14.05.2015

[Gerede] Blogger? Youtube? Oder beides?

Für Blogger geht meinen Beobachtungen entsprechend in letzter Zeit der Trend zur Bigamie. Neben blogimmanenten Texterzeugnissen produzieren sie nun auch gehäuft Werke aus Ton und Bild, um diese dann auf der allseits bekannten und gleichermaßen geliebten wie gehassten Webvideo-Plattform Youtube zu veröffentlichen. Oftmals wird dabei das Video dankenswerterweise auch noch auf dem eigentlichen Blog verlinkt, um sowohl die Rezipienten des alteingesessenen Buchblogs als auch die neuen Zuschauers des frisch gebackenen Booktuber erreichen zu können.

Dieser Trend "Youtube" ist ja nicht nur in der Buchblogger-Szene aktuell, sondern drückt sich bei der allgemeinen Medienlandschaft immer stärker in den Fokus. Skandale, lukrative Geschäfte oder einfach eine andere Plattform, um seine Gedanken mit der Welt zu teilen. So vielfältig wie die Nutzer sind auch die Inhalte auf Youtube.
Ich selbst verbringe - zu meinem Leidwesen - auch sehr viel Zeit auf dieser Videoplattform und habe Kanäle von so ziemlich jeder Kategorie in meiner Abo-Liste. Abgesehen von Gaming-Kanälen. Und Booktubern. Und eben letzteres hat mich zum Nachdenken gebracht - scheint es doch in Anbetracht der Tatsache, dass ich fast ausschließlich Blogs lese, in denen es mehr oder weniger um Bücher geht, doch ein bisschen verwunderlich, dass es mich so gar nicht reizt, mir Videos anzusehen, in denen Leute über Bücher sprechen, oder?

Von der Produzenteseite aus betrachtet erscheint mir (die ich ja nur Produzentin auf einer Seite des dualen Systems Blog/Youtube bin) Blog und Youtube fast schon als eine Art Gegensatzpaar, selbst wenn es um die gleichen Inhalte geht, die vermittelt werden. 
Text steht Bild und Ton gegenüber.
Deshalb liegt das Hauptaugenmerk bei der Bloggerei auch auf dem Inhalt. Dieser ist zunächst nicht direkt personell zuzuordnen, weil der Verfasser selbst nicht in Erscheinung tritt. In einem Video stehen Inhalt und Verfasser nebeneinander; oder mehr noch: der Verfasser ist gleichzeitig Teil des Mediums, das den Inhalt vermittelt. Die Unmittelbarkeit ist daher sehr hoch - der Charakter des Verfassers wird gleichmaßen in Szene gesetzt, während ein Text nur geringfügige Rückschlüsse auf seinen Autoren zulässt - wie etwa Wortwahl oder sorgfältige Interpunktion.

Um es ein bisschen überspitzt darzustellen, erscheinen Videorezensionen für mich ganz oft wie eine Dauerwerbesendung, weil sie Bücher auf eine ähnliche Ebene stellen wie das Duschgel, zu dem gerade irgendein überschminkter Beautyguru eine Review gedreht hat.
Wobei - ganz so schlimm ist es auch wieder nicht. Einige Videorezensionen gehen durchaus über die Beschreibung des Covers hinaus und beschäftigen sich tiefgreifend mit dem Inhalt des Buches. 
Aber es sind dennoch nicht nur nostalgische Gründe, aus denen ich am Geschriebenen über Geschriebenes festhalte. Denn ein Text kann seine Unzulänglichkeiten nicht so leicht durch eine charismatische Präsentation überspielen. Er steht erstmal einfach für sich. So wie ein Buch auch einfach für sich steht, egal wie toll der Umschlag gestaltet ist. Wenns nix is, dann isses nix. Hinter einer Videorezension steckt genauso viel Arbeit und Herzblut wie hinter einer schriftlichen Rezi, so viel ist sicher. Aber eine gut geschrieben, stilistisch saubere und ausformulierte Rezension beeindruckt mich einfach mehr. Genauso wie mich Bücher tendenziell mehr beeindrucken als Filme. Das Schriftliche ist wahrscheinlich mehr mein Medium. Deshalb ist es natürlich trotzdem schön, auch die Persönlichkeiten hinter den Blogs kennenzulernen und das klappt in Videoform sehr gut. Ich bleibe aber in der Beziehung lieber eingleisig - sowohl was das Produzieren als auch das Rezipieren angeht ;)

Kommentare:

  1. Ich habe ein paar Videorezensionen angesehen und das war eher peinlich. Gekicher, Gestotter, aufgesetzte Fröhlichkeit... Nein, das ist wirklich nichts für mich und ich sehe den Mehrwert zu einer geschriebenen Bewertung auch nicht.
    Lg Lara

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Der Fairness halber muss man sagen, dass es auch wirklich gute Kanäle in der Richtung gibt. Aber grundsätzlich sind wir einer Meinung :D

      Löschen
  2. Der Trend scheint wirklich da zu sein, nicht nur bei Bücherblogs. Doch ich mag die Filmchen nicht, ich lese lieber was die Leute zu sagen haben, anstatt ihnen auf YouTube zuzuhören. Deswegen folge ich einigen Blogs, die mehr Filmchen online stellen als schreiben, nicht mehr.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Jepp, ich habe in der Richtung auch kürzlich aussortiert. Ist ja auch nicht schlimm. Man entwickelt sich halt manchmal außeinander :D

      Löschen
  3. Du machst dir viele Gedanken - auf einiges wäre ich gar nich gekommen. Ich höre nur wenige Buch-Vids, weil ich lieber lese :-) Jemanden 10 min beim Reden zuzuhören ist nicht so ...aktiv, wie 5 min zu lesen und einen Kommentar zu tippen :-) Aber ich denke, vielen leuten, denen Lesen zu mühselig ist, gefallen Vids.

    Was mich stört: Viele YT tippen den Inhalt kurz in einen Beitrag, aber dieser kann qualitativ nicht mit den Vids mithalten. Ganz im Gegenteil: Während man im Vid etwas erzählen kann, fehlen manche bei den Blogbeiträgen einfach die Worte :-(

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, das denke ich auch. Von Videos kann man sich nebenbei schön berieseln lassen, während man sich auf Texte schon mehr konzentrieren muss.

      Das stört mich auch. In dem Fall bin ich echt dafür, dass die Leute sich lieber ganz auf die Videos konzentrieren und gute, tolle Videos machen, mit schönen Schnitten und Kameraeinstellungen, anstatt ihre Zeit aufzuteilen.

      Löschen
  4. Ich gestehe! Ich bin das typische Mädchen, das die typischen überschminkten Beautygurus schaut. Booktuber habe ich tatsächlich auch nur sehr wenige in meiner Aboliste - und die allermeisten neuen "büchrigen" Videos in meinem Feed sehe ich mir nicht an. Oft, weil mich das Buch nicht anspricht, ein anderes mal, wenn ich keine Zeit/Lust habe. Einer der Vorteile von lesen ist, dass man es in seinem eigenen Tempo machen kann - wenn ein frisch geschlüpfter "Booktuber" seine erste Rezension dreht und mühselig nach Worten sucht, unterbrochen von äh und ähms und Wiederholungen ... es gibt auch Leute, die können das sehr gut, aber bei den allermeisten (sorry) nervt es mich einfach, ihnen über 10 Minuten (solche Videos werden sehr oft sehr lang) zuzuhören und dann das Gefühl zu haben, es hätte nichts gebracht. Abseits von mieser Bild-/Tonqualität und fehlenden Schnitten. Nochmal: Ich gehe hier von einem Extremfall aus ^^

    Was man aber auch wirklich sagen muss, ist, dass es sehr wohl auch GESCHRIEBENE Rezensionen gibt, die über das Cover leider nicht weit hinauskommen haha. Und zwar nicht zu wenige. Bemerkungen dazu spare ich mir (wer möchte schon angefahren werden - anderen gefallen solche Rezensionen vielleicht) und abonniere ab. Ababonnieren ist auch etwas, das ich erst lernen musste, und das manche nicht verstehen oder "gemein" finden (lächerlich). Aber wo bin ich denn jetzt gelandet? Ich wollte nur noch sagen dass es ein enormer Aufwand sein muss, Blog UND Kanal zu betreiben. Das möchte ich mir gar nicht vorstellen ^^

    Alles Liebe, Sandra

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Aaaach, wer sagt, er tut das nicht, lügt :D Und es sind ja auch nicht alle überschminkt xD
      Genau, viele Booktuber versuchen sich an so nem Vlog-Style, der aber einfach nicht angemessen ist. Die besten Videos zu Büchern sind meistens doch gescriptet.

      Das stimmt allerdings. Solche Blogs lese ich dann in der Tat auch nicht. Deabonnieren tut ja nur kleineren Blogs weh; aber wenn man einen Blog eh nicht liest, bringt das Abo halt auch nix und man muss rigoros sein. Sonst verpasst man ja eventuell die guten Sachen! :P

      Beides ist wirklich anstrengend, denke ich. Vor allem, wenn sowohl Videos als auch Posts ne gute Qualität haben.

      Löschen