22.06.2015

[Rezi] Sebastian Fitzek - Der Nachtwandler

Erscheinungsjahr: 2013
Genre: Thriller
Seitenzahl: 312




Teaser:
Als er sich im Bett aufsetzte, wusste Leon eine Zeitlang nicht, wo er war.[...] Im ersten Moment glaubt er, wieder in einer Schlaflähmung gefangen zu sein und die vergeblichen Versuche, in der Finsternis nach einer Lichtquelle zu tasten, zu träumen.



Handlung
Jeder Mensch hat eine Vorstellung vom Schlafwandeln. Doch was Leon des Nachts anstellt, geht über das alltägliche Bild des Schlafwandelnds weit hinaus. Schon als kleiner Junge hatte er große Probleme damit, im Schlaf verrückte und gefährliche Dinge zu tun. Nachdem seine Eltern umgekommen sind, wuchs er in verschiedenen Pflegefamilien auf. Die erste davon wollte ihn nach kurzer Zeit wieder loswerden, weil er im Schlaf mit einem großen Küchenmesser über seinem Pflegebruder gebeugt stand. Dass Leon selbst sich an überhaupt nichts erinnern kann, nachdem er aufgewacht ist, macht die ganze Geschichte nur noch schlimmer.
Nach dem Vorfall mit dem Messer kam er in eine neue Pflegefamilie, die ihm sofort professionelle Hilfe besorgt hat. Mit dieser gelang es ihm, seine sich entwickelte Angst vorm Schlafen und vor allem seinen potentiellen Gewalttaten in den Griff zu bekommen.

Mittlerweile ist er selbstständiger Architekt und mit seiner Freundin Natalie in eine wunderschöne Wohnung gezogen. Doch seine unkontrollierten Schlafphasen scheinen wieder anzufangen - ganz ohne, dass Leon es überhaupt bemerkt. Als Natalie aber sichtbar misshandelt ihre Koffer packt und nicht mehr erreichbar ist, Leon diverse Geheimtüren in seiner Wohnung entdeckt und anscheinend ganze Gespräche im Schlaf führt, weiß er selbst nicht mehr, zwischen Traum und Wirklichkeit zu unterscheiden. Aber die wichtigste Frage ist: wo ist Natalie und hat Leon ihr im Schlaf etwas angetan?

Meine Meinung
Wenn man seinen Wahrnehmungen und Erinnerungen nicht mehr trauen kann - ich glaube, wie das ist, kann man sich gar nicht furchtbar genug vorstellen.
Für Leon ist genau das eingetreten. Er selbst hat keinen Überblick mehr von dem, was alles passiert, aber die Fakten sprechen für sich. Dinge verschwinden, Natalie hat ein blaues Auge und seine Nachbarn beharren auf mit ihm angeblich geführten Gesprächen - an all das kann Leon sich nur leider nicht erinnern. Das steigert seine Angst, im Schlaf gegen irgendjemanden gewalttätig zu sein und es nicht einmal bewusst zu merken. Auch sein Psychiater von früher kann ihm nicht helfen, also muss Leon selbst versuchen, Licht ins Dunkel zu bringen. Er bastelt sich eine Helmkamera und überwacht damit seinen Schlaf. Doch was er da sieht, verwirrt und verstört ihn nur noch mehr.

Ganz nach bewährter Fitzek-Manier finden der Protagonist und damit auch der Leser permanent neue Puzzelstücke, die die ganze Angelegenheit aber nicht aufdecken, sondern nur noch mysteriöser machen. Da hätten die teilweise platt gesetzten Cliffhanger am Ende der Kapitel gar nicht sein müssen.
Der Sprachstil ist gewohnt klar und sauber - manche Metapher kam mit etwas ungelenk vor, aber das war nicht weiter tragisch. Die Spannung wird zwar nicht konstant hochgehalten, aber doch immer wieder nach oben gerissen, wenn beispielsweise eine neue Information eingeführt wird, die zunächst der Schlüssel zu sein scheint, mit dem sich alles auflöst und sich dann aber doch nur als weiteres Mosaiksteinchen entpuppt, das noch mehr Fragen aufwirft.

Die Informationen zum Somnabulismus fand ich wirklich sehr spannend und haben in mir ein neues Bewusstsein für diese Form der Schlafstörung, die bei Leon ja extrem extrem ausgeprägt ist. Genau deshalb mag ich Fitzeks Bücher so gerne - er setzt nicht nur auf blutige Szenen, sondern man lernt tatsächlich immer etwas dazu.

Den Plot-Twist habe ich natürlich mal wieder nicht vorhergesehen - aber der war auch wirklich hinterlistig angelegt.
Ein Thriller mit wenig Gemetzel, der dafür aber sehr zu Lasten der Psyche geht. 3 gute Wölkchen von mir!

Kommentare:

  1. Huhu!! :)
    Scahde das dich das Buch nicht so ganz überzeugen konnte. Vor einiger Zeit habe ich 'Der Seelenbrecher' von Sebastian Fitzek gelesen und war total begeistert. Er hat einen unglaublich guten Schreibstil, der einfach, genauso wie du es passend formulierst, nicht nur auf Gewalt basiert sondern mehr auf dem psychischen Level. 'Abgeschnitten' von ihm, liegt bei mir noch auf dem SUB. Mal schauen wann ich mutig genug bin, damit anzufangen ;)

    Alles Liebe,
    Jasi ♥

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    1. Nach sowas! :o
      Da war meine Tastatur doch tatsächlich so frech und hat einfach mal einen Tippfehler eingebaut, tzz tzz. Aber ich denke du kannst das 'Schade' trotzdem entziffern. (:

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    2. Haha, jaja, die Tastatur ;D
      Vielleicht habe ich in letzter Zeit zu viele Bücher von ihm gelesen und setze das Niveau entsprechend hoch an. "Abgeschnitten" ist aber etwas blutiger, glaube ich. Auf jeden Fall sind seine Bücher ja generell nichts für schwache Nerven. Bin gespannt, was du dann zu dem Buch sagst :)

      Liebe Grüße
      MelMel

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