16.06.2015

[Rezi] Karen Duve - Die entführte Prinzessin. Von Drachen, Liebe und anderen Ungeheuern

Erscheinungsjahr: 2005
Genre: Märchen
Seitenzahl: 396



Teaser:
Er holte die Ritter zusammen. Es war keiner dabei, der nicht bereit gewesen wäre, zur Rettung der Königstochter sein Leben zu wagen. Ein Trupp berittener galoppierte bereits den Küstenweg entlang zum Nebelreich, allerdings ohne viel Hoffnung.




Handlung
Das Königreich mit dem unaussprechlichsten Namen der Welt - Snögglinduralthorma - hat auch ansonsten so seine Eigenheiten. Ziemlich abgeschottet vom Rest der Welt und von einem langen und bitterkalten Winter jedes Jahr besucht, wurden die Bewohner allesamt ein wenig schrullig. Die langen Wintermonate vertreiben sie sich die Zeit mit unsinnigen Kriegen und ärgern zwischenzeitlich den Hofzwerg Pedsi, der jedes Jahr vergebens zu fliehen versucht. Lediglich die Prinzessin Lisvana ist eine wahre Augenweide und wird von mehr als nur einem Ritter schmachtend angeschaut. Vor allem Ritter Bredur hat ein Auge auf die Schönheit geworfen.

Eines Tages findet der beste fahrende Sänger des Landes den Weg zum Hofe Snögglinduralthormas und wird zur Erheiterung und Abwechslung der Schlossbewohner für den Winter gefangen genommen, um mit seiner Gesangskunst die Ritter und die Königsfamilie zu erfreuen. Sein Loblied auf die schöne Prinzessin macht im Jahr darauf die Runde in allen Königreichen und veranlasst Prinz Diego aus Baskarien zu einer Werbungsfahrt in das abgelegene Snögglinduralthorma. Auf den ersten Blick in Lisvana verliebt, beschließt er, sie zu heiraten. Doch nach einem katastrophalen Abendessen folgt ein Eklat zwischen ihm un dem eifersüchtigen Ritter Bredur. Diego entführt Lisvana kurzerhand und will sie zurück in Baskarien ehelichen. Doch da hat er die Rechnung ohne die Dickschädel der Prinzessin gemacht.

Meine Meinung
Die Beziehung, die dieses Buch und ich hatte, ist sehr gespalten. Auf der einen Seite finde ich die Idee und das Konzept dahinter wirklich großartig. Aber auf der anderen Seite musste ich mich durch viele Längen kämpfen und habe niemals einen wirklich passenden Zugang zur Geschichte gefunden.

Dieses Märchen - oder besser: diese Parodie eines Märchens - hat mit ihren absolut verrückten Figuren und dem Aufgreifen und Ironisieren so ziemlich aller Märchenmotive, die ich kenne, eine super interessante Basis geschaffen. Auch greift die Autorin Stoffe aus mittelalterlicher Literatur auf, bei denen ich mich immer gefreut habe, wenn sie mir begegnet sind. Alleine den gesamten Komplex der Ehre und Treue stellt dieses Geschichte so absolut gänzlich bloß, dass es ein wahres Fest ist.

Generell ist der Grundton der Geschichte witzig beziehungsweise verspottend. Die Figuren sind so dermaßen  überzogen gestaltet, wie es eine Karikatur nur zulässt, und dieser Umstand sorgt für den ein oder anderen Lacher. Man muss sich halt bewusst sein, dass man hier keine Psychoanalyse der Figuren geliefert bekommt, sondern sich alles ein wenig an der Oberfläche abspielt, was die Charaktere angeht. Also gibt es keine Möglichkeit, sich mit einer Figur zu identifizieren, aber das ist auch gut so.

Dennoch sehr gestört hat mich dieses ewige Hin-und-Her im Liebesdreieck Bredur-Lisvana-Diego. Eine endlose Geschichte, die mich einfach gelangweilt hat. Auch, wenn ich die Funktion dahinter sehe. Die ersten beiden Drittel fand ich daher ziemlich anstrengend und erst gegen Ende hat sich bei mir sowas wie ein Lesefluss eingestellt.

Obwohl ich das Buch wirklich mögen wollte, hat das nicht so richtig geklappt. Ich denke zwar, dass es lesenswert ist, wenn man schrullige Charaktere mag gerne ironische Texte liest, aber richtig toll fand ich es dennoch leider  nicht. 2 Wölkchen gibt es von mir dafür.


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