzrhythmusstörungen habe.
Nach wie vor empfinde ich Ria als super grandiose Hauptfigur; sie hat einen starken Charakter und eine interessante Persönlichkeit, die durch ihre Ausbildung nur gefestigt worden ist. Aber erst die Zusammenstellung mit den übrigen Figuren macht das Besondere der Geschichte aus. Jeder trägt dazu bei, dass die Handlung läuft und immer wieder aus einer anderen Perspektive beleuchtet werden kann. 

Weil die Politik vor allem das Leben der Außenbewohner so stark beeinflusst hat, kommt die Geschichte natürlich nicht ohne Beziehungsarbeit aus. Verlorengeglaubte Familienmitglieder tauchen plötzlich wieder auf und überhaupt scheint sich alles wieder ein bisschen einzupendeln, was früher gewaltsam auseinander gerissen worden ist. Übertriebene Emotionalität und kitschige Ansprachen bleiben dabei völlig auf der Strecke - im Gegenteil gelingt es der Autorin, den Gefühlen durch einen fast sachlichen Ton eine Wichtigkeit zu geben, die durch schwülstige Floskeln niemals erreicht werden könnte. Ganz im Sinne Rias. Und vor allem ihre Geschichte mit Sandor finde ich ganz wunderbar - auch die Problematik mit Aureljo, die dankenswerterweise nicht in eine nichtssagende und unnötig komplizierte Dreiecks-Kiste führt.

Vor allem gegen Ende wurde ich schon richtig paranoid und habe hinter jedem Satz irgendeine bedrohliche Wendung erwartet. Manchmal wurd sie erfüllt, manchmal nicht, und sehr oft kam eine solche Wendung, wenn ich leider doch kurz nicht damit gerechnet habe. Glücklicherweise waren aber nicht alle aufgedeckten Wahrheiten furchtbar und nicht jeder plötzlich auftauchende Schatten auf Mord aus, sodass die feine Waage zwischen Spannung, Schrecken und kleinen Lichtmomenten gut gehalten wurde. 

Das Ende ist, nun ja, einfach passend, wie ich finde. Ein paar Kleinigkeiten haben sich vielleicht etwas zu einfach eingefügt, aber das konnte ich leicht verzeihen, denn insgesamt war es eine runde Sache, die zu der ganzen Geschichte und vor allem natürlich zu Ria und ihren Fähigkeiten gepasst hat. 5 Wölkchen von mir dafür!


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