07.12.2015

[Rezi] Walter Moers - Die Stadt der träumenden Bücher

Erscheinungsjahr: 2004
Genre: Phantastik
Reihe: Zamonien-Reihe, Band IV
Seitenzahl: 455


Teaser:
"Die größte aller Gefahren? Hier? Wo? Wo ist sie?" Ich sah mich panisch um, nach einer fetten Schlange oder einer giftigen Tunnelspinne, aber da war nichts. "Sie steckt in dir", sagte der Homonkoloss. "Die Furcht."





Handlung
Hildegunst von Mythenmetz gehört zu einem von der Natur reich beschenkten Volk - zumindest, wenn man das geschriebene Wort verehrt. Denn Lindwürmer wie er können alle außnehmend gut mit Sprache umgehen, sodass sie allesamt Literaten, Schriftsteller und Dichter sind. Hildegunst ist mit seinen 70 Jahren noch ziemlich jung und erlernt das Dichterhandwerk daher gerade erst noch. Unterstützt wurde er dabei traditionsgemäß von seinem Dichtpaten Danzelot. Nachdem dieser leider verstorben ist, macht Hildegunst sich auf den Weg, um in Zamonien mehr über die Welt und das Leben zu lernen und mit diesem Wissen bald sein erstes eigenes Buch verfassen kann. Danzelot hat ihm zwar wenig materielles vererben können, aber dennoch war etwas sehr Wertvolles unter den Hinterlassenschaften; ein Schriftstück mit einer Geschichte so wundervoll, bewegend, fesselnd und virtuos geschrieben, wie es noch nie zuvor jemand zu Papier bringen konnte.
Hildegunst macht sich also auf den Weg, um den genialen Verfasser des Textes zu finden. Sein Weg führt ihn direkt nach Buchhain, die Stadt der Bücher. Wenn er hier nicht fündig wird, dann wohl nirgendwo.

Meine Meinung
Wo soll ich bei der Motivvielfalt, die dieses Buch durchzieht, bloß anfangen mit meinem Loblied? Denn der folgende Text wird genau das sein: Ausdruck meiner Begeisterung für diese liebenswerte Geschichte, die mich zu hildegunst nach Zamonien gebracht und dort eine zeitlang großzügig beheerbergt und vorzüglich unterhalten hat.

Hildegunst von Mythenmetz, der fingierte Autor des Textes, ist der Ich-Erzähler und als solcher Hauptidentifikationsfläche. Weil er ein ziemlich komplex angelegter Charakter ist, gelingt diese Identifikation auch sehr gut; seine Persönlichkeit umfasst facettenreiche Eigenschaften, die von herablassend, neugierig und unglaublich naiv bis hin zu empathisch und leidenschaftlich ist alles dabei.
Generell die Figuren - ein Traum! Nicht nur, dass sie an sich sowohl von einer umfassenden Literaturkenntnis des Autors sprechen, sie sprechen auch gestalterisch von unglaublich viel Fantasie und Liebe zum Detail. Außerdem sind sie charakterlich toll angelegt, dass ich mich über jede auftauchende Spezies riesig gefreut habe. Meine unangefochtenen Helden allerdings sind und bleiben die vielleicht doch nicht ganz so schrecklichen und von vielen anderen Lesern des Buches geliebten Buchlinge♥

Relativierenderweise muss ich gestehen, dass sich ein Leserausch bei mir erst im letzten Drittel eingestellt hat, ansonsten haben die zahlreichen genauen Beschreibungen von Umgebung, Gefühlen und Geschichten durchaus ihre Längen. Aber aufmerksames Lesen lohnt sich trotzdem - ist doch alles gespickt mit massenweisen Anspielungen und Reflexionen zur Literaturproduktion. Im Grunde ist das Buch wie ein Spiegel von einem Buch - ein Spiegelbuch sozusagen - über den Schaffensprozess bis zu den Gesetzmäßigkeiten des Buchmarktesalles thematisiert.

Wunderschön ist nicht nur der Text an sich, sondern auch die tollen Illustrationen, die Moers selbst angefertig hat und die der Geschichte nochmal eine ganz eigne Art von Leben einhauchen.

Insgesamt wurde ich sehr sehr gut unterhalten und vergeben daher gerne 4 Wölkchen inklusive einer großen großen Leseempfehlung. Es ist zwar ein dickes Buch mit ein paar Längen, aber es lohnt sich, diese zu besiegen.


Kommentare:

  1. Hallo!

    Ja, ich muss dir hier zustimmen. Das Buch hat deutliche Längen und trotzdem ist es ganz bezaubernd. Ich hatte ähnliche Eindrücke.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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    1. Total verrückt - eigentlich sind Längen bei mir ein Todesurteil. Aber hier passt es dann doch irgendwie rein :D

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  2. Nach deiner Rezi werde ich es mir definitiv demnächst kaufen und lesen. :)

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    1. Bin gespannt, was du dazu sagst! :)

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