30.10.2015

[Rezi] Eva Menasse - Quasikristalle

Erscheinungsjahr: 2013
Genre: Roman
Seitenzahl: 425




Teaser:
Wie sehr Xane staunte, merkte man an ihrem abgewandten Blick. Sie war in der Urban-Intellectual-Uniform gekommen, Blue Jeans und oben etwas Schlichtes, Teures, Schwarzes.




Handlung
13 kurze Geschichten mit jeweils anderen Protagonisten, die dennoch mit der eigentlichen Hauptperson dieses Buches irgendwie in Verbindung stehen: Xane Molin. Die Entwicklung ihrer Person, die Stationen ihres Lebenswegs kann der Leser mit dieser Geschichtensammlung aus der Perspektive der Beobachtung 2. Grades nachvollziehen: die Geschichten werden (mit einer Ausnahme, bei der Xane selbst zu Wort kommt) aus der Sicht von Figuren erzählt, mit denen Xane Kontakt hat. Zu manchen hat sie eine enge Beziehung - es sind ihre besten Freunde oder Teile der Familie - und andere streifen nur kurz ihren Weg. Daher nimmt jede Figur Xane Molin auch anders wahr, beurteilt sie anders und eröffnet dem Leser daher einen neuen Blickwinkel auf diese Figur. Die Zeitspanne reicht von dem 14-jährigen Mädchen, das Sommerferien hat und große Träume träumt, über ihre Studentenphase, ihre Ehe und ihr Leben in einer Patchwork-Familie bis hin zu der alt gewordenen Xane Molin, die nun mehrfache Großmutter ist. 

Meine Meinung
Dieses Buch enthält eine sehr interessante Geschichte, und ist vor allem spannend konstruiert. Roxane Molin - kurz Xane genannt - ist zwar die eigentliche Hauptperson, doch tritt sie meistens nur am Rande der Geschichte auf, als Teil des Lebensausschnitts einer anderen Figur. Je nachdem, wie nahe sie dieser Figur ist, desto größeren Raum nimmt Xane ein, doch ist sie selbst selten richtig fassbar.
Dennoch verfolgt der Leser Xanes komplettes Leben, ihre verschiedenen Phasen, fast schon stalkermäßig durch das Buch hindurch mit. Es ist ein literarisch sehr stark konstruiertes Buch, das aber inhaltlich ziemlich authentisch (sofern man dieses Wort benutzen möchte) wirkt und seine Qualität weniger in einer spannenden Story, als mehr in einem wirklichkeitsnahen Abbild der Gesellschaft - oder, wenn man nicht ganz so weit gehen möchte, doch einem prototypischen Abbild des Lebens einer Frau innerhalb dieser Gesellschaft - entfaltet und dabei diverse ethische Fragen quasi im vorbeigehen aufwirft.

Betrachtet man die einzelnen Themenkomplexe, die im Laufe des Buches aufgeworfen werden, wird schon ziemlich deutlich, dass es sich hier um die Lebenswelt einer sehr spezifischen Gruppe zu einer bestimmten Zeit dreht. Ich habe mich nie besonders mit der Geschichte Österreichs beschäftigt, und weiß daher nicht, wie der Nationalsozialismus gesellschaftlich aufgearbeitet wurde und wird. Besonders in einem Kapitel wird genau diese Aufarbeitung thematisiert, wenn Xane mit einer studentischen Gruppe und einem Professor nach Auschwitz fährt und das Konzentrationslager besichtigt. Vor allem in diesem Kapitel fand ich, dass die Autorin eine wirklich dichte Atmosphäre erschaffen konnte und die widersprüchlichen Gefühle, die ein solcher Ort in Menschen wecken kann - was ja auch je nach Biografie und seelischer Verfassung variiert - gut und sehr eindringlich dargestellt hat. 

Ist Xane in ihrer Jugend noch damit beschäftigt, die Vergangenheit zu begreifen und sich selbst zu finden, so hat sie später andere Probleme. Mit ihrer Stieftochter zum Beispiel. Aber eigentlich läuft ihr Leben soweit sehr gut. Höhen folgen Tiefen, die wiederum Höhen folgen und dann wieder ein paar Tiefschläge. Sie lebt die meiste Zeit in Berlin und missioniert ein wenig die österreichische Kultur.
Aber obwohl ich so viel faktisch über sie weiß, hatte ich nie das Gefühl, wirklich einen Draht zu dieser Figur zu haben. Zu allen anderen schon. Charakterlich sind die jeweiligen Protagonisten der Kurzgeschichten nachvollziehbar und für den ihnen zugedachten Raum facettenreich ausgestattet. Nur Xane lässt sich nicht so richtig fassen, bleibt schwammig und unnahbar. Der besondere Kniff des Romans ist für mich auch gleichzeitig das große Kümmernis, denn weil Xane immer bloß in verschiedenen Rollen und verschiedenen Altersstufen gezeigt wird, hat man niemals ein Gesamtkonzept von ihr und das ist irgendwie schade. Aber auch spannend. Es ist einfach ein Dilemma.

Jedenfalls habe ich die Lektüre die meiste Zeit über sehr genossen. Es ist schon ein eher eloquenter Schreibstil, der aber dennoch keine komplizierten Satzungetüme beherbergt und die Länge der Geschichten macht es zu einem idealen Bus-Buch. 3 Wölkchen von mir.


26.10.2015

[Rezi] Rebecca Gablé - Das Lächeln der Fortuna

Erscheinungsjahr: 1997
Genre: Historischer Roman
Reihe: Waringham-Family-Reihe, Teil I
Seitenzahl: 1193



Teaser:
Conrad setzte sich zu ihm, und Robin mußte an den Tag denken, als er hier angekommen war. Zum Abendessen war er hier gewesen, und dieser Mann hatte ihn mit solcher Ehrfuchrt erfüllt, daß es ihm die Kehle zugeschnürt hatte. So war es nicht mehr.



Handlung
Das Jahr 1360 ist für den jungen Robin von Waringham ein Jahr voller schlimmer Nachrichten. Nicht nur, dass sein Vater in seiner Funktion als Kronvasall mit dem Schwarzen Prinzen von England gemeinsam im Hundertjährigen Krieg kämpft und bis auf seine jüngere Schwester Agnes alle übrigen Familienmitglieder an der Pest gestorben sind, Robin muss seine Tage in einem Kloster verbringen, um dort von den Mönchen unterrichtet und seinem Stand gemäß erzogen zu werden. Eines Tages wird er vom Abt aus dem Lateinunterricht gerufen und erhält eine schlimme Nachricht: sein Vater wurde wegen Hochverrats verurteilt, all seiner Besitztümer enthoben und hat sich schließlich im Gefängnis selbst erhängt. Nicht nur, dass Robin von den Taten seines Vaters mehr als erschüttert ist, er ist dadurch auch nicht länger der Erbe des Lehens Waringham, sondern ein normaler, mittelloser Zwölfjähriger. 
Dennoch beschließt er, nicht länger in dem verhassten Kloster zu bleiben, sondern endlich nach Hause zurückzukehren. Auch, wenn er kein Recht mehr auf die Burg hat, so ist Waringham doch der Ort, an dem sein Herz hängt. Also flüchtet er aus dem Kloster, schlägt sich nach Waringham durch und findet in den Zuchtställen einen Platz als Pferdeknecht. Sein Leben sieht von nun an völlig anders aus, als er es als junger Adeliger gewohnt war, doch Robins Leidenschaft für Pferde und sein pragmatisches, bescheidenes Wesen sorgen dafür, dass er sich mit den neuen Umständen nicht nur arrangiert, sondern sogar zufrieden damit ist. Wäre nur nicht der Sohn des neuen Earls von Waringham, Mortimer, der als verwöhnter und sadistisch veranlagter Sproß die hart arbeitenden Einwohner tyrannisiert. Robin und Mortimer hassen sich von der ersten Sekunde an und Robins Charakter ist nicht dazu geeignet, ungerechte Autoritäten ohne Widerworte anzunehmen.

Meine Meinung
Dieses Buch erzählt die Geschichte des jungen Robin von Waringham - seinen Weg von dem zwölfjährigen Pferdeknecht zu einem ehrenhaften Ritter. Und das tut es in einer Form, die wohl auch den kritischsten Leser historischer Romane begeistern wird - bei mir zumindest hat es das geschafft und ist damit in den Olymp meiner absoluten Lieblingsbücher aufgestiegen.

Schon gleich von Beginn an lernt man Robin kennen und begleitet ihn und seine Lieben von da an auf ihren verschlungenen und zum Teil extrem gefährlichen Leben. Der Roman erzählt die Geschichte von runden 40 Jahren, in denen Robin mal ober- und mal unterhalb von Fortunas Glücksrad sitzt und dennoch in seinen Grundsätzen niemals erschüttert wird. Die große Stärke dieses Buches ist es, realhistorische Personen und fiktive Charaktere so in der Handlung zu verbinden, dass man den Eindruck hat, auch die fiktiven Figuren gehörten damals wirklich dazu und haben die politischen Entwicklungen im England des Mittelalters maßgeblich mitgestaltet. Von den real existenten Personen sind natürlich die der Königsfamilie und deren Abkömmlinge besonders relevant. Das Haus Lancaster spielt eine wichtige Rolle, und der Leser ist bei allen prägnanten Ereignissen dieser Familie anwesend. Generell erfährt man unglaublich viel über die englische Geschichte, über das Rittertum an sich mit all seinen bindenen Treueschwüren, der komplexen Hochzeitspolitik und den zum Teil lebensgefährlichen Intrigen bei Hofe. Sehr interessant, lehrreich und unterhaltsam sind auch die Referenzen auf mittelalterliche Sagentraditionen, die zwar meistens nur angerissen werden, mir aber trotzdem immer ein freudiges Lächeln entlockt haben.

Eine weitere Besonderheit des Romans sind die ausgearbeiteten Charaktere. In verschiedenen anderen Rezensionen habe ich immer wieder von schwarz/weiß-Malerei bei der Gestaltung der Figuren gelesen, kann mich dieser Kritik aber nicht anschließen - und das, obwohl ich in der Beziehung ebenfalls sehr empfindlich und äußerst kritisch bin. Natürlich sind die Rollen des Protagonisten Robin und seines Gegenspielers Mortimer klar verteilt und Robin ist eindeutig der Gute in dieser Konstellation. Aber er ist durchaus nicht als erhabener, besonnener Moralapostel dargestellt, dem alles gelingt; er hat eine ziemlich große Klappe und eine scharfe Zunge, die er oftmals nicht in Zaum halten kann und dadurch sich und andere in große Schwierigkeiten bringt. Und auch Mortimer ist nicht bloß auf die Rolle des despotischen Tyrannen zu reduzieren, sondern hat durchaus auch eine angreifbare, menschliche Seite. Die versteckt er halt nur gut.
Und auch die übrigen Figuren sind so ausgearbeitet, dass sie über eine bloße Funktionserfüllung weit hinausgehen, in ihrem Verhalten oder zumindest ihren Gedanken durchaus wanken und auf jeden Fall Ecken, Kanten und Fehler haben, die sie auszeichnen.

Insgesamt habe ich mich in Waringham sehr heimisch gefühlt und mich bei diesem gut 1000-Seiten schweren Wälzer wirklich sehr an die Figuren gewöhnt. Das Lesestündchen jeden Abend war immer ein bisschen wie nach Hause kommen, weil man viele Figuren von Geburt an begleitet und ihre Entwicklungen beobachten kann. Deshalb war ich auch ein bisschen traurig, als das Buch dann doch irgendwann dem Ende zuging. Einen so gut recherchierten historischen Roman habe ich lange nicht mehr gelesen und ich freue mich schon jetzt auf die Fortsetzungen. 5 rosa Wölkchen von mir!


22.10.2015

[Rezept] Bandnudeln mit Gemüse-Frischkäse-Soße

In letzter Zeit mag ich es entgegen meiner eigentlichen Gewohnheit extrem gerne, jeden Tag frisch zu kochen. Das ist wirklich etwas neues, lebe ich doch, seit ich vor fünf Jahren das heimische Nest verlassen habe, hauptsächlich von Brot und Marmelade. Hauptsächlich aber nicht ausschließlich und jetzt wo es draußen immer kälter und ungemütlicher wird, weiß ich eine leckere Portion warmes Essen einfach richtig zu schätzen und finde sogar die Zubereitung nicht mehr so anstrengend und langweilig wie sonst, sondern es macht mir richtig Spaß.
Natürlich halte ich es nach wie vor hauptsächlich simpel. Und so ist auch das folgende Rezept wieder aus der Kategorie einfach und schnell. Aber lecker.

Gebraucht wird
250g Bandnudeln
100g Putenbrust (Brotaufschnitt)
1 rote Zwiebel
200g Champignons
getrocknete Tomaten in Öl (Antipasti)
100g Frischkäse
150ml Gemüsebrühe
Salz, Pfeffer

Außerdem
einen großen Topf
eine Pfanne
ein Nudelsieb
Schneidebrettchen und Messer
Küchenrolle

So wird's gemacht
Zunächst die Nudeln in einen Topf mit leicht gesalzenem, kochendem Wasser geben. 
Während die gar werden, die Zwiebel in feine Würfel und die Pilze in Scheiben schneiden. Die Tomaten mit der Küchenrolle gut abtupfen und vom Öl befreien und dann ebenfalls in Würfel schneiden. 

Die Putenbrust ebenfalls in Stücke schneiden und dann in der Pfanne mit ein wenig Öl knusprig anbraten. Zwiebel und Tomatenstücke dazu geben und kurz mit anschwitzen. Anschließend kommen die Champignons dazu und werden ebenfalls schön von beiden Seiten angebraten. 

Anschließend mit der Gemüsebrühe ablöschen und den Frischkäse darin schmelzen lassen. Alles ein bisschen köcheln lassen und schließlich mit den Gewürzen abschmecken. Mittlerweile sollten auch die Nudeln al dente sein, sodass die abgegossen werden und unter die Sauce gemischt werden können. Fertig!

Bei mir sah das so aus 


Bandnudeln mache ich eigentlich total selten, weil die mir immer eher von der Gabel flutschen, als Spaghetti. Aber in diesem Fall hatte ich mal Lust darauf und außerdem musste die offene Packung endlich mal verwertet werden. 
Auf jeden Fall steht dieses Gericht in 15 Minuten auf dem Tisch und schmeckt einfach lecker. Yumm!

18.10.2015

[Musik] Sonntagslieder #127

Im Moment habe ich das Gefühl, ein wenig außerhalb der Blogger-Welt zu stehen. Der Tag hat einfach zu wenige Stunden, als dass ich mir zusätzlich zu den alltäglichen Arbeiten Gedanken zu neuen Blog-Posts machen kann oder dazu komme, bei anderen Blogs zu stöbern und mich da einfach mal wieder festzulesen. Und eine Besserung der Umstände ist erstmal nicht in Sicht, denn das Ende des Jahres ist ja bekanntermaßen immer noch mal ein Stück stressiger als der Rest. Zumindest seit meinem leidigen Zustand als quasi-erwachsene Person.
Aaaaber genug gejammert, es geht auch irgendwann wieder aufwärts. Und bis dahin hören wir doch einfach ein bisschen Musik!



Sasha - Lucky Day
Furchtbar alt - zumindest vergleichsweise - und ich weiß überhaupt nicht, warum ich darauf gekommen bin. Aber es macht mir zur Zeit jedes Mal gute Laune, wenn ich dieses Lied höre :D


Systemfehler - Wenn Inge tanzt
Ebenfalls wirklich immer Lachen muss ich bei diesem Lied. Wie der ganze Film ist es einfach total putzig (vermutlich nicht unbedingt die Intention dahinter). Falls ihr den Film noch nicht kennt und mal Lust auf einen seichten RomCom-Film mit einem wirklich wirklich guten Soundtrack habt, dann ist das hier eine offizielle Empfehlung!


The Killers - Somebody Told Me
Auf die Gefahr hin mich zu wiederholen: gute Laune macht auch dieser Song. Den ich deshalb immer und immer wieder neu in diverse Playlists aufnehme.

Vermutlich ballere ich mich grade so mit Musik zu, die die Laune eher hebt, damit zum stressigen Leben nicht jetzt schon die Herbst-/Winterdepression dazu kommt. In Kombination mit viel fettigem Essen hat sich diese Strategie auf jeden Fall bisher bewährt :D
Einen entspannten Sonntag allerseits! ♥

14.10.2015

[Rezi] Sebastian Fitzek / Michael Tsokos - Abgeschnitten

Erscheinungsjahr: 2012
Genre: Thriller
Seitenzahl: 393



Teaser:
Es dauerte noch eine Weile, bis Eder sich wieder gesammelt hatte, dann war der Moment gekommen, vor dem Linda sich fürchtete, seitdem sie hier unten im Keller stand: Vorhin am Strand hatte sie die Leiche nicht berühren müssen. Jetzt würde ihr das nicht länger erspart bleiben.



Handlung
Linda hat eigentlich wirklich schon genug Probleme. Seitdem sich ihr Ex-Freund Danny als psychotischer, gewalttätiger Stalker entpuppt hat, lebt sie in permanenter Angst. Deshalb ist sie nach Helgoland gereist, von wo die meisten Leute gerade überstürzt abreisen, denn ein furchtbarer Sturm braut sich zusammen, sodass die Insel für einige Zeit vom Festland abgeschnitten sein wird. Nur ein paar weniger Anwohner und eben Linda harren dort aus. Und als würde das noch nicht reichen, stolpert sie am Strand im wahrsten Sinne des Wortes über eine Leiche. Doch damit sind die surrealen Verrücktheiten noch lange nicht vorbei - oh nein. Linda lässt sich von einem Paul Herzfeld übers Telefon dazu überreden, den Toten nicht nur in die Pathologie des leeren Inselkrankenhauses zu schaffen, sondern ihn auch noch zu sezieren - Anweisungen per Telefon entgegennehmend.

Meine Meinung
Von Fitzeks Thrillern verspreche ich mir ja immer einiges. Und an diesen hier hatte ich ganz besondere Erwartungen, ist er doch in Zusammenarbeit mit dem Rechtsmediziner Tsokos entstanden, was mich auf ein ganz besonderes Leseerlebnis hoffen lies. Und auch, wenn ich mit der Handlung leider nicht vollständig warm werden konnte, hat das Duo hier einen soliden Thriller abgeliefert, gespickt mit medizinischen Details.

Der Rechtsmediziner Paul Herzfeld findet bei der Obduktion einer Frauenleiche die Handynummer seiner 17-jährigen Tochter Hannah, die offensichtlich von einem kranken Typen entführt worden ist, dem es ein perverses Vergnügen bereitet, für den verzweifelten Vater eine Schnitzeljagd zu arrangieren, bei der neue Hinweise zum Aufenthaltsort seiner Tochter in diversen Leichen versteckt sind. Eine davon befindet sich auch auf Helgoland, weshalb Paul mit der verängstigten Comiczeichnerin Linda die Hinweise per Telefon in den toten Körpern suchen muss.

So weit, so bizarr. Gut bizarr. In bekannter Fitzek-Marnier werden von Anfang an verschiedenste Handlungsstränge angefangen, die dann erst am Ende zu einem wie immer überraschenden - und ein wenig konstruiert wirkenden - Gesamtbild verschmelzen. Wie immer spielt Fitzek geschickt mit den Lesererwartungen, hält Formulierungen bewusst vage, sodass der Leser die falschen Schlüsse ziehen muss und am Ende auf jeden Fall überrascht wird. 
Der Schreibstil ist wie gewohnt rasant, legt enorm Tempo vor und die kurzen Kapitel mit den Cliffhangern am Ende tragen ihren Teil zum Spannungsaufbau bei. 

Trotzdem bin ich in die Handlung nie wirklich so eingetaucht, wie ich es mir gewünscht hätte. Ich weiß nicht, ob es an den sehr expliziten Szenen des Sezierungsvorgangs gelegen hat, die die Handlung doch des öfteren unterbrochen haben, denn eigentlich fand ich gerade, dass diese Szenen der Geschichte erst die Würze gegeben haben. Was auch immer es war, so richtig Fahrt nahm die Handlung einfach nicht auf.

Dennoch war das Buch äußerst interessant zu lesen, auch wenn ich den gewünschten Thrill-Effekt ein wenig vermisst hab. Für zarte Nerven ist es stellenweise allerdings nichts, da es manchmal doch sehr blutig zugeht. Diesmal lag der Fokus mehr auf den Körpern und weniger auf der Psyche der Figuren und damit auch der Leser. Ich glaube, das ist das, was mich ein bisschen gestört hat. Trotzdem gibt es grade so noch 4 Wölkchen.

11.10.2015

[Gerede] Youtube ist halt auch nicht besser als RTL

Vor einiger Zeit gehörte es auf Youtube zum guten Ton der Webvideomacher, in regelmäßigen Abständen Witze über RTL in ihren Videos unterzubringen. Und mit Witzen meine ich mal mehr und mal weniger humorös eingepackte Kritik an der Art der Programmgestaltung der privaten Fernsehsender, für die RTL nur symbolisch als Repräsentant herhalten muss. Wohl auch deshalb, weil dieser Sender mit einigem Abstand die Riege der geistlosen TV-Formate, die nicht nur einfach keinen Inhalt, sondern als Ausgleich eiskalt kalkuliertes Vorführen offensichtlich nicht vollständig zurechnungsfähiger Menschen liefern, anführt.

Mittlerweile macht niemand mehr Witze über RTL.
Zumindest ist mir seit längerer Zeit kein entsprechender Kommentar mehr in einem Youtube-Video aufgefallen. Und ich weiß nicht, ob es ein positives oder doch eher negatives Licht auf meine Person wirft, wenn ich sage, dass ich wahrscheinlich leider die allermeisten Videos der größeren deutschen Youtuber sehe - einfach auf Grund der Tatsache, dass ich viel zu viel Zeit im Internet allgemein und mit unnötigen Dingen im speziellen verschwende.

Schaut man sich die Formate der Kassenschlager an, erkennt man eine eindeutige RTL-ifizierung, die ich hier pseudo- und populärwissenschaftlich als den Grund für besagten Witzerückgang anführen möchte. Nach dem Motto "Wer im Glashaus sitzt, sollte lieber nicht mit Steinen werfen" halten sich Leute, die sich früher in einem eindeutigen Abgrenzungsverhalten gegen Fernsehsender wie RTL ausgesprochen haben, in dieser Beziehung nun eher bedeckt. Haben sie plötzlich einfach das Interesse verloren oder sind sie es leid, immer die ein und selben Witze zu wiederholen? Was letztere Frage angeht, kann man sie, denke ich, ohne großartige Reflektion pauschal mit "nein" beantworten: wenn Youtube vor einer Sache ganz sicher nicht zurückschrecken, dann davor, ständig das gleiche zu sagen und zu tun.
Die Frage nach dem verlorenen Interesse ist da schon schwieriger zu beantworten, schließlich bin ich weder Psychoanalytikerin noch beherrsche ich die Kunst der Telepathie. Dennoch wage ich die steile These, dass es nicht unbedingt an mangelndem Interesse, sondern an abhanden gekommenem Abstraktionsvermögen liegt, das dazu führt, dass weder der Content fremder Sender, noch - und das ist das Tragische an der Geschichte - der eigene Content kritisch überdacht wird.
 Die Grenze zwischen dem verwirrten Bauern, die alliterationsreich mit diversen Frauen verkuppelt werden soll und dem kreischenden Trio, das Hotelzimmer verwüstet oder dem Möchtegern-Modedesigner, der Kindergartengekrikel als Mode verkaufen will, liegt meiner Meinung in puncto Zurrechnungsfähigkeit kein großer Unterschied.

Denn wenn doch, müssten einige der hier erwähnten Leute - und noch einige andere mehr - längst metertief im Boden versunken sein.

Es gibt gute Kanäle auf Youtube. Es gibt auch gute Fernsehsendungen. Es scheint nur einfach die Prämisse zu gelten: folgst du der Masse, verlierst du deine IQ-Punkte. Denn das, was viel angeschaut wird, ist purer Müll. Da nehmen sich RTL und Youtube wirklich nicht viel.

06.10.2015

[Rezi] Cassandra Clare - Clockwork Princess

Erscheinungsjahr: 2013
Originaltitel: The Infernal Devices. Book Three. Clockwork Princess
Genre: Jugend, Fantasy
Reihe: Die Schattenjägerchroniken, Teil III
Seitenzahl: 604

Teaser:
Doch Tessa nahm bereits ihre ganze kraft zusammen und konzentrierte sich auf ihre Beine, so wie sie es gelernt hatte. Und als sie mit voller Wucht gegen die Tür Trat, hörte sie, wie das Schloss unter dem Aufprall nachgab und Mrs Black einen Wutschrei ausstieß.

*Achtung!*Spoileralarm!*Achtung!*Spoileralarm!*Achtung!*Spoileralarm!*

Handlung
Man muss im Leben ja bekanntlich Prioritäten setzen. Und weil Mortmain schon seit einiger Zeit im Untergrund verschwunden ist und auch seine Roboter-Clockwork-Maschinen sind nicht mehr aufgetaucht. Deshalb konzentrieren sich die Bewohner des Londoner Schattenjägerinstitus nun auf die Hochzeit des Jahres: Jem und Tessa wollen so schnell wie möglich zu Mann und Frau erklärt werden. Dabei scheint Jem aus der Beziehung mit Tessa tatsächlich körperliche Kraft zu schöpfen, denn er ist so fit wie schon lange nicht mehr.
Doch wie aus heiterem Himmel überfallen einige der Maschinen das Institut, überrumpeln die Bewohner und entführen Tessa aus dem Kampfgetümmel heraus. Denn obwohl Mortmain nicht auffällig geworden ist, hat er mittlerweile alles arrangiert, um seine Pläne zu verwirklichen und Tessa ist der einzige Baustein, der ihm noch fehlt. Während Tessa also gezwungenermaßen auf dem Weg zu Mortmain ist, wurde Jem in dem Kampf so schwer verletzt, dass er um sein Leben bangt. Will ist hin und her gerissen: soll er Tessa nachreiten oder bei seinem Parabatai bleiben wie der Schwur es verlangt?
Nebenbei verhandeln die beiden Oberhäupter der Schattenjägergemeinschaft - der Konsul und der Inquisitor - um den Nachfolger des ersteren, denn dieser wird in naher Zukunft in Rente gehen.

Meine Meinung
Zugegebenermaßen hatte ich an diesen Teil höhere Erwartungen als an Teil 1 und 2, weil in diesen Vorgängerbänden einige Aspekte angelegt wurden, die gut ausgearbeitet richtig spannend hätten werden können. Tjaaaaaa nun. So richtig warm bin ich dann leider doch nicht mit dem Buch geworden. Und zwar so sehr nicht, dass ich bei meiner Wertung fast unter die 3 Wölkchen gekommen wäre. Aber das Ende hat es dann irgendwie wieder rausgerissen. Zwar nicht, weil es weniger konstruiert ist als der Rest der Geschichte, sondern einfach, weil ich damit wirklich nicht gerechnet habe und dieser Twist eine Würdigung verdient hat.

Meine Kritik zu den flachen Charakteren aus den letzten Bänden kann ich ein bisschen relativieren; vor allem die Nebencharaktere wie Charlotte oder Gabriel sind wieder so angelegt, dass sie sich stark entwickeln und deshalb spannend zu verfolgen sind. Und auch Will, der meiner Meinung nach der einzige Hauptcharakter ist, der der Bezeichnung "Charakter" überhaupt gerecht wird, emanzipiert sich weiter von seinem alten Ich, das er sich zugelegt hatte, als er noch dachte, er stünde unter einem bösen Dämonenfluch. 

Diese ganze Geschichte um die Hochzeit und das entstandene Liebesdreieck zwischen Will, Jem und Tessa fand ich ja von Anfang an sehr überzogen und gerade in diesem Buch, wo alles auf den großen Showdown zusteuert, wurde es mir einfach zu pathetisch. Nach wie vor bin ich der Meinung, dass das Setting nur aus dem Grund ins 19. Jahrhundert platziert wurde, damit eben diese krasse Bindung an einen Menschen durch die Verlobung - die ja, da kann man sagen, was man will, vor 100 Jahren durch gesellschaftlichen und religiösen Druck viel großer war als heute in der Gegenwart - sozusagen überindividuell geregelt ist und der ganze Herzschmerz noch unausweichlicher ist als sowieso schon. Denn abgesehen von dem klassischen Rollenmodell, in dem sich alle Figuren so ein bisschen bewegen, und dass sie in Kutschen statt in Autos durch die Gegend gondeln, gibt es da nicht viel, was ins 19. Jahrhundert passt. 
Allgemein war mir liebestechnisch alles viel zu sehr konstruiert - auch und vor allem mal von unserem Liebesdreieck abgesehen.

Wenn wir diesen Aspekt der Geschichte aber mal außer Acht lassen, ist der restliche Handlungsverlauf richtig spannend. Mortmain ist eine ziemlich tragische Figur und ich finde, er hätte ein bisschen stärker ausgearbeitet werden können, sodass die Grenzen von schwarz und weiß noch etwas mehr verwischt worden wären.
Der Schreibstil ist auch ganz nett - ein bisschen ausschweifend an der einen oder anderen Stelle, aber insgesamt entspannt zu lesen.

Mein Gesamtfazit ist etwas weniger streng, als es meine Kritik vermuten lässt, denn trotz allem war es eine solide Geschichte, die definitiv ihre guten Momente hatte. Das Ende vor allem - das hat mich trotz allem ein paar Tränchen gekostet und die Wertung deutlich nach oben gerissen. Deshalb gibt es gerade so noch 3 Wölkchen von mir.


02.10.2015

Leserückblick September 2015

Im September hatte ich wirklich einen Lauf. Das kann man vor allem im Vergleich zu den vorhergehenden Monaten wirklich sagen, denn ich habe meinen Jahresrekord gebrochen. Und das, obwohl ich vor kurzem noch in einer fetten Leseflaute und aktuell mitten in meiner Master-Arbeit stecke. Aber letzteres ist ja vielleicht sogar ein bisschen förderlich gewesen - schließlich lese ich sowieso schon den ganzen Tag, sodass ich extrem im Training bin und vür meine Verhältnisse echt flott voran komme momentan.
Oder aber mein erhöhter Bücherkonsum ist der Tatsache geschuldet, dass momentan alle meine Lieblingsserien keine neuen Folgen abliefern, weil die die erst drehen müssen. Also wirklich, das hätte man echt besser planen können, anstatt mich jetzt in einer Dürreperiode versauern zu lassen und ab April 2016 dann mit diversen neuen Staffeln diverser grandioser Serien zuzuballern, die ich doch dann sowieso nicht alle gleichzeitig gucken kann. First World Problems sind manchmal wirklich grausam. Kommen wie lieber schnell zu was schönem: der Statistik! :D

Gelesen
Juli Zeh - Adler und Engel (*Rezi*)
Peter Behrens - Das Gesetz der Träume (*Rezi*)
Clarissa Clare - Clockwork Angel (*Rezi*)
Jennifer L. Holm - Bosten-Jane-Reihe (*Reihen-Rezi*)
Clarissa Clare - Clockwork Prince (*Rezi*)

In Seiten
2873

Durchschnittsbewertung
3,9 Wölkchen

Highlight des Monats
Unangefochten alle drei Boston-Jane-Bücher. Ich liebe sie einfach♥

Enttäuschung des Monats
Wenn auch kein schlechtes Buch, hatte ich mir von Das Gesetz der Träume ein bisschen mehr erhofft. 

In Bildern



Wer hätte gedacht, jemals nochmal so eine lange Bilderreihe zu sehen? Schön. Der September war einfach ein schöner Monat. Nicht nur buchtechnisch, auch generell war ich rundum glücklich. Muss man sich auch mal vor Augen führen.
Auf einen ebenso glücklichen Oktober allerseits! :)