14.10.2015

[Rezi] Sebastian Fitzek / Michael Tsokos - Abgeschnitten

Erscheinungsjahr: 2012
Genre: Thriller
Seitenzahl: 393



Teaser:
Es dauerte noch eine Weile, bis Eder sich wieder gesammelt hatte, dann war der Moment gekommen, vor dem Linda sich fürchtete, seitdem sie hier unten im Keller stand: Vorhin am Strand hatte sie die Leiche nicht berühren müssen. Jetzt würde ihr das nicht länger erspart bleiben.



Handlung
Linda hat eigentlich wirklich schon genug Probleme. Seitdem sich ihr Ex-Freund Danny als psychotischer, gewalttätiger Stalker entpuppt hat, lebt sie in permanenter Angst. Deshalb ist sie nach Helgoland gereist, von wo die meisten Leute gerade überstürzt abreisen, denn ein furchtbarer Sturm braut sich zusammen, sodass die Insel für einige Zeit vom Festland abgeschnitten sein wird. Nur ein paar weniger Anwohner und eben Linda harren dort aus. Und als würde das noch nicht reichen, stolpert sie am Strand im wahrsten Sinne des Wortes über eine Leiche. Doch damit sind die surrealen Verrücktheiten noch lange nicht vorbei - oh nein. Linda lässt sich von einem Paul Herzfeld übers Telefon dazu überreden, den Toten nicht nur in die Pathologie des leeren Inselkrankenhauses zu schaffen, sondern ihn auch noch zu sezieren - Anweisungen per Telefon entgegennehmend.

Meine Meinung
Von Fitzeks Thrillern verspreche ich mir ja immer einiges. Und an diesen hier hatte ich ganz besondere Erwartungen, ist er doch in Zusammenarbeit mit dem Rechtsmediziner Tsokos entstanden, was mich auf ein ganz besonderes Leseerlebnis hoffen lies. Und auch, wenn ich mit der Handlung leider nicht vollständig warm werden konnte, hat das Duo hier einen soliden Thriller abgeliefert, gespickt mit medizinischen Details.

Der Rechtsmediziner Paul Herzfeld findet bei der Obduktion einer Frauenleiche die Handynummer seiner 17-jährigen Tochter Hannah, die offensichtlich von einem kranken Typen entführt worden ist, dem es ein perverses Vergnügen bereitet, für den verzweifelten Vater eine Schnitzeljagd zu arrangieren, bei der neue Hinweise zum Aufenthaltsort seiner Tochter in diversen Leichen versteckt sind. Eine davon befindet sich auch auf Helgoland, weshalb Paul mit der verängstigten Comiczeichnerin Linda die Hinweise per Telefon in den toten Körpern suchen muss.

So weit, so bizarr. Gut bizarr. In bekannter Fitzek-Marnier werden von Anfang an verschiedenste Handlungsstränge angefangen, die dann erst am Ende zu einem wie immer überraschenden - und ein wenig konstruiert wirkenden - Gesamtbild verschmelzen. Wie immer spielt Fitzek geschickt mit den Lesererwartungen, hält Formulierungen bewusst vage, sodass der Leser die falschen Schlüsse ziehen muss und am Ende auf jeden Fall überrascht wird. 
Der Schreibstil ist wie gewohnt rasant, legt enorm Tempo vor und die kurzen Kapitel mit den Cliffhangern am Ende tragen ihren Teil zum Spannungsaufbau bei. 

Trotzdem bin ich in die Handlung nie wirklich so eingetaucht, wie ich es mir gewünscht hätte. Ich weiß nicht, ob es an den sehr expliziten Szenen des Sezierungsvorgangs gelegen hat, die die Handlung doch des öfteren unterbrochen haben, denn eigentlich fand ich gerade, dass diese Szenen der Geschichte erst die Würze gegeben haben. Was auch immer es war, so richtig Fahrt nahm die Handlung einfach nicht auf.

Dennoch war das Buch äußerst interessant zu lesen, auch wenn ich den gewünschten Thrill-Effekt ein wenig vermisst hab. Für zarte Nerven ist es stellenweise allerdings nichts, da es manchmal doch sehr blutig zugeht. Diesmal lag der Fokus mehr auf den Körpern und weniger auf der Psyche der Figuren und damit auch der Leser. Ich glaube, das ist das, was mich ein bisschen gestört hat. Trotzdem gibt es grade so noch 4 Wölkchen.

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