15.09.2015

[Rezi] Peter Behrens - Das Gesetz der Träume

Erscheinungsjahr: 2010
Originaltitel: The Law Of Dreams
Genre: Historischer Roman
Seitenzahl: 555


Teaser:
Hundert Männer und Jungen schliefen auf Pritschen im Männersaal. Fergus schlief sofort ein, wachte aber mitten in der Nacht in absoluter Dunkelheit auf, umgeben von lauter Fremden, die wie tot dalagen, und das Feuer zu weit weg, um Licht oder Wärme zu spenden.




Handlung
In Fergus' Heimat Irland herrschen in der Mitte des 19. Jahrhunderts Bedingungen, unter denen das einfache Volk nicht überleben können. Nicht nur, dass das Fieber überall grassiert, die Kartoffeln werden von der gefürchteten Kartoffelfäule befallen, die die Ernten eines gesamten Jahres ungenießbar macht. Die Grundbesitzer versuchen, ihren Reichtum zu retten, indem sie ihren Pächtern das Land wegnehmen und sie auf die Straße oder in Armenhäuser setzen. Deshalb versuchen viele dieser gescheiterten Existenzen nach Amerika auszuwandern.

Auch Fergus' Familie ergeht es nicht anders - allerdings wird die Hütte, in der sich seine gesamte Familie befindet und durch das Fieber so geschwächt ist, dass sie nicht mehr herauskommen können, von den Söhnen des Grundbesitzers abgebrannt. Fergus selbst entkommt den Flammen gerade so und muss sich von nun an alleine durchschlagen.

Meine Meinung
So sehr ich mir auch das Gegenteil gewünscht habe, wirklich anfreunden konnte ich mich mit der Geschichte, die eigentlich absolut das Zeug dazu hatte, in meinen persönlichen Favoriten-Olymp aufzusteigen, leider nicht.

An der Grundidee lag das allerdings sicherlich nicht. Gerade die Zeit, in der europäische Emigranten Amerika besiedelt haben, reizt mich geschichtlich sehr. Außerdem hatte ich mich vor der Lektüre dieses Buches auch noch nie dezidiert mit der Rolle Irlands in dieser Zeit auseinandergesetzt, also war ich sehr gespannt darauf, wie der Autor realgeschichtliches Wissen literarisch umsetzt.
Was das drumehrum angeht, ist auch alles sehr interessant. Das Leid der Bauern, die Verzweiflung der Leute, die ihre gesamte Ernte abschreiben können und doch sowieso schon Hunger leiden, die unwürdigen Zustände in den Armenhäusern, das alles ist sehr anschaulich beschrieben. 

Mein Problem allerdings war die Figurenkonzeption im allgemeinen und die des Protagonisten im Speziellen. Denn obwohl man durch einen allwissenden Erzähler einen Einblick in Fergus' Gedankenwelt hat, blieben seine Handlungen für mich doch weitgehend nicht nachvollziehbar, sein Lebenslauf merkwürdig konstruiert und er selbst als Figur auf jeden Fall bis zur Mitte des Buches relativ blass und profillos. Danach geht es etwas bergauf mit ihm, aber dir große Schwäche des Textes, Entwicklungen aufzubauen, bleibt bestehen. Es ist eher so, dass die Handlung an einem Punkt ein wenig rumdümpelt, bis sie dann schließlich auf die nächste Entwicklungsebene hüpft, ohne dass dieser Prozess dahin wirklich aufgezeigt wurde. Zumindest hatte ich diesen Eindruck beim Lesen ganz stark.
 
Der Schreibstil ist ganz in Ordnung, wenn man von ein paar sehr auffälligen Anachronismen und ungelenken Ausdrücken beziehungsweise Metaphern  absieht. Soll heißen, dass man gut mitkommt, es keine ausufernden Beschreibungen gibt, die die Geschichte unnötig in die Länge ziehen und dennoch die Atmosphären der jeweiligen Handlungsorte gut herausgearbeitet ist.

Insgesamt ist es also ein Buch, das mich trotz aller Kritikpunkte ganz gut unterhalten konnte und das man ziemlich schnell weglesen kann. Insgesamt erhält es knappe 3 Wölkchen von mir.


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