23.07.2015

# Katzenjammer # L(i)ebenswert

[Gerede] Warum XYZ-Promis als Marketingstrategie für mich nicht funktioniern

Neulich fuhr ich mit dem Bus durch die Stadt. Und weil ich niemanden zum Reden dabei hatte, habe ich in feinster Fahrgastmarnier verträumt aus dem Fenster geschaut. Da wurde ich plötzlich aus meinem wohligen Zustand aufgeschreckt - von niemand geringerem als HEINO persönlich. Zumindest so persönlich wie ein schreiend grünes Plakat mit einer lebensgroßen Abbildung von ihm eben sein kann. Heino empfahl mir auf diesem Plakat, doch einen Vertrag mit einem bestimmten Mobilfunkanbieter abzuschließen. Warum Heino? Was transportiert dieser Mensch im kollektiven Zeichenverständnis, das ihn als Berater in technischen Fragen qualifiziert? Nichts. Genauso wenig, wie ich Shampoo auf Grund von Mats Hummels' offensichtlich erblich bedingter voluminöser Haarpracht, Kartoffelsalat wegen Barbara Schönebergers flockigem Wortwitz oder Milchreis wegen diesem VOX-Auswanderer-Futzi, dessen Name mit leider entfallen ist, kaufen werde, unterschreibe ich einen Vertrag bei einer mir von Heino empfohlenen Firma.

Mehr oder weniger dem Mob bekannte Gesichter auf Produkte zu kleben, ist eine alte Geschichte. Die, nebenbei erwähnt, aktuell von den Youtube-"Promis" neu aufgelegt und richtiggehend pervertiert wird. Verspricht diese Kombi doch durch Synergie-Effekte einen positiven Effekt für beide Seiten: mehr Aufmerksamkeit. Und nach denen lechzten sowohl die vertreibenden Firmen - Aufmerksamkeit bringt Absatz, und halt auch die Berühmtheiten. Auch wenn diese im Gegensatz zu den Firmen nicht unbedingt direkt von Aufmerksamkeit leben. Zumindest Sportler/Musiker/andere eigentlich ernstzunehmende Menschen des öffentlichen Lebens stellen sich sicher nicht aus bloßem wirtschaftlichen Interesse lächelnd hinter eine lilafarbene Kuh. Kühe befriedigen anscheinend auch das Ego.
Wenn hinter dieser Werbung ein ansprechendes Konzept steckt, das die Situation irgendwie selbstreflexiv aufgreift oder idealerweise auch mit No-Name-Schauspielern funktionieren würde, dann habe ich überhaupt kein Problem. Wenn allerdings offensichtlich an den Texterhonoraren gespart wird, um die Gage für das Zugpferd, aka XYZ-Promi, abzuzwacken, sieht das schon ganz anders aus. 

Es ist wohl einfach eine Frage des Anspruchs: will das Werbekonzept wirklich nur irgendwie Aufmerksamkeit generieren oder soll tatsächlich eine kreative BeWerbung stattfinden? Denn ein hübsches Promi-Gesicht (ich bin nicht sicher, ob wir jetzt noch bei Heino sind, ehrlich gesagt), das zusammenhangslos ein Produkt anpreist, überzeugt mich nicht. Gut, generell überzeugt mich Werbung erstmal nicht. Aber sie weckt meine Neugier, wenn sie gut gemacht ist. Während die Gesichter von Heino - der kein Telefontechniker ist - oder Daniela Katzenberger - die weder Schreiberin noch Innenarchitektin ist - eher meinen grundsätzlichen Widerwillen wecken.

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