31.12.2015

Silvester-, Neujahrs- und Rückblicksblabla

08:30 0 Comments
Da es ja schon keine lieben Weihnachtswünsche an meine liebste Leserschaft gab, hole ich hiermit meine Verpasste Eingliederung in die Blogger-Ritualien nach und reflektiere bzw referiere ein bisschen über das vergangene Jahr 2015.

Eigentlich käme hier nun lediglich ein büchriger Rückblick, aber da ich die letzten drei Monate im Grunde genommen genau ein Buch beendet habe, käme mir das nun lächerlich vor. Auch wenn das Bücherjahr 2015 insgesamt gar nicht so unzufriedenstellend war. 
Dennoch blicken wir ganz kurz zu den Büchern, denn ich möchte meine Top3-Bücher des Jahres 2015 bekanntgeben. Wie das so ist bei meinem durchmischten Geschmack sind sie alle aus verschiedenen Genres und haben mich auf die eine oder andere Art beeindruckt, beschäftigt und berührt.

Unangefochtener Sieger ist für mich in diesem Jahr der liebe Herr Eco mit seinem "Foucaultschen Pendel" gewesen. Warum?

Wochenlang schon freue ich mich darauf, endlich diese Rezi schreiben zu können. Denn schon nach dem ersten Drittel zeichnet sich die Genialität dieses Werkes ab. Es ist ein Feuerwerk! Ein Fest! Eine absolute Freude dieses Buch zu lesen!
(Zitat aus der Rezi)

Keine leichte Lektüre, aber wenn man sich darauf einlässt, dem ganzen eine Chance gibt, und eine Vorliebe für postmoderne Literatur hat, ist dieses Buch ein absoluter Lesegenuss! ♥


Auf Platz Zwei ist ebenfalls ein ganz schöner Wälzer; allerdings mit einer völlig anderen Thematik und einem wesentlich eingängigeren Stil. Mein Fazit direkt nach dem Lesen lautete:

Das Lesestündchen jeden Abend war immer ein bisschen wie nach Hause kommen, weil man viele Figuren von Geburt an begleitet und ihre Entwicklungen beobachten kann. Deshalb war ich auch ein bisschen traurig, als das Buch dann doch irgendwann dem Ende zuging. Einen so gut recherchierten historischen Roman habe ich lange nicht mehr gelesen.
(Zitat aus der Rezi)

Ein absolut tolles Buch, auf dessen Fortsetzungen ich mich schon total freue und die sicher auf der Leseliste für das kommende Jahr stehen!


Und hier stellvertretend auf dem Treppchen der erste Teil meiner liebsten Jugend-Trilogie, die ich dieses Jahr gelesen habe. Ursula Poznanski rockt einfach.

Leute, diese Reihe hat mich völlig geschafft. Ständig taucht ein neues Teil auf, das eine Verschwörung-Verschwörungs-Verschwörung aufdeckt und immer mehr Blick auf die Hintergründe freigibt, die so viel weitere Kreise ziehen, als die Sphäre Vienna oder der Clan der Schwarzdornen.
(Zitat aus der Rezi zum 3. Teil)

Dieses Jahr hat sich bei mir eine regelrechte Abneigung gegen Jugend- oder YA-Literatur entwickelt, weil Charaktere und Storys doch meistens sehr platt sind. Aber dieses hier rettet die Ehre des gesamten Genres!


Soviel also dazu. Ansonsten hat der Blog vor allem im letzten Halbjahr leider ziemlich geruht und ich denke, das wird sich auch noch eine Zeit lang so fortsetzen. Dennoch versuche ich, bei euch weiterhin fleißig zu lesen und freue mich nach wie vor über Kommentare (die ich irgendwann beantworte! Irgendwann!)
Was waren eure Lese-/Film-/Serienhighlights im letzten Jahr? Und kennt ihr die Bücher, von denen ich oben rumschwärme?

Ich wünsche euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr, ein zauberhaftes Silvester und einen tollen Start ins Jahr 2016! ♥

27.12.2015

[Musik] Sonntagslieder #131

17:03 0 Comments
Weihnachten kommt erst schleichend, steht dann plötzlich vor der Tür und ist genauso plötzlich wieder vorbei. So würde ich zumindest empfinden, wenn nicht im elterlichen Wohnzimmer noch bis mindestens Ende Januar der kunterbunt geschmückte Tannenbaum als allgemeine Raumdekoration stehen würde. Dennoch sind natürlich die Feiertage nun vorbei und am morgen beginnt wieder der Alltagstrott - nur noch unterbrochen durch das neue Jahr und ab dann wieder gänzlich im Haus des Wahnsinns angelangt. Ein bisschen freue ich mich allerdings darauf, waren doch die letzten Monate alles andere als alltäglich und auch für den Jahresanfang sind wieder einige Ausbrüche aus der Routine geplant. Aber was auch immer kommt, Weihnachten war wie jedes Jahr die ideale Gelegenheit, alles ruhen zu lassen und nun bald mit neuer Energie und erhöhter Motivation anzupacken. Und deshalb kann und werde ich noch nicht damit aufhöre, Weihnachtslieder zu hören. Denn tatsächlich habe ich sie noch nicht satt. Und ihr hoffentlich auch nicht ;)


Under the Christmas Tree
Bob Gulley


Liebste Textstelle:
The songs I love on the radio
The people I love on the way
I'm wishing once again the world could always be
a holiday, just a holiday!


Ich komm' jetzt heim
Tonbandgerät


Liebste Textstelle:
Ich bin gestolpert, bin geflogen,
War weit unten und ganz oben,
Ich bin viel zu lange auf den Beinen,
Ich komm' jetzt heim.


Always look on the bright sight of Life
Monty Python


Liebste Textstelle:
If life seems jolly rotten there's something you've forgotten
And that's to laugh and smile and dance and sing
When you're feeling in the dumps don't be silly chumps
Just purse your lips and whistle, that's the thing


Gerade, wenn Freunde und Familie in alle Himmelsrichtungen verstreut sind, ist es besonders lustig und toll, sie zu so einer sentimentalen Zeit wie Weihnachten alle auf einem Haufen zu haben. Dieses Jahr war es wirklich ganz besonders schön, und auch die alte Familientradition, an einem der beiden Feiertage "Das Leben des Brian" zu schauen, wurde wieder aufleben lassen. 
Ich hoffe, ihr habt auch ein paar schöne Tage verbracht und seid nun bereit dafür, ins neue Jahr zu tanzen!♥

13.12.2015

[Musik] Sonntagslieder #130

12:58 2 Comments
Da ich mir für die kommenden Blog-Einträge vorgenommen habe, nicht zu jammern und allgemein keine negative Stimmung zu verbreiten. Daher wechsele ich nun einfach die Perspektive und schreibe den Mecker-Text, den ich schon im Kopf hatte, ein bisschen um. Denn: ich bin noch überhaupt nicht in Weihnachtsstimmung. Aufgefallen ist mir das gestern, als mir bewusst wurde, dass es nur noch runde zehn Tage bis Heiligabend sind und ich weder das Bedürfnis nach meinen weihnachtlichen Nagellacken verspürte, noch kleine Geschenkchen für alle Leute in meinem Umfeld kreiere und schön verpacke und! noch nicht einmal eine Weihnachtsplaylist angelegt habe. Die aus dem letzten Jahr ist leider mit meiner geschrotteten Festplatte ins Nirvana eingezogen, sodass es einfach keine solche Playlist gibt. Meiner messerscharfen Analyse zufolge liegt dieses Versäumnis hauptsächlich im fehlenden Schnee begründet. Und bei genauer Betrachtung ist das eigentlich wirklich positiv, denn es ist nicht kalt. Nicht kalt ist gut. Ich hatte in diesem gesamten Winter noch keine Blasenentzündung, die Busse kommen so pünktlich wie immer, weil sie nicht von einzelnen Schneeflocken am Fahren gehindert werden und dennoch ist es kühl genug, damit alle Stechmücken etc von der Bildfläche verschwunden sind. Wenn das mal nicht ein wahres Weihnachtswunder ist.
Aber trotz allem habe ich mir vorgenommen, ab morgen an meiner Einstellung zu arbeiten. Schließlich liebe ich Weihnachten eigentlich über alles, wenn es nicht gerade vom Stress überlagert wird. Also gilt es jetzt, eine Playlist zu erstellen, die Geschenkeproduktion hochzufahren und schnell noch ein paar Kärtchen zu verschicken. Eine Woche ist schließlich noch Zeit, um das ohne großartige Hektik erledigen zu können - das sollte reichen. Aber heute gelten noch die alten Maßstäbe. Und damit auch die alte Playlist. Hier meine liebsten Lieder dervergangenen Zeit:

Schunder Song
Die Ärzte


Liebste Textstelle:
Ich bin nicht stark und ich bin kein Held,
doch was zu viel ist, ist zu viel.
Für deine Aggressionen war ich immer das Ventil [...]
Immer mitten in die Fresse rein!


Mr. Brightside
The Killers


Liebste Textstelle:
But it's just the price I pay
Destiny is calling me
Open up my eager eyes
'Cause I'm Mr. Brightside


The Show Must Go On
Queen feat. Elton John


Liebste Textstelle:
The Show must go on.
Inside my heart is breaking,
My make-up will be flaking,
But my smile still stays on.


Weihnachtlich ist es wirklich alles so kein bisschen. Aber das kommt. Nummer eins läuft im Moment nicht nur sehr oft bei mir zu Hause, sondern auch immer wieder auf der Arbeit, wenn ich nett und freundlich mit anstrengenden Kunden spreche und/oder mich von diesen zusammenfalten lasse. Ebenso wie Nummer 2. Die richtige Musik hilft halt gegen alles. Selbst gegen unglaublich hohe Frustrationsraten.
In diesem Sinne einen entspannten Sonntag und vor allem einen schönen 3. Advent!♥

07.12.2015

[Rezi] Walter Moers - Die Stadt der träumenden Bücher

22:13 4 Comments
Erscheinungsjahr: 2004
Genre: Phantastik
Reihe: Zamonien-Reihe, Band IV
Seitenzahl: 455


Teaser:
"Die größte aller Gefahren? Hier? Wo? Wo ist sie?" Ich sah mich panisch um, nach einer fetten Schlange oder einer giftigen Tunnelspinne, aber da war nichts. "Sie steckt in dir", sagte der Homonkoloss. "Die Furcht."





Handlung
Hildegunst von Mythenmetz gehört zu einem von der Natur reich beschenkten Volk - zumindest, wenn man das geschriebene Wort verehrt. Denn Lindwürmer wie er können alle außnehmend gut mit Sprache umgehen, sodass sie allesamt Literaten, Schriftsteller und Dichter sind. Hildegunst ist mit seinen 70 Jahren noch ziemlich jung und erlernt das Dichterhandwerk daher gerade erst noch. Unterstützt wurde er dabei traditionsgemäß von seinem Dichtpaten Danzelot. Nachdem dieser leider verstorben ist, macht Hildegunst sich auf den Weg, um in Zamonien mehr über die Welt und das Leben zu lernen und mit diesem Wissen bald sein erstes eigenes Buch verfassen kann. Danzelot hat ihm zwar wenig materielles vererben können, aber dennoch war etwas sehr Wertvolles unter den Hinterlassenschaften; ein Schriftstück mit einer Geschichte so wundervoll, bewegend, fesselnd und virtuos geschrieben, wie es noch nie zuvor jemand zu Papier bringen konnte.
Hildegunst macht sich also auf den Weg, um den genialen Verfasser des Textes zu finden. Sein Weg führt ihn direkt nach Buchhain, die Stadt der Bücher. Wenn er hier nicht fündig wird, dann wohl nirgendwo.

Meine Meinung
Wo soll ich bei der Motivvielfalt, die dieses Buch durchzieht, bloß anfangen mit meinem Loblied? Denn der folgende Text wird genau das sein: Ausdruck meiner Begeisterung für diese liebenswerte Geschichte, die mich zu hildegunst nach Zamonien gebracht und dort eine zeitlang großzügig beheerbergt und vorzüglich unterhalten hat.

Hildegunst von Mythenmetz, der fingierte Autor des Textes, ist der Ich-Erzähler und als solcher Hauptidentifikationsfläche. Weil er ein ziemlich komplex angelegter Charakter ist, gelingt diese Identifikation auch sehr gut; seine Persönlichkeit umfasst facettenreiche Eigenschaften, die von herablassend, neugierig und unglaublich naiv bis hin zu empathisch und leidenschaftlich ist alles dabei.
Generell die Figuren - ein Traum! Nicht nur, dass sie an sich sowohl von einer umfassenden Literaturkenntnis des Autors sprechen, sie sprechen auch gestalterisch von unglaublich viel Fantasie und Liebe zum Detail. Außerdem sind sie charakterlich toll angelegt, dass ich mich über jede auftauchende Spezies riesig gefreut habe. Meine unangefochtenen Helden allerdings sind und bleiben die vielleicht doch nicht ganz so schrecklichen und von vielen anderen Lesern des Buches geliebten Buchlinge♥

Relativierenderweise muss ich gestehen, dass sich ein Leserausch bei mir erst im letzten Drittel eingestellt hat, ansonsten haben die zahlreichen genauen Beschreibungen von Umgebung, Gefühlen und Geschichten durchaus ihre Längen. Aber aufmerksames Lesen lohnt sich trotzdem - ist doch alles gespickt mit massenweisen Anspielungen und Reflexionen zur Literaturproduktion. Im Grunde ist das Buch wie ein Spiegel von einem Buch - ein Spiegelbuch sozusagen - über den Schaffensprozess bis zu den Gesetzmäßigkeiten des Buchmarktesalles thematisiert.

Wunderschön ist nicht nur der Text an sich, sondern auch die tollen Illustrationen, die Moers selbst angefertig hat und die der Geschichte nochmal eine ganz eigne Art von Leben einhauchen.

Insgesamt wurde ich sehr sehr gut unterhalten und vergeben daher gerne 4 Wölkchen inklusive einer großen großen Leseempfehlung. Es ist zwar ein dickes Buch mit ein paar Längen, aber es lohnt sich, diese zu besiegen.


03.12.2015

Der Irrsinn hat einen Namen. Oder: Willkommen im Einzelhandel

23:13 7 Comments
Die ohrenbetäubende Stille, die sich hier breit macht, ist natürlich trotz gegenteiliger Vorsätze und Ankündigungen mehrmals der inhaltliche Aufhängers eines Posts geworden. Aber viel wichtiger und vor allem viel gehaltvoller ist doch der Grund für diese Stille. Denn natürlich gibt es einen. Es gibt immer einen Grund. Oder mehrere. Kausal betrachtet sind es auch in diesem Fall mehrere Gründe, die sich in einem ganz spezifischen Phänomen konglumieren: dem Einzelhandel zur Vorweihnachtszeit *bam bam baaam*

Wie natürlich niemand weiß, überziehe ich zur Zeit fröhlich die Regelstudienzeit (unter Zeitdruck kann ich zwar arbeiten, aber es macht mit keinen Spaß. Und ob das jetzt streberhaft klingt oder nicht - die Master-Arbeit soll mir Spaß machen und tut es auch. Zeitweise nicht. Aber auch.) und damit setzte mich das BAFöG-Amt eiskalt und herzlos vor die Tür. Aber weil das hier keine Tirade über die unflexiblen Gestaltung der Fördermaßnahmen des BAFöGs werden soll - denn im Vergleich zu anderen Ländern sind wir in Deutschland doch meistens noch ganz gut unterstützt - kommen wir nach dieser Info direkt zum Knackpunkt: für Geld tut man vieles. Manche Leute drehen Pornos, andere tragen Zeitungen aus und wieder andere versuchen sich als Youtube-Online-Star. Jeder nach seinem persönlichen Narziss, seinem Gusto und idealerweise nach seinen Talenten. Selbige habe ich vermutlich in durchschnittlich höher (oder niedriger) Anzahl; wie auch immer geartete Arbeit vor der Kamera oder mit Printmedien gehört nicht dazu. Also bleiben als kurzfristige Geldbeschaffungsmaßnahme zwei Möglichkeiten: Gastro oder Einzelhandel. Und weil ich nicht nur außnehmend talentiert bin, wie wir geklärt haben, sondern auch noch unglaublich intelligent, hatte ich die grandiose Idee, über die Vorweihnachtszeit als Aushilfe in einem mehr oder weniger bekannten und verbreiteten Laden im ortsansässigen Einkaufszentrum anzuheuern.

Ich möchte nicht sagen, dass das die dümmste Idee war, die ich je hatte - direkt nach der Entscheidung, den Inhalt eines Aschenbechers zu essen, die ich als Zweijährige getroffen habe. Aber. Die Leute haben alle absolut einen an der Waffel. 
Wer mit Menschen arbeitet, weiß, wovon ich rede. Wer das nicht tut, erhält hier eine kostenlose Lektion aus dem Kunden-Knigge. Den es leider nicht gibt. Den es aber dringend geben sollte. Denn manche Leute denken wirklich, als Kunde sind sie König. Wenn sich Könige benehmen wie manche Kunden, gibt es eine Revolution. Fragt mal die Franzosen.

Aber gut. Um meinen seelischen Zustand besser nachvollziehen zu können, wende ich den guten alten Journalisten-Trick an und füttere den geneigten Leser mit Beispielen.
Beispiel 1: Kunden, die sich erst an der Kasse während des Kassiervorgangs nochmal anschauen, welchen Krimskrams sie da eigentlich seit zwei Stunden in ihrem Korb mit sich herumschleppen und dann eine Pro/Contra-Liste aufstellen, ob sie dieses oder jenes Teil nicht vielleicht doch lieber im Laden zurücklassen, aber es ist doch so niedlich, oder doch lieber in blau, oder ist das doch nichts für die Großmutter/Tante/Katze, aber ja, aber nein, aber doch. Währenddessen vervierfacht sich die Anzahl der in der Schlange wartenden Kunden, aber das lässt unseren Unentschlossenen völlig kalt, so versunken ist er in seinen Gedankengängen. Und die arme Person an der Kasse? Sucht verzweifelt nach einer höflichen Formulierung für "entscheid dich entweder sofort oder pack dein Zeug wieder ein, stell dich in die Ecke und komm erst zurück, wenn du weißt, was du willst". Fun Fact: es gibt keine höfliche Formulierung dafür. Es bleibt einem nur übrig, sein zuckersüßtes Lächeln aufzusetzen und geduldig abzuwarten, bis die Entscheidungsfindung abgeschlossen ist.
Beispiel 2: Kunden, die es nicht als notwendig empfinden, zu grüßen, sich zu bedanken, sich zu entschuldigen, wenn sie etwas kaputt machen oder generell soziale Interaktion mit den Angestellten für eine optionale, nicht weiter beachtenswerte Angelegenheit halten. Die schmeißen (und ja, ich meine schmeißen: mit Schwung und voller Absicht) dann auch gerne mal ihre Ware gleich gefolgt von der EC-Karte auf das Kassenpult und drehen sich dann sofort halb von der Kasse weg - dieser lästigen Person hinter der Kasse und dem Bezahlvorgang überhaupt offensichtlich und natürlich zu recht überdrüssig. In diesem Fall wende ich gerne meine bewährte je-unhöflicher-du-mich-behandelst-desto-ausgesucht-freundlich-aber-dumm-und-langsam-behandele-ich-dich-Methode an. Das erzwingt nämlich selbst von diesen Hobby-Soziopathen eine Reaktion. "So, der Schal soll es also sein?" - "Natürlich, sehr gerne. Wie möchten Sie zahlen, etwa mit EC-Karte (Subtext: oder ist die ihnen vielleicht nur aus Versehen aus der Hand gerutscht, was die verzeihlichere Variante wäre)?" - "Ach, den Vorgang hat die Kasse leider nicht akzeptiert, da müssen wir wieder von vorne anfangen" und so weiter. Die Variationsmöglichkeiten sind enorm. Um nicht zu sagen manigfaltig.
Beispiel 3: Kunden, die das Prinzip des Anstellens nicht verstehen. Und damit meine ich keine kleinen, gebeugten Omis mit ihrem Rollator, denen vielleicht der Überblick im Laden fehlt und die sich deshalb einfach irgendwie irgendwo anstellen. Die transportieren ja meistens nur Kleinigkeiten herum und sind daher schnell bedient. Ich meine Leute, die sich bewusst und mit einer Selbstverständlichkeit vordrängeln, weil sie zum Zug müssen/aufs Klo wollen/das Parkticket abläuft/der Hund nicht so lange allein sein kann/der Korb so schwer ist oder oder oder, das es wirklich schon frech ist. Diese Kunden sind mir aber dennoch fast die liebsten, weil es in diesem Fall weniger mir obliegt, sie in die Schranken zu weisen (was ich im Zweifel allerdings ebenso liebend gerne wie höflich und charmant lächelnd zum Wohle der Gemeinschaft tue), sondern es mehr an den zurückgedrängten Kunden selbst ist, ihre Position zu verteidigen und den Drängler in seine Schranken zu weisen. Und das beste daran: Kunden müssen zu Kunden nicht höflich sein. Die können sie gegenseitig so viel anmeckern, wie sie wollen. Und das kanalisiert dann unter Umständen meinen eigenen Mecker-Drang.

So könnte ich wirklich ewig weitermachen. Leute, die ihr ganzes Leben lang im Einzelhandel arbeiten, müssen hunderte Bücher mit den Absonderlichkeiten der Kunden füllen können. Ich belasse es allerdings fürs erste hiermit und möchte nur noch mit den Worten schließen, dass es mindestens genauso viele freundliche, unkomplizierte Kunden gibt wie besagte Pappnasen, mit denen man über den neuen 20€-Schein lästern und sich auf die Weihnachtsplaylist im Radio freuen kann. Und denen ist es auch zu verdanken, dass der Job Spaß macht. Denen und den Kollegen, die mit einem zusammen Pappkartons kleintreten, wenn es mal alles arg schlimm war und die Wut raus muss.