26.09.2015

[Rezi] Cassandra Clare - Clockwork Prince

Erscheinungsjahr: 2012
Originaltitel: The Infernal Devices. Book Two. Clockwork Prince
Genre: Jugend, Fantasy
Reihe: Die Chroniken der Schattenjäger, Teil II
Seitenzahl: 578

Teaser:
Wenn er kein Schattenjäger wäre, überlegte Tesse, wäre er bestimmt gestürzt und hätte sich böse verletzt? Doch so landete er mühelos auf den Füßen und bahnte sich einen Weg durch die dichte Menge aus Gepäckträgern, Pendlern und Mitgliedern des Landadels auf dem Bahnsteig, die mit wuchtigen Koffern und nervösen Jagdhunden Richtung Norden reisten, um das Wochenende auf dem eigenen Landsitz zu verbringen.

*Achtung!*Spoilergefahr!*Achtung!*Spoilergefahr!*Achtung!*Spoilergefahr!*
Handlung
Nach den sich überstürzenden Ereignissen im Institut stehen Charlotte und ihr Mann Henry nun vor dem Rat der Schattenjäger und müssen sich verantworten. Dafür, dass sich unbemerkt ein Spion in das Institut schleichen konnte, dafür, dass Mortimer entkommen ist und sogar ein wertvolles Artefakt gestohlen hat und generell für alles, was in der letzten Zeit schief gelaufen ist. Vor allem Charlottes schärfster Konkurrent Benedict Lightwood führt Reden gegen sie - hauptsächlich, um selbst die Leitung des Instituts übernehmen zu können. Dabei hat sich Tessa gerade mehr oder weniger eingerichtet und betrachtet die Bewohner des Instituts fast schon als eine Art Familie. Weshalb sie natürlich alles in ihrer Macht stehende tun wird, um mitzuhelfen, die Prüfung, die der Rat Charlotte und Henry auferlegt, erfolgreich zu absolvieren: innerhalb von zwei Wochen sollen sie nicht nur Mortimers Aufenthaltsort ausfindig machen, sondern idealerweise seine schrecklichen Pläne durchkreuzen. Ansonsten werden sie als Leiter abgesetzt.
Diese schier unmöglich zu bewerkstelligende Aufgabe versuchen nun alle Institutsbewohner gemeinsam zu stemmen. Tessa wird die Sache allerdings etwas dadurch erschwert, dass sie in Wills Nähe nicht klar denken kann und langsam aber sicher auch für Jem tiefere Gefühle entwickelt.

Meine Meinung
Das klassische Liebesdreieck hat sich ja schon im ersten Teil angekündigt und nimmt nun in diesem zweiten Teil so ziemlich den größten Raum ein. Und obwohl einige Stellen wirklich etwas übers Ziel hinausschießen und Tessas hin- und her-eiern im Fokus der Geschichte steht, sind es doch auch spannende Entwicklungen und Verwirrungen, die die Handlung vorantreiben, etwas vom Hormonchaos ablenken und das ganze dann irgendwie doch zu einem runden Ende führen. Zumindest zu einem runderen als beim Vorgängerband.

Kritik habe ich aber natürlich trotzdem. Und es ist ja nicht so, dass meine nächste Aussage irgendwie selten von mir zu hören ist. Aber ich werde nicht müde, es immer und immer wieder zu betonen: ich hasse es abgrundtief, wenn Figuren ein gaaaaanz schlimmes Geheimnis haben, dadurch sich und das Leben ihrer Nächsten unglaublich schwer machen und einfach alles nur halb so tragisch wäre, wenn sie mal den Mund aufkriegen würden.
Diese Lektion muss auch Will lernen, der sich die ersten beiden Drittel immer wieder in sich selbst zurückzieht und vor allen verschließt. Leider büßt er für mich dadurch einiges von seinem derben Charme ein, denn er ist viel zu sehr mit sich selbst und seinem Kampf gegen die Liebe zu Tessa beschäftigt, als das er viele humoröse Glanzpunkte in dem Buch setzen würde. Leider schwächt dieser Umstand die Qualität der Dialoge um einiges ein - nicht desto trotz handelt es sich stilistisch und inhaltlich um ein eher typisch flockig-pathetisches Jugendbuch, das man gut weglesen kann.

Spannend fand ich es dennoch zu sehen, wie sich die Figuren - vor allem Jem und Henry - entwicklet haben. Obwohl die beiden nur mehr oder weniger Nebencharaktere sind (bei Jem ließe sich da sicherlich streiten) sind, machen sie doch unheimlich tolle Sprünge und werden die wichtigsten Säulen des Handlungsverlaufs. Vor allem die Story von Henry und Charlotte war so absurd, dass ich sie schon wieder absolut allerliebst fand. Und Jem, der gutmütige Jem, zeigt endlich einmal, dass auch er bei aller Freundlichkeit durchaus in der Lage ist, rigoros zu werden, wenn es die Situation erforderlich macht.

Es wird ein bisschen aufgeräumt, was Wills Vergangenheit angeht und endlich erfahren Tessa und der Leser, warum er damals seine Familie verlassen hat. Wäre das 200 Seiten früher passiert, wäre nichts verloren gewesen. Generell finde ich diese beiden Figuren ziemlich blass im zweiten Teil, gerade im Vergleich zu Henry oder Jem treten sie doch ziemlich auf der Stelle. Die einzige Situation, in der Tessa etwas Profil bekommt, ist beim Kampf gegen ihren Bruder. Diese Szene ist für alle Beteiligten einfach sehr stark und führt einem das Potential der Geschichte vor Augen, das leider nicht völlig ausgeschöpft wurde.

Was außerdem weiterhin völlig im Dunkeln bleibt, ist der tatsächliche Plan Mortmains und vor allem sein Aufenthaltsort; ein bisschen Info gibt es zwar, aber richtig zusammenführen kann man die einzelnen Enden noch nicht.

Von einigen Längen und wirklich unmöglichen Hormonschüben abgesehen fand ich diesen Teil doch ein gutes Stück besser als den Vorgänger. Es gab einiges wirklich überraschende Wendungen und sehr tolle Charakterentwicklungen, sodass ich schon wirklich gespannt auf das Finale bin. Diesesmal gibt es statt den knappen 3 wirklich gute Wölkchen von mir!

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