28.06.2015

[Musik] Sonntagslieder #121

12:38 0 Comments
Manchmal, und vor allem im Sommer geht es mir so, ist so ziemlich alles so ziemlich perfekt. Wenn man mit seinen Lieblingsmenschen haufenweise schöne Dinge unternimmt, sich die Sonne auf den Bauch scheinen lassen kann und alles idealerweise mit der passenden musikalischen Untermalung verbinden kann, sollte sich selbst der größte Pessimist absolut glücklich mit seinem Leben schätzen können. Eine kleine Liederauswahl, die ich mit diesem bisher wunderschönen Sommer verbinde, folgt jetzt!



Eagle-Eye Cherry - Save Tonight
Ein Lied, das mir im Moment aus der Seele spricht. Es passt auch einfach perfekt zu warmen Sommernächten :)


The Subways - Shake! Shake!
Was ebenfalls zu warmen Sommernächten passt, sind Open Air Partys. Und was zu Open Air Partys passt, sind rockige gutelaune Songs zum tanzen. Und The Subways sind quasi die Personifikation davon.


Cro - Wir waren hier
Und auch dieses Lied ist vom Text her Programm. Wir warn wirklich hier. Und dort.

Für euch alle wünsche ich einen richtig tollen, sonnigen Sonntag und eine entspannte Woche! ♥

26.06.2015

[Rezept] Erdbeer-Rhabarber-Kuchen

17:56 0 Comments
Ein bisschen spät dran für Rhabarber bin ich dieses Jahr - zugegeben. Diese zweite Ernte schmeckt nicht mehr gaaaanz so lecker und das Angebot an der Obsttheke dünnt sich auch langsam aber sicher aus. Dennoch wollte ich dieses absolut geniale Kuchenrezept gerne mit euch teilen. Falls es dieses Jahr nicht mehr klappt, speichert es euch ab für die nächste Rhabarber-Saison. Auch bei mir hing es fast zwei Jahre in der Warteschleife - ein Verlust sondergleichen! Gestern gebacken und heute schon dreiviertel des Kuchens von diversen Familienmitgliedern verputzt. Wenn das nicht für sich spricht, weiß ich auch nicht.

Was ihr braucht
300g Erdbeeren
300g Rhabarber
130g Zucker
175g weiche Margarine (Butter geht auch, nehme ich aber selten zum Backen)
1/2 Röhrchen Vanille-Aroma (die Profis nehmen natürlich echte Vanilleschote)
3 Eier
275g Mehl
1/2 Päckchen Backpulver
150g Naturjoghurt
Margarine und Semmelbrösel für die Form

Außerdem
eine Springform
eine große Schüssel
eine Waage

So geht's
Zuerst das Obst waschen. Dann die Erdbeeren von dem Strunk befreien und halbieren, den Rhabarber schälen und in kleine Stückchen schneiden. Rhabarber in einem Topf mit Zuckerwasser dünsten und auch unter die Erdbeeren einen Teelöffel Zucker mischen. Dann das Obst in einer Schüssel vermischen und zur Seite stellen.
Butter und Zucker schaumig schlagen und dann nach und nach die Eier unterrühren. Das Vanille-Aroma dazu geben - dabei vorsichtig bei der Dosierung sein; viel hilft nicht immer viel - und nochmals alles gut durchrühren.
Das Mehl mit dem Backpulver mischen und dann im Wechsel Mehl und Joghurt in den Teig geben; so wird noch etwas Luft unter den Teig gerührt und er wird schön fluffig.
Den Ofen auf 150°C Umluft vorheizen und die Springform fetten und mit Semmelbrösel bestreuen. Den Teig komplett in die Springform füllen und gleichmäßig verteilen. Jetzt kommt die Hälfte der Früchte dazu und diese müsst ihr ein bisschen in den Teig reindrücken. Wenn alles mehr oder weniger versunken ist, die andere Hälfte auf dem Teig verteilen. Dann den Kuchen ungefähr eine Stunde in den Ofen packen. Der Stäbchentest hilft bei genauer Zeitbestimmung. Wenn er goldbraun ist, herausnehmen, kurz in der Form auskühlen lassen und dann vorsichtig lösen. Fertig!

Bei mir sah das dann so aus



Wenn der Kuchen für euch zu voll ist, könnt ihr ein bisschen weniger Obst nehmen - ich finde diese Menge allerdings ideal ♥

Die Mischung aus der Säure des Rhabarbers, der Süße der Erdbeeren und dem Vanille-Aroma ist eine perfekte Geschmackskomposition. Man kennt sie ja von Marmeladen, aber im Kuchen ist es auch nicht zu verachten - im Gegenteil. 
Warm hat er mir übrigens am besten geschmeckt :)

22.06.2015

[Rezi] Sebastian Fitzek - Der Nachtwandler

08:44 3 Comments
Erscheinungsjahr: 2013
Genre: Thriller
Seitenzahl: 312




Teaser:
Als er sich im Bett aufsetzte, wusste Leon eine Zeitlang nicht, wo er war.[...] Im ersten Moment glaubt er, wieder in einer Schlaflähmung gefangen zu sein und die vergeblichen Versuche, in der Finsternis nach einer Lichtquelle zu tasten, zu träumen.



Handlung
Jeder Mensch hat eine Vorstellung vom Schlafwandeln. Doch was Leon des Nachts anstellt, geht über das alltägliche Bild des Schlafwandelnds weit hinaus. Schon als kleiner Junge hatte er große Probleme damit, im Schlaf verrückte und gefährliche Dinge zu tun. Nachdem seine Eltern umgekommen sind, wuchs er in verschiedenen Pflegefamilien auf. Die erste davon wollte ihn nach kurzer Zeit wieder loswerden, weil er im Schlaf mit einem großen Küchenmesser über seinem Pflegebruder gebeugt stand. Dass Leon selbst sich an überhaupt nichts erinnern kann, nachdem er aufgewacht ist, macht die ganze Geschichte nur noch schlimmer.
Nach dem Vorfall mit dem Messer kam er in eine neue Pflegefamilie, die ihm sofort professionelle Hilfe besorgt hat. Mit dieser gelang es ihm, seine sich entwickelte Angst vorm Schlafen und vor allem seinen potentiellen Gewalttaten in den Griff zu bekommen.

Mittlerweile ist er selbstständiger Architekt und mit seiner Freundin Natalie in eine wunderschöne Wohnung gezogen. Doch seine unkontrollierten Schlafphasen scheinen wieder anzufangen - ganz ohne, dass Leon es überhaupt bemerkt. Als Natalie aber sichtbar misshandelt ihre Koffer packt und nicht mehr erreichbar ist, Leon diverse Geheimtüren in seiner Wohnung entdeckt und anscheinend ganze Gespräche im Schlaf führt, weiß er selbst nicht mehr, zwischen Traum und Wirklichkeit zu unterscheiden. Aber die wichtigste Frage ist: wo ist Natalie und hat Leon ihr im Schlaf etwas angetan?

Meine Meinung
Wenn man seinen Wahrnehmungen und Erinnerungen nicht mehr trauen kann - ich glaube, wie das ist, kann man sich gar nicht furchtbar genug vorstellen.
Für Leon ist genau das eingetreten. Er selbst hat keinen Überblick mehr von dem, was alles passiert, aber die Fakten sprechen für sich. Dinge verschwinden, Natalie hat ein blaues Auge und seine Nachbarn beharren auf mit ihm angeblich geführten Gesprächen - an all das kann Leon sich nur leider nicht erinnern. Das steigert seine Angst, im Schlaf gegen irgendjemanden gewalttätig zu sein und es nicht einmal bewusst zu merken. Auch sein Psychiater von früher kann ihm nicht helfen, also muss Leon selbst versuchen, Licht ins Dunkel zu bringen. Er bastelt sich eine Helmkamera und überwacht damit seinen Schlaf. Doch was er da sieht, verwirrt und verstört ihn nur noch mehr.

Ganz nach bewährter Fitzek-Manier finden der Protagonist und damit auch der Leser permanent neue Puzzelstücke, die die ganze Angelegenheit aber nicht aufdecken, sondern nur noch mysteriöser machen. Da hätten die teilweise platt gesetzten Cliffhanger am Ende der Kapitel gar nicht sein müssen.
Der Sprachstil ist gewohnt klar und sauber - manche Metapher kam mit etwas ungelenk vor, aber das war nicht weiter tragisch. Die Spannung wird zwar nicht konstant hochgehalten, aber doch immer wieder nach oben gerissen, wenn beispielsweise eine neue Information eingeführt wird, die zunächst der Schlüssel zu sein scheint, mit dem sich alles auflöst und sich dann aber doch nur als weiteres Mosaiksteinchen entpuppt, das noch mehr Fragen aufwirft.

Die Informationen zum Somnabulismus fand ich wirklich sehr spannend und haben in mir ein neues Bewusstsein für diese Form der Schlafstörung, die bei Leon ja extrem extrem ausgeprägt ist. Genau deshalb mag ich Fitzeks Bücher so gerne - er setzt nicht nur auf blutige Szenen, sondern man lernt tatsächlich immer etwas dazu.

Den Plot-Twist habe ich natürlich mal wieder nicht vorhergesehen - aber der war auch wirklich hinterlistig angelegt.
Ein Thriller mit wenig Gemetzel, der dafür aber sehr zu Lasten der Psyche geht. 3 gute Wölkchen von mir!

19.06.2015

[Rezept] Schokobombe!

08:13 1 Comments
Wenn das Wetter richtig gut ist und man seine Zeit am liebsten permanent an der frischen Luft verbringen will, gibt es wenig schöneres, als ein richtig tolles Picknick. Fix ein paar Leute zusammengetrommelt, eine Kleinigkeit vorbereitet und los geht die Gaudi. Als selbsternannte Nachtischbeauftragte habe ich dafür zum Beispiel diese geniale Schokokreation parat, die jedem Schokojunki die Glückstränen in die Augen treibt.


Was ihr braucht
200g Oreos
50g Butter oder Magarine
400ml Sahne
200g Zartbitterschokolade
1 Pk Vanillinzucker
80g Softgrieß

Außerdem
einen Topf
eine große Schüssel oder Auflaufform
einen Schneebesen
Gefrierbeutel

So gehts
Als erstes lasst ihr die Butter in einem Topf auf dem Herd bei mittlerer Hitze langsam schmelzen und präpariert währenddessen die Oreos. Diese kommen nämlich in einen Gefrierbeutel und werden dort so lange zerdrückt und zermatscht, bis sie nur noch Krümel sind. Diese kommen dann in eine Schüssel oder Auflaufform. In der Zwischenzeit sollte die Butter flüssig sein, also könnt ihr sie über die Oreos gießen. Alles zu einer relativ homogenen Masse verrühren und zur Seite stellen.
Die Sahne in einen Topf geben, bei mittlerer Hitze auf den Herd stellen und nach und nach die Schokolade dazugeben. Die schmilzt dann langsam in der Sahne. Zwischendurch immer mal wieder umrühren. Wenn die Schokolade vollständig geschmolzen ist, kommen Vanillinzucker und Grieß dazu. Alles gut vermischen und dann so lange köcheln lassen, bis der Grieß aufgegangen und fest geworden ist. Danach kommt das ganz auf den Boden und wird gleichmäßig verteilt. Abkühlen lassen und fertig!

Und so ähnlich könnte das dann aussehen


Leider bin ich immernoch untalentiert, was das Anrichten von Essen angeht. Aber es kommt ja auch nur sekundär auf die Optik an. Erstmal wichtig ist der Geschmack, und der ist einfach der Oberhammer. Wenn ihr das Ganze vorm Servieren noch für drei oder vier Stunden in den Kühlschrank stellt, hat es die optimale Konsistenz.
Viel Spaß beim Ausprobieren. Und Guten!

16.06.2015

[Rezi] Karen Duve - Die entführte Prinzessin. Von Drachen, Liebe und anderen Ungeheuern

10:38 0 Comments
Erscheinungsjahr: 2005
Genre: Märchen
Seitenzahl: 396



Teaser:
Er holte die Ritter zusammen. Es war keiner dabei, der nicht bereit gewesen wäre, zur Rettung der Königstochter sein Leben zu wagen. Ein Trupp berittener galoppierte bereits den Küstenweg entlang zum Nebelreich, allerdings ohne viel Hoffnung.




Handlung
Das Königreich mit dem unaussprechlichsten Namen der Welt - Snögglinduralthorma - hat auch ansonsten so seine Eigenheiten. Ziemlich abgeschottet vom Rest der Welt und von einem langen und bitterkalten Winter jedes Jahr besucht, wurden die Bewohner allesamt ein wenig schrullig. Die langen Wintermonate vertreiben sie sich die Zeit mit unsinnigen Kriegen und ärgern zwischenzeitlich den Hofzwerg Pedsi, der jedes Jahr vergebens zu fliehen versucht. Lediglich die Prinzessin Lisvana ist eine wahre Augenweide und wird von mehr als nur einem Ritter schmachtend angeschaut. Vor allem Ritter Bredur hat ein Auge auf die Schönheit geworfen.

Eines Tages findet der beste fahrende Sänger des Landes den Weg zum Hofe Snögglinduralthormas und wird zur Erheiterung und Abwechslung der Schlossbewohner für den Winter gefangen genommen, um mit seiner Gesangskunst die Ritter und die Königsfamilie zu erfreuen. Sein Loblied auf die schöne Prinzessin macht im Jahr darauf die Runde in allen Königreichen und veranlasst Prinz Diego aus Baskarien zu einer Werbungsfahrt in das abgelegene Snögglinduralthorma. Auf den ersten Blick in Lisvana verliebt, beschließt er, sie zu heiraten. Doch nach einem katastrophalen Abendessen folgt ein Eklat zwischen ihm un dem eifersüchtigen Ritter Bredur. Diego entführt Lisvana kurzerhand und will sie zurück in Baskarien ehelichen. Doch da hat er die Rechnung ohne die Dickschädel der Prinzessin gemacht.

Meine Meinung
Die Beziehung, die dieses Buch und ich hatte, ist sehr gespalten. Auf der einen Seite finde ich die Idee und das Konzept dahinter wirklich großartig. Aber auf der anderen Seite musste ich mich durch viele Längen kämpfen und habe niemals einen wirklich passenden Zugang zur Geschichte gefunden.

Dieses Märchen - oder besser: diese Parodie eines Märchens - hat mit ihren absolut verrückten Figuren und dem Aufgreifen und Ironisieren so ziemlich aller Märchenmotive, die ich kenne, eine super interessante Basis geschaffen. Auch greift die Autorin Stoffe aus mittelalterlicher Literatur auf, bei denen ich mich immer gefreut habe, wenn sie mir begegnet sind. Alleine den gesamten Komplex der Ehre und Treue stellt dieses Geschichte so absolut gänzlich bloß, dass es ein wahres Fest ist.

Generell ist der Grundton der Geschichte witzig beziehungsweise verspottend. Die Figuren sind so dermaßen  überzogen gestaltet, wie es eine Karikatur nur zulässt, und dieser Umstand sorgt für den ein oder anderen Lacher. Man muss sich halt bewusst sein, dass man hier keine Psychoanalyse der Figuren geliefert bekommt, sondern sich alles ein wenig an der Oberfläche abspielt, was die Charaktere angeht. Also gibt es keine Möglichkeit, sich mit einer Figur zu identifizieren, aber das ist auch gut so.

Dennoch sehr gestört hat mich dieses ewige Hin-und-Her im Liebesdreieck Bredur-Lisvana-Diego. Eine endlose Geschichte, die mich einfach gelangweilt hat. Auch, wenn ich die Funktion dahinter sehe. Die ersten beiden Drittel fand ich daher ziemlich anstrengend und erst gegen Ende hat sich bei mir sowas wie ein Lesefluss eingestellt.

Obwohl ich das Buch wirklich mögen wollte, hat das nicht so richtig geklappt. Ich denke zwar, dass es lesenswert ist, wenn man schrullige Charaktere mag gerne ironische Texte liest, aber richtig toll fand ich es dennoch leider  nicht. 2 Wölkchen gibt es von mir dafür.


14.06.2015

[Musik] Sonntagslieder #120

10:23 0 Comments
Woran erkennt man den Sommer? Man erkennt ihn daran, dass seine Haut nicht mehr einen einzigen Farbton aufweist, sondern zebra- oder leopardenähnlich gemustert ist. Und das Winterpuder nun wirklich ausgetauscht werden muss.
Oh, und man erkennt den Sommer natürlich auch an sommerlicher Musik. Eventuell auch am Wetter und den erschreckenden Modesünden einiger Mitmenschen. Aber hauptsächlich an der Musik!



OMI - Cheerleader
So ein bisschen chillig, aber nicht völlig ruhig und mit ein paar netten Bläsern im Hintergrund, mag ich diesen gute-Laune-Song gerade sehr sehr gerne. Perfekt, um ein bisschen in der Sonne zu sitzen und mitzuwippen.


Fetty Wap - Trap Queen
Wo wir gerade beim Mitwippen waren: dieser Song ist absolut passend zum Autofahren. Vielleicht nicht unbedingt mit Sonnenbrille, denn das könnte eventuell zu viel des Guten sein :D


Jason Derulo - Want To Want Me
Keine Sommerplaylist ohne Jason! Das ist einfach ein Stimmungsheber, bei dem ich fast nie still sitzen bleiben kann.

Das waren meine Top-3 der letzten Wochen. Was hört ihr im Sommer am liebsten für Musik? Und welche Modesünden erblickt ihr im Moment häufig?
Einen wunderschönen Sonntag! ♥

12.06.2015

[Gerede] Ist die Schule lebensnah genug?

07:40 6 Comments
Die Frage, die der Titel hier stellt, ist gerade auch sonst in aller Munde. Spätestens seit diesem berühmten Tweet einer offensichtlich unzufriedenen Schülerin, die ihre persönliche Inkompetenz zu einem gesamtgesellschaftlichen Problem zu machen versucht, scheint jeder eine mehr oder weniger reflektierte Meinung zu diesem Thema zu haben und auch in der Politik wird gerade heiß diskutiert.
Und tatsächlich steht man in der Welt und wundert sich, was es bringt, ein Integral berechnen zu können, aber nicht zu wissen, wie eine Steuererklärung gemacht wird. Würde Unterricht darüber, wie man Bausparverträge und Versicherungen abschließt nicht mehr für das Leben bringen, als Gedichtanalysen und Medizinballwerfen?

Auf den ersten Blick könnte man das sicher denken. Schließlich werden Rechnungen selten in Sonett-Form verschickt. Sich in der turbulenten Welt der Erwachsenen zurechtzufinden verlangt nicht nach Kenntnissen in Kunst und Geschichte, sondern nach Hilfestellungen im Paragraphendschungel. Die Welt von heute ist rasant, chaotisch und kompliziert. Wo schon die Eltern den Überblick verlieren, wie soll da ein in dieser nutzlosen Schule ausgebildeter junger Mensch die Orientierung behalten? Seine Ausbildung hat ihn schließlich in kaum einer Weise auf ein Leben außerhalb der Lehranstalt vorbereitet, sondern bestenfalls sein Gehirn nicht gänzlich mit unbrauchbaren Informationen belastet und noch ein bisschen Raum für das wirklich wichtige Wissen gelassen. Wie man Vorstellungsgespräche führt, zum Beispiel.

Der Wert von Wissen, das nicht direkt praktisch anwendbar ist, scheint im aktuellen Diskurs - selbst in der Politik - immer weiter zu sinken. Und das ist ziemlich tragisch - bewegen wir uns so doch langsam aber sicher wieder auf vor-aufklärerische Zeiten zu. Der Mensch will unmündig bleiben und geführt werden, so haben Kants Gegner schon argumentiert. Und manchmal denke ich, dass sie die breite Masse betreffend gar nicht so Unrecht hatten.
Aber lassen wir die pessimistische Dramatik mal beiseite und denken ein bisschen weiter als bis zum nächsten Zinssatz. Man stelle sich einmal die Frage, was überhaupt die Aufgabe einer Schule ist. Vom alteingesessenen deutschen Schulsystem ausgehend (von dem man generell ja halten kann, was man will) beziehe ich mich jetzt ausschließlich auf das Gymnasium, dem oben erwähnte Schülerin offensichtlich auch angehört. Diese Einrichtungen sollen geistiges Wissen vermitteln, um den Abgängern den Zugang zu höherer - im Sinn von weiterer - Bildung zu ermöglichen. Die Universitäten müssen seit G8 ohnehin schon viele Versäumnisse in dieser Richtung auffangen und erstmal in anstrengenden Vorkursen ein Vorwissen schaffen, das eigentlich in der Schule vermittelt werden sollte. Würde jetzt noch mehr wegfallen, könnte man gleich zwei Grundlagensemester einführen.
Gut, könnte man sagen, das hilft im akuten Leben nunmal trotzdem alles nur bedingt weiter. Wenn aber schon praktisches Wissen gefordert wird, warum beschwert sich dann niemand darüber, dass es keinen Unterricht im Nähen oder Kochen mehr gibt? Sind das nicht genauso Kompetenzen, die im "wahren" Leben gebraucht werden, wie Kenntnisse im Versicherungswirrwarr? Das Verlangen nach letzterem ist Symptom einer tiefliegenden Sehnsucht nach Durchblick in einer immer intransparenter werdenden Welt und einer Grundhaltung, die alle Selbstverantwortung von sich weist. Muss die Schule diese Verantwortung übernehmen und die Sehnsucht stillen? Nein. Die Schule muss die Hilfsmittel dazu an die Hand geben, damit die Leute selbstständig solche Aufgaben lösen können. Durch Verortung in geschichtliche Zusammenhänge und gesellschaftliche Diskurse kann und soll eine individuelle Persönlichkeit gebildet werden, die zu abstraktem Denken und Problemlösung in der Lage ist. Nur, weil etwas auf den ersten Blick als weniger praktisch erscheint, ist es noch lange nicht wertlos.

Ich spreche hier nicht als Lehrerin, nicht als Schülerin und nichtmals als Mutter eines schulpflichtigen Kindes. Es gibt also wenig, was für meine aktuelle Lebenssituation irrelevanter wäre, als potentielle Veränderungen des Lehrplans. Aber ich kann Gedichte interpretieren. Und die dadurch geschulte Fähigkeit des Textverständnisses und der semantischen Entschlüsselung von Worten hilft mir mit ein bisschen Hirnschmalz auch bei dem Durchdringen von Verträgen.

01.06.2015

Leserückblick Mai 2015

08:31 2 Comments
Heute ist Sommeranfang! Mehr oder weniger. Aber ich habe beschlossen, nun endgültig auf meine Sommergarderobe umzusteigen und maximal einen Pulli überzuziehen. Zumindest tagsüber. So ist das jetzt nunmal, da kann kommen, was will. Aber ein Blick aus dem Fenster sagt mir, dass diese Spinnerei nicht völlig daneben gehen wird, denn die Woche startet mit strahlendem Sonnenschein. 

Sommer bedeutet ja für alle Leseratten immer, sich ein sonniges - oder wahlweise auch schattiges - Plätzchen an der frischen Luft zu suchen und dort gemütlich zu schmökern. Das habe ich auch im Mai schon getan; wenn auch dick eingemummelt. Und diese Bücher hatte ich dazu im Gepäck:

Gelesen
Haruki Murakami - Mister Aufziehvogel (*Rezi*)
Haruki Murakami - Die unheimliche Bibliothek (*Rezi*)
Sebastian Fitzek - Die Therapie (*Rezi*)

In Seiten
1093

Durchschnittsbewertung
3,2 Wölkchen

Highlight des Monats
Tatsächlich muss ich sagen, dass mich diesen Monat kein Buch so absolut vom Hocker gerissen hat. Die waren alle solides Mittelfeld. Deshalb wird dieser Titel für den Mai leider nicht vergeben.

Enttäuschung des Monats
Trotzdem hat mich auch kein Buch wirklich geärgert oder meine Erwartungen nicht erfüllt. Ein Monat voller Durchschnittlichkeit. Darf auch mal sein.

In Bildern


Wirklich viel ist es leider nicht geworden. Ich hing ziemlich lange am Mister Aufziehvogel fest, weil das kein Buch ist, das ich immer gut zwischendurch zur Entspannung lesen konnte. Und es ist halt auch sehr dick. Aber durchaus lesenswert! Mein kleiner Murakami-Flash wird wahrscheinlich in den nächsten Wochen noch anhalten. Im Moment steht mir danach der Sinn :)