29.04.2015

[Rezi] James Dashner - Die Auserwählten in der Todeszone

Erscheinungsjahr: 2013
Originaltitel: The Death Cure
Genre: (Jugend-)Dystopie
Reihe: Maze-Runner-Reihe, Teil III
Seitenzahl: 454


Teaser:
Alle waren von ANGST kontrolliert worden. Einen winzigen Augenblick zweifelte Thomas an seinem Entschluss - konnte er es wirklich zulassen, dass er ANGST weiterhin ausgeliefert war?




*Achtung! Spoilergefahr!*Achtung! Spoilergefahr!*Achtung! Spoilergefahr!*

Handlung
Nach der Brandwüste stehen noch einige letzte Tests an, die jeder der Gruppe isoliert durchlaufen muss und die individuell an die jeweilige Person angepasst werden. Thomas wird für mehrere Wochen in eine kleine Zelle eingeschlossen und hat keinen Kontakt zur Außenwelt. Nachdem auch dieser letzte Versuch abgeschlossen ist, trommelt Janson, der wissenschaftliche Leiter des Labors, alle zusammen und Thomas kann sich endlich davon überzeugen, dass seine Freunde noch am Leben und bei relativer Gesundheit sind. Gleichzeitig erfahren sie alle, warum sie all diese Qualen über sich ergehen lassen mussten: der besagte Virus - der "Brand" - hat so ziemlich die gesamte Welt befallen und breitet sich rasend schnell aus. Thomas und die anderen gehören zu den wenigen, die gegen die Krankheit immun sind und deren Gehirn nicht langsam aber stetig zerfressen wird. Darum wurden während der Testläufe ihr Gehirne genaustens untersucht, um einen Masterplan zu erstellen, der zu einem Heilmittel oder einer Impfung gegen den Brand führen soll. Thomas selbst erfährt, dass er vor seiner Gedächtnislöschung eine tragende Rolle bei der Entwicklung dieser grausamen Tests gespielt hat. Als es dann darum geht, sein Gedächtnis wiederzubekommen, weigert er sich strikt, die nötige Operation über sich ergehen zu lassen; er möchte einfach nichts mehr mit der Person zu tun haben, die er vor seinem Martyrium war. Zusammen mit Newt, Minoh, Brenda und Jorge flieht er aus dem Hauptquartier von ANGST und stellt sich der zerrütteten Welt.

Meine Meinung
Dieses Buch fängt stark an, geht stark weiter und baut zum Schluss zwar ein wenig ab, hält aber dennoch das Spannungsniveau ganz weit oben und bietet von ein paar groben Logiklücken eine sehr fesselnde und unterhaltsame Lesezeit.

Schon gleich zu Beginn legt der Text mit einer seiner größten Stärken aus den Vorgängerbänden los: dem Schaffen einer unsicheren, latent bedrohlichen und verzweifelten Atmosphäre, garniert mit ein bisschen klinischer Kalte. So empfindet man nämlich, wenn man mit Thomas zusammen in dieser fensterlosen Gummizelle hockt und seinen Gedanken folgt, die sich hauptsächlich darum drehen, die Orientierung in der Zeit nicht zu verlieren und seine Erlebnisse zu verarbeiten. 

Und endlich gibt es Antworten! Wie sieht die Welt aus? Welche Maßnahmen wurden von den Regierungen wirklich ergriffen und wie haben sich diese auf die Bevölkerung ausgewirkt? Im ersten Band bleibt der Leser darüber völlig im Unklaren, im zweiten Teil wird dann schon etwas mehr angedeutet, aber das Ausmaß der Katastrophe wird erst jetzt deutlich: die Cranks, also die Infizierten, werden in dem Versuch, sie so lange wie es geht menschenwürdig zu behandeln, in eine Art Heim gebracht, aber da es immer mehr werden, können die völlig wahnsinnigen nicht mehr lange unter Kontrolle gehalten werden. Denn genau das passiert im Endstadium des Brandes: die Erkrankten verlieren alles spezifisch menschliche wie Mitgefühl und Affektkontrolle und verhalten sich wie rasende Tollwütige. Thomas und andere Immune werden auf der einen Seite unglaublich beneidet, weil sie nicht Gefahr laufen, sich mit dem Virus anzustecken. Das weckt allerdings auch Missgunst, sodass sie von den meisten Leuten gemieden und sogar regelrecht gehasst werden.

Besonders gut gelungen finde ich die Verästelungen innerhalb und auch außerhalb der Organisation. Da hat man eine ungefähre Vorstellung, wie alles zusammenhängen konnte und dann wird ein Teilchen ausgetauscht oder es taucht ein neues Detail auf und alles bricht in sich zusammen und ergibt plötzlich einen ganz anderen Sinn. Natürlich ist das auch teilweise ein bisschen frustrierend; vor allem, wenn Thomas plötzlich einfach wieder anfängt Leuten zu vertrauen und man als Leser einfach denkt "Nein! Mach das nicht! Das geht doch nicht gut!". Was tatsächlich keine unwahrscheinliche Prognose ist, denn irgendwer spielt meistens ein falsches Spiel. Enttäuschungen sind da irgendwann nicht mehr so leicht zu verkraften, was wohl unter anderem auch der Grund dafür ist, dass Thomas und Teresa nicht mehr wirklich zueinander finden können. Was in der Brandwüste passiert ist, kann Thomas einfach nicht vergessen und das ist auch sehr nachvollziehbar.
Generell ist Thomas zwar durchaus als strahlender 'Held konzipiert, der immer alles richtig macht, aber durchaus von Zweifeln geprägt ist und nicht alles so locker wegsteckt, wie das Heldenfiguren oftmals tun. An Chucks Tod knabbert er immernoch und auch verschiedene andere traumatisierende Erlebnisse machen ihm sehr zu schaffen. 

Ein bisschen unausgegoren habe ich die Virus-Geschichte aufgenommen. Da macht medizinisch vieles einfach keinen Sinn und hätte ein bisschen durchdachter sein können. Zum Beispiel tragen die Immunen den Virus zwar in sich, erkranken aber nicht. Und sind damit auch gleichzeitig nicht ansteckend? Oder doch? Das wird nicht geklärt und wäre so wichtig. Auch die Wirkungsweise des Virus' finde ich ein bisschen schwammig und das gesamte Projekt des Masterplans auch. Da fehlen mir ein paar technische und medizinische Details, die alles zu einer glaubwürdigen und nachvollziehbaren Sache gemacht hätten.

Ansonsten bringt die Geschichte schon einige Denkanstöße mit sich: Menschen wie Laborratten halten und erforschen ist der eine. Darf man das? Darf man das überhaupt mit Tieren? Kann man ein paar Leben opfern, um viele zu retten? Der Text beantwortet diese Frage mit der einzigen möglichen Antwort: ein Richtig oder Falsch gibt es in diesem Fall nicht. Außerdem stellt sich die Frage danach, wie man mit unheilbar Kranken umgehen sollte. Schwierige Sachen, die der Text sicher nicht zur Genüge reflektiert. Aber das ist ja auch nicht das Ziel.

Insgesamt war dieser letzte Teil der stärkste der Reihe. Obwohl das Ende ein bisschen befremdlich war, hat mich doch der starke Rest überzeugt, sodass ich abschließend 4 Wölkchen vergebe.


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