10.04.2015

# Rezensionen

[Rezi] James Dashner - Die Auserwählten im Labyrinth

Erscheinungsjahr: 2013
Originaltitel: The Maze Runner
Genre: (Jugend-)Dystopie
Reihe: Maze-Runner-Reihe, Teil I
Seitenzahl: 489


Teaser:
Thomas ließ sich wieder an der rauen Baumrinde nach unten rutschen, drückte sich mit dem Rücken gegen den Stamm, machte die Augen zu und wünschte, er könnte aus diesem fürchterlichen, unfassbaren Traum aufwachen.



Handlung
Ohne persönliche Erinnerungen an seine Vergangenheit wird Thomas wie ein Stück Handelsware in einer Box auf einer Lichtung abgeliefert. Auf dieser Lichtung wohnen eine ganze Menge Jungen, denen es genauso wie ihm ergangen ist: an mehr als an ihre Namen konnte sich niemand erinnern. Sie wissen nichts über ihre Eltern, ihre Kindheit oder darüber wer sie an diesem Ort verfrachtet hat. Sie wissen nur, dass die einzigen Wege von der Lichtung weg in ein riesiges Labyrinth führen, wo riesige, furchtbare Kreaturen jeden umbringen, der nicht schnell genug vor ihnen flüchten kann.

Trotz ihres jugendlichen Alters - alle sind sie ungefähr zwischen 13 und 17 Jahren - haben sich die Jungs in einen streng gegliederten und hierarchisch aufgebauten Verband formiert und alle anfallenden Arbeiten werden erledigt. Es gibt Viehzucht und Lebensmittelanbau - nur besondere Dinge werden wöchentlich mit einer Box gebracht. So leben sie schon seit mindestens zwei Jahren in dieser Unwissenheit: irgendjemand versorgt sie und lässt sie gleichzeitig von unsagbaren Bedrohungen umgeben in einem undurchdringlichen Labyrinth eingesperrt. Denn einen Ausgang haben sie auch mit ihrer systematischen Suche darin nicht finden können.

Mit Thomas' Auftauchen scheint allerdings ein Stein ins Rollen gekommen zu sein, der die tägliche Routine unterbricht. Nicht nur, dass er das unbestimmte Gefühl hat, mehr zu wissen, als ihm bewusst ist, es geschehen auch merkwürdige Dinge unmittelbar nach seiner Ankunft. Er muss herausfinden, wer sie dort gefangen hält, warum er das tut, und wie sich dir Gruppe befreien kann.

Meine Meinung
Wenn sich der Protagonist an nichts erinnern kann, was die Welt betrifft, in der er sich befindet, hat auch der Leser erstmal keine Ahnung von allem. Genauso wie Thomas steigt man also aus einer Box heraus und versucht, das Beschriebene einzuordnen. Was nicht so gut funktioniert, weil niemand der übrigen Personen zu einer befriedigenden Auskunft bereit scheint. Das ist frustrierend - nicht nur für Thomas. Und das führte vor allem dazu, dass ich die ersten 100 Seiten nicht so gut in die Geschichte reingefunden habe. Aber das hat sich dann zum Glück geändert.

Neben dem grundsätzlichen Szenario der Lichtung in Mitten eines riesigen Labyrinths, das der Autor tatsächlich relativ glaubhaft darstellt - wahrscheinlich wird es mit den nächsten Teilen, wenn sich die Hintergründe etwas mehr aufklären, noch ein bisschen glaubhafter - sind es vor allem die Charaktere, die in diesem Buch sehr zur Herstellung einer authentischen Szenerie beitragen. Zumindest die handvoll, die sowohl einen Namen als auch einen Inhalt bekommen. Tatsächlich fand ich, es gab nicht viele Figuren, die überhaupt ausgearbeitet worden sind. Aber die haben dafür dann auch wirklich Hand, Fuß und ein Innenleben, was die geringe Quantität auch wieder ausgleicht.

An erster Stelle steht natürlich Thomas, den der Leser permanent begleitet. Relativ früh wird ihm klar, dass es sich hierbei um eine Art Experiment handeln muss; das große Labyrinth ist da zwar schon Hinweis genug, aber vor allem auch die kleinen Wanzen, die überall auftauchen und alle abhören, die Versorgungsboxen und die immer gleich bleibenden äußeren Umstände (Temperatur, das Wetter allgemein und auch die ausreichende Versorgung) lassen darauf schließen, dass hier irgendeine abgedrehte wissenschaftliche Studie läuft. Wer und warum? Das weiß keiner. Allerdings muss es einen Ausweg geben, dessen sind sich Thomas und auch die höchsten Anführer der Gruppe sicher. 
Thomas ist eine gute Identifikationsfläche, auch wenn er ein bisschen sehr heldenhaft gestaltet ist. Aber manchmal will man ja auch gerade das lesen. Jedenfalls hält er sich grundsätzlich nicht lange mit Verzweiflung und Selbstmitleid auf, sondern sucht Lösungen für Probleme. Das bringt ihn auf der einen Seite öfter in Lebensgefahr, handelt ihm aber auch die Anerkennung von vielen anderen ein. Und stellt ihn ein bisschen als Hoffnungsträger dar. Hoffnung ist auch genau das, was langsam zur Neige geht in diesem immer währenden Trott, dem die Gruppe ausgesetzt ist. Oberflächlich scheinen sich die meisten zwar mit ihrem Leben im Labyrinth abgefunden zu haben, aber tatsächlich wünschen sich alle nichts mehr, als ein ganz normales Leben zu führen. Was sie allerdings draußen, in der wirklichen Welt erwartet, weiß niemand so genau. Die wenigen, denen ein paar Erinnerungen zurückgebracht wurden, scheinen davon so traumatisiert zu sein, dass sie nicht darüber sprechen können. Dass sie also bei einer gelungenen Flucht in ein rosiges Zuhause zurückkehren, ins ziemlich unwahrscheinlich. Trotzdem lassen sie nichts unversucht.

Beeindruckend fand ich die Tatsache, dass das gesamte Buch im Grunde völlig ohne ausgearbeitete Liebesgeschichte ausgekommen ist. Das hat einige Pluspunkte bei mir eingefahren. Zwar taucht irgendwann ein Mädchen namens Teresa auf und es wird auch mehr oder weniger subtil - eher weniger - eine frühere Liebesbeziehung zwischen ihr und Thomas angedeutet, aber die steht in diesem Teil noch absolut im Hintergrund. Hauptsächlich, weil beide ja ihre Erinnerungen verloren haben. Aber gut.
Die Spannung wird konstant aufrecht erhalten. Immer neue Puzzelteile fügen sich zu einem Bild zusammen und immer neue Ereignisse zwingen einen, einfach weiterzulesen. 

Die Sprache ist natürlich auch noch ein großer Punkt. Die Jungs auf der Lichtung haben nämlich teilweise ihre ganz eigene Ausdrucksart, was auch wieder dazu beigetragen hat, dass ich am Anfang nichts so richtig verstanden habe. Wie Thomas. Aber sobald man nicht mehr so neppdeppig rumhängt und sich dran gewöhnt, gehört man nicht mehr zu den Strünken, die nichts verstehen ;D
Insgesamt gibts gerne verliehene 4 Wölkchen von mir. Ich bin schon sehr gespannt auf den nächsten Teil!

 

1 Kommentar: