29.08.2015

[Rezept] Hähnchenbrust mit Countrykartoffeln

17:49 0 Comments
Unlängst wurde mit für einen Tag die Verantwortung für die kulinarische Verpflegung meiner Familie übertragen. Weil ich diese Bürde gleichermaßen mit Elan und Esprit zu tragen gedachte, habe ich mir daraufhin ein sättigendes, einfaches und unkompliziertes, aber eben neues Rezept vorgenommen, für das die Familie Versuchskaninchen spielen durfte. Mit mäßigem Erfolg, wie ich leider zugeben muss. Aber aus meinen Fehlern könnt auch ihr lernen, denn ich habe schon eine Lösung für das bei mir aufgetretene Problem parat.

Gebraucht wird
700g Hähnchenbrustfilet
Kartoffeln nach Bedarf
2 Zwiebeln
Olivenöl
250g Datteltomaten
Salz, Pfeffer, Basilikum
Gemüsebrühe

Außerdem
Schneidebrettchen
scharfe Messer
ein großes Backblech
einen Ofen
Backpapier
eine große Schüssel
Küchenrolle

Der Spielplan
Die blödeste Arbeit kommt am Anfang: Kartoffeln schälen. Wenn das erledigt ist, macht der Rest aber doppelt so viel Spaß. Also, Kartoffeln schälen, vierteln und in einer Schüssel mit Wasser zwischenlagern, damit sie nicht braun werden. Dann das Backblech mit Backpapier auslegen, die Kartoffeln trockentupfen,  auf dem Blech verteilen und mit Salz und Pfeffer würzen. Das ganze kommt dann für etwa 20 Minuten bei 200°C Umluft in den Ofen.

Währenddessen das Hähnchen in Würfel, die Zwiebeln in Ringe und die Tomaten un Viertel schneiden. Alles in einer Schüssel mit einem guten Schuss Olivenöl vermischen, nochmal etwas Salz und Pfeffer dazu geben und anschließend das Basilikum darüber zupfen.
Die Kartoffeln aus dem Ofen holen und nach einer kurzen Minute Abkühlen auch in Schüssel geben. Gut mischen und dann alles wieder auf dem Backblech verteilen. Bevor dieses dann wieder für 30 Minuten in den Ofen kommt, ein bisschen Gemüsebrühe darüber gießen. Fertig!

Und so ähnlich sieht das dann aus
Bei mir war das Fleisch nämlich leider etwas zu trocken; deshalb kam beim nächsten Versuch die Gemüsebrühe dazu, die dem entgegengewirkt hat.
Trotzdem hat es allen gut geschmeckt. Ich finde es halt sehr praktisch, wenn man in den 30 Minuten Backzeit noch schnell die Küche aufräumt und dann nach dem Essen keinen Stress mehr mit dem Haushalt hat. Guten Hunger!

26.08.2015

[Rezi] Luca Di Fulvio - Das Kind, das nachts die Sonne fand

15:48 0 Comments
Erscheinungsjahr: 2015
Originaltitel: Il bambino che trovò il sole di notte
Genre: Historischer Roman
Seitenzahl: 829


Teaser:
Leute wie du glauben, dass das Herz das Leben und die Seele bestimmt. Doch jeder Fleischer könnte dir erklären, dass das Herz nur ein Organ wie all die anderen ist, das man auf eine Waage legen kann. Niemand hingegen kann ein Lachen aufwiegen. Lachen Macht dich leicht und verleiht dir Flügel.



Handlung
Das priveligierte Leben des kleinen Marcus II. von Saxia endet mit einem entsetzlichen Paukenschlag. In dem einen Moment spielt der 9-jährige Junge und Erbe eines ertragsreichen Fürstentums in den Alpen mit seiner Kinderfrau Verstecken und im nächsten Moment muss er mitansehen, wie alle Burgbewohner inklusive seiner Eltern und seiner kleinen Schwester bei einem grausamen Massaker ums Leben gebracht werden. Er selbst wird nur durch einen glücklichen Zufall und das Wohlwollen Eloisas - der Tochter der Hebamme - gerettet. Diese schleppt ihn zu ihrer Mutter, die ihn zunächst versteckt und ihm dann eine neue Identität gibt. Von nun an gilt Marcus der II. offiziell als tot und Mikael muss sich als neuer Dorfbewohner und Leibeigener des neuen grausamen Herrschers sein Leben hart erkämpfen. Für den kleinen Fürstensohn, der in seinem Leben noch nie gearbeitet hat und dem automatisch jeder mit Respekt begegnet ist, beginnt nun eine Zeit, in der er zu sich selbst finden und erkennen muss, wer er ist. Denn nur so hat er überhaupt eine Chance, den Schwur, seine Familie zu rächen und den dafür verantwortlichen Menschen zu töten, in die Tat umsetzen.

Meine Meinung
Da steckte man eben noch in einer ausgewachsenen Leseflaute und schon wurde der Wunsch, endlich mal wieder ein richtig fesselndes Buch in den Händen zu halten, erhört.

Di Fulvio versetzt den Leser ins eher späte Mittelalter und schildert die Lebensumstände der Leibeigenen, die von der Willkür ihrer Herrscher abhängig waren. Mitten darin ist Mikael, der aus seinem warmen Bett in der geschützten Burg hin zu einem bitterkalten Strohlager katapultiert wurde und nun zitternd und mit Frostbeulen versehen das Trauma aufarbeiten muss, das das Massaker an seiner Familie in ihm hinterlassen hat und sich dabei noch glücklich schätzen darf, überhaupt mit dem Leben davongekommen zu sein. Der Leser erlebt die Entwicklung des verschlossenen, extrem eingeschüchterten und sich dumm, nutz- und wertlos fühlenden kleinen Jungen hin zu einem starken Mann, der in der Nacht die Sonne sucht. Allein diese wunderschöne Metapher hatte mich ja schon für den Roman eingenommen, aber die wundervoll ausgearbeiteten Figuren, die selten einbrechende Spannungskurve und der allgemeine schöne Schreibstil haben ihr übriges dazu beigetragen, dass ich das Buch in den letzten Tagen kaum aus den Händen legen konnte.

Mikael, dessen Schicksal einem das Herz zerreißen könnte, durchlebt eine grandiose Entwicklung. Allerdings tut er das nicht von heute auf morgen - der kleine Junge hat einen sehr langen, sehr schweren Weg vor sich, voller Demütigungen, lehrreichen Niederlagen und einigen Narben, die von diesen zurückbleiben. Er muss nicht nur lernen, harte körperliche Arbeit zu leisten, sondern auch an den seelischen Kämpfen, die er führt, nicht zu zerbrechen. Unterstützt wird er dabei von Eloisa und ihrer Mutter. Beides ebenfalls vielschichtige Figuren, die lieber etwas zu ruppig reagieren, als ihre wahren Gefühle zu offen zur Schau zu stellen.

Bei historischen Romanen gibt es für mich immer zwei Punkte, die ich sehr kritisch betrachte und die für mich den Unterschied zwischen einem gelungenen Werk und einem Blabal-Geschreibsel machen. Zum Einen handelt es sich dabei um eine schwarz/weiß-Darstellung der Figuren. Sehr oft geht die Komplexität der Handlung zu Lasten der Vielschichtigkeit der Figuren, die entweder gut oder böse sind. Auch in diesem Roman stehen fast alle Figuren entweder auf der einen oder auf der anderen Seite. Der Leser bekommt feste Wertmaßstäbe aufdiktiert, denen er folgt und nach denen er die Charaktere einordnen kann. Glücklicherweise gibt es aber auch die eine oder andere ambivalente Figur, sodass dieser Krititkpunkt nicht allzuschwer auf dem Gesamturteil lastet.
Der zweite Punkt, der mir wichtig ist, sind die historischen Tatsachen. Da ich keine Historikerin bin und deshalb kein Experte auf diesem Gebiet, bin ich in diesem Punkt nicht ganz so streng und lasse auch die eine oder andere dichterische Freiheit durchgehen. Mir ist vor allem wichtig, dass nicht mit modernen Maßstäben gemessen wird, sondern wirklich eine relativ glaubwürdige historische Moral in der Geschichte entwickelt wird. Jetzt geht es hier natürlich um die Leibeigenschaft und um die Umbruchssituation, die im auslaufenden Mittelalter die Feudalherrschaft abgelöst hat. Dass sich da auch moderne Gedanken einschleichen, ist also vorprogrammiert. Aber es bleibt für meinen Geschmack genügend Raum dafür da, die mittelalterlichen Richtlinen - die sich immer streng nach einer Obrigkeit richteten, sei es nun Gott beziehungsweise dem Papst oder dem König - herauszulesen und nachzuvollziehen.

Formal positiv aufgefallen ist mir, dass die Kapitel nicht unglaublich lang sind, sodass man auch zwischendurch schnell noch zwei davon lesen kann, ohne gleich eine Stunde beschäftigt zu sein. Der Schreibstil ist, wie schon erwähnt, sehr schön zu lesen und zur Story passend. Also nicht gewollt schwurbelig-mittelalterlich, aber durchaus zum Thema passend. Einige Szenen sind dehr gewalttätig; darauf sollten zarter besaitete Leser vorbereitet sein. Aber auch das ist man von historischen Romanen ja gewöhnt. 
Am Ende ging mir tatsächlich alles ein wenig zu glatt auf, sodass es ein wenig konstruiert wirkte. Aber das verziehe ich dem Buch und vergebe trotz der (sehr kleinen) Kritikpunkte 5 Wölkchen und eine Leseempfehlung!

23.08.2015

[Musik] Sonntagslieder #125

14:18 0 Comments
Seit ich meinen jährlichen süddeutschen Urlaub angetreten habe, ist die knallige Hitze, die den Norden bisher lediglich gestreift hat, endlich auch in meinem Leben angekommen und ich kann meine Wärmeakkus vor dem nächsten Winter glücklicherweise doch noch ein wenig aufladen. Dennoch ist meine Playlist nicht mit rhythmischen Sommerklängen gefüllt, sondern aus welchen Gründen auch immer eher wieder mit für mich im Sommer untypisch harten Gitarren. Aber wie sagte mein ehemaliger Musiklehrer immer? Gitarren passen immer. Recht hat er. 



Bullet For My Valentine - You Want A Battle? Here's A War
Wie vorgenommen habe ich mich mal mit den neuen Liedern dieser Band beschäftigt. Und ich habe sie für gut befunden!


Me in a Million - Get Real Or Die Trying
Eine Band, von der ich immer nur einzelne Lieder kenne. Diese höre ich aber hin und wieder extrem gerne.


Linkin Park - Across The Line
Und schon wieder LP. Die dürfen einfach nicht fehlen, wenn es um Gitarren geht!

Damit wünsche ich euch einen rockigen Rest-Sonntag mit viel Sonne und einem erfrischenden Sommergewitter am Abend! Startet gut in die neue Woche und genießt die letzten warmen Wochen♥

20.08.2015

[Rezi] Louise Walters - Dem Glück so nah

11:15 0 Comments
Erscheinungsjahr: 2014
Originaltitel: Mrs. Sinclair's Suitcase
Genre: Roman
Seitenzahl: 349

Teaser:
Ich hatte mehr Glück als Verstand, als ich in der Buchhalndlung "The Old an New Bookshop" über eine offene Stelle stolperte. Philip hatte vor, einen weiteren Verkaufsraum zu eröffnen, um eine vernünftige Auswahl an neuen Büchern anbieten zu können. Er brauchte jemanden, der sich um diesen Bereich des Geschäfts kümmerte und ihn außerdem bei den gebrauchten Büchern unterstützte.


Handlung
Für Roberta gibt es nichts interessanteres, als in Geschichten zu versinken. Deshalb liebt sie Bücher. Und alte Briefe, Postkarten oder sonstige Notizzettel, die sie in den gebrauchten Büchern des Ladens, in dem sie arbeitet, findet. Denn diese kleinen Stücke erzählen nicht von den Erlebnissen fiktiver Charaktere, sondern sind kleine Ausschnitte aus echten Leben von echten Menschen.
Dann muss ihre geliebte Großmutter ins Altersheim und sie bekommt von ihrem Vater einen alten Koffer mit Büchern, den sie Mutter nicht mitnehmen konnte und den Roberta durchsehen. Darin findet sie einen alten Brief von ihrem Großvater Jan, der nicht nur vom Inhalt her einige Fragen aufwirft. Er ist nämlich außerdem mit einem Datum versehen, an dem Jan offiziell schon längst tot war - als polnischer Pilot im Dienst der englischen Armee im zweiten Weltkrieg gefallen. Die einzigen beiden Menschen, die Roberta bei diesem Rätsel helfen können, sind ihr schwerkranker Vater und ihre demente Großmutter. Beide möchte sie nicht unnötig aufwühlen, aber gleichzeitig lässt ihr der Brief keine Ruhe.

Meine Meinung
Manchmal braucht man ja so ein lockeres, leichtes Buch, das man zwischendrin schnell weglesen kann. Da ist dann am besten von allem was dabei: ein bisschen Drama, ein bisschen Liebe und ein interessantes Setting. Das gibt es hier auf jeden Fall.

Das Buch setzt sich aus zwei Handlungssträngen zusammen: einmal haben wir Roberta, deren Leben quasi nur aus ihrer Arbeit besteht, und dann rückblickend die Geschichte ihrer Großmutter Dorothy. Ohne das empirisch zu überprüfen, würde ich sagen, dass letztere eigentlich im Mittelpunkt steht und Roberta nur den Rahmen für diese eigentliche Erzählung liefert, in der es hauptsächlich um Dorothys Kinderwunsch und ein bisschen auch um die Umstände und das Leben vor und während des Krieges geht. 
Dorothy ist als Figur ziemlich schwer zugänglich - zumindest ging es mir so - weil sie extrem verschlossen und eigenbrödlerisch ist, wenige Menschen an sich heran lässt und noch weniger Menschen mag. Natürlich hat sie kein leichtes Leben, aber mit solchen verstockten Figuren habe ich generell immer ein Problem, weil sie dadurch viele gute Absichten verkennen beziehungsweise erst sehr spät zulassen. Dennoch ist es möglich, eine gewisse Empathie zu haben und sie durch diese Zeit zu begleiten.

Bei Roberta liegt der Fall ein wenig anders, denn sie ist so deutlich dazu konzipiert, dass sich viele Leserinnen mit ihr identifizieren können, dass ich es fast aus Trotz nicht getan habe. Sie ist in ihren mittleren Jahren, sieht gut aus, hat einen guten Job, unterschätzt sich selbst aber permanent, traut sich nichts zu und ist ein bisschen in Selbstmitleid versunken. Und ihre Liebesgeschichte ist, im Gegensatz zu der ihrer Großmutter, total vorhersehbar und vom Spannungsverlauf unglücklich gestaltet: erst gaaanz lange keine Spannung, dann ein bisschen und dann ist auch schon alles entschieden.
Die übrigen Figuren haben nicht so viel Profil, wie ich es mir gewünscht hätte, aber sind trotzdem weder schlampig noch lieblos gehalten. Nur für meinen Geschmack ein bisschen zu wenig ausgearbeitet. 

Die Story selbst finde ich ganz schön; vor allem Dorothys Schicksal zu verfolgen hat mir gut gefallen. Der Schreibstil ist wie gesagt sehr gut bekömmlich, sodass man keine großen Hirnleistungen vollbringen muss, was auch mal wirklich angenehm ist. 
Besonders gefallen hat mir der kleine Clou am Anfang eines jeden Kapitels von Robertas Handlungsstrang: bevor die Geschichte weitergeht, ist immer erst eine Nachricht abgedruckt, die Roberta in einem der Bücher gefunden hat; versehen mit dem Buchtitel, in dem die Nachricht lag, dem Zustand des Buches und für wie viel Pfund es verkauft werden konnte. Aus diesen Bruchstücken mit völlig unbekannten Namen kann man sich dann selbst eine Geschichte zusammenspinnen, was wirklich Spaß gemacht hat.
Das Ende war mir dann aber wiederrum ein wenig zu konstruiert und unglaubwürdig.

Alles in allem finde ich dieses Buch eine solide Sommerlektüre, die zwar nichts großartiges reißt, aber durchaus schöne Lesestunden bescheren kann.
3 Wölkchen von mir.

15.08.2015

[Gerede] Sommer, Sonne, Sandalen&Socken

16:54 3 Comments
Klischees haben ja oftmals einen wahren Kern. Nun hat sich das Klischee des bierbäuchigen deutschen Touristen für den Funktionalität über Ästhetik geht und der aus diesem Grund die gesamtgesellschaftlich geächtete Kombination aus weißen Tennissocken und Sandalen trägt, so weit herumgesprochen, dass es selbst bis zu besagter Spezies durchgedrungen zu sein scheint und die Mitglieder derselben nun peinlich berührt ihre Tennissocken bis zum nächsten Herbst in den untersten Kommodenschubladen verstauen.

Dabei empfinde ich persönlich diesen Aufzug als gar keine so große Beleidigung für das Auge wie manch anderer, selbst wenn es auch nicht mein bevorzugter Sommer-Look ist. Der Sommer lädt - wohl auf Grund seiner zahlreichen Möglichkeiten aber gleichzeitig auch Notwendigkeiten zu wenig Stoff, die die Temperaturen der restlichen neun Monate des Jahres eben nicht hergeben - zu diversen abenteuerlichen Outfits ein, von denen Sandalen mit Socken sicherlich nicht die geschmacksverirrtesten sind.

Was die Leute so tragen, ist mir ja relativ egal. Für Mode interessiere ich mich auch nicht mehr, als es meinem Ego und meinem Geldbeutel gut tun. Jeder soll einfach das tragen, worin er sich am wohlsten fühlt ohne dafür verurteilt zu werden; das ist meine Moderegel Nummer 1. Abgesehen von dieser gibt es nur noch zwei weitere Regeln in meinem Kosmos, was doch recht überschaubar ist. Nummer 2 und 3 setzen allerdings Regel 1 außer Kraft. Wären diese Regeln ein Gesetz (und manchmal wünschte ich, das wäre der Fall), wären sie §1a und §1b, die Ausnahmeregelungen zum oben genannten §1 enthielten. Und das wären folgende:
§1a Oben wenig, unten viel; unten wenig, oben viel.
§1b Leggins sind. keine. Hosen. Und Hosen, die wie Unterwäsche geschnitten sind, sind auch keine Hosen.

Wird eine Person gesichtet, die sich der Nichtbeachtung dieser Regelungen schuldig gemacht hat, verurteile ich legitimerweise doch. Und zwar massiv. Gerade in diesem Sommer komme ich da kaum hinterher mit Augenrollen bei den ganzen Hotpants-Croppedtop-Spaghettiträger-Outfits.
Versteht mich nicht falsch: niemand hat was gegen Hotpants (naja, fast niemand) und auch ich bin Anhängerin der kurzen Hose. Aber in Kombination mit einem Oberteil, bei dem die Grenzen zwischen Top und BH fließend sind, handelt es sich vielleicht um ein süßes Strand-Outfit, aber sicher nichts für den Alltag.

Auch, wenn es Leute gibt, die diesen Hauch von Nichts tragen können, weil sie sowohl die passende Figur und vor allem auch die passende Ausstrahlung haben, sollten sie es meiner Meinung nach nur bedingt tun. Und die, die es aus Trend-Gründen tun, sollten es sowieso lassen.
Trends sind sowieso schwierig. Sie beeinflussen das Geschmacksempfinden enorm; Gestern fand ich Spitzenbesatz oma-mäßig, heute finde ich sie wunderschön und morgen mag ich sie wahrscheinlich nicht mehr. Das ist okay. Aber man sollte einfach den realistischen Blick dafür nicht verlieren, wie man wirkt und was einem steht, anstatt jedem Trend hinterherzuhechten. Sonst gibt es da ganz schnell einen Overload und die Leute um einen herum sehnen sich nach der Zeit zurück, als Sandalen mit Socken das größte modische Problem waren.

12.08.2015

[Rezi] T. C. Boyle - Wassermusik

10:49 0 Comments
Erscheinungsjahr: 2015 (Erstausgabe:1981)
Originaltitel:Water Music
Genre: Historischer Roman
Seitenzahl: 571



Teaser:
Es ist der 2. Februar, der Jahrestag ihrer Verlobung mit Mungo Park. Ailie Anderson begeht diesen Tag mit einem Bad, in diesen kargen Zeiten ein seltener Luxus. Vor sich hin summend gleitet sie durch den Raum, stellt die Badeutensilien bereit und facht  hin und wieder mit dem Blasebalg das Feuer an.


Handlung
Der Niger und seine Umgebung ist ein im Jahr 1795 neben vielen anderen Teilen der Erde ein unerforschtes Gebiet. Der Entdecker Mungo Park und sein Dolmetscher sind im Auftrag der britischen Regierung dabei, den Verlauf dieses großen Flusses festzustellen und eine weiße Fläche auf der Landkarte der Welt zu füllen. Die Probleme, die dieses Unterfangen begleiten, sind vielfältig: neben Hunger, diversen Dschungelkrankheiten wie Ruhr und Malaria, stellt die blasse Hautfarbe des Schotten Mungo ein Kuriosum dar, das zusätzlich zu seinem christlichen Glauben eine große Feindseeligkeit ihm gegenüber bewirkt. Vor allem die Mauren sind ihm ganz und gar nicht gewogen und dass er und sein Dolmetscher eben diesen in die Hände fällt, macht die Situation nicht besser.

Währenddessen wartet seine Verlobte Ailie in Schottland auf Mungos Rückkehr. Obwohl sie jahrelang keinen Brief von ihm erhält, glaubt sie fest daran, dass er die mehr als gefährliche Reise überleben und zu ihr zurück kommen wird. Dabei muss sie nicht nur gegen ihre Zweifel und Trauer kämpfen, sondern auch gegen den Druck ihres Vaters, der auf Grund ausbleibender Nachricht davon ausgeht, dass sein Schwiegersohn in spe nicht mehr am Leben ist und Ailie dazu bringen möchte einen anderen Mann zu heiraten, damit sie nicht als alte Jungfer endet.

Und dann gibt es noch Ned Rise. Ein unter ärmsten Umständen geborener und aufgewachsener junger Mann, dem das Leben wirklich nicht viele Chancen gegeben hat, ein anständiges Leben zu führen. Und deshalb tut er das auch nicht. Er ist vor allem auf das schnelle Geld aus - wie er das bekommt, ist im relativ egal. Doch er arbeitet auf seine Weise hart und muss vor allem immer wieder von vorne anfangen, weil er die Eigenschaft hat, es sich ziemlich schnell mit ziemlich üblen Typen zu verscherzen.

Meine Meinung
Ein postmoderner Abenteuerroman - so kann man dieses Buch wahrscheinlich ganz gut beschreiben. Es verarbeitet realgeschichtliche Tatsachen, die teilweise zu Gunsten der Erzählung mit dichterischer Freiheit behandelt und im Sinne der Ästhetik verändert wurden. Daher findet man sehr gerne mal ein paar Anachronismen, die zum ironischen und teilweise skurill-witzigen Grundton der Geschichte beitragen.

Manch anderes dagegen ist ganz und gar nicht so witzig. Wenn die verschiedenen Foltermethoden beschrieben werden, die der Entdeckertrupp erfährt oder auch die Umstände, unter denen Ned Rise in den Gossen Londons lebt und hin, das ist alles ein bisschen ekelhaft. Aber andererseits auch wieder so dermaßen übertrieben dargestellt und so absichtlich mit bizarren Vergleichen besetzt, dass man es irgendwie nicht richtig ernst nehmen kann. Was auch eine Art ist, mit Schrecken umzugehen; die Umstände zu der Zeit waren sicher nicht harmloser, als dargestellt.
Der Schreibstil ist allgemein sehr roh; vor allem aufgefallen ist mir das bei der Metaphorik, die oftmals auf Krankheitsbilder zurückgreift. Aber auch ansonsten ist die Sprache eher nichts für sensible Nerven.

Die Story ist sehr breit angelegt. Hauptfigur ist der Entdecker Mungo Park, der unter schweren Umständen Afrika erkundet, um als gefeierter Entdecker zurück nach Großbritannien kehren zu können. Leider war es auch genau dieser Handlungsstrang, der mich am wenigsten begeistern konnte. Zu den Darstellungen der Umstände in Afrika habe ich noch ein wenig Zugang gefunden - so aber nicht zu der Hauptfigur. Mungo ist ein Depp. Anders kann man es einfach nicht ausdrücken. Großes Ego, kleiner Verstand. Gut, er hat ein Ziel, das er stoisch verfolgt und allen Gefahren trotzt. Aber warum? Um seinen Stolz zu bestätigen. Er schlägt Ratschläge von Leuten ab, die eindeutig mehr Ahnung haben und verlässt sich auf sein Glück. Ich lehne mich jetzt weit aus dem Fenster, aber ich bin der Meinung, dass ich in einem fremden Land, in dem mich ein Großteil der Bevölkerung am liebsten lynchen würde, och einfach mal den wenigen zuhören sollte, die es gut mit mir meinen. Oder nicht?

Um so mehr Sympathie hatte ich für Ned übrig, obwohl der unter wesentlich wengier glorreichen moralischen Umständen sein Dasein fristet. Aber er, der er völlig ohne Privilegien geboren wurde, tut sein bestes, um irgendwie ein Leben in Wohlstand zu führen. Gut, was er dafür tut, ist extrem furchtbar und wenn er seine Talente relativ ehrlich nutzen würde und sich im Rahmen des Gesetztes bewegen würde, hätte er sicher mehr Chancen auf sein Glück. Aber weil er niemanden hat, der ihm das mal sagt, fällt er immer wieder vom Weg ab.

Das Buch vermittelt also ziemlich viele Informationen, denn wirklich jede Figur, die irgendwie wichtig ist, erhält einen Raum, der so groß ist, um sie angemessen entfalten zu können. Ich finde das großartig, doch ein paar kleinere Längen waren dadurch trotzdem enthalten.
Deshalb gibt es 3 gute Wölkchen von mir und eine Leseempfehlung für alle Fans von dichten Abenteuerromanen.

09.08.2015

[Musik] Sonntagslieder #124

10:18 4 Comments
Eigentlich hatte ich ganz viele tolle Pläne für den August: viel draußen sein, am Strand Volleyball spielen, klettern gehen, neue Städte erkunden. Und jetzt ist vieles davon leider von der Liste geflogen, weil man mit einem stillgelegten Fuß leider weder klettern, rennen oder lange durch eine Stadt laufen kann. Also bin ich gerade dabei, alternative Pläne zu machen, die nicht nur daraus bestehen, neben meinen volleyballspielenden Freunden im Sand zu sitzen und ab und an zur Belustigung mal den Ball zugeworfen zu bekommen. 
Mittlerweile habe ich mich damit wohl auch so gut es geht arrangiert. Dennoch trauere ich dem Sommerplan ziemlich hinterher und das spiegelt sich auch ein bisschen in meiner Playlist. Falls ihr also grade in Sommer-Party-Laune seid, ist die folgende Auswahl eher nicht zu empfehlen.


Maxim - Rückspiegel
Hab ich eigentlich schonmal erwähnt, wie sehr ich Violinen liebe? Natürlich vor allem zu etwas melancholischeren Liedern. Aber am allerliebsten bei einem Lied wie hier mit ambivalenter Stimmung: melancholisch aber mit Lichtblick.


Linkin Park - Numb
Den alten Sound der Band mag ich immernoch so so gerne. Wut und Schwermut sind darin so herrlich gekoppelt, das passt vor allem gerade auch sehr gut.


Bullet for my Valentine - All These Things I Hate
Im Zweifel krame ich auch immer wieder gerne meine alten BfmV-Alben raus. Weltschmerz lässt sich da am besten ableiten, finde ich - egal, welcher Schmerz gerade abgeleitet werden muss.

Alles klar. Jetzt habe ich offiziell genug gejammert. Ein kleiner Rückschlag ist schließlich nicht das Ende der Welt und ein kaputter Fuß nicht der Untergang des Sommers. Man kann schließlich auch im Sitzen viele tolle Dinge tun. Vielleicht lerne ich einfach Schach. Oder ich fange an zu Stricken. Oder eröffne ein Nagelstudio. Die Welt steht mir offen!
Einen schönen Sonntag wünsche ich euch - springt einmal für mich in die Luft! ♥

06.08.2015

Bänderrisse und Blitzableiter

08:54 5 Comments
Eine gute Freundin von mir schaut sich sehr gerne Fußballspiele an. Nicht unbedingt, weil sie ein großer Fan dieser Sportart ist oder überhaupt die Regeln zu 100 Prozent versteht (aber wer tut das schon?), sondern eher, weil ihr die Stimmung bei den Zuschauern so gut gefällt. Da wird kollektiv gejubelt, gezittert und sich im Zweifel tröstend auf die Schultern geklopft. Spieler wie Fans sitzen gemeinsam in einer emotionalen Achterbahn und teilen Freud wie Leid. Am liebsten natürlich ersteres.
Man könnte also davon ausgehen, das bei besagter Freundin - nennen wir sie Lotte - ein gewisses Maß an Empathie vorhanden ist. Schließlich geht es ihr nicht darum, sich eine herausragende sportliche Leistung anzusehen, sondern um den emotionalen Output, der währenddessen herumkommt. Dennoch gibt es eine Sache, die sie absolut nicht versteht und bei aller Liebe zum Leid-Teilen augenscheinlich auch nicht verstehen will: wenn ein (oder auch mehrere) Spieler am Ende eines schlechten Spiels weinend auf dem Feld sitzt beziehungsweise sitzen. Das passiert nun nicht allzu selten und jedes Mal höre ich mir dann Schwadronierereien darüber an, wie sich erwachsene Männer (seit neustem wird sogar gedendert: auch erwachsene FußballerINNEN dürfen demnach nicht weinend auf dem Spielfeld sitzen) wie trotzige Kleinkinder benehmen können, dass sie schließlich dennoch ihre Milliönchen aufs Konto bekommen, sich beim nächsten Mal einfach noch mehr Mühe geben sollen, anstatt zu heulen lieber eine Fehleranalyse durchführen müssen und überhaupt ist doch alles nur ein Spiel. 

Auch, wenn ich ihr im letzten Punkt zustimmen kann, ist es mir völlig schleierhaft, wie sie so schnell ihre ganze Emotionalität, die keine fünf Minuten vorher noch extatisch und leidenschaftlich nach einem Tor gebrüllt hat, auf einen Nullpunkt des Feingefühls und Anteilnahme sinken kann. Und weil ich gerade selbst in einer sportbedingten emotionalen Krise stecke, einmal für alle (außer für Lotte, die von diesem Blog nichts weiß und hoffentlich auch nie davon erfährt): wenn man monatelange harte Arbeit in etwas steckt und man auf den letzten Metern vorm Ziel an irgendetwas unglaublich unnötigem (wie einem Gegenspieler, einem Bänderriss oder einem Torpfosten) scheitert, ist man frustriert. Und diese Wut und Enttäuschung können manchmal einfach nicht durch ein Schulterzucken und eine nüchterne Situationsanalyse ausgedrückt werden. Schon gar nicht, wenn um einen herum alles so stark emotional aufgeladen ist. Manchmal muss man dann mit Steinen um sich werfen und schluchzend ins Gras sinken, um sich eine Zeit lang intensiv mit der Ungerechtigkeit der Welt auseinanderzusetzen, die man in genau diesem Moment für sich ganz alleine gepachtet hat. Hängt man viel Herz rein, kommt nunmal auch viel Herz wieder raus - riesige Freude, wenn das Ziel erreicht wurde, aber genauso große Krise, wenn es eben nicht klappt.

Und dann sitzt man halt vielleicht auch bei seinem Arzt und kann einen hysterischen Anfall nicht unterdrücken, weil man wegen einem verdammten Drecks-Kapselriss plus Bänderanriss 6 Wochen Sportverbot erteilt bekommt, deshalb seine blöde Gürtelprüfung, die nebenbei erwähnt schon seit einem halben Jahr immer wieder verschoben werden muss, nicht ablegen kann und es darum nicht wirklich als tröstlich empfindet, dass die Bänder nur angerissen und nicht völlig durch sind. Das hilft halt einfach auch nicht weiter. Denn das hier ist nicht nur ein Spiel, es ist knallharter Ernst. Und der macht nur Spaß, wenns nach vorne geht. Und nicht mit nem Klumpfuß zum nächsten Arzttermin. Oder nach einem gescheiterten Match zurück nach Hause.

Darum, liebe Lotte, die du das hier nie lesen wirst, aber ich sags dir dennoch, einfach damit es mir selbst besser geht: lass die Jungs weinen. Wenn du unbedingt dein partriarchalisches Weltbild proklamieren möchtest, reg dich über die Fans auf. Das ist schon unfair genug, aber deren angestaute Tränenflut, die sich nach einer Niederlage ergießt, ist wenigstens nur oberflächliches Rumgeheule. Haben die sich vielleicht die Füße zerschunden, Schmerzen ertragen und einen furchtbaren Ernährungsplan eingehalten in der letzten Zeit? Nein. Also sind das die frustrierten Kinder und nicht die Sportler, die ihre Wut über verpatzte Gelegenheiten kanalisieren und ableiten müssen, um danach wieder aufzustehen und weiterzumachen.
Beziehungsweise um beim Arzt komplett überzureagieren, deshalb ein Taschentuch und ein Glas Wasser bekommen, und jetzt eine Merci-Packung kaufen gehen und beim nächsten Termin nicht nur Schokolade, sondern eventuell auch wieder ein Lächeln verteilen können.

03.08.2015

[Rezi] Jane Austen - Mansfield Park

08:50 2 Comments
Erscheinungsjahr: 2012 (Erstausgabe: 1814)
Originaltitel: Mansfield Park
Genre: Roman
Seitenzahl: 551


Teaser:
Wenn ich in einer solchen Nacht hinausschaue, habe ich das Gefühl, es könne weder Bosheit noch Sorge in der Welt geben; und gewiß gäbe es weniger von beidem, wenn die Erhabenheit der Natur mehr beachtet würde und sich die Menschen mehr in ihrem Inneren rühren lassen würden, wenn sie eine solche Szene betrachten.



Handlung
Als Tochter einer ziemlich mittellosen, aber kinderreichen Familie, hat Fanny Price das außerordentliche Glück, von der Familie ihrer Tante, die durch eine wesentlich vorteilhaftere Heirat eine sehr gute finanzielle und gesellschaftliche Lage erlangt hat, aufgenommen zu werden. Mit 10 Jahren wird sie daher von Sir Thomas Bertram und seiner Frau Lady Bertram zu ihrem Anwesen nach Mansfield Park geholt, um dort eine ähnliche Bildung und Erziehung wie deren eigene 4 Kinder zu erhalten. Natürlich ist ihre Stellung im Haus - auch auf das Bemühen von Mrs. Norris, Lady Bertrams zweiter Schwester, hin - nicht mit der der eigenen Töchter Maria und Julia gleichgestellt. Fanny steht immer deutlich unter den übrigen Familienmitgliedern und empfindet diesen Platz auch als völlig angemessen. Selten wird ihr eine besondere Beachtung, ja überhaupt eine Aufmerksamkeit zuteil, die über das nötige Maß hinausgehen. Fanny ist die Gesellschafterin ihrer einen, und das Mädchen für alles ihrer anderen Tante. Ihre beiden Cousinen und auch der älteste Sohn des Hauses kümmern sich nicht weiter um sie. Lediglich Edmund, der Zweitgeborene, sorgt sich um ihr Wohlbefinden, sodass sie zu einem hübschen, sehr bescheidenen und extrem schüchternen jungen Mädchen heranwächst. 
Im Gegensatz zu ihren beiden Cousinen, die sich gerne in vielversprechende Flirts stürzen und nach Ehekandidaten mit einem angemessenen Einkommen Ausschau halten, ist Fanny völlig zufrieden damit, den Familienmitgliedern nützlich zu sein. Sie betrachtet die Entwicklungen ihrer Cousinen mit Besorgnis; vor allem Maria, die eigentlich verlobt ist, und sich dennoch von dem charmanten Henry Crawford umwerben lässt, bereitet Fanny Kummer. Fest an ihre moralischen Prinzipien glaubend, hofft sie dennoch darauf, dass am Ende alles gut werden wird und jedem das Schicksal beschieden ist, das er verdient.

Meine Meinung
Eine fast schon krankhaft zurückhaltende Hauptfigur, arrogante und/oder ignorante Familienmitglieder, ein wunderschönes Setting voller einnehmender Beschreibungen der Natur und die üblich verspielte Schreibweise Jane Austens lassen mich nach Beenden der Lektüre mit ambivalenten Gefühlen zurück.

Ambivalent deshalb, weil die ersten beiden Punkte, die sich auf die Figuren beziehen, absolut negativ ausfallen, während der letzte Teil meiner Beschreibung die Waage wieder zur positiven Seite hin ausschlagen lässt. Daher pendelt sich meine Beurteilung des Buches wohl irgendwo in der Mitte ein. Allerdings muss ich ausdrücklich sagen, dass mir dieses Buch von allen Jane-Austen-Romanen bisher am wenigsten (was nicht heißen soll, wenig) gefallen hat. 
Das liegt wie erwähnt vor allem an der Hauptfigur Fanny, die mir die ersten beiden Drittel des Romans so dermaßen auf den Keks gegangen ist, dass ich teilweise fast schon wütend geworden bin. Den Mund einfach nicht aufzubekommen ist so die Eigenschaft, die mich sowohl im echten Leben als auch in Büchern richtig auf die Palme bringen kann, weil dadurch selten etwas gewonnen wird, aber immer alles um so viel komplizierter ist. Und in diesem Fall hatte ich fast die gesamte Zeit lang das Gefühl, Fanny besitzt weder eine eigene Meinung, einen autarken Charakter noch irgendetwas positives, das zu ihrer Verteidigung aufgeführt werden kann. Gut, sie wurde ständig von ihrer einen Tante runtergeputzt und von der anderen durch ihre träge, egozentrische Art klein gehalten, aber der Zuspruch ihres Cousins könnte doch ein wenig mehr für ihr Ego getan haben. Schließlich war sie schon 10 Jahre alt, als sie nach Mansfield Park gekommen ist und damit kein völlig unbeschriebener Charakter. 
Diese ungnädige Beurteilung kann ich allerdings mit dem Ende relativieren, bei dem Fanny doch tatsächlich Rückgrat beweist und sogar Widersprüche einlegt. Gegen Sir Bertram! Und sogar gegen Edmund! Wundervoll war das, einfach wundervoll. 

Die meisten übrigen Figuren kommen bei meiner Einschätzung ähnlich weg wie Fanny, nur dass bei ihnen eine völlig gegensätzliche Konzeption vorliegt. Fanny versucht so sehr, es jedem Recht zu machen und niemanden irgendwie zu verletzten, zu benachteiligen oder undankbar zu erscheinen, während fast alle anderen ausgearbeiteten Figuren ausschließlich ihr persönliches Wohl im Auge haben. Ihr Cousinen beispielsweise haben die besten Marnieren und geben Artigkeiten wider, wie es von ihnen erwartet wird; aber eben auch nur, weil es von ihnen erwartet wird, und nicht, weil es wirklich von Herzen kommt. Lady Bertram und Mrs. Norris sind auf ihre Weisen völlig blind gegenüber den Bedürfnissen der Menschen um sie herum - außer ein paar ausgewählter Lieblinge. Lediglich erstere ist manchmal in ihrem Tunnelblick so verwirrt, dass sie einige humoröse Glanzpunkte liefert.

Von den Figuren abgesehen, fand ich die Positionen der Frauen und das Konzept der Ehe allgemein sehr interessant verhandelt, führt man sich die Zeit vor Augen, in der dieser Roman erschienen ist. Eine Heirat, die rein auf gesellschaftlichem und wirtschaftlichem Vorteil aufgebaut ist und ohne Liebe der beiden Partner geschlossen wird, ist eindeutig im Text nicht befürwortet, auch wenn die konventionelle Notwendigkeit nicht bestritten wird. Der Idealfall allerdings ist eine akzeptable Partie aus Liebe einer rein gewinnenden Partie ohne Liebe vorzuziehen. Dies erfordert eine moralische Integrität, die wohl nicht nur bei den Figuren im Roman, sondern auch in der außerliterarischen Wirklichkeit nur selten anzutreffen war.
Die kleinen Seitenblicke auf die Gedanken der Aufklärung, die zu dieser Zeit zweifellos schon bekannt waren, fand ich auch ganz wundervoll. Zum Beispiel, dass eine Erziehung, die rein auf Bildung basiert, absolut nichts bringt, wenn der Charakter und die inneren Einstellungen nicht ebenso gebildet werden.

Absolut bezaubernd finde ich immer Austens Landschaftsbeschreibungen, die mich nach der Lektüre auch wieder eine Zeit lang mit viel offeneren Augen durch die Welt spazieren lassen. Es liegt so eine besondere Bewunderung darin, wie ich sie sonst selten lese. Ist natürlich auch nicht mehr so en vougue, sich Bäume anzusehen.
Jedenfalls gibt es abschließend 3 gute Wölkchen von mir. Ich glaube, ich muss halbe Wölkchen einführen, denn die Tendenz liegt eigentlich bei 4 Wölkchen. Aber ich kann es gerade nicht über mich bringen, die 3er-Grenze so richtig zu überschreiten. Aber lesenswert ist das Buch auf jeden Fall - und für Austen-Fans ja sowieso ein Muss!

01.08.2015

Leserückblick Juli 2015

10:56 2 Comments
Qualität vor Quantität!
Unter diesem Motto stand buchtechnisch gesehen der vergangene Monat. Bei meiner Masterarbeit sieht das eventuell anders aus, aber davon möchte ich nicht sprechen, sonst purzel ich direkt wieder in die nächste wissenschaftliche Sinnkrise. Und daruf folgt dann die nächste Leseflaute, und ich habe meine letzte gerade erst hinter mir gelassen. Hoffe ich zumindest. Der Juli war davon auf jeden Fall noch geprägt, sodass es sich fast nicht lohnt, überhaupt einen Rückblick zu verfassen, denn es ist sagenhafterweise genau ein einziges Buch rumgekommen. Aber das war super und soll deshalb angemessen gewürdigt werden. Außerdem bin ich stolz darauf, immerhin dieses eine beendet zu haben, angesichts der Tatsache, dass das geschriebene Wort und ich im Moment eine wirklich schwierige Zeit durchmachen. So ne Abschlussarbeit stellt einiges auf die Probe. Haaaach!

Gelesen
Umberto Eco - Das foucault'sche Pendel (*Rezi*)

In Seiten
826

Durchschnittsbewertung
5 Wölkchen

Highlight des Monats
Naja... der Eco halt :D

Enttäuschung des Monats
Nope

In Bildern / Das Bild

Also. Es ist zwar die niedrigste Seitenzahl aller Zeiten, aber dafür die höchste Durchschnittsbewertung jemals! Wenn ich total drin in Uni-Arbeiten bin, habe ich immer das unerfindliche Bedürfnis, nebenbei auch eine anspruchsvolle Lektüre nebenbei zu lesen. Das führt dann natürlich dazu, dass es entsprechend länger dauert, weil ich im Zweifel dann halt gar nicht lese. Aber auch wenn die Arbeit noch ein gutes halbes Jahr mein treuer Begleiter sein wird, sehe ich ein Licht am Ende des Lesetunnels. Zumindest Janes Austen kann ich mich gerade so sehr fesseln, dass ich sogar nach 6 Stunden schreiben noch Lust auf ein paar Kapitel habe. Also - einen lesereichen August allerseits!