04.09.2015

[Rezi] Sebastian Fitzek - Noah

Erscheinungsjahr: 2013
Genre: Thriller
Seitenzahl: 556



Teaser:
Während Millionen Kinder verhungern, verbrennen wir Getreide, um daraus Biosprit zu machen. Getreide, das dadurch auf dem Weltmarkt immer teurer wird, unbezahlbar für eine afrikanische Familie, auch weil die Bank, der Sie hier im Saal Ihr erschlichenes oder ererbtes Geld anvertrauen, mit diesem Geld auf steigende Lebensmittelpreise an den Börsen wettet.


Handlung
Der einzige Hinweis auf seine Identität ist der Name Noah, der ungelenk in seine Handfläche tätowiert ist. Ansonsten hat der Mann, der von dem Obdachlosen Oscar verwirrt und mit einer Schusswunde in der Schulter mitten in Berlin gefunden wurde, keine Anhaltspunkte, wer er ist und wie er in diese Situation geraten konnte. Sein Gedächtnis ist vollständig gelöscht - zumindest, was seine persönlichen Erlebnisse anbelangt. Faktenwissen kann Noah - wie er aufgrund seiner Tätowierung genannt wird - nach wie vor zuverlässig abrufen.
Nach und nach treten bei Noah Verhaltensmuster auf, die ihn mehr als nur beunruhigen. Nicht nur, dass er sich mit Nahkampftechniken auskennt, er hat auch einen fast unterbewussten Gefahrenscanner für seine Umgebung und entdeckt Leute, die sein Leben bedrohen, extrem frühzeitig. Und genau solche Leute scheinen haufenweise hinter ihm her zu sein. Wer ist er wirklich und was hat seine Geschichte mit dem Schicksal der gesamten Weltbevölkerung zu tun?

Meine Meinung
Wie bei Thrillern üblich, ist es fast unmöglich, etwas dazu zu schreiben, ohne zu viel vom Inhalt zu verraten. Auch ich wusste nicht wirklich, worauf ich mich bei diesem Buch einlasse, hatte keine Ahnung von der Rahmenhandlung und finde, dass das die beste Variante ist, sich mit diesem Buch außeinanderzusetzen. Also versuche ich, möglichst wenig auf inhaltlicher Ebene dazu zu schreiben.

Gemeinsam mit Noah begibt der Leser sich auf die Suche nach seiner Identität und erhält immer nur häppchenweise Informationen, die letztendlich doch ganz anders zusammengeführt werden, als die ganze Zeit angedeutet. So weit, so typisch Fitzek. Was diesen Roman von den übrigen, die ich bisher von ihm gelesen habe, unterscheidet, ist die Tatsache, dass nicht ausschließlich ein Individualschicksal behandelt wird, sondern eine politische Ebene in die Handlung integriert ist. Diese Ebene behandelt aktuelle, realpolitische Probleme und führt dazu, sich nicht nur mit menschlichen Abgründen zu beschäftigen, sondern nach der Lektüre vielleicht auch mal wieder ein bisschen über den Tellerrand zu schauen und zu überlegen, was eigentlich vor der Haustür so los ist. Zumindest bei mir war das der Fall.
Es geht ganz grob gesagt um das immer präsenter werdende Problem der Überbevölkerung und der Knappheit der Rohstoffe und die Tatsache, dass offensichtlich keine praktikabelen Lösungsansätze von den Regierungen kommen, die in diesem Punkt in der Verantwortung stehen.

Es gibt vergleichsweise viele verschiedene Handlungsstränge, die nach und nach erst untereinander verknüpft werden, bevor sie dann das Gesamtkonzept am Ende erkennen lassen. Als kleinen Kritikpunkt muss ich sagen, dass mindestens einer dieser Handlungsstränge ziemlich unnötig war und eigentlich nur dazu diente, noch ein weiteres großes Fass aufzumachen, das aber für die Handlung nicht wichtig ist und höchstens nochmal die moralische Verantwortung des Einzelnen für ein Menschenleben ein bisschen konkreter formuliert hat. Generell war mir dieser besagte Strang auch ein wenig zu voll mit "Zufällen" und ohne ihn hätte mir absolut nichts gefehlt.

Nichts desto trotz war das Buch extrem spannend zu lesen. Oscar ist ein schrulliger und etwas tragischer Charakter, dem man gerne folgt und der eine Zeit lang Noahs Gehrin spielt, weil dieser ja absolut nichts von sich weiß. Es ist ein ziemlich bedrückendes Szenario, das Fitzek hier entwirft, und das dem Leser nicht nur seine eigene Ohnmacht bezüglich der globalen Geschehnisse aufzeigt, sondern auch mit Extremen spielt, die leider tatsächlich im Bereich des Möglichen liegen. Wenn nicht das erklärende und nicht-fiktive Nachwort gewesen wäre, hätte ich nach der Lektüre einen ganz schön fahlen Nachgeschmack im Mund gehabt. Ein schlechtes Gefühl bleibt zwar immernoch, aber hat sich auf ein erträgliches Maß relativiert.
Mein ökologischer Fußabdruck ist übrigens 3,95 Hektar, was bedeutet, ich verbrauche ungefähr so viele Welten wie Herr Fitzek. Das liegt zwar unter dem Durchschnitt, ist aber dennoch zu viel.

Jeeeedenfalls hat mich das Buch sehr begeistert. Weil es, wenn man über Schreibstil, Charaktere und Handlungsentwicklung von einem typischen Fitzek sprechen kann, es aber etwas völlig anderes ist, wenn man den Plot betrachtet. Und so ungerne ich diese Floskel in meinen Rezensionen unterbringe, kann sie hier auf Grund der Tatsachen einfach nicht weggelassen werden: es hat mich zum Nachdenken gebracht. Es ist nicht so, dass diese Thematik noch nie von meinem Hirn bearbeitet wurde. Aber vielleicht ist es doch drängender, als ich wahrhaben wollte. Weltpolitik geht schließlich alle an. Wie man an der aktuellen Lage unschwer erkennen kann. Aber zurück zum Buch: Leseepmfehulng! 5 rosa Wölkchen!

Kommentare:

  1. Huhu MelMel :)

    Ich habe Noah zwar selbst noch nicht gelesen, bin aber so ein Fitzek-Fan, dass ich mich immer total freue, wenn er gut ankommt. Schön, dass er dir so viel Spaß gemacht hat :3

    Liebe Grüße
    Ivy

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    1. So geht es mir auch immer :D
      Wenn du ein fitzek-Fan bist, steht "Noah" sicherlich schon auf deinem Plan ;D

      Liebe Grüße
      MelMel

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  2. (Ich hoffe der Kommentar kommt jetzt nicht 2x, ich hab gerade ein nerviges Problem mit dem Anmelden beim Blogger, weil die Buttons alle blöd sind und überhaupt)
    Das Buch möchte ich, seit ich ein Radiointerview mit Fitzek dazu gehört habe, auf jeden Fall mal lesen. Klingt sehr spannend! Nach der Kritik sollte ichs in meiner Leseliste vielleicht mal was weiter nach oben schieben. *g*

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    1. Nope, alles gut! :D
      Oh, das kann ich mir vorstellen - wenn er dann schon ein bisschen angeast und einige Hintergrundinfos fallen gelassen hat, ist man immer nochmal ein bisschen mehr angefixt. Ich kanns auf jeden Fall nur empfehlen. Herbst ist ja auch Thriller-Zeit, finde ich :D

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