28.05.2015

[Rezi] Sebastian Fitzek - Die Therapie


Erscheinungsjahr: 2006
Genre: Thriller
Seitenzahl: 266



Teaser:
Rückblickend war Viktor sich sicher. Hätte er bei der ersten Begegnung nur etwas aufmerksamer zugehört und die Zeichen richtig gedeutet, dann wäre ihm bereits viel früher die Erkenntnis gekommen, dass etwas nicht stimmte. Ganz und gar nicht stimmte.



Handlung
Es ist für alle Eltern die schlimmste Vorstellung überhaupt: wenn das eigene Kind spurlos verschwindet und niemals gefunden wird. Dem berühmten Psychiater Viktor Larenz und seiner Frau Isabell ist genau das passiert: ihre zwölfjährige Tochter Josy wird aus einer Arztpraxis entführt und es gibt keinerlei Hinweise darauf wer sie wohin gebracht hat. Nach vier Jahren ist immernoch kein Hinweis aufgetaucht und Viktor zerfällt seelisch immer weiter. Während seine Frau wieder arbeitet und durch die Welt reist, hat er seine Praxis geschlossen, behandelt keine Patienten mehr und hängt an der Schnapsflasche.
Um wieder ein wenig auf die Beine zu kommen, hat er sich nach Parkum, einer kleinen, abgeschotteten Nordseeinsel, zurückgezogen, um dort an einem Exklusiv-Interview zu arbeiten. Doch dort erhält er Besuch; eine Patientin seines frühere Mentors erscheint und möchte sich wegen einer schizophrenen Störung nur von Dr. Larenz behandeln lassen. Weil die Geschichten dieser Frau unglaubliche Parallelen zu der Entführung seiner Tochter aufweisen, willigt er ein - und begibt sich damit auf eine gefährliche Spurensuche.

Meine Meinung
Ein guter Start, etwas zäh in der Mitte und ein Ende, auf das ich beim besten Willen nicht selbst gekommen wäre - so ungefähr würde ich in kurzen Worten meinen Eindruck von diesem Buch beschreiben. Man merkt einfach - vor allem, wenn man schon andere Bücher des Autoren kennt - dass es sich hier um ein sehr frühes bzw ja sogar um das erste Werk Fitzeks handelt. Einiges ist noch etwas unausgegoren und ausbaufähig, aber dennoch handelt es sich um ein kurzweiliges, spannendes Buch mit einem interessanten Konzept dahinter.

Der Protagonist ist ein verzweifelter Vater, der auch nach vier Jahren noch nach jedem sich bietenden Strohhalm greift, um seine Tochter zu finden. Immernoch beschäftigt er einen Privatdetektiv, der jeder Spur nachgehen soll. Als dann Anna Spiegel, die Frau mit der schizophrenen Persönlichkeitsstörung, auftaucht und ihm von ihrer Geschichte berichtet, lässt Viktor Larenz alle Einzelheiten von diesem Detektiven überprüfen und scheint damit in ein Wespennest von Informationen gestochen haben. Doch auch, wenn immer mehr Informationen auftauchen, die anscheinend irgendwie mit Josy und ihrer Entführung zusammenhängen, wird es nicht leichter, Licht ins Dunkel zu bringen. Im Gegenteil - je mehr er weiß, desto weniger Sinn ergibt alles.

Und genau das ist es auch, was ich an den Fitzek-Romanen so mag. Der Leser hat die Antwort im Grunde die ganze Zeit vor der Nase, aber die Geschichten sind oft so vielschichtig angelegt, dass die einzelnen Puzzelstücke einfach nicht sinnvoll zusammenpassen. Das geht in diesem Falle dem Protagonisten so, mit dem der Leser seinen Frust darüber teilen kann, einfach nicht hinter das Rätsel zu kommen.

Hier liegt dann aber auch gleich schon mein großer Kritikpunkt: trotz der wenigen Seiten geht der Erkenntnisprozess sehr schleppend voran. Die Spannung steigt und steigt - und dann fällt sie ab und dümpelt erstmal wieder ein paar Seiten lang vor sich hin, bis sie erneut steigt. Und dann wieder etwas absackt. Larenz kam mir zeitweise vor, als würde er orientierungslos im Kreis rennen und einfach nicht aufhören. Und das alle 10 Seiten, was dann doch ein wenig zäh war. Vor allem, weil diese Verzögerungen so künstlich in den Verlauf eingebaut sind, denn Anna kann immer nach ein paar Sätzen nicht mehr weiter sprechen und muss die Auflösung bis zum nächsten Tag aufschieben. Auch die etwas hölzernen Cliffhanger am Ende der meisten Kapitel waren eher unnötig.

Ansonsten aber muss ich sagen, dass mich das Ende wirklich überrascht hat. Und gerade jetzt, wo ich noch einmal alles Revue passieren lasse, fällt mir auf, wie deutlich manche Sachen darauf hingewiesen haben. Und es ist ja auch nicht so, als hätte ich nicht die eine oder andere Theorie gehabt. Die haben sich aber alle als falsch erwiesen - Fitzek 1, MelMel 0. 
Also, zusammengefasst hat mir das Buch zwar gefallen, aber nicht komplett begeistert. Deshalb gibt es gute 3 Wölkchen von mir dafür.


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