20.08.2015

[Rezi] Louise Walters - Dem Glück so nah

Erscheinungsjahr: 2014
Originaltitel: Mrs. Sinclair's Suitcase
Genre: Roman
Seitenzahl: 349

Teaser:
Ich hatte mehr Glück als Verstand, als ich in der Buchhalndlung "The Old an New Bookshop" über eine offene Stelle stolperte. Philip hatte vor, einen weiteren Verkaufsraum zu eröffnen, um eine vernünftige Auswahl an neuen Büchern anbieten zu können. Er brauchte jemanden, der sich um diesen Bereich des Geschäfts kümmerte und ihn außerdem bei den gebrauchten Büchern unterstützte.


Handlung
Für Roberta gibt es nichts interessanteres, als in Geschichten zu versinken. Deshalb liebt sie Bücher. Und alte Briefe, Postkarten oder sonstige Notizzettel, die sie in den gebrauchten Büchern des Ladens, in dem sie arbeitet, findet. Denn diese kleinen Stücke erzählen nicht von den Erlebnissen fiktiver Charaktere, sondern sind kleine Ausschnitte aus echten Leben von echten Menschen.
Dann muss ihre geliebte Großmutter ins Altersheim und sie bekommt von ihrem Vater einen alten Koffer mit Büchern, den sie Mutter nicht mitnehmen konnte und den Roberta durchsehen. Darin findet sie einen alten Brief von ihrem Großvater Jan, der nicht nur vom Inhalt her einige Fragen aufwirft. Er ist nämlich außerdem mit einem Datum versehen, an dem Jan offiziell schon längst tot war - als polnischer Pilot im Dienst der englischen Armee im zweiten Weltkrieg gefallen. Die einzigen beiden Menschen, die Roberta bei diesem Rätsel helfen können, sind ihr schwerkranker Vater und ihre demente Großmutter. Beide möchte sie nicht unnötig aufwühlen, aber gleichzeitig lässt ihr der Brief keine Ruhe.

Meine Meinung
Manchmal braucht man ja so ein lockeres, leichtes Buch, das man zwischendrin schnell weglesen kann. Da ist dann am besten von allem was dabei: ein bisschen Drama, ein bisschen Liebe und ein interessantes Setting. Das gibt es hier auf jeden Fall.

Das Buch setzt sich aus zwei Handlungssträngen zusammen: einmal haben wir Roberta, deren Leben quasi nur aus ihrer Arbeit besteht, und dann rückblickend die Geschichte ihrer Großmutter Dorothy. Ohne das empirisch zu überprüfen, würde ich sagen, dass letztere eigentlich im Mittelpunkt steht und Roberta nur den Rahmen für diese eigentliche Erzählung liefert, in der es hauptsächlich um Dorothys Kinderwunsch und ein bisschen auch um die Umstände und das Leben vor und während des Krieges geht. 
Dorothy ist als Figur ziemlich schwer zugänglich - zumindest ging es mir so - weil sie extrem verschlossen und eigenbrödlerisch ist, wenige Menschen an sich heran lässt und noch weniger Menschen mag. Natürlich hat sie kein leichtes Leben, aber mit solchen verstockten Figuren habe ich generell immer ein Problem, weil sie dadurch viele gute Absichten verkennen beziehungsweise erst sehr spät zulassen. Dennoch ist es möglich, eine gewisse Empathie zu haben und sie durch diese Zeit zu begleiten.

Bei Roberta liegt der Fall ein wenig anders, denn sie ist so deutlich dazu konzipiert, dass sich viele Leserinnen mit ihr identifizieren können, dass ich es fast aus Trotz nicht getan habe. Sie ist in ihren mittleren Jahren, sieht gut aus, hat einen guten Job, unterschätzt sich selbst aber permanent, traut sich nichts zu und ist ein bisschen in Selbstmitleid versunken. Und ihre Liebesgeschichte ist, im Gegensatz zu der ihrer Großmutter, total vorhersehbar und vom Spannungsverlauf unglücklich gestaltet: erst gaaanz lange keine Spannung, dann ein bisschen und dann ist auch schon alles entschieden.
Die übrigen Figuren haben nicht so viel Profil, wie ich es mir gewünscht hätte, aber sind trotzdem weder schlampig noch lieblos gehalten. Nur für meinen Geschmack ein bisschen zu wenig ausgearbeitet. 

Die Story selbst finde ich ganz schön; vor allem Dorothys Schicksal zu verfolgen hat mir gut gefallen. Der Schreibstil ist wie gesagt sehr gut bekömmlich, sodass man keine großen Hirnleistungen vollbringen muss, was auch mal wirklich angenehm ist. 
Besonders gefallen hat mir der kleine Clou am Anfang eines jeden Kapitels von Robertas Handlungsstrang: bevor die Geschichte weitergeht, ist immer erst eine Nachricht abgedruckt, die Roberta in einem der Bücher gefunden hat; versehen mit dem Buchtitel, in dem die Nachricht lag, dem Zustand des Buches und für wie viel Pfund es verkauft werden konnte. Aus diesen Bruchstücken mit völlig unbekannten Namen kann man sich dann selbst eine Geschichte zusammenspinnen, was wirklich Spaß gemacht hat.
Das Ende war mir dann aber wiederrum ein wenig zu konstruiert und unglaubwürdig.

Alles in allem finde ich dieses Buch eine solide Sommerlektüre, die zwar nichts großartiges reißt, aber durchaus schöne Lesestunden bescheren kann.
3 Wölkchen von mir.

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