29.09.2015

[Rezept] Pasta mit Spinat-Champignon-Sauce

Manche Lebensmittel mag man ja total gerne, isst sie aber aus unerfindlichen Gründen viel zu selten. So geht es mir mit dem lieben Spinat. Schon seit meiner Kindheit liebe ich ihn, aber weil ich die einzige aus meiner Familie bin, der das so geht, gab es ihn nur sehr selten auf dem Tisch. Vielleicht ist es jetzt deshalb so, dass mir Spinat nie als erstes einfällt, wenn ich überlege, was ich kochen soll. Aber als ich neulich durch die Lebensmittelabteilung geschlendert bin und die herbstlich niedrigen Preise für Champignons gesichtet habe, ist mir sofort eine leckere Nudelsoße eingefallen, die - tadaaa! - Spinat beinhaltet. Also nichts wie ran an den Kochlöffel!

Ihr braucht:
250g Nudeln (bei mir waren es Penne)
1 rote Zwiebel
170g TK-Blattspinat
250g Champignons
etwas Öl
150 ml Sahne
etwas Gemüsebrühe
Salz, Pfeffer, Majoran

Des weiteren:
einen großen Topf
eine Pfanne
Schneidebrettchen und -messer
ein Nudelsieb
diverse Umrührlöffel

So geht's:
Erstmal Wasser in den Topf füllen, etwas salzen, zum Kochen bringen und die Nudeln darin bissfest kochen. Währenddessen die Zwiebel in kleine Würfelchen und die Champignons in Scheiben schnibbeln und diese dann mit einem Schuss Öl in der Pfanne kurz anbraten. Mit Gemüsebrühe und Sahne ablöschen, die Gewürze dazu geben und den angetauten Spinat dazu geben. Auf jeden Fall die Flamme runterdrehen und den Spinat bei niedriger Hitze langsam in die Sauce auftauen lassen. Wenn das geschehen ist, nochmal die Hitze ein bisschen höher stellen und alleskurz köcheln lassen.
Jetzt müssen die Nudeln nur noch abgegossen werden und kommen dann zu der Sauce in die Pfanne. Ein bisschen umrühren und fertig ist das leckere Mahl!

Bei mir sah das dann so aus:
Obwohl sich hartnäckig das Gerücht hält, Spinat nicht aufzuwärmen, kann ich sagen, dass sich dieses Gericht auch dazu eignet, zwei Tage davon zu essen. Das müssen alle meine Rezepte hergeben und wenn man alles über Nacht im Kühlschrank aufbewahrt und am nächsten Tag schnell wieder zum Kochen bringt, ist aufgewärmter Spinat für einen Erwachsenen absolut ungefährlich. Wollte ich nur am Rande mal erwähnt haben! ;)

26.09.2015

[Rezi] Cassandra Clare - Clockwork Prince

Erscheinungsjahr: 2012
Originaltitel: The Infernal Devices. Book Two. Clockwork Prince
Genre: Jugend, Fantasy
Reihe: Die Chroniken der Schattenjäger, Teil II
Seitenzahl: 578

Teaser:
Wenn er kein Schattenjäger wäre, überlegte Tesse, wäre er bestimmt gestürzt und hätte sich böse verletzt? Doch so landete er mühelos auf den Füßen und bahnte sich einen Weg durch die dichte Menge aus Gepäckträgern, Pendlern und Mitgliedern des Landadels auf dem Bahnsteig, die mit wuchtigen Koffern und nervösen Jagdhunden Richtung Norden reisten, um das Wochenende auf dem eigenen Landsitz zu verbringen.

*Achtung!*Spoilergefahr!*Achtung!*Spoilergefahr!*Achtung!*Spoilergefahr!*
Handlung
Nach den sich überstürzenden Ereignissen im Institut stehen Charlotte und ihr Mann Henry nun vor dem Rat der Schattenjäger und müssen sich verantworten. Dafür, dass sich unbemerkt ein Spion in das Institut schleichen konnte, dafür, dass Mortimer entkommen ist und sogar ein wertvolles Artefakt gestohlen hat und generell für alles, was in der letzten Zeit schief gelaufen ist. Vor allem Charlottes schärfster Konkurrent Benedict Lightwood führt Reden gegen sie - hauptsächlich, um selbst die Leitung des Instituts übernehmen zu können. Dabei hat sich Tessa gerade mehr oder weniger eingerichtet und betrachtet die Bewohner des Instituts fast schon als eine Art Familie. Weshalb sie natürlich alles in ihrer Macht stehende tun wird, um mitzuhelfen, die Prüfung, die der Rat Charlotte und Henry auferlegt, erfolgreich zu absolvieren: innerhalb von zwei Wochen sollen sie nicht nur Mortimers Aufenthaltsort ausfindig machen, sondern idealerweise seine schrecklichen Pläne durchkreuzen. Ansonsten werden sie als Leiter abgesetzt.
Diese schier unmöglich zu bewerkstelligende Aufgabe versuchen nun alle Institutsbewohner gemeinsam zu stemmen. Tessa wird die Sache allerdings etwas dadurch erschwert, dass sie in Wills Nähe nicht klar denken kann und langsam aber sicher auch für Jem tiefere Gefühle entwickelt.

Meine Meinung
Das klassische Liebesdreieck hat sich ja schon im ersten Teil angekündigt und nimmt nun in diesem zweiten Teil so ziemlich den größten Raum ein. Und obwohl einige Stellen wirklich etwas übers Ziel hinausschießen und Tessas hin- und her-eiern im Fokus der Geschichte steht, sind es doch auch spannende Entwicklungen und Verwirrungen, die die Handlung vorantreiben, etwas vom Hormonchaos ablenken und das ganze dann irgendwie doch zu einem runden Ende führen. Zumindest zu einem runderen als beim Vorgängerband.

Kritik habe ich aber natürlich trotzdem. Und es ist ja nicht so, dass meine nächste Aussage irgendwie selten von mir zu hören ist. Aber ich werde nicht müde, es immer und immer wieder zu betonen: ich hasse es abgrundtief, wenn Figuren ein gaaaaanz schlimmes Geheimnis haben, dadurch sich und das Leben ihrer Nächsten unglaublich schwer machen und einfach alles nur halb so tragisch wäre, wenn sie mal den Mund aufkriegen würden.
Diese Lektion muss auch Will lernen, der sich die ersten beiden Drittel immer wieder in sich selbst zurückzieht und vor allen verschließt. Leider büßt er für mich dadurch einiges von seinem derben Charme ein, denn er ist viel zu sehr mit sich selbst und seinem Kampf gegen die Liebe zu Tessa beschäftigt, als das er viele humoröse Glanzpunkte in dem Buch setzen würde. Leider schwächt dieser Umstand die Qualität der Dialoge um einiges ein - nicht desto trotz handelt es sich stilistisch und inhaltlich um ein eher typisch flockig-pathetisches Jugendbuch, das man gut weglesen kann.

Spannend fand ich es dennoch zu sehen, wie sich die Figuren - vor allem Jem und Henry - entwicklet haben. Obwohl die beiden nur mehr oder weniger Nebencharaktere sind (bei Jem ließe sich da sicherlich streiten) sind, machen sie doch unheimlich tolle Sprünge und werden die wichtigsten Säulen des Handlungsverlaufs. Vor allem die Story von Henry und Charlotte war so absurd, dass ich sie schon wieder absolut allerliebst fand. Und Jem, der gutmütige Jem, zeigt endlich einmal, dass auch er bei aller Freundlichkeit durchaus in der Lage ist, rigoros zu werden, wenn es die Situation erforderlich macht.

Es wird ein bisschen aufgeräumt, was Wills Vergangenheit angeht und endlich erfahren Tessa und der Leser, warum er damals seine Familie verlassen hat. Wäre das 200 Seiten früher passiert, wäre nichts verloren gewesen. Generell finde ich diese beiden Figuren ziemlich blass im zweiten Teil, gerade im Vergleich zu Henry oder Jem treten sie doch ziemlich auf der Stelle. Die einzige Situation, in der Tessa etwas Profil bekommt, ist beim Kampf gegen ihren Bruder. Diese Szene ist für alle Beteiligten einfach sehr stark und führt einem das Potential der Geschichte vor Augen, das leider nicht völlig ausgeschöpft wurde.

Was außerdem weiterhin völlig im Dunkeln bleibt, ist der tatsächliche Plan Mortmains und vor allem sein Aufenthaltsort; ein bisschen Info gibt es zwar, aber richtig zusammenführen kann man die einzelnen Enden noch nicht.

Von einigen Längen und wirklich unmöglichen Hormonschüben abgesehen fand ich diesen Teil doch ein gutes Stück besser als den Vorgänger. Es gab einiges wirklich überraschende Wendungen und sehr tolle Charakterentwicklungen, sodass ich schon wirklich gespannt auf das Finale bin. Diesesmal gibt es statt den knappen 3 wirklich gute Wölkchen von mir!

23.09.2015

[Lieblinge] Sommer adé!

Genau pünktlich zum September verfiel ich in einen regelrechten Herbst-Wahn. Da musste der Kleiderschrank umsortiert, die Herbstdeko ausgepackt und aufgestellt und das Tee-Sortiment aufgestockt werden. Schließlich muss man vorbereitet sein, um auch diese Jahreszeit angemessen begehn zu können. Vor allem, wenn einen die Hauptbeschäftigung (aka Master-Arbeit) aller Tage an/unter/auf den Schreibtisch fesselt (je nachdem, welche Sitzposition der Büro-Rücken zulässt), muss die freie Zeit für Körper und Seele erholsam und freudig zugleich sein. Bisher hat das ganz gut geklappt. Unter anderem deshalb, weil Aldi vor ein paar Wochen Drachen im Angebot hatte! Drachen!! Ich verrate wohl nicht zu viel, wenn ich sage, dass das die am besten investierten fünf Euro der letzten Monate waren!

Getränk des Tages
Doch fangen wir lieber etwas entspannt an: was braucht man, wenn man den halben Tag bei Regen und Wind zwischen verschiedenen Bibliotheken hin und her rennt, weil die Bücher, die man braucht, offensichtlich über dem gesamten Campus verteilt sind? Richtig - eine heiße Tasse Tee. Im Herbst außnahmsweise auch mal einen Früchtetee: Apfel-Ingwer schmeckt super lecker und wärmt richtig gut durch.

Buchreihe des Tages
Lassen wir Band I der Boston-Jane-Reihe hier mal stellvertretend für die gesamte Serie stehen. Wer hier schon ein bisschen länger mitliest, dem kommt mein Gelaber darüber vermutlich bekannt vor, denn hin und wieder überkommt es mich und ich muss diese Reihe zum gefühl 1000sten Mal lesen. Und dann darüber reden. Und dieses mal ist mit aufgefallen, dass diese Reihe und ich unser zehnjähriges Jubiläum feiern, und das war mir doch direkt eine Erwähnung hier wert. Auch, wenn ich mittlerweile den Text kritischer betrachte als früher, hat sich dennoch nichts an meinem Verhältnis dazu verändert. Jane ist (neben Harry Potter & Co.) die fiktive Figur, die mir am meisten durch meine Teenie-Zeit geholfen hat, weil sie ein unheimlich starker Charakter und dadurch eine Quelle der Inspiration ist. Wer mag, kann sich gerne meine Reihen-Rezi zu der Serie ansehen.




Freude des Tages
Jetzt haben wir Tee und ein wundervolles Buch - was fehlt neben Schokolade noch zu einem perfekten, kuscheligen Leseabend? Richtig, die gemütliche Beleuchtung. Und der kleine Igel, über den ich mich jedes Jahr erneut freue, wenn ich ihn aus der Deko-Kiste befreie. Er ist einfach viel zu niedlich! :D

Serie des Tages


Als ich vor kurzem mit einer dicken Erkältung drei Tage im Bett verbracht habe (manchmal hilft halt auch kein Tee mehr), ist mir diese Serie wieder in den Sinn gekommen, die der Grund für meine guten Bio-Noten in der Unterstufe war. Kennt jemand von euch noch "Es war einmal das Leben"? So eine niedliche Serie! Und sie erklärt kindergerecht so ziemlich alle Prozesse im Körper. Unter anderem auch, wie das Immunsystem funktioniert - es war also weniger für mich als Unterhaltung, sondern für meine weißen Blutkörperchen als Lehrgang gedacht. Hat auch funktioniert! :D

Errungenschaft des Tages
Wenn ich eine bestimmte psyschiche Krankheit verstehen sollte, dann wäre es wohl Shopping-Sucht. Das Gefühl, ein richtig tolles Schnäppchen gerissen zu haben und dann auch noch bei etwas, das genau das Teil ist, das man schon ewig so oder so ähnlich haben wollte, ist famos. So erging es mir bei meinem neuen Paar Schuhe, die jetzt zwar nichts sooooo besonderes sind, aber ich freue mich schon jetzt wahnsinnig darauf, sie zu tragen, wenn es eisig kalt geworden ist, weil sie so eine ultra kuschelige Fütterung haben.

Nagellack des Tages
Wenn hier mit keinem Wort ein Nagellack erwähnt werden würde, wäre etwas gewaltig schief gelaufen in letzter Zeit. Oder meine Prioritäten hätten sich krass verschoben. Heute gehe ich mal mit einem sehr klassischen Rot. Das ist ja bekanntlich nie verkehrt. Und ich finde ja, eine solche Farbe ist immer auch ein wenig ne Kampfansage. Ich fühle mich auf jeden Fall direkt viel selbstbewusster damit. Man muss halt nur wissen, wie man sein Ego überlisten kann, was? ;D


Aktivität des Tages
Und zum Abschluss endlich zu meinem neuen Hobby: Drachen steigen lassen
Nun gut, Hobbyqualität hat es vermutlich noch nicht - zumal ich mir wohl auch nicht den funktionalsten, sondern den hübschesten Drachen (es ist ein Schmetterling!! Mit Flatterbändern!!!♥) ausgesucht habe. Das ist auch irgendwie eine Wissenschaft für sich mit diesem Wind und dem Auftrieb und diesem ganzen physikalischen Kram. Aber ist das Ding mal oben, macht es riesigen Spaß. Und Bewegung an frischer Luft ist auch noch dabei.

Was beschäftigt euch im Moment so? Seid ihr auch schon so auf den Herbst eingestimmt, oder hofft ihr noch auf ein letztes Aufbäumen des Sommers? Und wann habt ihr zum letzten Mal einen Drachen fliegen lassen?

20.09.2015

[Musik] Sonntagslieder #126

Das Leben plätschert im Moment so vor sich hin. Es passiert nicht wirklich etwas außer der Reihe, wenn man bedenkt, dass generell mein halbes Umfeld die Zelte zusammenklappt und sich job-bedingt deutschlandweit verteilt und daher Kisten packen, Wohnungen streichen und Möbel abbauen zur Routine gehört. Aber zum Glück bin ich nicht die einzige lahme Ente und werdezumindest vorerst nicht alleine zurück bleiben - das ist auch schonmal was. Denn eigentlich bin ich mit diesem Zustand "dazwischen" gerade ganz glücklich. Das Ende ist zwar absehbar, aber gerade deshalb weiß ich die kleinen Dinge noch ein bisschen mehr zu schätzen als normalerweise. Also sitze ich jetzt hier, schaue mir die langsam leuchtend bunt werdenden Blätter an den Bäumen vor meinem Fenster an, höre Musik und gammele zufrieden noch ein bisschen in der Gegend rum.



Lost Frequencies - Reality
Unglaublich passend zu meiner Stimmung, die sich irgendwie einfach treiben lässt, ist dieses Lied. Es plätschert so vor sich hin und drückt einem keine bestimmte Laune auf.


The Killers - Somebody Told Me
Diese Band ist meiner Meinung nach dramatisch unterschätzt. Um so lieber höre ich im Moment wieder diverse Lieder rauf und runter - unter anderem natürlich diesen Klassiker.


Walk he Moon - Shut Up And Dance With Me
Und zum Abschluss noch ein absoluter gute-Laune-Garant. Gerade, wenn es jetzt immer öfter grau, regnerisch und dunkel ist, brauche ich solche Lieder, um mich zu motivieren. Dazu habe ich gestern zum Beispiel äußerst ambitioniert das Badezimmer geschrubbt! :D


Vor lauter Motivation setze ich mich doch direkt wieder an die Master-Arbeit. Obwohl ich eigentlich vor hatte, ab jetzt Sonntags wirklich gar nichts dafür zu machen und auch mal einen Tag wirklich zu entspannen. Aber das klappt nicht - nachher vergesse ich den schlauen Gedanken wieder, der mir gerade gekommen ist. Dennoch wünsche ich euch ein umso entspannteres Rest-Wochenende und einen sonnigen Start in die nächste Woche. Wenn schon nicht vom Wetter, dann wenigstens von der Laune her ♥

18.09.2015

[Rezi] Cassandra Clare - Clockwork Angel. Chroniken der Schattenjäger, Teil I

Erscheinungsjahr: 2011
Originaltitel: The Infernal Devices. Book One. Clockwork Angel
Genre: (Jugend-)Fantasy
Reihe: Die Chroniken der Schattenjäger, Teil I
Seitenzahl: 569

Teaser:
Tessa wusste, dass Charlotte ihr nichts Böses wollte, aber dennoch weckte ihre Bitte Erinnerungen an andere Stimmen - Stimmen, die sie drängten, sie solle versuchen, tief in sich zu gehen, die Kraft aus sich herauszuholen. Stimmen, die bei der geringsten Provokation hart und unerbittlich werden konnten.


Handlung
Im Jahr 1878 macht sich die sechzehnjährige Tessa ganz alleine auf den Weg von New York nach London. Als Waise waren sie und ihr Bruder Nate von der Schwester ihrer Mutter Harriet großgezogen worden. Nate hat sich mittlweile einen relativ gut bezahlten Arbeitsplatz in London besorgt und so holt er seine kleine Schwester, die nach dem Tod ohne Tante völlig mittel- und familienlos ist, zu sich. Doch als Tessa nach der langen Seereise schließlich in England ankommt, wird sie nicht wie erwartet von ihrem Bruder in Empfang genommen, sondern von zwei merkwürdigen alten Damen einkassiert, die sie angeblich zu Nate bringen wollen. Tessa folgt ihnen mehr oder weniger gezwungen und findet sich schließlich als Gefangene in einem riesigen, dunklen Haus wieder, wo sie von den beiden Damen - den dunklen Schwestern - darin unterrichtet wird, ihre magischen Fähigkeiten anzuwenden. Tessa, die nicht einmal wusste, dass sie solche Fähigkeiten besitzt, tut, was von ihr verlangt wird, weil sie um das Leben ihres Bruders fürchtet, den sie in der Gewalt der Schwestern glaubt.

Ohnmächtig und verzweifelt wie sie ist, kann Tessa nichts tun, um aus dieser Situation zu entkommen. Doch zum Glück tauchen die Schattenjäger auf - sozusagen die Polizei der Schattenweltler - und retten Tessa aus ihrer Gefangenschaft. Sie bringen sie in ihr Institut, wo sie mehr über diese ihr bis dahin völlig unbekannte Welt aus Dämonen, Hexen, Vampiren und nicht zuletzt den Nephilim, die Tessa gerettet haben, erfährt. Zu welcher Gruppe sie sich selbst zählt, ist neben der Frage, wo ihr Bruder ist, nur eines der vielen Probleme, mit denen sich Tessa nun konfrontiert sieht.

Meine Meinung
Ab und an überkommt es mich und ich brauche dringend ein Jugendbuch. Obwohl ich weiß, dass es diese nur selten schaffen, mich ganz zu überzeugen. Aber die letzten Male hatte ich Glück und hatte gehofft, das wäre auch hier wieder der Fall. Nun ja. War es nicht. Aber als Fehlgriff kann ich das Buch trotzdem nicht beschreiben, weil es mich die meiste Zeit über dennoch gut unterhalten hat.

Beginnen wir mal mit dem äußerst optimalen Setting. Ich liebe London und ich lese unheimlich gerne Geschichten, die im 19. Jahrhundert spielen. Und weil sowohl die Stadt als auch die Zeit irgendwie einen romantisch verklärten Touch haben, passen überirdische Wesen meiner Meinung nach wunderbar da rein.
Allerdings ist vor allem die Handlungszeit dennoch mein größter Kritikpunkt an der ganzen Geschichte, denn sie macht alles so furchtbar unglaubwürdig. Die gesamte Handlung und der Großteil des Sprachstils - sehen wir mal von den Dialogen, auf die ich aber gleich auch noch zu sprechen kommen werde, ab - sind absolut an der Gegenwart ausgerichtet. Niemand im 19. Jahrhundert hätte sich jemals so verhalten, wie die Figuren das tun. Und selbst, wenn wir die übersinnlichen Wesen mal von diesen gesellschaftlichen Konventionen ausklammern: spätestens Tessa, die 16 Jahre lang als Mensch in dieser Zeit gelebt hat, ist komplett unauthentisch und erinnert mehr an ein nerdiges Highschoolmädchen des 21. Jahrhunderts als an ein aus armen Verhältnissen stammendes Mädchen des 19. Jahrhunderts.

Es ist, als wäre das historische Setting alleine zu dem Zweck gewählt, um das patriacharlische Weltbild, das im Buch herrscht und vor allem von Tessa forciert wird, zu rechtfertigen und ohne weitere Erklärung gelten zu machen. Wir haben die strahlenden Ritter, die holde Maid und die zu bekämpfende Verschwörung. 
Dabei ist allein die Tatsache, dass Tessa überhaupt lesen konnte, geschweige denn so viele Bücher tatsächlich gelesen hat, in dieser Zeit so unglaubwürdig wie es nur sein kann, denn vor allem in armen Haushalten waren Bücher damals im Grunde nicht existent, denn sie waren teuer und hatten keinen praktischen Nutzen. Ja gut, wir reden hier von einem Fantasy-Roman. Aber wenn schon realhistorische Umstände verarbeitet werden, dann doch bitte konsequent. Und wahrscheinlich würde ich mich auch nicht so darüber aufregen, wenn im Nachwort nicht ausdrücklich darauf hingewiesen wurde, dass Tessa die Gedichte durchaus hätte kennen können, weil sie auch aus dem 19. Jahrhundert stammten. Nein, hätte sie nicht. Und Tessa als Leseratte zu konzipieren, ist eine ganz billige Masche, sie als Identifikationsfigur aufzubauen.

Und jetzt, wo ich ein bisschen Dampf abgelassen habe, kommen wir doch zu den positiven Aspekten. Erstmal schön finde ich, dass jedes Kapitel mit einer Art Motto beginnt, das ein Zitat aus einem Gedicht aus der Zeit ist (die Tessa wie gesagt angeblich würde kennen können). Dieser Anfang trägt viel zur mythischen Stimmung der Geschichte bei und hat mir sehr gut gefallen. Generell finde ich trotz meiner Kritik die Verweise auf Literatur von den Brontë-Schwestern oder Dickens beispielsweise sehr schön. Wenn halt auch unpassend. Außer natürlich, wenn Will sie gelesen hat. Will ist ein Nephilim und kein armes Mädchen, der darf gelesen haben. Die weitere Handlung betreffend, führt ein ganz klarer Spannungsbogen vom Anfang zum Ende, der sich in einem großen Finale nochmal so richtig schön aufbäumt. Es war zwar die ganze Zeit klar, in welche Richtung sich der Plot-Twist entwickeln würde, aber wie genau er sich dann letztendlich dargestellt hat, war für mich dann doch überraschend.
Es geht für Tessa natürlich erstmal darum, den Gehemissen auf die Spur zu kommen, die sie direkt betreffen. Das führt allerdings dazu, dass sie die gesamten tieferliegenden Zusammenhänge begreifen muss und die häppchenweise Informationsgewinnung trägt dazu bei, dass die Geschichte kurzweilig weiterläuft.

Die drei Hauptfiguren sind ziemlich klassisch konzipiert und deshalb leider ein weiterer Kritikpunkt. Wir haben den unglaublich attraktiven, launischen, aber tiefgründigen Will mit irgendeinem Geheimins - wobei ich sagen muss, dass er dennoch mit Abstand mein Lieblingscharakter ist, weil sein Humor grandios sarkastisch ist und er zum Glück auch einfach nie die Klappe hält - seinen sanftmütigen Kumpel Jem mit einer mysteriösen Krankheit und nicht wesentlich weniger attraktiv. Und Tessa irgendwie dazwischen. Die Dialoge sind gewollt gesteltzt und provoziert altertümlich, was mich manchmal gestört hat. Außerdem ist Tessa halt einfach eine Teenie-Protagonistin, die so viel Identifikationsfläche ist, dass sie selbst kaum Charakter haben kann. Deshalb hat sie mich am Ende wirklich nochmal positiv überrascht, weil da doch so etwas wie Persönlichkeit hervorkommt.

Grundsätzlich hat mir das Buch mittelmäßig gefallen. Nicht genug, um in Begeisterung auszubrechen, aber genug genug, um dem nächsten Teil noch eine Chance zu geben. Potential zur Steigerung ist auf jeden Fall vorhanden und ich bin gespannt, was daraus wird. Ganz knappe 3 Wölkchen gibt es von mir.

15.09.2015

[Rezi] Peter Behrens - Das Gesetz der Träume

Erscheinungsjahr: 2010
Originaltitel: The Law Of Dreams
Genre: Historischer Roman
Seitenzahl: 555


Teaser:
Hundert Männer und Jungen schliefen auf Pritschen im Männersaal. Fergus schlief sofort ein, wachte aber mitten in der Nacht in absoluter Dunkelheit auf, umgeben von lauter Fremden, die wie tot dalagen, und das Feuer zu weit weg, um Licht oder Wärme zu spenden.




Handlung
In Fergus' Heimat Irland herrschen in der Mitte des 19. Jahrhunderts Bedingungen, unter denen das einfache Volk nicht überleben können. Nicht nur, dass das Fieber überall grassiert, die Kartoffeln werden von der gefürchteten Kartoffelfäule befallen, die die Ernten eines gesamten Jahres ungenießbar macht. Die Grundbesitzer versuchen, ihren Reichtum zu retten, indem sie ihren Pächtern das Land wegnehmen und sie auf die Straße oder in Armenhäuser setzen. Deshalb versuchen viele dieser gescheiterten Existenzen nach Amerika auszuwandern.

Auch Fergus' Familie ergeht es nicht anders - allerdings wird die Hütte, in der sich seine gesamte Familie befindet und durch das Fieber so geschwächt ist, dass sie nicht mehr herauskommen können, von den Söhnen des Grundbesitzers abgebrannt. Fergus selbst entkommt den Flammen gerade so und muss sich von nun an alleine durchschlagen.

Meine Meinung
So sehr ich mir auch das Gegenteil gewünscht habe, wirklich anfreunden konnte ich mich mit der Geschichte, die eigentlich absolut das Zeug dazu hatte, in meinen persönlichen Favoriten-Olymp aufzusteigen, leider nicht.

An der Grundidee lag das allerdings sicherlich nicht. Gerade die Zeit, in der europäische Emigranten Amerika besiedelt haben, reizt mich geschichtlich sehr. Außerdem hatte ich mich vor der Lektüre dieses Buches auch noch nie dezidiert mit der Rolle Irlands in dieser Zeit auseinandergesetzt, also war ich sehr gespannt darauf, wie der Autor realgeschichtliches Wissen literarisch umsetzt.
Was das drumehrum angeht, ist auch alles sehr interessant. Das Leid der Bauern, die Verzweiflung der Leute, die ihre gesamte Ernte abschreiben können und doch sowieso schon Hunger leiden, die unwürdigen Zustände in den Armenhäusern, das alles ist sehr anschaulich beschrieben. 

Mein Problem allerdings war die Figurenkonzeption im allgemeinen und die des Protagonisten im Speziellen. Denn obwohl man durch einen allwissenden Erzähler einen Einblick in Fergus' Gedankenwelt hat, blieben seine Handlungen für mich doch weitgehend nicht nachvollziehbar, sein Lebenslauf merkwürdig konstruiert und er selbst als Figur auf jeden Fall bis zur Mitte des Buches relativ blass und profillos. Danach geht es etwas bergauf mit ihm, aber dir große Schwäche des Textes, Entwicklungen aufzubauen, bleibt bestehen. Es ist eher so, dass die Handlung an einem Punkt ein wenig rumdümpelt, bis sie dann schließlich auf die nächste Entwicklungsebene hüpft, ohne dass dieser Prozess dahin wirklich aufgezeigt wurde. Zumindest hatte ich diesen Eindruck beim Lesen ganz stark.
 
Der Schreibstil ist ganz in Ordnung, wenn man von ein paar sehr auffälligen Anachronismen und ungelenken Ausdrücken beziehungsweise Metaphern  absieht. Soll heißen, dass man gut mitkommt, es keine ausufernden Beschreibungen gibt, die die Geschichte unnötig in die Länge ziehen und dennoch die Atmosphären der jeweiligen Handlungsorte gut herausgearbeitet ist.

Insgesamt ist es also ein Buch, das mich trotz aller Kritikpunkte ganz gut unterhalten konnte und das man ziemlich schnell weglesen kann. Insgesamt erhält es knappe 3 Wölkchen von mir.


12.09.2015

[Gerede] Bau mir ein Luftschloss

Manche Redewendungen schreien förmlich danach, dass man sie sich in ihrer wörtlichen Entsprechung vorstellt. Ich baue mir ein Schloß in die Luft - aus Wolken, mit hohen Zinnen und wehenden Fahnen.

Außerdem eröffne ich mindestens drei Kneipen, die jede ein eigenes, publimukssicherndes Konzept hat. Ich werde Tourmanagerin einer kleinen aber aufstrebenden Indie-Band und gondele als Mädchen für alles mit verrückten Musikern durch die Weltgeschichte. Ich erfinde ein Beauty-Produkt, das die Bedürfnisse der in der nicht nur mental sondern auch vom Hautbild her in der Phase der Adoleszenz stecken gebliebenen Masse befriedigt, weil es eine Creme ist, die gleichzeitig gegen Pickel und gegen Fältchen wirkt. Nebenbei werde ich Mutter von Zwillingen und führe ein völlig spießiges Familienleben mit Haus, Hof und Hund. Aber nur, wenn ich nicht gerade doch als Kampfsport-Schwarzgurt überall auf der Welt verschiedene Workshops zu Selbstverteidigung, Konfliktmanagement und Deeskalationsmethoden leite.

Es gibt Träume, die Spaß machen, solange man sie träumt und weiß, dass sie nie in die Realität umgesetzt werden. Es gibt Luftschlösser, von denen man den Bauplan genau im Kopf hat, aber nie die Wolkenmassen zusammensammelt, um daraus wirklich etwas zu bauen.
Und das ist vermutlich auch gut so. Denn im Gegensatz zur Realität, in der die Verwirklichung einer Idee harte Arbeit, viele Risiken und Entbehrungen mit sich bringt, ist in der Vorstellung das Erreichen eines Ziels nur ein Zwinkern enfternt. Und jeder, der nach einer durchzechten Nacht schonmal mit ein paar Freunden in irgendeiner Kneipe an der Bar gesessen und mit diesen zusammen die tollsten Luftschlösser errichtet hat, weiß, dass es manchmal auch einfach nur um die Spinnerei geht. Sich vorzustellen, wie es sein könnte.
Wirtschaftswissenschaflter nennen das Innovationsmanagement. Ich nenne es sonntag morgens um halb 7 mit dem jetzt aber wirklich letzten Bier für heute ein Konzept für einen Friseursalon, der gleichzeitig Autowaschanalge ist, entwickeln. Muss man dafür studieren? Oder geschäftstüchtig sein? Nein. Wir verpassen sowohl Ihnen als auch Ihrem Auto einen schicken neuen Look. Föhnen für beide inklusive!

Wenn man sich die verrücktesten Dinge vorstellen kann, dann ist man auch in der Lage, in der echten Welt zu erreichen, was man sich vornimmt. Träumer sind nicht automatisch fernab der Wirklichkeit; sie erheben sich nur manchmal über ihre Grenzen und legen sich in ein Wolkenbett. Das federt nämlich den harten Boden der Realität ein wenig ab. 

Wenn also jemand sagt: "Weißt du, was wir machen? Wir entwickeln einen Staubsauger-Laptop, der alle Krümel von alleine aufsaugt, die der Benutzer fallen lässt, wenn er beim Surfen im Internet sein Mittagessen mampft", dann tut man das nicht lachend ab, sondern überlegt sich, wie ein geeigneter Werbespot zu diesem Produkt aussehen könnte. Denn wer sagt denn, dass aus einem Luftschloss nicht auch einmal ein Schloss aus Stein werden kann?

09.09.2015

[Rezi] Juli Zeh - Adler und Engel

Erscheinungsjahr: 2003
Genre: Roman
Seitenzahl: 448




Teaser:
Ihre Stimme klingt, als spräche sie mit einem Tier, einem Ochsen, der nicht in den Viehtransporter steigen will. Das beruhigt mich. Ein strahlendes Lächeln spaltet ihr Gesicht, sie sieht glücklich aus.




Handlung
Nachdem seine Freundin - oder so etwas in der Art - sich eine Kugel durch den Kopf gejagt hat, verliert Max langsam aber sicher die Kontrolle über sein Leben, das er im Grunde sowieso schon seit einiger Zeit nicht mehr wirklich im Griff hatte.
Und dabei sieht es eigentlich so aus, als wäre er ein erfolgreicher Typ. Als bester Absolvent seiner Universität hat er sein Jura-Studium abgeschlossen und danach ziemlich flott einen prestigeträchtigen Job in einer der größten Kanzleien Wiens bekommen. Der Chef mag ihn und er arbeitet sich als Balkanexperte schnell zu einem unersetzlichen Teil der Firma hoch. Dennoch wurde er irgendwann nach Leipzig versetzt, was einer karrieretechnischen Beschneidung gleich kam. Dennoch lief sein Leben zumindest irgendwie vorwärts. Bis zu dem verhängnisvollen Telefonat mit Jessie, während dessen er zum letzten Mal ihre Stimme hören sollte.
Nach ihrem Tod ist Max am Ende. Er hat jeden Lebenswillen verloren und wartet mehr oder weniger nur noch darauf, dass sein Körper aufhört, weiterzumachen. Da kommt die Radiomoderatorin und Psychologiestudentin Clara auf den Schirm, die seine Psychose für ihre Diplomarbeit verwenden möchte und deshalb darauf besteht, dass er ihr seine ganze Geschichte erzählt. Und die ist nicht nur länger und komplexer als erwartet, sondern steckt ganz tief drin im organisierten Verbrechen. Tiefer sogar, als Max selbst es sich eingestehen will.

Meine Meinung
Gerade habe ich dieses Buch beendet und bleibe etwas verloren und ratlos zurück. Was will mir die Geschichte sagen? Will sie mir überhaupt etwas sagen? Und wie kann sie gleichzeitig so leise und dennoch so verstörend sein?

Zunächst einmal zu den Formalia, die mich anfangs ein wenig verwirrt, aber irgendwann gar nicht mehr gestört haben: wörtliche Rede wird nicht gekennzeichnet und auch die Qualität der Rede sind im Text formal nicht markiert. Was bedeutet, dass man einen Gesprächsbeitrag der Figuren nur am hintenan gestellten "sagte sie" erkennen kann. Und auch Fragesätze sind nicht mit einem Fragezeichen markiert, sondern lediglich durch ein "fragte er" erkennbar, sodass formal betrachtet die Sätze gleichermaßen Aussage- wie Fragesatz sein könnten. Was in vielen Fällen sogar Sinn ergibt und den Text noch vielschichtiger macht, als er ohnehin schon ist.

Die Geschichte ist so verwirrend, weil sich nirgendwo ein Zeichen von gewohnten und (so sehr ich das Wort hasse, aber hier gehört es irgendwie hin) normalen Verhaltensmustern ist, an dem man sich orientieren könnte. Keine Figur verhält sich nachvollziehbar - und doch sind es keine unlogisch konzipierten Charaktere. Im Gegenteil eröffnet sich dem Leser beim Voranschreiten der Lektüre eine Welt, in der es keine andere rationale Handlungsmöglichkeit gibt, als möglichst irrational zu handeln, damit die Figuren das erreichen können, was sie sich wünschen.
Dabei verfolgen wir im Grunde in einer unaufhaltsamen Abwärtsspirale den seelischen Verfall von Max und augenscheinlich auch von Clara, auch wenn ich mir bei ihr nicht sicher bin, ob es da wirklich so rasant und irreversibel abwärts geht, denn im Text ist auch die Möglichkeit angelegt, dass sie die Kontrolle nicht endgültig verliert. Was ich mir bei dem ganzen freiwilligen und unfreiwilligen Drogenkonsum allerdings nur schwer vorstellen kann. Ich glaube, die Figuren in diesem Buch haben alleine so viel gekokst, wie alle anderen Figuren in jedem Buch, das ich jemals gelesen habe, zusammen.

So surreal diese Rahmenhandlung aber auch ist, nichts toppt das, was Max für Clara in vielen kurzen Episoden in ein Diktiergerät spricht. Jessies und seine Geschichte handelt von einer geistig kranken, psychisch labilen, aber lebensfrohen und kindlichen jungen Frau und einem ihr verfallenen Mann. Beide mit verrückten Ideen, Luftschlössern, um sich gegenseitig und sich selbst das Leben zu ermöglichen.

Der Schreibstil ist ebenso verwirrend wie alles andere und das ist auch nur konsequent. Ich kann nicht sagen, dass er verschnörkelt ist oder verspielt, denn es ist eine Nüchternheit, fast schon Kühle darin. Dennoch spart die Autorin nicht mir eindrücklichen Metaphern und sprachlichen Bildern. Nur ist alles von einem melancholischen Grundtenor durchsetzt, der sehr gut zu Max und seinem resignierten Zustand passt.

Insgesamt ein interessantes Buch, mit dem ich mich noch eine Zeit lang gedanklich beschäftigen werde. Ich finde aber, man merkt ihm an, dass es der Debüt-Roman von Juli Zeh war, denn er ist um einiges unkommunikativer als die übrigen Werke, die ich von ihr gelesen habe. Doch viele Motive, die sie in späteren Werken wieder aufgreift, erkennt man hier wieder - vor allem, wenn es um die Frage nach Wahrheit und Erkenntnis geht. Insgesamt kann ich nur eine solide Wertung von 3 Wölkchen geben. Es war eine sehr interessante Lektüre, die ich nicht missen möchte, aber vom Hocker gerissen hat mich das Buch nicht.

06.09.2015

[Musik] Sonntagslieder #126

Pünktlich zum September ist hier der Herbst eingetroffen. Und zwar so richtig dick: kalt und nass wechselt sich mit nicht ganz so kalt und ein bisschen weniger nass ab. Nur heute Morgen scheint schon die ganze Zeit die Sonne, was sich äußerst positiv auf meine Laune auswirkt. Das liegt nicht nur an meiner zumindest eingebildet vorhandenen Wetterfühligkeit, sondern an der extrem wetterabhängigen Tagesplanung. Denn dieser sieht einen netten kleinen Waldspaziergang und anschließendes Drachensteigen vor. Und ideale Bedingungen dafür scheinen gerade zu herrschen. Hoffen wir, dass es auch so bleibt und vertreiben uns die Zeit bis zum Nachmittag mit ein wenig Musik. Ich zumindest tue das und gebe euch einen kleinen Einblick in meine aktuelle Playlist. Business as usual!



Maxim - Rückspiegel
Im Moment unangefochten mein absolutes Lieblingslied ♥♥ Mit einem melancholischen Grundton aber einem schönen Ende.


Papa Roach - Where Did the Angels Go?
Wenn man mal kurz eine Schreib- oder generell eine Arbeitsblockade hat, eignet sich dieses Lied hervorragend, um seinen ganzen Frust einmal gesammelt rauszuschmettern. Und danach mit neuer Konzentration weiterzuarbeiten.


3 Doors Down - So I Need You
Das Lied steht nur stellvertretend für meine momentane 3 Doors Down-Phase, die hin und wieder auftritt. Ich liebe diese kratzige Stimme zu den rotzigen Gitarren. Und die Texte!

So das sind meine Musikempfehlungen der Woche. Passt irgendwie zum Herbst, finde ich. Obwohl ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben habe, dass der Sommer noch einen letzten Abschiedsgruß in Form einer kleinen Wärme- und Sonnenwelle für uns parat hat. Bis dahin wünsche ich euch einen wunderschönen Sonntag! ♥

04.09.2015

[Rezi] Sebastian Fitzek - Noah

Erscheinungsjahr: 2013
Genre: Thriller
Seitenzahl: 556



Teaser:
Während Millionen Kinder verhungern, verbrennen wir Getreide, um daraus Biosprit zu machen. Getreide, das dadurch auf dem Weltmarkt immer teurer wird, unbezahlbar für eine afrikanische Familie, auch weil die Bank, der Sie hier im Saal Ihr erschlichenes oder ererbtes Geld anvertrauen, mit diesem Geld auf steigende Lebensmittelpreise an den Börsen wettet.


Handlung
Der einzige Hinweis auf seine Identität ist der Name Noah, der ungelenk in seine Handfläche tätowiert ist. Ansonsten hat der Mann, der von dem Obdachlosen Oscar verwirrt und mit einer Schusswunde in der Schulter mitten in Berlin gefunden wurde, keine Anhaltspunkte, wer er ist und wie er in diese Situation geraten konnte. Sein Gedächtnis ist vollständig gelöscht - zumindest, was seine persönlichen Erlebnisse anbelangt. Faktenwissen kann Noah - wie er aufgrund seiner Tätowierung genannt wird - nach wie vor zuverlässig abrufen.
Nach und nach treten bei Noah Verhaltensmuster auf, die ihn mehr als nur beunruhigen. Nicht nur, dass er sich mit Nahkampftechniken auskennt, er hat auch einen fast unterbewussten Gefahrenscanner für seine Umgebung und entdeckt Leute, die sein Leben bedrohen, extrem frühzeitig. Und genau solche Leute scheinen haufenweise hinter ihm her zu sein. Wer ist er wirklich und was hat seine Geschichte mit dem Schicksal der gesamten Weltbevölkerung zu tun?

Meine Meinung
Wie bei Thrillern üblich, ist es fast unmöglich, etwas dazu zu schreiben, ohne zu viel vom Inhalt zu verraten. Auch ich wusste nicht wirklich, worauf ich mich bei diesem Buch einlasse, hatte keine Ahnung von der Rahmenhandlung und finde, dass das die beste Variante ist, sich mit diesem Buch außeinanderzusetzen. Also versuche ich, möglichst wenig auf inhaltlicher Ebene dazu zu schreiben.

Gemeinsam mit Noah begibt der Leser sich auf die Suche nach seiner Identität und erhält immer nur häppchenweise Informationen, die letztendlich doch ganz anders zusammengeführt werden, als die ganze Zeit angedeutet. So weit, so typisch Fitzek. Was diesen Roman von den übrigen, die ich bisher von ihm gelesen habe, unterscheidet, ist die Tatsache, dass nicht ausschließlich ein Individualschicksal behandelt wird, sondern eine politische Ebene in die Handlung integriert ist. Diese Ebene behandelt aktuelle, realpolitische Probleme und führt dazu, sich nicht nur mit menschlichen Abgründen zu beschäftigen, sondern nach der Lektüre vielleicht auch mal wieder ein bisschen über den Tellerrand zu schauen und zu überlegen, was eigentlich vor der Haustür so los ist. Zumindest bei mir war das der Fall.
Es geht ganz grob gesagt um das immer präsenter werdende Problem der Überbevölkerung und der Knappheit der Rohstoffe und die Tatsache, dass offensichtlich keine praktikabelen Lösungsansätze von den Regierungen kommen, die in diesem Punkt in der Verantwortung stehen.

Es gibt vergleichsweise viele verschiedene Handlungsstränge, die nach und nach erst untereinander verknüpft werden, bevor sie dann das Gesamtkonzept am Ende erkennen lassen. Als kleinen Kritikpunkt muss ich sagen, dass mindestens einer dieser Handlungsstränge ziemlich unnötig war und eigentlich nur dazu diente, noch ein weiteres großes Fass aufzumachen, das aber für die Handlung nicht wichtig ist und höchstens nochmal die moralische Verantwortung des Einzelnen für ein Menschenleben ein bisschen konkreter formuliert hat. Generell war mir dieser besagte Strang auch ein wenig zu voll mit "Zufällen" und ohne ihn hätte mir absolut nichts gefehlt.

Nichts desto trotz war das Buch extrem spannend zu lesen. Oscar ist ein schrulliger und etwas tragischer Charakter, dem man gerne folgt und der eine Zeit lang Noahs Gehrin spielt, weil dieser ja absolut nichts von sich weiß. Es ist ein ziemlich bedrückendes Szenario, das Fitzek hier entwirft, und das dem Leser nicht nur seine eigene Ohnmacht bezüglich der globalen Geschehnisse aufzeigt, sondern auch mit Extremen spielt, die leider tatsächlich im Bereich des Möglichen liegen. Wenn nicht das erklärende und nicht-fiktive Nachwort gewesen wäre, hätte ich nach der Lektüre einen ganz schön fahlen Nachgeschmack im Mund gehabt. Ein schlechtes Gefühl bleibt zwar immernoch, aber hat sich auf ein erträgliches Maß relativiert.
Mein ökologischer Fußabdruck ist übrigens 3,95 Hektar, was bedeutet, ich verbrauche ungefähr so viele Welten wie Herr Fitzek. Das liegt zwar unter dem Durchschnitt, ist aber dennoch zu viel.

Jeeeedenfalls hat mich das Buch sehr begeistert. Weil es, wenn man über Schreibstil, Charaktere und Handlungsentwicklung von einem typischen Fitzek sprechen kann, es aber etwas völlig anderes ist, wenn man den Plot betrachtet. Und so ungerne ich diese Floskel in meinen Rezensionen unterbringe, kann sie hier auf Grund der Tatsachen einfach nicht weggelassen werden: es hat mich zum Nachdenken gebracht. Es ist nicht so, dass diese Thematik noch nie von meinem Hirn bearbeitet wurde. Aber vielleicht ist es doch drängender, als ich wahrhaben wollte. Weltpolitik geht schließlich alle an. Wie man an der aktuellen Lage unschwer erkennen kann. Aber zurück zum Buch: Leseepmfehulng! 5 rosa Wölkchen!

02.09.2015

Leserückblick August 2015

Der August war - von ein paar kleinen Talfahrten einmal abgesehen - ein wirklich schöner Monat. Bevor es jetzt so richtig ernsthaft mit der Masterarbeit losgeht, habe ich es mir noch einmal bei meinen Eltern gemütlich gemacht und mich ordentlich erholt. Und dabei tatsächlich viele viele Bücher gelesen; ein Umstand, den ich für dieses Jahr schon nicht mehr habe kommen sehen.
Dann allerdings begann der September und die Katastrophe nahm ihren Lauf. Mein Laptop hat ohne nachvollziehbaren Grund seine Festplatte zerschossen, sodass nicht nur die Dokumente meiner Masterarbeit (worst case dank Sicherheitskopie allerdings abgewehrt), sondern auch alle Bilder, Statistiken, Grafiken, Dokumente, etc. für den Blog gelöscht sind. Fleißige Helfer versuchen, den Schaden zu minimieren, aber es sieht gar nicht gut für die Festplatte aus. Und deshalb kommt der Rückblick auf den August vom Ersatzlaptop und ohne Bilder, dafür aber mit einigen tollen Büchern. Man kann halt einfach nicht alles im Leben haben, was?

Gelesen
Jane Austen - Mansfield Park (*Rezi*)
T. C. Boyle - Wassermusik (*Rezi*)
Louise Walters - Dem Glück so nah (*Rezi*)
Luca di Fulvio - Das Kind, das nachts die Sonne fand (*Rezi*)
Sebastian Fitzek - Noah (*Rezi*)

In Seiten
2860

Durchschnittsbewertung
3,8 Wölkchen

Highlight des Monats
Da teilen sich der di Fulvio und der Fitzek den Platz Nummer 1 für diesen Monat. Beides ganz wunderbare Bücher, die mich restlos begeistert haben!

Enttäuschung des Monats
Mit Dem Glück so nah habe ich mich ein bisschen schwer getan. Verhältnismäßig war das auf jeden Fall das schwächste Buch des Monats. Wenn auch nicht direkt schlecht.

Wie gesagt - keine Collage dieses Mal. Auch, wenn diese deutlich bunter ausgefallen wäre, als letzten Monat. in dem habe ich sage und schreiben 2000 Seiten weniger gelesen. Wenn das mal keine Steigerung ist, dann weiß ich auch nicht!