29.04.2015

[Rezi] James Dashner - Die Auserwählten in der Todeszone

Erscheinungsjahr: 2013
Originaltitel: The Death Cure
Genre: (Jugend-)Dystopie
Reihe: Maze-Runner-Reihe, Teil III
Seitenzahl: 454


Teaser:
Alle waren von ANGST kontrolliert worden. Einen winzigen Augenblick zweifelte Thomas an seinem Entschluss - konnte er es wirklich zulassen, dass er ANGST weiterhin ausgeliefert war?




*Achtung! Spoilergefahr!*Achtung! Spoilergefahr!*Achtung! Spoilergefahr!*

Handlung
Nach der Brandwüste stehen noch einige letzte Tests an, die jeder der Gruppe isoliert durchlaufen muss und die individuell an die jeweilige Person angepasst werden. Thomas wird für mehrere Wochen in eine kleine Zelle eingeschlossen und hat keinen Kontakt zur Außenwelt. Nachdem auch dieser letzte Versuch abgeschlossen ist, trommelt Janson, der wissenschaftliche Leiter des Labors, alle zusammen und Thomas kann sich endlich davon überzeugen, dass seine Freunde noch am Leben und bei relativer Gesundheit sind. Gleichzeitig erfahren sie alle, warum sie all diese Qualen über sich ergehen lassen mussten: der besagte Virus - der "Brand" - hat so ziemlich die gesamte Welt befallen und breitet sich rasend schnell aus. Thomas und die anderen gehören zu den wenigen, die gegen die Krankheit immun sind und deren Gehirn nicht langsam aber stetig zerfressen wird. Darum wurden während der Testläufe ihr Gehirne genaustens untersucht, um einen Masterplan zu erstellen, der zu einem Heilmittel oder einer Impfung gegen den Brand führen soll. Thomas selbst erfährt, dass er vor seiner Gedächtnislöschung eine tragende Rolle bei der Entwicklung dieser grausamen Tests gespielt hat. Als es dann darum geht, sein Gedächtnis wiederzubekommen, weigert er sich strikt, die nötige Operation über sich ergehen zu lassen; er möchte einfach nichts mehr mit der Person zu tun haben, die er vor seinem Martyrium war. Zusammen mit Newt, Minoh, Brenda und Jorge flieht er aus dem Hauptquartier von ANGST und stellt sich der zerrütteten Welt.

Meine Meinung
Dieses Buch fängt stark an, geht stark weiter und baut zum Schluss zwar ein wenig ab, hält aber dennoch das Spannungsniveau ganz weit oben und bietet von ein paar groben Logiklücken eine sehr fesselnde und unterhaltsame Lesezeit.

Schon gleich zu Beginn legt der Text mit einer seiner größten Stärken aus den Vorgängerbänden los: dem Schaffen einer unsicheren, latent bedrohlichen und verzweifelten Atmosphäre, garniert mit ein bisschen klinischer Kalte. So empfindet man nämlich, wenn man mit Thomas zusammen in dieser fensterlosen Gummizelle hockt und seinen Gedanken folgt, die sich hauptsächlich darum drehen, die Orientierung in der Zeit nicht zu verlieren und seine Erlebnisse zu verarbeiten. 

Und endlich gibt es Antworten! Wie sieht die Welt aus? Welche Maßnahmen wurden von den Regierungen wirklich ergriffen und wie haben sich diese auf die Bevölkerung ausgewirkt? Im ersten Band bleibt der Leser darüber völlig im Unklaren, im zweiten Teil wird dann schon etwas mehr angedeutet, aber das Ausmaß der Katastrophe wird erst jetzt deutlich: die Cranks, also die Infizierten, werden in dem Versuch, sie so lange wie es geht menschenwürdig zu behandeln, in eine Art Heim gebracht, aber da es immer mehr werden, können die völlig wahnsinnigen nicht mehr lange unter Kontrolle gehalten werden. Denn genau das passiert im Endstadium des Brandes: die Erkrankten verlieren alles spezifisch menschliche wie Mitgefühl und Affektkontrolle und verhalten sich wie rasende Tollwütige. Thomas und andere Immune werden auf der einen Seite unglaublich beneidet, weil sie nicht Gefahr laufen, sich mit dem Virus anzustecken. Das weckt allerdings auch Missgunst, sodass sie von den meisten Leuten gemieden und sogar regelrecht gehasst werden.

Besonders gut gelungen finde ich die Verästelungen innerhalb und auch außerhalb der Organisation. Da hat man eine ungefähre Vorstellung, wie alles zusammenhängen konnte und dann wird ein Teilchen ausgetauscht oder es taucht ein neues Detail auf und alles bricht in sich zusammen und ergibt plötzlich einen ganz anderen Sinn. Natürlich ist das auch teilweise ein bisschen frustrierend; vor allem, wenn Thomas plötzlich einfach wieder anfängt Leuten zu vertrauen und man als Leser einfach denkt "Nein! Mach das nicht! Das geht doch nicht gut!". Was tatsächlich keine unwahrscheinliche Prognose ist, denn irgendwer spielt meistens ein falsches Spiel. Enttäuschungen sind da irgendwann nicht mehr so leicht zu verkraften, was wohl unter anderem auch der Grund dafür ist, dass Thomas und Teresa nicht mehr wirklich zueinander finden können. Was in der Brandwüste passiert ist, kann Thomas einfach nicht vergessen und das ist auch sehr nachvollziehbar.
Generell ist Thomas zwar durchaus als strahlender 'Held konzipiert, der immer alles richtig macht, aber durchaus von Zweifeln geprägt ist und nicht alles so locker wegsteckt, wie das Heldenfiguren oftmals tun. An Chucks Tod knabbert er immernoch und auch verschiedene andere traumatisierende Erlebnisse machen ihm sehr zu schaffen. 

Ein bisschen unausgegoren habe ich die Virus-Geschichte aufgenommen. Da macht medizinisch vieles einfach keinen Sinn und hätte ein bisschen durchdachter sein können. Zum Beispiel tragen die Immunen den Virus zwar in sich, erkranken aber nicht. Und sind damit auch gleichzeitig nicht ansteckend? Oder doch? Das wird nicht geklärt und wäre so wichtig. Auch die Wirkungsweise des Virus' finde ich ein bisschen schwammig und das gesamte Projekt des Masterplans auch. Da fehlen mir ein paar technische und medizinische Details, die alles zu einer glaubwürdigen und nachvollziehbaren Sache gemacht hätten.

Ansonsten bringt die Geschichte schon einige Denkanstöße mit sich: Menschen wie Laborratten halten und erforschen ist der eine. Darf man das? Darf man das überhaupt mit Tieren? Kann man ein paar Leben opfern, um viele zu retten? Der Text beantwortet diese Frage mit der einzigen möglichen Antwort: ein Richtig oder Falsch gibt es in diesem Fall nicht. Außerdem stellt sich die Frage danach, wie man mit unheilbar Kranken umgehen sollte. Schwierige Sachen, die der Text sicher nicht zur Genüge reflektiert. Aber das ist ja auch nicht das Ziel.

Insgesamt war dieser letzte Teil der stärkste der Reihe. Obwohl das Ende ein bisschen befremdlich war, hat mich doch der starke Rest überzeugt, sodass ich abschließend 4 Wölkchen vergebe.


27.04.2015

[Rezi] James Dashner - Die Auserwählten in der Brandwüste

Erscheinungsjahr: 2013
Originaltitel: The Scorch Trials
Genre: (Jugend-)Dystopie
Reihe: Maze-Runner-Reihe, Teil I
Seitenzahl: 482


Teaser:
Frustriert machte Thomas weiter mit seiner Runde an der Wand entlang, bis er wieder an dem Zimmer angekommen war, das angeblich Teresas war. Nichts, nichtmal ein Spalt oder eine Fuge deutete auf einen weiteren Ausgang hin.



*Achtung! Spoilergefahr!*Achtung! Spoilergefahr!*Achtung! Spoilergefahr!*

Handlung
Nachdem Thomas, Teresa und die anderen Lichter aus dem Labyrinth entkommen sind, befinden sie sich in der Obhut ihrer vermeintlichen Retter und fühlen sich zunächst einmal in Sicherheit. Ziemlich schnell allerdings stellt die Gruppe fest, dass etwas ganz und gar nicht in Ordnung ist und sie in keiner Weise von den Wissenschaftlern von ANGST entkommen sind. Zuerst verschwindet Teresa spurlos aus einem geschlossenen Raum, ihre Retter sind auch nicht mehr aufzufinden, und stattdessen taucht Aris auf. Der klärt die verwirrten und überforderten Lichter erstmal darüber auf, dass sie nicht die einzige Testgruppe waren, sondern dass es auch noch eine Gruppe B gibt; die bis auf Aris nur aus Mädchen besteht und die genau die selben Testaufgaben erhalten haben. Mehr scheint dieser Junge aber auch nicht zu wissen. 
Nach Tagen ohne Erklärung und vor allem ohne etwas zu essen, erscheint dann plötzlich ein Mitarbeiter von ANGST und klärt die Gruppe auf, dass die Testphase 1 zwar abgeschlossen ist, aber unmittelbar daran Testphase 2 geschlossen ist. Um diese zu durchlaufen, müssen die Jungs ihren Unterschlupf verlassen - für diejenigen, die eventuell zurückbleiben wollen, wird keine schöne Alternative beschrieben - und sich zwei Wochen lang durch eine riesige Wüste mit brütender Hitze und sengender Sonne kämpfen. Ihr Ziel ist der "sichere Hafen", wo die Testphase beendet ist. 
Doch die brennende Sonne ist nicht das einzige, was sich den Jungs in den Weg stellt.

Meine Meinung
Im Grunde behandelt dieses zweite Buch genau die selbe Thematik wie der erste Teil. Diese merkwürdigen Wissenschaftler mit einer fragwürdigen ethischen Haltung schicken ein paar Jugendliche zu ominösen Tests durch wirklich gefährliche Situationen.

Thomas spielt wieder die Hauptrolle und übernimmt gleich zusammen mit seinen Freunden Newt und Minoh die Führung. Obwohl es ihn sehr belastet, dass er nicht weiß, wo Teresa ist und wie es ihr geht, gelingt es ihm die meiste Zeit einen kühlen Kopf zu bewahren und lösungsorientiert zu handeln. Denn Probleme gibt es wie immer genug: der Zustand der Welt ist nach der Sonnenerruption nicht nur äußerst menschenfeindlich, außerdem hat sich noch ein bösartiges Virus verbreitet, dass sich im Gehirn einnistet und den Infizierten nach und nach zu einem zombieähnlichen Wesen verkommen lässt. Angeblich tragen alle Versuchspersonen dieses Virus ebenfalls in sich - nur ist es noch nicht ausgebrochen. Mit den fatalen Folgen des Krankheitsverlaufes vor Augen, ist die Motivation natürlich noch größer, das Ziel der Aufgabe zu erreichen.

Nachdem das Labyrinth ja ein abgeschlossener Raum war, der auch bis zu einem gewissen Zeitpunkt verschiedene sichere Rückzugsmöglichkeiten bot, ist die Brandwüste das komplette Gegenteil. Unendliche Weite, wenig Möglichkeiten, Nahrung zu bekommen und ein furchtbares Klima, das das Fortkommen beschwerlich macht. Dazu die Angst vor dem Virus, die Wut auf ANGST und das Unverständnis, warum diese Gruppe wie Laborratten durch verschiedene Situationen gehetzt wird, um erforscht zu werden.
Dabei gelingt es dem Autoren unglaublich gut, all diese Empfindungen, Eindrücke und Gefühle zu transportieren und eine permanent bedrohliche, ungewisse Atmosphäre zu erschaffen. Thomas selbst ist öfter kurz davor, aufzugeben und einfach nicht mehr weiterzumachen. Was auch sehr verständlich ist. Da sitzen Menschen in ihren Laborkitteln und haben die Möglichkeit, sie alle aus diesen Gefahren zu retten, bevor Leute sterben, und tun es einfach nicht. Da kann man schon mal die Hoffnung verlieren. Aber Thomas wäre nicht der Favorit von ANGST, wenn er nicht genau das nicht tun würde: aufgeben. Also rappelt er sich immer wieder auf und zieht alle anderen mit sich.

Über die Umstände, in der sich die Gesellschaft befindet, oder wie die Vergangenheit der Jugendlichen war, erfährt man immernoch nicht wirklich viel. Ein paar einzelne Flashbacks führen Thomas zurück in die Zeit, bevor der Versuch angefangen hat, aber an richtig viel erinnert er sich nicht.
Sowieso sind wir am Ende ungefähr so weit wie am Ende von Buch eins. Hat uns nicht wirklich weitergebracht, was Information angeht. Eine spannende, flüssig zu lesende Geschichte, aber eben ein bisschen unbefriedigend. Trotzdem gibt des noch 3 Wölkchen von mir.


24.04.2015

[Rezi] Félix J. Palma - Die Landkarte der Zeit

Erscheinungsjahr: 2010
Originaltitel: El mapa del tiempo
Genre: Historischer Geister- Phantastik- Brief-Roman
Reihe: Viktorianische Trilogie, Teil I
Seitenzahl: 720


Teaser:
Haben sie sich einmal gefragt, was den Menschen zu einem verantwortungsbewussten Wesen macht? Ich will es ihnen sagen: es ist die Tatsache, dass er das, was er tut, nur einmal tun kann. Gäbe es Maschinen, die uns erlaubte, unsere dümmsten Fehler zu korrigieren, lebten wir in einer Welt der Verantwortungslosigkeit.


Handlung
Zeitreisen faszinieren die Menschen seit jeher. Und auch im London des Jahres 1896 ist die Möglichkeit, sich nicht nur im Raum, sondern auch in der Zeit zu bewegen, ein brandaktuelles Thema. Da gibt es zum einen die Firma Zeitreisen Murray, deren Gründer und Inhaber Gilliam Murray seinen Kunden eine exklusive Reise durch die vierte Dimension hinein ins Jahr 2000 verspricht, wo gerade ein Krieg zwischen den Menschen und den übermächtig gewordenen Maschinen herrscht. Die Zeitreise als Tourismus-Magnet und Geschäftsmodell ist unter anderem auch wegen des Literaturmarktes zu so einer lukrativen Sache geworden, denn Zukunftsromane sind gerade sehr gefragt.
Aber nicht nur zum allgemeinen Vergnügen ist eine Zeitreise reizvoll. Der verzweifelte Andrew beispielsweise muss zurück in die Vergangenheit reisen, um die Liebe seines Lebens davor zu bewahren, dem grausamen Serienmörder Jack the Ripper zum Opfer zu fallen. Wenn er diesen Mord verhindert, wäre damit nicht nur das Leben seiner Angebetete, sondern auch sein eigenes gerettet, denn seit ihrem Tod  vegetiert Andrew eigentlich nur noch vor sich hin.
Völlig unterschiedliche Menschen mit verschiedenen Einzelschicksalen vereint in dem Wunsch der Zeitreise. Und immer die Frage: gibt es Zeitreisen nun - oder nicht?

Meine Meinung
Mit diesem Buch bekommt man nicht nur 3 Geschichten in einem geliefert, sondern auch noch einen Querschnitt durch diverse Literaturgenre, einen interessanten und selbstreflexiven Erzähler und verschiedene Verweise auf historisch existierende Personen. Mit einem Wort: wundervoll!

Es fällt mir super schwer, alle meine Eindrücke zu diesem Buch in eine kleine Rezi zu quetschen und dem Roman dabei gerecht zu werden.
Besonders hervor sticht sicherlich die Erzählerfigur, die sich selbst nicht weiter vorstellt oder ihre Identität näher bestimmt, die aber nach eigener Aussage "alles sieht und alles weiß" und deshalb in der Lage ist, die Geschichte von jeder Figur zu erzählen - sowohl ihr Außen-, als auch ihr Innenleben. Gerade aber, weil die Person, die uns diese ganzen wunderbaren Geschichten erzählt, ihre Existenz und Allwissenheit nicht rechtfertigt, erscheint es fast zu einfach, seine Einschätzungen völlig für bare Münze zu nehmen. Vor allem, weil er im Verlauf der Geschichte immer wieder zugibt, dass er im Sinne der Wirkung gerne auch mal die Unwahrheit erzählt, damit eine gewisse Wirkung erzielt wird. So kann wohl niemals völlig geklärt werden, ob Zeitreisen in der Fiktion dieser Geschichte nun tatsächlich möglich ist oder nicht. Fakt ist aber, dass die Sprache so zauberhaft ist und so viele schöne und schlaue Dinge gesagt werden, dass es fast schon egal ist, was nun real ist und was nicht.

Auch die übrigen Figuren sind allesamt spannend zu verfolgen. Eben weil man durch den allwissenden Erzähler die Geschichte eines jeden erfährt, stellen alle Charaktere eine gewisse Identifikationsfläche dar, mit der man sich auseinandersetzten und die man verstehen kann. Und vor allem handeln die Figuren teilweise so total unerwartet und entwickeln sich alleine durch ihre Erfahrungen und Reflektionen zu der Thematik des Zeitreisens, dass ich einfach mitgerissen wurde.

Ein bisschen kompliziert wird es dann natürlich, als es um die ganzen Paradoxien und Logik-Problematiken geht, die Veränderungen im Zeitgefüge eben so mit sich bringen und die ich wahrscheinlich niemals vollständig durchdringen werde. Nahezu virtuos geht es dann im letzten Teil des Buchs zu, wo alle Handlungsstränge vollständig miteinander verknüpft werden und wir nun nicht mehr nur mit H. G. Wells einen "echten" Autoren unter den Figuren haben, sondern zum Beispiel auch Bram Stoker begrüßen dürfen.

Um es kurz zu machen: die 700 Seiten sind für mich wie im Flug vergangen und haben mich vollständig überzeugt und verzaubert und begeistert und überhaupt. Ich vergebe 5 rosa Wölkchen und eine absolute Leseempfehlung!


20.04.2015

[Lieblinge] Picture My Day #18

Von der Aktion "Picture My Day" habe ich in den letzten Jahren immer mal wieder etwas gelesen und auch die Beiträge dazu gerne verfolgt. Wer spielt auch nicht gerne Voyeur und schnuppert so ein bisschen in den Alltag von anderen hinein? Gebt es ruhig zu! Denn glücklicherweise werden die Voyeur-Bedürfnisse auf der einen Seite perfekt von den Profilierungs-Bedürfnissen gedeckt, die auf der anderen Seite stehen. Und das Internet bietet praktischerweise für beides das ideale Medium!

Sollte jemandem die ganze Geschichte nichts sagen und auch ein wenig suspekt vorkommen: keine Panik, es ist wirklich so simpel, wie es klingt. Für einen bestimmten Tag hat man einfach permanent sein Smartphone oder eine richtige Kamera griffbereit und hält diverse Details seines Alltags fest. Seit Instagram ist das ja eigentlich sowieso eine ziemlich alltägliche Sache.
Für mich allerdings nicht wirklich und ich muss sagen, dass es mir auch ein bisschen schwer gefallen ist, ständig daran zu denken, ein Foto von diesem oder jenem zu machen. Aber das war auch gut so. Am Ende sind es genau 15 Bilder geworden, sodass ich nicht aussortieren musste, denn an Quantität ist das so ungefähr der Durchschnitt. Also los! Dieses mal war der große Tag auf den 18. April angesetzt. Also einen Samstag. Die Wochenenden unterscheiden sich im Moment nicht großartig von meinen Wochentagen, also ist das hier im Grunde ein Querschnitt durch das Leben einer Studentin in Schaffenskrise. Bitte sehr!

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1. Erstmal die Vorhänge aufziehen und den Wetterstand checken. Und mich am Kirschbaum erfreuen.
2. Mit dem Frühstück und der aktuellen Lektüre zurück ins Bett. Damit der Samstag gemütlich startet.
3. Einkaufen und auf den Bus warten. Die Schlepperei hält fit!


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5. Nach dem Einkauf dann eine Runde entspannen: mit den Gilmore Girls und einer Portion Kaiserschmarrn.
6. Um dann motiviert und gestärkt ans Saubermachen zu gehen.
7. Und weil das Wetter so schön war, sind meine Mitbewohnerin und ich danach in den Wald zum Geocachen gegangen. Verstecke können manchmal wirklich zugewuchert sein.


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7. Erfolgreiches Suchen muss mit einer kleinen Koffein-Stärkung belohnt werden.
8. Und natürlich auch mit einem kleinen Picknick auf einem umgestürzten Baumstamm.
9. Rasten ist übrigens eine meiner Lieblingsbeschäftigungen :D


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10. Noch schnell die Pferdchen im Wildgehege besucht, bevor es dann wieder nach Hause ging.
11. Wo dann ein pseudo-gesundes Abendessen zusammengeschmissen wurde.
13. Schnell, unkompliziert und lecker - so muss das sein!


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13. Ein gemütlicher Filmabend in der WG - das wilde Studentenleben!
14. Zähneputzen ist wichtig. Vor allem, wenn man den ganzen Tag nur am Essen ist.
15. Und da endet der Tag, wie er begonnen hat - mit einem guten Buch :)

So, das war mein Samstag. Ich freue mich schon darauf, die ganzen anderen Beiträge zu sehen! #pmdd18

19.04.2015

[Musik] Sonntagslieder #116

Wetter ist ja ein zu Unrecht vorverurteiltes Smalltalkthema. Wenn man was zum Wetter sagt, gilt man schnell als unkreativer Gesprächsteilnehmer. Vielleicht. Also manchmal. Bei mir nicht. Denn ich rede gerne darüber. Es ist schließlich wichtig, sich über Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Sonnenstrahlintensität austauschen. Schon alleine, um die Kompatibilität seiner Kleidung mit den äußeren Verhältnissen abzugleichen. Aber auch sonst geht das Wetter schließlich jeden an, ist immer da und vor allem hat jeder eine Haltung dazu. Also warum nicht über das Wetter sprechen? Denn im Moment ist es sogar hier im Norden ganz wunderbar - zwar keine 25°C, aber Sonne und kein ganz so kalter Wind. Und die Kirschbäume blühen! Leider ist dieses Bild nur von kurzer Dauer, aber die gefühlten 2 Tage, in denen alles rosa ist, sind meine liebsten im ganzen Frühling.
Also alles ist auf Harmonie eingestellt. Und gute Laune. Das sieht man auch an der heutigen Liederauswahl:



Olly Murs - Ready for Love
Das komplette Album läuft bei mir im Moment rauf und runter. Das hier ist also nur exemplarisch eins der Lieder, die ich ständig höre und sehr frühlingspassend finde :)


Adam Levine - Higher Place
Vor Kurzem habe ich den Film gesehen und musste direkt die Songliste herunterladen. Überraschenderweise mag ich Adam Levines Stimme in den Liedern und finde sie nur minimal anstrengend; normalerweise bin ich da empfindlicher. Spricht sehr für die Lieder, finde ich :D


We The Kings
Und zum Schluss endlich noch ein Lied, das es in Originalgeschwindigkeit bei Youtube gibt und deshalb uneingeschränkt genossen werden kann.

Und wenn bei euch jetzt auch die Sonne scheint, dann empfehle ich euch ein ausgiebiges Sonnenbad. Das zumindest ist mein Tagesplan. Einen schönen Sonntag wünsche ich euch! ♥

15.04.2015

Wenig Uni bedeutet viel Zeit.

Viel Zeit bedeutet, dass ich endlich etwas in Angriff nehmen konnte, was schon seit ungefähr einem halben Jahr auf meiner ToDo-Liste steht, aber mangels Muse und Gelegenheit bis jetzt nicht umgesetzt wurde. Denn es wurde mal wieder Zeit für einen neuen Anstrich im Haus des Wahninns.

Natürlich ist es nicht das überkrasse, mega ausgeklügelte Design geworden, was zum einen an meinen dramatisch unterentwickelten Fähigkeiten bezüglich HTML-Gedöns liegt, zum anderen aber auch der Tatsache geschuldet ist, dass ich keine Lust auf Rumgespiele hatte. Deshalb sieht es jetzt hier entsprechend minimalistisch, geradlinig und ein bisschen reduziert aus. Zumindest, wenn man das mal mit dem vergangenen Design vergleicht, das deutlich bunter und verspielter war:

Am Ende ist es dann trotzdem nicht ganz so geworden, wie ich es mir am Anfang vorgestellt hatte, weil es doch ein bisschen zu kahl war, aber das ist wahrscheinlich auch normal. Und wie das so ist, bin ich - obwohl hier und da noch ein bisschen geschraubt werden muss und es nur so semi-professionell - ziemlich stolz auf das Design, weil ich alles ganz selbst (und mit Hilfe von praktischen Tutorials bei dem Pusteblümchen Sandra) gemacht habe. Deshalb sind die mangelbehafteten Stellen auch okay. Ich nenne es nicht unperfekt, ich nenne es individuell :D

Mehr wollte ich auch eigentlich gar nicht sagen. Aber weil seit 2 Jahren hier keine neue Optik aufgetaucht ist, dachte ich, eine kleine Ankündigung schadet ja nicht. Nur, damit sich hier niemand verirrt fühlt :D

12.04.2015

[Gerede] Kleines Bücherwort zum Sonntag

Als Mensch, der grundsätzlich schon viel nachdenkt auch noch Literaturwissenschaften zu studieren, scheint auf den ersten Blick eine gute Idee zu sein. Vor allem dann, wenn das geschriebene Wort quasi schon immer und im Prinzip schon bevor sich die Lesefähigkeit gefestigt hatte eine große Rolle im Leben besagten Menschen gespielt hat. 
Und wenn dieser Mensch dann nicht nur über die Bücher auf dem Semesterplan nachdenken kann, sondern auch über die Bücher, die er in seiner Freizeit liest, ist es doch optimal, einen thematisch passenden Blog zu eröffnen. Lesen - darüber nachdenken - Ergebnisse formulieren und darüber austauschen. Klingt gut. Ist es auch.

Außer, dem denkenden Menschen fällt auf, dass etwas fehlt.
Was ist nämlich nötig, um differenziert analysieren zu können? Abstand. Ohne den erkennt man keine Meta-Ebenen, sieht poetologische Kniffe nicht und weiß mit intertextuellen Bezügen nur peripher umzugehen. Es ist also tatsächlich so, dass eine gewisse Distanz nötig ist, um die Komplexität eines literarischen Werkes angemessen erfassen zu können. Gefordert ist dabei eine bestimmte Lesart, der manchmal ein eklatanter Mangel zu Grunde liegt: ein Mangel an Unmittelbarkeit. Diese führt eigentlich dazu, sich emotional und empathisch auf eine Geschichte einlassen zu können. Wenn aber im geistigen Hintergrund unseres viel denkenden Menschen permanent diverse Analysewerkzeuge mitlaufen, wie soll er sich dann auf Gefühlsebene mit dem Text treffen? Ein bisschen parallel kann man beide Ebenen zwar betrachten, aber bei einer der beiden muss zwingend etwas auf der Strecke bleiben.

Dieser viel denkende Mensch bin übrigens ich. In letzter Zeit habe ich immer öfter das Gefühl, etwas abgestumpft - um nicht zu sagen: emotional verkrüppelt - zu sein. Es gibt nicht mehr viele Bücher, die es schaffen, mich so richtig mitzureißen, sodass ich gar nicht anders KANN, als völlig tunnelblickartig mitzufiebern und alle Analysekategorien zu vergessen. Und genau darum geht es doch beim Lesen eigentlich, oder? "Eintauchen" und "Versinken" sind nicht umsonst häufig gebrauchte Wörter in Rezensionen. Doch es werden immer weniger Bücher, die eine solche Sogwirkung auf mich haben und ich frage mich, ob ich mir mit der Zeit einfach schon so viele übergeordnete Gedanken zu Büchern gemacht habe, dass ich diese Denkerei mittlerweile gar nicht mehr bewusst steuern kann.

Vielleicht liegt es aber auch gar nicht am Studium oder am Bloggen. Vielleicht ist mein Geschmack nur einfach anspruchsvoller geworden. Aber ich wäre ja nicht ein viel denkender Mensch, wenn ich nicht auch die Abstumpfungs-Problematik auf den gedanklichen Seziertisch legen würde.
Dieser Text hat leider keine abschließende Handlungsanleitung, kein Vorsatz für die Zukunft und keine "Moral von der Geschicht". Er ist lediglich eine Bestandsaufnahme der aktuellen Situation. Und endet daher mit einer Frage: wann erfindet endlich irgendein Genie den Schalter, mit dem man unerwünschte Zerdenker-Denkerein aus seinem Kopf hebeln kann? Das würde schließlich nicht nur dem unempathisch gewordenen Leser helfen.

10.04.2015

[Rezi] James Dashner - Die Auserwählten im Labyrinth

Erscheinungsjahr: 2013
Originaltitel: The Maze Runner
Genre: (Jugend-)Dystopie
Reihe: Maze-Runner-Reihe, Teil I
Seitenzahl: 489


Teaser:
Thomas ließ sich wieder an der rauen Baumrinde nach unten rutschen, drückte sich mit dem Rücken gegen den Stamm, machte die Augen zu und wünschte, er könnte aus diesem fürchterlichen, unfassbaren Traum aufwachen.



Handlung
Ohne persönliche Erinnerungen an seine Vergangenheit wird Thomas wie ein Stück Handelsware in einer Box auf einer Lichtung abgeliefert. Auf dieser Lichtung wohnen eine ganze Menge Jungen, denen es genauso wie ihm ergangen ist: an mehr als an ihre Namen konnte sich niemand erinnern. Sie wissen nichts über ihre Eltern, ihre Kindheit oder darüber wer sie an diesem Ort verfrachtet hat. Sie wissen nur, dass die einzigen Wege von der Lichtung weg in ein riesiges Labyrinth führen, wo riesige, furchtbare Kreaturen jeden umbringen, der nicht schnell genug vor ihnen flüchten kann.

Trotz ihres jugendlichen Alters - alle sind sie ungefähr zwischen 13 und 17 Jahren - haben sich die Jungs in einen streng gegliederten und hierarchisch aufgebauten Verband formiert und alle anfallenden Arbeiten werden erledigt. Es gibt Viehzucht und Lebensmittelanbau - nur besondere Dinge werden wöchentlich mit einer Box gebracht. So leben sie schon seit mindestens zwei Jahren in dieser Unwissenheit: irgendjemand versorgt sie und lässt sie gleichzeitig von unsagbaren Bedrohungen umgeben in einem undurchdringlichen Labyrinth eingesperrt. Denn einen Ausgang haben sie auch mit ihrer systematischen Suche darin nicht finden können.

Mit Thomas' Auftauchen scheint allerdings ein Stein ins Rollen gekommen zu sein, der die tägliche Routine unterbricht. Nicht nur, dass er das unbestimmte Gefühl hat, mehr zu wissen, als ihm bewusst ist, es geschehen auch merkwürdige Dinge unmittelbar nach seiner Ankunft. Er muss herausfinden, wer sie dort gefangen hält, warum er das tut, und wie sich dir Gruppe befreien kann.

Meine Meinung
Wenn sich der Protagonist an nichts erinnern kann, was die Welt betrifft, in der er sich befindet, hat auch der Leser erstmal keine Ahnung von allem. Genauso wie Thomas steigt man also aus einer Box heraus und versucht, das Beschriebene einzuordnen. Was nicht so gut funktioniert, weil niemand der übrigen Personen zu einer befriedigenden Auskunft bereit scheint. Das ist frustrierend - nicht nur für Thomas. Und das führte vor allem dazu, dass ich die ersten 100 Seiten nicht so gut in die Geschichte reingefunden habe. Aber das hat sich dann zum Glück geändert.

Neben dem grundsätzlichen Szenario der Lichtung in Mitten eines riesigen Labyrinths, das der Autor tatsächlich relativ glaubhaft darstellt - wahrscheinlich wird es mit den nächsten Teilen, wenn sich die Hintergründe etwas mehr aufklären, noch ein bisschen glaubhafter - sind es vor allem die Charaktere, die in diesem Buch sehr zur Herstellung einer authentischen Szenerie beitragen. Zumindest die handvoll, die sowohl einen Namen als auch einen Inhalt bekommen. Tatsächlich fand ich, es gab nicht viele Figuren, die überhaupt ausgearbeitet worden sind. Aber die haben dafür dann auch wirklich Hand, Fuß und ein Innenleben, was die geringe Quantität auch wieder ausgleicht.

An erster Stelle steht natürlich Thomas, den der Leser permanent begleitet. Relativ früh wird ihm klar, dass es sich hierbei um eine Art Experiment handeln muss; das große Labyrinth ist da zwar schon Hinweis genug, aber vor allem auch die kleinen Wanzen, die überall auftauchen und alle abhören, die Versorgungsboxen und die immer gleich bleibenden äußeren Umstände (Temperatur, das Wetter allgemein und auch die ausreichende Versorgung) lassen darauf schließen, dass hier irgendeine abgedrehte wissenschaftliche Studie läuft. Wer und warum? Das weiß keiner. Allerdings muss es einen Ausweg geben, dessen sind sich Thomas und auch die höchsten Anführer der Gruppe sicher. 
Thomas ist eine gute Identifikationsfläche, auch wenn er ein bisschen sehr heldenhaft gestaltet ist. Aber manchmal will man ja auch gerade das lesen. Jedenfalls hält er sich grundsätzlich nicht lange mit Verzweiflung und Selbstmitleid auf, sondern sucht Lösungen für Probleme. Das bringt ihn auf der einen Seite öfter in Lebensgefahr, handelt ihm aber auch die Anerkennung von vielen anderen ein. Und stellt ihn ein bisschen als Hoffnungsträger dar. Hoffnung ist auch genau das, was langsam zur Neige geht in diesem immer währenden Trott, dem die Gruppe ausgesetzt ist. Oberflächlich scheinen sich die meisten zwar mit ihrem Leben im Labyrinth abgefunden zu haben, aber tatsächlich wünschen sich alle nichts mehr, als ein ganz normales Leben zu führen. Was sie allerdings draußen, in der wirklichen Welt erwartet, weiß niemand so genau. Die wenigen, denen ein paar Erinnerungen zurückgebracht wurden, scheinen davon so traumatisiert zu sein, dass sie nicht darüber sprechen können. Dass sie also bei einer gelungenen Flucht in ein rosiges Zuhause zurückkehren, ins ziemlich unwahrscheinlich. Trotzdem lassen sie nichts unversucht.

Beeindruckend fand ich die Tatsache, dass das gesamte Buch im Grunde völlig ohne ausgearbeitete Liebesgeschichte ausgekommen ist. Das hat einige Pluspunkte bei mir eingefahren. Zwar taucht irgendwann ein Mädchen namens Teresa auf und es wird auch mehr oder weniger subtil - eher weniger - eine frühere Liebesbeziehung zwischen ihr und Thomas angedeutet, aber die steht in diesem Teil noch absolut im Hintergrund. Hauptsächlich, weil beide ja ihre Erinnerungen verloren haben. Aber gut.
Die Spannung wird konstant aufrecht erhalten. Immer neue Puzzelteile fügen sich zu einem Bild zusammen und immer neue Ereignisse zwingen einen, einfach weiterzulesen. 

Die Sprache ist natürlich auch noch ein großer Punkt. Die Jungs auf der Lichtung haben nämlich teilweise ihre ganz eigene Ausdrucksart, was auch wieder dazu beigetragen hat, dass ich am Anfang nichts so richtig verstanden habe. Wie Thomas. Aber sobald man nicht mehr so neppdeppig rumhängt und sich dran gewöhnt, gehört man nicht mehr zu den Strünken, die nichts verstehen ;D
Insgesamt gibts gerne verliehene 4 Wölkchen von mir. Ich bin schon sehr gespannt auf den nächsten Teil!

 

07.04.2015

[Rezi] Selma Lagerlöf - Die Löwenskölds

Erscheinungsjahr: 2015 (Erstausgabe des ersten Teils: 1925)
Originaltitel: Den Löwensköldska ringen (I), Charlotte Löwensköld (II), Anna Svärd (III)
Reihe: Löwenskölds-Reihe
Genre: Familiensaga
Seitenzahl: 711



Teaser: 
Die heftige Gemütsbewegung hatte sein Innerstes in Wallung versetzt, und eine Tür war aufgerissen worden, die in einen Raum seiner Seele führte, in den er bisher noch nie geblickt hatte.


Handlung
Alle drei Teile der Löwenskölds-Reihe sind in diesem Buch enthalten. Sie erzählen die Geschichte mehrerer Generationen einer angesehenen Familie, die von einem schlimmen Fluch verfolgt wird. Die Handlungen spielen hauptsächlich im 19. Jahrhundert.

Weil Bengt Löwensköld im Krieg der schwedischen Armee sehr gut gedient hat, erhält er von seinem König Adeltitel, das Gut Hedeby und vor allem einen äußerst wertvollen Ring. Dieser Ring ist es auch, mit dem der Fluch Einzug hält und um den sich der erste Teil der Trilogie dreht. Es war nämlich Bengts Wunsch, mit seinem Ring zusammen begraben zu werden; diesem Wunsch wird nach seinem Tod auch entsprochen. Die Versuchung, den Ring nachträglich zu entwenden ist allerdings sehr groß - nicht so sehr für die Familie Löwensköld selbst, sondern mehr für die Bewohner der Bauernhöfe und des Dorfes in der Nähe des Grabes. Schließlich weiß jeder um den Wert des Rings.
Schließlich kann sich einer der Bauern nicht mehr zurückhalten und nimmt den Ring an sich. Ab diesem Moment ist er vom Pech verfolgt - sein Bauernhof brennt ab, seine Frau stirbt und er selbst wird nicht mehr froh. Und jeder, der den Ring nach ihm erhält, ob wissentlich oder unwissentlich, steht unter einer großen Pechsträhne.

Der zweite und der dritte Teil handelt hauptsächlich von der verworrenen und durch viele Missverständnisse und Intrigen immer wieder zerstörte Beziehung zwischen Charlotte Löwensköld und ihrem Verlobten Karl-Artur Ekenstedt.

Meine Meinung
Es steht ja auf meiner To-Read-Liste, von so vielen Nobelpreisträgern etwas zu lesen, wie ich kann. Was bedeutet, dass diese Gelegenheit hier wie gerufen kam, denn Selma Lagerlöff ist nicht nur die erste Frau, die überhaupt jemals einen Literaturnobelpreis erhalten hat, sondern sie ist außerdem die Schöpferin von Nils Holgersson. Da standen doch alle Sterne auf Kurs. 

Diese Trilogie ist eine Mischung aus Familiendrama, Gruselgeschichte und Liebeschaos. Im ersten Teil überwiegt dabei ganz klar das Geistermotiv, das in den beiden übrigen Teilen keine ganz so große Rolle mehr einnimmt. Was sich aber beständig durchzieht ist das Konzept von Rache. Jemand fühlt sich ungerecht behandelt - und wird es eventuell sogar - und wünscht sich daher, dass denen, die Schuld daran tragen, ein mindestens ebenso großes Unrecht wiederfährt.

Im ersten Teil wird kurz und knapp die Basis für die beiden folgenden Bände geschaffen. Der Ring, der Fluch und die Stellung der Familie bilden die Grundlage für das, was ein paar Generationen später weiter geschieht. Dabei verändern sich sowohl der Schreibstil als auch der Umfang der Geschichten deutlich. Der erste Band umfasst runde 100 Seiten und ist in einer sehr knappen und distanzierten Sprache gehalten, während bei den beiden anschließenden Teilen eine fast schon verschnörkelte und blumige Sprache vorherrscht, die vor allem zur Figur von Charlotte passt. Dadurch, und durch die detailreichere Ausarbeitung der Charaktere und Handlungen sind diese Teile auch deutlich länger.

Um etwas zu den Figuren zu schreiben, ohne irgendetwas der Handlung zu spoilern, ist ziemlich schwierig. Charlotte, die die Hauptfigur und Titelgeberin des zweiten Bandes ist, kam mir am Anfang ziemlich berechnend und manipulativ vor. Im Grunde ist sie das auch, allerdings wird sie moralisch so gefestigt entwickelt, dass sie eher ihr persönliches Glück zurückstellt und alles so in die Wege leitet, wie es für die anderen am besten erscheint. Unter anderem dadurch durchlebt sie eine der größten Tragödien, die eine junge Frau zu der Zeit (und heute auch) ereilen konnte: sie wird von ihrem Verlobten mehr oder weniger sitzen gelassen. Dennoch schafft sie es, nicht in Kummer zu versinken und ist insgesamt eine Figur, der ich gerne gefolgt bin. Tatsächlich waren die Handlungsstränge, in denen Charlotte eine tragende Rolle inne hatte, meine liebsten. Und außerdem finde ich, dass es ein absolutes Glück war, nicht mit Karl-Artur verheiratet zu werden, denn dieser ist mit Abstand die unangenehmste Figur der ganzen Geschichte. So wird er zwar nicht von Beginn an konzipiert, aber ich bin mit ihm nie richtig warm geworden. Im ditten Teil kommt sein unempathisches Wesen, sein völliger Egozentrismus und vor allem seine Doppelmoral - Armut predigen, aber in relativem Reichtum leben - richtig deutlich zum Vorschein. 

Am Schluss schlägt die Geschichte noch einmal einen Bogen zurück zum ersten Teil und verbindet alle offenen Enden der Handlung miteinander. Das hat dem ganzen ein rundes Ende gegeben und alle Höhen und Tiefen zu einem Abschluss geführt.
Insgesamt habe ich relativ lange gebraucht, um mit dem Buch durchzukommen, weil die Handlung zeitweise ihre Längen hatte und sich in mehr oder weniger unnötigen Detailbeschreibungen verliert. Diese sind hin und wieder zwar sehr interessant - vor allem die allgegenwärtige Präsenz von Religion fand ich extrem interessant, gerade was die Bräuche und Rituale angeht - aber oftmals für die Handlung irrelevant. Daher gibt es solide 3 Wölkchen von mir.



Mein herzlicher Dank für dieses Rezensionsexemplar geht an den Verlag Urachhaus!

05.04.2015

[Musik] Sonntagslieder #116

Frohe Ostern allerseits! :D Ich wünsche, eine erfolgreiche Eiersuche gehabt zu haben und einen sonnenreichen und familiengemütlichen Tag verbracht zu haben.
Ich für meinen Teil kann mich wegen des unendlich scheinenden guten Essens nur noch rollen vorwärts bewegen. Wenn mich dabei nicht gerade eine Tuba begleitet, läuft dazu folgender Soundtrack im Hintergrund:



Imagine Dragons - Shots
Frühlingszeit ist für mich immer Imagine Dragons-Zeit. Irgendwie finde ich das äußerst passend :)


Colbie Caillat - Floodgates
Same here. So ein bisschen Gedudel macht mir im Frühling einfach am meisten Spaß :D


Olly Murs - Stick With Me
Und Olly Murs mag ich in letzter Zeit sowieso sehr gerne. Macht meistens gute Laune :)


Und jetzt tanze ich weiter durch die Gegend - ein entspanntes restliches Osterwochenende zusammen! ♥

01.04.2015

Leserückblick März 2015

Hier ist offiziell aprilscherzfreie Zone. Das gleich vorweg. Ich bin naiv, leichtgläubig und lernresistent - also ein leichtes Ziel für alle Möchtergern-Scherzkekse. Deshalb hatte ich heute schon mehr als genug "Spaß" und muss mal wieder ein bisschen zurückkehren zum Ernst des Lebens. Wie beispielsweise zu meinen Hausarbeiten. Gestern habe ich die allerletzte Hausarbeit abgegeben, die ich für immer immer immer schreiben musste, und fühle mich wesentlich erleichterter, als ich es angenommen hatte. Aber es ist wirklich sehr befreiend - kann ich nur empfehlen :D
Was ich außerdem empfehlen kann, sind alle Bücher, die ich im letzten Monat gelesen habe; die waren nämlich allesamt richtig genial!

Gelesen
Kerstin Gier - Silber. Das zweite Buch der Träume (*Rezi*)
Kristin Cashore - Bitterblue. Die Königliche (*Rezi*)
Ursula Poznanski - Die Verschworenen (*Rezi*)
Ursula Poznanski - Die Vernichteten (*Rezi*)

In Seiten
1946

Durchschnittsbewertung
4,4 Wölkchen

Highlight des Monats
Lesetechnisch war der ganze Monat ein einziges Highlight. Abgesehen von meinem aktuellen Buch, mit dem ich einfach nicht so richtig warm werde. Aber darüber meckere ich dann zur gegebenen Zeit. Diesen Monat kann ich auf keinen Fall ein einzelnes Buch hervorheben; waren alles Jugendbücher mit ähnlichem Niveau und ähnlich spannenden Geschichten.

Enttäuschung des Monats
Keine! :D

In Bildern

Da habe ich den Februar tatsächlich noch getoppt. Mal sehen, wie sich der April und vor allem die Osterferien auf meine Leselust auswirken - denn eigentlich bin ich grade seit langem mal wieder richtig drauf auf dem Lesestoff! :D