11.12.2016

[Gerede] Überlegungen zu Ratgeberliteratur

15:59 5 Comments
Manchmal wehrt man sich vehement gegen Dinge und weiß eigentlich gar nicht so genau, warum. Meistens liegt das an Vorurteilen, die man gegen eben diese Dinge hegt und von denen man nicht loskommen kann oder möchte.

So geht es mir grundsätzlich mit so genannter Ratgeberliteratur oder Selbsthilfeliteratur. Zwar habe ich noch nie ein Buch gelesen, das in diese Kategorie passt, aber dennoch hege ich eine starke, offensichtlich unfundierte Abneigung dagegen. Dabei ist es vermutlich ebenso logisch zu sagen "Ich mag keine Ratgeberbücher", wie zu sagen "Ich mag keinen Salat" - einfach, weil es so viele verschiedene Salate gibt und es Unsinn ist, grundsätzlich alles abzulehnen, nur weil es eben Salat heißt.
Genauso verhält es sich auch mit der hier thematisierten Literatur, die ich Zeit meines Lebens immer nur schief angesehen habe. Ähnlich wie deren Leser. Und das ist gar kein böser Wille, aber Ratgeberbücher haben für mich einen sehr negativen Beiklang. Oder doch zwei. Zum Einen halte ich viele dieser Bücher einfach für unseriös. Titel wie "Kuriere dich selbst mit Heilerde" oder ähnliches lassen mich einfach an der Zurrechnungsfähigkeit des Autoren zweifeln. Abgesehen davon, dass ich es für gefährlich halte, Laien alternative Selbstbehandlungsmethoden vorzuschlagen - sei es physisch oder psychisch - weisen viele Autoren auch offensichtlich nicht die nötigen Kompetenzen auf, um solche Tipps zu geben.
Zum Anderen ist neben der Unseriösität der Autoren auch immer ein bisschen Stigmatisierung bei der Leserschaft im Spiel. Solche Bücher brauchen doch nur Leute, die nicht selbstständig und reflektiert genug sind. Oder die keine "echten" Ratgeber in ihrem Leben haben. Deshalb müssen sie auf Bücher zurückgreifen, um diese Lücken zu füllen. Oder nicht?
Natürlich nicht. Vielleicht sind es auch einfach Leute, die mal einen neuen Denkanstoß brauchen oder generell ihren Horizont erweitern möchten und mit Hilfe eines solchen Buches ihre Denkweise und Lebensführung nochmal mit ein wenig Abstand beleuchten wollen. Und das ist doch eigentlich nie verkehrt - wie gerade ich als Geisteswissenschaftlerin wissen müsste.

Wie komme ich eigentlich zu diesen Gedankengängen? Mir wurde ein Buch vererbt, das eindeutig in die Kategorie der Ratgeberliteratur fällt. Beim kurzen Durchblättern fand ich es tatsächlich ziemlich inspirierend. Ich werde es also auf jeden Fall lesen - zwar nicht mit dem Ziel, meine (eingebildeten oder realen) psychischen Probleme zu lösen, sondern aus Interesse. Keine Ahnung, ob der Autor kompetent ist, aber er scheint ganz spannende Sachen zu schreiben. Und am Ende ist es doch eigentlich egal, wer der Autor ist und warum man solche Bücher liest. Wenn sie einem irgendwas mitgeben, irgendjemandem helfen oder irgendwie zum Nachdenken anregen, dann haben sie - auch wenn es vermutlich nie zu meinem Lieblingsgenre gehören wird - doch durchaus eine Existenzberechtigung.

28.11.2016

[Gerede] Über Haken und To-Do-Listen

20:23 2 Comments
Bei meiner ersten Arbeitsstelle nach dem Abi hatte ich sehr schnell einen bestimmten Ruf weg. Während meine Kollegen ihre Rollen als gemütliche Büromama mit Kuchen für alle, als aufgeregter und übermotivierter Azubi oder tendenziell grummelige Organisationsqueen inne hatten, war in meinem Fall schnell klar: ich bin der verwirrte Listenfreak. Nicht eine Liste, nicht zwei Listen, im Durchschnitt zierten 5 - 8 Listen meinen Arbeitsplatz; mit Namen von Anrufern, zu erledigenden Dingen oder einfach Kritzeleien, die ich bei langweiligen Telefonaten anfertigte und nicht wegwerfen konnte. Schließlich waren das Kunstwerke und außerdem war auf dem Zettel noch eine Ecke frei, die beim nächsten Telefonat verziert werden würde. Man spart schließlich Papier.

Tatsächlich bin ich in der Beziehung ein wenig obsessiv. Zum Beispiel liegt gerade hier vor mir eine Liste mit To-Do's für diese Woche. Darauf steht, dass mal wieder ein semi-tiefgründiger, ein bisschen humorvoller und eben typisch ironischer Gelaber-Post auf diesem Blog erscheinen soll. Und vor allem, dass ich ihn heute schreiben muss. Heute. Es steht der Wochentag daneben. Und wenn das da steht, dann muss das auch so gemacht werden. Wo kommen wir denn sonst hin? Sonst herrscht hier bald Sodom und Gomorra und ich kann den Blog gleich an irgendwelche Hooligans verschenken, die über die Qualität von Schlagringen philosophieren. Nein, nein. 
Das Problem ist: Kreativität (so man es in diesem Fall den so nennen möchte) kommt leider nicht, weil es auf einer Liste steht. Manchmal kommt sie und manchmal leider nicht. Deshalb habe ich außerdem auch eine Liste mit Ideen für mögliche Posts vor mir liegen. Diese hätte ich eigentlich schon ausformuliert. Aber leider war ich zum Zeitpunkt der Erleuchtung gerade mit irgendeinem anderen Punkt auf irgendeiner anderen Liste beschäftigt und habe daher einfach die Kurzfassung in mein Büchlein geschmiert. Weil die Idee im Kopf so gut klang, und wenn ich sie da schon gehört habe, kann ich sie ja wohl auch irgendwann später wieder abrufen. Sie ist schließlich im Kopf. Und den habe ich ja eh immer dabei. 
Tja nun. Wie das Leben so spielt, sind die Worte verpufft, verschollen, verloren gegangen in den weiten Winkeln und Wirrungen der Synapsen und Nervenstränge meines Gehirns, sodass ich nun einfach hier sitze und Nonsens in die Tasten tippe, um gleich diesen bekloppten Punkt auf der Liste abhaken zu können.

Listen sind mein Segen und mein Fluch. Wie vielleicht deutlich wurde, ist mein Gehirn ein Sieb. Ohne Listen vergesse ich sofort alles. Wirklich alles. Es kommt manchmal vor, da denke ich in der Küche, dass ich noch Mehl auf die Einkaufsliste setzen muss, und wenn ich 6 Sekunden später mit dem Kulli schreibbereit vor besagter stehe, habe ich nicht mehr den leisesten Schimmer, was ich draufsetzen wollte. Meistens fällt es mir dann aber doch irgendwann wieder ein und ich kann es sofort outsourcen und festhalten, damit es nicht wieder wegflutscht. Deshalb sind Listen ein Segen.
Und Listen sind ein Fluch, weil sie furchtbar reduzieren. Sie reduzieren Gedanken auf wesentliche Stichworte, die vielleicht irgendwie Sinn ergeben, aber einfach keinen Pfeffer und irgendwie keine Seele mehr haben. Deshalb sind Einkaufslisten in Ordnung und Post-Idee-Listen nicht. Zumindest nicht, wenn man grade einer so unproduktiven Phase ist, dass nicht einmal mehr Teelichter und Räucherstäbchen helfen (side note: Räucherstäbchen helfen bei mir sowieso nicht. Ich besitze nichtmal welche. Vielleicht ist auch das das Problem. Kommt sofort auf die Einkaufsliste).

Jedenfalls ist es jetzt so, wie es nunmal ist. Und ich brauche heute ein Erfolgserlebnis und will diesen Haken hinter diesen Punkt auf dieser Liste setzen. Also geht das hier jetzt online. Da müssen wir halt alle durch.

13.11.2016

Sommerglück

12:07 2 Comments
Wir hatten einen Sommersong
mit perfektem Arrangement
Mit guter Laune ab dem ersten Ton
hat er uns sofort gepackt.

Ich hatte einen Sommersong
doch irgendwann
hörte man die schlecht gestimmte Geige schon
vor dem ersten Takt.

So ist das mit dem Sommersong
er klingt schön bei heiter Sonnenschein
doch verzerrt bei Donner. Hagel. Sturm.

Es gab mal einen Sommersong.
Jetzt ist es Herbst und die Melodie verklungen.

06.11.2016

[Gerede] Eine starke Meinung

15:07 2 Comments
Meistens stelle ich mich nicht in das Lager der Feminist*innen. Gendersternchen sind mir - abgesehen von ironischer Verwendung - ein Gräul und generell bin ich der Meinung, dass viele Angehörige dieser Gesamtgruppierung irgendwie frustriert und kleinkariert sind. Das ist keine böswillige Unterstellung, sondern mein persönlicher Erfahrungswert, der sich während vieler Jahre des Studiums diverser Geisteswissenschaften gebildet hat.

Nun ist es nicht so, dass ich ein Gegner des Ziels bin, Frauen und Männer gleichberechtigt vor Gesetz und Gesellschaft zu sehen und zu behandeln. Natürlich nicht. Ich bin schließlich selbst so eine. So eine Frau. Allerdings halte ich wenig von verschiedener feministischer wissenschaftlicher Arbeit, die meistens auf nur sehr schlecht verschleierter Zirkellogik basiert und durch abgehobene Versuche, naturwissenschaftliche Fakten philosophisch aufzulösen, nicht gerade zu einer Annäherung von Feminismus an den Rest der Gesellschaft beiträgt.
Außerdem hat der Feminismus auch einen wirklich staubigen Beigeschmack. Hört man dieses Wort, sieht man doch meistens kleine, tendenziell behaarte Wesen im Strickpulli vor sich, die wild gestikulierend Männer anpöbeln.
Oder man sieht Beyoncé, die tatsächlich der Meinung ist, eine Feministin zu sein. In Amerika scheint dieses Wort eine marginal andere Bedeutung zu haben als im Rest der Welt. Aber das ist ein anderes Thema.

Worauf ich eigentlich hinaus will, ist, dass ich Feminismus im ideellen Kern schon unlogisch finde, weil er auf genau der Differenzierung basiert, die er abschaffen will. Ich sehe mich nicht als Feministin, weil ich ganz natürlich davon ausgehe, dass Männer und Frauen gleichwertig sind. Weil Menschen halt einfach generell gleichwertig sind. Dass diese eine Einstellung an den Tatsachen nichts ändert, dass es nach wie vor eine Gender Pay Gap gibt und die konventionellen Rollenbilder in sehr vielen Köpfen stark verankert sind, ist mir durchaus bewusst. 
So musste ich kürzlich eine Diskussion mit einem schon länger und eigentlich guten Bekannten von mir führen, was den angemessenen Tonfall seiner Whatsapp-Nachrichten angeht. Dieser hatte sich in den letzten Wochen auf einem mir unsagbar unangenehmem Niveau festgesetzt. Und zwar derart, dass mein Bekannter bei einer Auge-in-Auge-Unterhaltung mindestens verbal, vermutlich aber auch körperlich, diverse Backpfeifen abbekommen hätte. Weshalb er seine Sprüche wahrscheinlich auch auf die digitale Kommunikation beschränkt hat. Da Diplomatie an ihm abschmettert - nicht, dass ich nicht versucht habe, das ganze locker-flockig zu entschärfen - mussten doch recht deutliche Worte her, um ihm klarzumachen, dass ich mit ihm weder über meinen Hintern noch über meine Brüste reden möchte, und eigentlich auch schonmal gar nicht will, dass selbige in seinem Kopf auftauchen. So ist das eben. Hat er auch eingesehen. Denn ich habe nun das Label Prüde Zicke.
Ich persönlich kann damit sehr gut leben. Finde aber zwei Dinge an dieser vergleichsweise doch profanen Situation bemerkenswert und vor allem auch auf eine größere Ebene übertragbar.
Erstens: Weil ich die Kommunikation speziell mit ihm nicht auf der geschilderten Ebene weiterführen möchte, bin ich prüde. Als relativ gefestigte Persönlichkeit kann ich diese Haltung mit einem Schulterzucken abtun, sehe sie aber als Teil eines weitreichenderen Problems. Es liegt nicht in der Berechtigung eines Mannes, zu beurteilen, ob und ab welchem Punkt sein Angebaggere nicht mehr angemessen ist. Aber ein großer Teil der Gesellschaft sieht das leider genauso. Dass das gerade junge Mädels unter Druck setzt und eventuell zu Handlungen verleitet, die ihre ganz persönliche Wohlfühlgrenze überschreiten, wundert mich dabei nicht. Diese Art von Sexismus ist so fest in unserer Gesellschaft verankert, dass man sich als Frau eigentlich schon daran gewöhnt hat. Und das ist nicht gut.
Zweitens: Zickig bin ich aus dem einfachen Grund, weil ich eine starke Meinung zu diesem Thema hatte und diese ebenso stark und unnachgiebig artikuliert habe. Auch das ist ein Phänomen, das bei Männern doch eher selten vorkommt. Würde ich behaupten. Männer, die eine starke Meinung haben, sind Alphatiere, die lassen sich die Butter nicht vom Brot nehmen und haben einfach die Eier, sich durchzusetzen. Total gut! Total bewundernswert! Bei Frauen ist eine ähnliche oder gleiche Handlungsweise dagegen schon ein bisschen lästig, oder? Ziemlich unbequem und richtig anstrengend. Und wer will schon eine anstrengende Frau sein? Die Antwort auf diese Frage ist: Jede Frau! Jede Frau sollte anstrengend sein wollen, wenn anstrengend bedeutet, zu den eigenen Überzeugungen zu stehen und sie auch zu verteidigen.

Gerade die Feministinnen, die in der Vergangenheit am lautesten in der Öffentlichkeit geschrien und getobt haben, waren also genau das: Frauen mit einer starken Meinung. Ob das negative Image des Feminismus mit der Unbequemheit seiner Vertreterinnen zusammenhängt, kann ich so nicht beurteilen. Und mir ist auch klar, dass Männer ebenfalls mit Stereotypen zu kämpfen haben. Wenn sich aber Feminismus dafür einsetzt, dass beide Geschlechter ihr Ding machen können, und fordert, dass Sexismus auf jeder Ebene aufgelöst wird, dann ist das ein Feminismus, hinter dem ich stehen kann. Wenn Feminismus diese alten Rollenbilder, die starke Männer und niedliche Frauchen fordern und fördern, abschaffen will, dann ist das ein Feminismus, hinter dem jeder Mensch stehen sollte. Die Mittel einzelner Mitglieder dieser Gruppe sind vielleicht oft aggressiv, überzogen und in sich nicht ganz stimmig. Mit diesen identifiziere ich mich auch nicht. Aber eine Gleichberechtigung aller Menschen ist mir sehr wichtig und sollte ein gesamtgesellschaftliches Ziel sein.
Ein bisschen Feministin bin ich - bei aller Kritik - wohl also doch.

15.08.2016

Kristen Simmons - Artikel 5

22:27 1 Comments
Erscheinungsjahr: 2012
Originaltitel: Article 5
Genre: Jugendroman
Reihe: Ember-und-Chase-Reihenfolge
Seitenzahl:428


Teaser:
Die können mich doch unmöglich hier festhalten, bis ich achtzehn bin. Ich hatte mit ein paar Tagen gerechnet oder vielleicht so lange, bis wir das nötige Geld für die Kaution zusammen hatten, aber der achtzehnte Juli war noch fünf Monate entfernt!



Handlung
Strenge Regeln bezüglich einer moralisch korrekten Lebensführung gehören im Amerika der Zukunft zum Alltag. Bücher, deren Inhalt in irgendeiner Weise anstößig oder von der Regierung als verwerflich tituliert wurden, sind ebenso verboten, wie das Missachten der Ausgangssperre nach Einbruch der Dunkelheit oder das Abweichen der traditionellen Geschlechter- und Familienrollen. Wer gegen die Moralstatuten verstößt, wird einkassiert und taucht in der Regel auch nicht wieder auf, außer eventuell auf Fahndungsfotos. Dort hält auch Ember immer wieder nach bekannten Gesichtern aus ihrer Schule Ausschau, nicht ahnend, dass sie in naher Zukunft selbst dort zu finden sein wird. Die Moralmilitz - so nennen Ember und ihre Freunde die Exekutive der Regierung - rückt nämlich aus, um einen neu verabschiedeten Artikel zu vollziehen und dadurch kommen auch Ember und ihre Mutter ins Visier der Strafverfolgung.
Der neue Artikel 5 besagt, dass uneheliche Kinder nun ebenfalls einen Straftatsbestand darstellen. Daher wird Embers Mutter verhaftet und auch Ember wird in eine Art Resozialisierungsanstalt gebracht, in der systematisch Mädchen mit der fanatischen Ideologie geimpft werden. Doch Ember wehrt sich vehement dagegen; sie muss so schnell wie möglich wieder frei kommen, um ihre Mutter zu finden und vor den Strafen des Staates zu retten. Doch das kann sie nur mit Hilfe eines Soldaten der Moralmilitz schaffen: Chase Jennings, mit dem sie gemeinsam aufgewachsen ist und den sie einmal geliebt hat, muss ihr helfen. Obwohl auch er augenscheinlich vom System gefressen wurde und seitdem nicht mehr der ist, den Ember früher kannte.

Meine Meinung
In einem mehr oder weniger typischen Setting - zur Zeit sind negative Zukunftsszenarien ja ziemlich angesagt, wie jeder weiß - entwickelt die Autorin eine gar nicht so sehr typische Geschichte rund um ein unterdrückendes System, Fanatismus und einer totalitären Regierung, in deren Mitte ein Mädchen verzweifelt versucht, ihre Mutter wiederzufinden und sich vor allem nicht selbst zu verlieren.

Besonders stark finde ich die Entwicklung der beiden Protagonisten Chase und Ember. Ember natürlich an erster Stelle, denn sie ist die Ich-Erzählerin und daher in erster Linie die Identifikationsfigur des Romans. Sie wird eigentlich von Kapitel zu Kapitel fester in ihren Ansichten und in ihrer Systemkritik, die ja von vorne herein in ihr und ihrer zur Freidenkerei tendierenden Mutter angelegt war.
Ein bisschen stressig ist zwar die kleine, von vorne herein klare Liebesgeschichte zwischen ihr und Chase, die erstmal daran scheitert, dass Ember sich fragen muss, ob sie Chase vertrauen kann, obwohl er nach seiner Ausbildung zum Soldaten anscheindend ein Stückchen seiner Menschlichkeit verloren hat und dann auch nochmal kompliziert wird, weil Chase eben das von Ember gerne fernhalten will. Um es kurz zu sagen: die beiden haben ein Kommunikationsproblem und sowas regt mich leider ziemlich auf.

Der Schreibstil an sich ist sehr flüssig und gut zu lesen - einem Jugendbuch angemessen, würde ich sagen. Das heißt, man kommt gut durch, auch wenn mir die Flucht von Chase und Ember anfangs ein wenig wie eine endlose Reise vorgekommen ist und ich daher einige Längen überbrücken musste. Schließlich gibt es aber einen zumindest für mich ziemlich überraschenden Wendepunkt, sodass sich zum einen diese Längen erklären und sie vor allem zum anderen wieder ausgeglichen werden.

An und für sich war dieses Buch eine solide Jugendgeschichte, die ihre Höhen und Tiefen hatte. Dennoch hat es mich nicht so überzeugt, dass ich mir die Fortsetzungen unbedingt holen muss. Ganz knappe 3 Wölkchen gibt es von mir.


09.08.2016

[Gerede] Das Licht am Ende des Tunnels

23:11 3 Comments
Manchmal treffe ich alte Freunde oder Bekannte. Das tut man wohl so, wenn man schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat und man selbst (oder die betreffenden Leute weggezogen) ist und mit Studium/Beruf/Beziehung/Verantwortung für das eigene Leben so viel zu tun hat, dass manche Kontakte leider auf der Strecke bleiben.
Umso schöner ist es dann, sich hin und wieder Zeit für jemanden zu nehmen, der einmal eine präsentere Rolle im eigenen Leben gespielt hat, und sich gegenseitig upzudaten.

Bei einem solchen Treffen mit einer ehemaligen, sehr lieb gewonnen Kollegin hörte ich einen Satz, der mich empathisch gesehen sehr erschreckt hat - quasi für sie mitfühlend - und persönlich gesehen nach wie vor sehr beschäftigt:

"Ich lebe eigentlich von Wochenende zu Wochenende."

So banal er klingt, so lapidar wurde er auch daher gesagt. Tatsächlich ist mir bewusst, dass es vielen Leuten so geht und meine Kollegin ist mit dieser Situation auch überhaupt nicht unzufrieden. Ihre Wochenenden sind voll spannender Trips oder Aktionen, die sie komplett ausfüllen. An sich mag sie auch ihren Job, nur findet sie in ihrem Alltag wohl mehr Langeweile als Lebensfreude, sodass die Wochenenden einfach ihre Lichtblicke und Anker sind.

Obwohl sie also ausgeglichen und fröhlich wirkt und das nach eigener Aussage auch ist, rückte sie die oben zitierte Aussage für mich in ein völlig anderes Licht. Denn so möchte ich mich niemals fühlen. So, als wären meine alltäglichen Tätigkeiten zwar ganz nett aber ausschließlich zweckmäßig und nicht erfüllend. So, als würde ich nur am Wochenende im Freizeitpark oder bei einem Ausflug ans Meer wirklich schöne Dinge erleben.
Ich will, dass jeder Tag - oder zumindest doch die meisten - mindestens eine kleine Sache hat, bei der ich sagen kann: "Jepp. Das Aufstehen hat sich gelohnt". Und diesen Lohn will ich sofort und nicht nach fünfmaligem Aufstehen für zwei Tage gesammelt.
Das heißt nicht, dass ich utopische Erwartungen an den perfekten Job habe. Und auch nicht, dass Bügeln plötzlich die Erfüllung meiner größten Träume sein soll. Aber ich will eben weiterhin schätzen können, was ich tue. Auch, wenn es profan ist und wenig aufregend. 

Vermutlich hat meine ehemalige Kollegin mich deshalb so schockiert, weil sie mit ihrer Aussage unbewusst unsere divergierende innere Haltung bezüglich des Werts eines Alltags zum Ausdruck gebracht hat. Sie will ihn hinter sich bringen. Ich will ihn wertschätzen.
Auch ich mag Abwechslung. Aber mit einer Quote von 5 zu 2 bin ich nicht zufrieden. Da freue ich mich doch lieber außerdem noch auf die Arbeit (oder zumindest die netten Gespräche mit den Kollegen), mein leckeres, selbst gekochtes Essen und vor allem auf die Menschen, mit denen ich meinen Feierabend verbringe. Mein Alltag soll kein Tunnel mit dem Wochenende als Lichtblick sein. Er soll von alleine hell genug sein. Und ich glaube, mit dieser Einstellung wird er das auch bleiben.

29.07.2016

[Rezi] Jan Zweyer - Das Haus der grauen Mönche. Das Mündel

08:30 0 Comments
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Historischer Roman
Reihe: Das Haus der grauen Mönche, Teil I
Seitenzahl: 434



Teaser:
Jorge wusste, was Papier war. Bruder Bernados Bibel war noch auf Pergament geschrieben worden, das Rechenbuch des Fibonacci jedoch auf Papier. Bruder Bernado hatte ihm erklärt, dass dieses Material fast so kostspielig wie Pergament sei.



Handlung
Die Bewohner der Stadt Hattingen und der umliegenden Bauernhöfe sind, wie im späten Mittelalter üblich, von der Willkür und der Interessen ihres Herzogs abhängig. Dieser kann ihnen beispielsweise auch nach eigenem Ermessen Landflächen entziehen und diese anderweitig nutzen. Lediglich einen freien Bauer gibt es in besagtem Herzogtum zu verzeichnen und ausgerechnet dieser besitzt eine große Fläche Land, an der der Herzog sehr interessiert ist. Ein Verkauf an die Benediktiner würde ihn nämlich zumindest temporär von seinen Schulden befreien. So kommt es, dass besagter Bauer und seine Frau durch mehr oder weniger geschicktes Fädenziehen ums Leben kommen und das Land auf Grund eines fehlenden Erben wieder an den Herzog fällt.
Unmittelbar vor ihrem Tod allerdings gebar die Bauersfrau einen gesunden Jungen und nahm dem Dominikanermönch Bruder Bernardo den Schwur ab, für ihren kleinen Jorge zu sorgen. 10 Jahre später wird Jorge als Mündel Bernardos im Haus der grauen Mönche - dem Sitz der missionarstätigen Dominikanermönche in Hattingen - versorgt und in Lesen, Schreiben und Mathematik unterrichtet. Während der älter wird, findet er nicht nur immer mehr über seine Eltern und die Umstände ihres Todes heraus, sondern trifft auch auf die Schuldigen an deren Tod.

Meine Meinung
Nach längerer Zeit stand mir mal wieder der Sinn nach einem historischen Roman. Völlig unvoreingenommen bin ich zufällig auf diese Trilogie gestoßen - wobei ich zugeben muss, dass ich erst im Nachhinein festgestellt habe, hier den ersten Teil einer Reihe und keinen Einzelband in den Händen zu halten. Und schon gleich vom ersten Kapitel an war ich sehr begeistert von der Geschichte; und das kommt wirklich nicht sehr oft bei mir vor.

Natürlich werden in diesem ersten Teil zunächst die Grundsteine für den weiteren Handlungsverlauf gelegt und das merkt man der Geschichte deutlich an. Sie ist nicht in sich geschlossen, sondern bedarf auf jeden Fall der Ergänzung. Aber auch hier wird es schon ziemlich spannend.
Jorge ist ein Hauptcharakter, den man im Grunde ab dem Zeitpunkt seiner Geburt begleitet und der sich natürlich entsprechend seines Wachstums, Alters und Lernens sehr stark entwickelt. Zwar ist er auch am Ende des Buches noch ein kleiner süßer Junge, aber einer, der mittlerweile über Witz, geschulten Intellekt und vor allem ein großes Herz verfügt. Vor allem sein ausgeprägter Sinn für Gerechtigkeit bringt ihn in mehr als eine kritische Situation.

Seine Anwesenheit im Haus des Dominikanerordens sorgt sowohl inner- als auch außerhalb der Ordensgemeinschaft für einigen Ungemach. Vor allem aber die Konflikte zwischen den verschiedenen Mönchsorden - hier Dominikaner und Benediktiner - und auch die komplexen Machtverhältnisse zwischen weltlichen und geistlichen Herrschern werden um Jorge zentriert in der Geschichte entwickelt und ziehen aber von dort aus auch weitere Kreise in Richtung Rom, wo die politischen Entwicklungen am Heiligen Stuhl ebenfalls thematisiert werden.
Dass im Roman einige realhistorische Ereignisse und Personen glaubwürdig verarbeitet wurden, hat mich besonders gefreut. Im Nachwort weist der Autor noch einmal explizit auf die dichterischen Freiheiten hin, die er sich genommen hat und erläutert kurz die historischen Fakten, wie sie tatsächlich passiert und bekannt sind.

Lediglich an der Ausarbeitung einiger Charaktere hapert es ein bisschen. Aber auch dies scheint mir der Tatsache geschuldet, dass es sich eben um einen ersten Teil handelt und die betreffenden Figuren erst eingeführt wurden.
Insgesamt halte ich dieses Buch für einen überdurchschnittlich gelungenen Roman, der mich schon ganz gespannt auf die Folgebände blicken lässt. 4 Wölkchen gibt es von mir dafür.


25.07.2016

[Gerede] Niemand hier mag Montage. Eine Ode. Oder so etwas ähnliches

16:11 2 Comments
Niemand mag Montage
stellt das jemals jemand in Frage?
Nein. Am Wochenanfang stets die selbe Klage
Herr, hilf, dass ich diesen Tag ertrage!

Überall erschallen wehleidige Beschwerden,
wenn dieser Tag anbricht;
ich sag es deutlich: bei mir nicht.

Montag ist die Chance für die Woche, besser zu werden
als die vergangene. Deshalb sollte man sich lieber berauschen
am süßen Neuanfang - gegen nichts würde ich das tauschen.

Einen schöneren Wochentag ich niemals sah
 - von Samstag vielleicht abgesehen, ja schon klar - 
Egal. Es reimt sich, also ist es wahr,
Montage sind wunderbar.


12.07.2016

[Rezi] Christopher Moore - Die Bibel nach Biff

23:27 2 Comments
Erscheinungsjahr: 2002
Originaltitel: Lamb: The gospel according to Biff, Christ's Childhood Pal
Genre: Roman, Humor
Seitenzahl: 563


Teaser:
Josua rempelte die Leute im Gehen an, wie absichtlich, und jedes Mal, wenn er jemanden mit der Schulter oder dem Ellenbogen getroffen hatte, murmelte er gerade laut genug, dass ich ihn verstehen konnte: "Den hab ich geheilt. Die auch. (...)".



Handlung
Um die Wirkungsgeschichte von Jesus Christus zumindest rudimentär zu kennen, muss man nicht unbedingt die Bibel gelesen haben. Und wenn es nach Levi - genannt Biff - geht, muss man die Bibel sowieso nicht gelesen haben, denn erstens fehlen in den vier Evangelien die ersten 30 Jahre vom Leben Jesu, und zweitens waren die Verfasser dieser Biographien offensichtlich bei den Geschehnissen nicht selbst dabei und haben alles aus zweiter, dritter oder vierter Hand aufgeschrieben. Genau das ist auch der Grund dafür, dass Biff von den Toten zurückgeholt wurde,  nun in einem Hotelzimmer der Gegenwart sitzt und das Leben Jesu von Anfang bis Ende aufschreibt. Denn er war dabei - hat die Kindheit und Jugend mit Jesus - oder Josua - erlebt, seine Ausbildung geteilt und Aufstieg sowie Fall begleitet. Denn Biff war der beste Freund des Messias und ist ihm seit dem Jahr 0 nicht von dessen Seite gewichen. Also schildert er die Geschichte des Heiland aus seine ganz eigenen Sicht und mit seinem ganz eigenen Humor - sarkastisch, unverblümt und ohne spirituelle Romantik.

Meine Meinung
Geschichten, die sich auf eine reflektierte, vielleicht auch kritische Weise mit Religion befassen - und sei es der christlichen, muslimischen, buddhistischen oder sonst einer Religion - lese ich ja grundsätzlich für mein Leben gerne. Und diese hier ist dabei etwas ganz besonderes, schildert sie doch die Kindheit und Adoleszenz des späteren Messias Jesus und stellt dabei humoistisch den Bezug des Christentums zu diversen weiteren religösen Lehren heraus. Natürlich alles völlig ohne Wahrheitsanspruch, sondern als Gedankenexperiment. Aber deshalb nicht weniger anregend und spannend.

Erzählt wird die ganze Geschiche von Biff aus der Ich-Perspektive und zwar auf zwei Ebenen. Einmal sitzt er schreibend in einem Hotelzimmer des 21. Jahrhunderts und kommentiert die Erfindungen der neuen Zeit. Und auf der zweiten Ebene gurkt er mit Jesus gemeinsam durch die Weltgeschichte. Währenddessen erlebt er den Messias in verschiedenen Phasen seiner charakterlichen und moralischen Entwicklung, begleitet ihn auf seiner Wanderschaft und teilt seine Ausbildung. Gut, Wasser in Wein kann er leider nicht verwandeln, aber mit seiner Rolle als zweite Geige ist er durchaus zufrieden. Zumal Jesus ohne Biffs Gerissenheit und Gauklertricks ohnehin schon sehr früh mit den Römern oder den Pharisäern in Konflikt geraten wäre.

Natürlich ist die Geschichte weder historisch noch theologisch belegbar. Aber diesen Anspruch hat sie auch gar nicht - sie ist einfach eine Art, über Religionen zu reflektieren und die moralischen Grundlagen, die die meisten Religionen doch gemein haben,zu beleuchten. Außerdem mag ich den Gedanken, dass Jesus nicht der fertige Messias war, der predigend durch die Gegend gewandert ist, sondern sich zuerst selbst bilden musste und durchaus auch an seiner eigenen Position gezweifelt hat.

Was ich allerdings ein bisschen bemängeln muss, sind die durchaus enthaltenen Längen in der Geschichte. Vor allem in der ersten Hälfte des Buches zieht sich das Ganze doch ein wenig unnötig in die Länge. Es war dann zwar keine Qual weiterzulesen, weil der Schreibstil weiterhin von einem trockenen und sarkastischn Humor durchzogen war. Aber ein Buch sollte doch auch vom Inhalt und nicht nur vom Schreibstil getragen werden.

Alles in allem fand ich die Geschichte dennoch sehr lesenswert. Das Nachwort des Autors, in dem er noch einmal die Intention und die Hintergründ dazu erläutert, rundet die ganze Sache sehr schön ab. Es gibt dafür gute 3 Wölkchen und eine große Leseempfehlung von mir.


03.07.2016

Wie ich die Sinnhaftigkeit der Geometrie erkannte

11:06 4 Comments
Manchmal wird man ja von einem Geistesblitz getroffen, der einen gefühlt einen riesigen Schritt näher an den Zustand der ewigen Weisheit bringt. Solche erleuchtenden Momente bringen bei mir für gewöhnlich folgende Gedankengänge mit sich:

Immobilien tragen ihren Namen deshalb, weil sie unbeweglich - eben nicht mobil - sind!
Bei den Simpsons ist Gott die einzige Figur mit 5 Fingern an jeder Hand; alle anderen haben nur 4!

Manchmal ist der Erkenntniswert dann aber doch ein wenig höher und verschiebt das für mich etablierte Weltbild tatsächlich ein bisschen mehr als dass er nur die berühmten Schuppen von meinen Augen fallen lässt. So begab es sich jüngst, dass sich meine Wohnstätte um ein paar Kilometer verlagern musste. Im Zuge dessen standen nicht nur einige organisatorische Fragen im Raum, die es möglichst effizient zu lösen galt (eine meiner großen Kernkompetenzen. Nicht.), sondern auch diverse Möbelkäufe. Und Möbelaufbauten. Und Möbel-im-Zimmer-Arrangements. Als Raumplanungsvollprofi - schließlich sehe ich mir regelmäßig Zuhause im Glück und diverese weitere Sendungen dieses Formates an - habe ich selbstverständlich einen maßstabsgetreuen Grundriss meines neuen Zimmers und der intendierten Möbel angefertigt. Und aus diesem ging klar und deutlich hervor, dass der Kleiderschrank und das Bett exakt ! an einer Zimmerseite nebeneinander stehen können. Auf den Millimeter genau! 

Überraschenderweise entspricht diese Berechnung auch wirklich den Tatsachen, sodass das typische Chaos des Vermessens und des daraus entstehenden Improvisierens ausblieb. Was ich allerdings nicht bedacht habe war, dass durch die bereits bestehende Regalanordnung das Bett nur dort aufgebaut werden konnte, wo es auch letztendlich stehen sollte. Und das war nun mal zwischen Schrank und Wand. Pressgenau quasi. Wie allerdings Schrauben und Dübel und ähnliches Gekröse in dieser Anordnung festgezogen und reingehämmert werden sollen, war eine Frage, die sich sowohl meinen fleißigen, tollsten Helfern, als auch mir erst ziemlich spät stellte. Sozusagen erst dann, als das Kopfteil stand und für die Montage des Fußteils eigentlich kein Platz mehr war. 
Doch was taten die schlauen Menschen? Sie schätzten Winkel ab, montierten in Schräglage, hoben Bettgestelle über Schränke und schafften es letzten Endes tatsächlich unfall- und katastrophenfrei dieses Bett an seiner geplanten Stelle zu platzieren. Daraus ergeben sich zwei sehr wichtige Dinge:

1. Irgendwie klappt das meiste schon
2. Nicht alles, was man im Matheunterricht lernt, geht an der Lebensrealität vorbei

Wie sehr gerade letzteres mein Wertesystem in Frage stellt, muss ich wohl kaum jemandem beschreiben. Wobei ich natürlich nicht grundsätzlich den Unterricht in Mathematik in Frage stellen möchte, sondern eher die praxisfernen Aufgabenstellungen. 

Jedenfalls ist es mit Hilfe einfacher geometrischer Gesetze gelungen, mein Zimmer fertig zu möblieren, und das hat mich sehr gefreut. Mehr als das. Ein Scheitern hätte mich vermutlich ziemlich direkt in den Nervenzusammenbruch geführt, der sich seit Anfang der Woche angekündigt und am Wochenende teilweise sowieso schon entladen hatte. Denn die Wahrheit ist: Umziehen ist der Horror. Vor allem, wenn man planlos und grundsätzlich verwirrt ist.
Aber nun ist das Grobe geschafft und es kann nächste Woche endlich mit dem Feinschliff losgehen: Deko! ♥
Und ich bin sicher, dass ein paar Geometrieskills auch dabei von großem Nutzen sein werden!

22.06.2016

[Rezi] Jojo Moyes - Eine Handvoll Worte

11:58 0 Comments
Erscheinungsjahr: 2013
Originaltitel: The last letter from your lover
Genre: Liebesroman
Seitenzahl: 575


Teaser:
Sie will den ganzen Kram schon in den Mülleimer werfen, als ihr Blick auf einen hellblauen Zipfel fällt. Sie zieht mit Zeigefinger und Daumen daran und bringt einen handbeschriebenen Umschlag zum Vorschein. Er ist geöffnet worden, und der Brief darin trägt das Datum 4. Oktober 1960.



Handlung
Die Rolle der perfekten kleinen Ehefrau hat Jennifer Sterling perfektioniert: sie ist wunderschön, immer gut gekleidet und zurecht gemacht und beschäftigt sich mit den Dingen, die der Gattin eines reichen und erfolgreichen Mannes gebühren: Dinnerparties veranstalten, Kontakte pflegen und ein präsentables Anhängsel ihres Mannes sein. Dafür hat sie einen hohen Lebensstandart und materielle gesehen fehlt es ihr an nichts. Doch dann tritt auf einer dieser Abendgesellschaften Anthony O'Hare in ihr Leben. Die beiden fühlen sich sofort zueinander hingezogen und Jennifer beginnt an ihrem gesamten Leben zu zweifeln. Anthony ist Reporter für eine renommierte Zeitung in London und kann unglaublich gut mit Worten umgehen. So schreibt er Jennifer mehr als einen Liebesbrief - bis er sie in einem letzten schließlich bittet, ihr bequemes Leben aufzugeben und stattdessen mit ihm nach Amerika zu gehen.

Mehr als 40 Jahre später findet Ellie diesen Brief; allerdings ohne Kontext, Verfasser oder Adressaten zu kennen. Doch sie ist sofort von der Intensität der Worte angetan und macht sich an die Recherchearbeit. Zum Einen, weil sie ihn für brauchbares Material zu einem Artikel hält, hauptsächlich aber, weil sie wissen muss, wie es mit den beiden Unbekannten weitergegangen ist. Sie selbst befindet sich nämlich ebenfalls in einer aussichtslos erscheinenden Beziehung mit einem verheirateten Mann und hofft sowohl für den Briefschreiber, mehr noch aber für sich selbst auf ein Happy End.

Meine Meinung
Eigentlich weiß ich ja, dass gehypte Bücher oftmals nicht wirklich meinen Geschmack treffen. Und gehypte Bücher, deren Handlung teilweise doch arg ins romantische (um nicht zu sagen: kitschige) abdriften schon mal gar nicht. Hin und wieder habe ich aber dennoch das Bedürfnis, mich von diesem Umstand erneut zu überzeugen. Außerdem muss man ja auch mitreden können. Also landete dieser schicke Liebsroman auf meiner Leseliste. Und um vorab ein Kurzfazit zu ziehen: er war einfach zu lang. 200 Seiten weniger hätten nicht nur dem Lesefluss, sondern vor allem auch der Geschichte gut getan. Und meinem Gemüt.

Erst einmal ist der Aufbau der Geschichte ein wenig verwirrend. Erzählt werden im Grunde zwei Geschichten von zwei Frauen, die sich durch die Liebesbriefe Anthonys treffen. Dabei nimmt der Story Jennifers in den 1960ern mit Abstand den größten Raum ein, wobei allerdings innerhalb dieses Handlungsstrangs nochmal diverse anachronistische Kniffe eingebaut sind, die für einen äußerst verworrenen dramaturgischen Aufbau sorgen. Inceptionmäßig haben wir hier nämlich Rückblenden in Rückblenden, die allerdings teilweise unvollständig sind. Und dazu kommt noch, dass manchmal die selbe Begebenheit sowohl aus Jennifers als auch aus Anthonys Sicht erzählt wird, was weniger verwirrend, als vielmehr etwas ermüdend ist.
Grundsätzlich bietet die Dreieckskonstellation aus Ehepaar und Geliebtem innerhalb der gehobenen Gesellschaft der 1960er Jahre eine gute Fläche, um die Entwicklung der Frauenrolle zu beleuchten. Rudimentär geschieht das auch, denn Jennifer entpuppt sich tatsächlich als relativ starker Charakter. Diese Stärke muss sie allerdings erst in einem schwierigen Prozess finden. Zumal noch einige andere widere Umstände im Weg stehen.

Zurück in der Gegenwart setzen wir uns mit Elli auseinander, die völlig verliebt ist in John. John mit einer Ehefrau und zwei Kindern. John, der diese Familie garantiert nicht verlassen wird. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.
Ellie regt mich auf. Nicht nur, dass sie an dieser aussichtslosen Beziehung festhält, sie vernachlässigt dafür ihren Job. Und es ist nicht irgendein Job, sondern ihr Traumberuf als Journalistin, für den sie hart gearbeitet hat und auf den sie sich wegen der emotionalen Krisen nicht mehr konzentriert. So wenig, dass ihre Chefin sie langsam tatsächlich auf dem Kieker hat. 
Aber auch Ellie hat die Chance, sich weiterzuentwickeln und tut das glücklicherweise auch. Jennifer und ihre Geschichte, der sie mehr und mehr auf die Spur kommt, helfen ihr auf jeden Fall sehr dabei. Direkt wie indirekt sind also die Briefe der Dreh- und Angelpunkt beider Geschichten.

Zur konzeptionellen Idee, die einzelnen Kapitel mit letzten Worten von Beziehungen einzuleiten, kann ich nur sagen, dass sie irgendwie ganz nett ist. Also eigentlich total unnötig. Es sind profane Botschaften, die zerbrochene Beziehungen beschreiben und in totalem Kontrast zu den mit Liebesbekundungen gefüllten Kapiteln stehen. Außerdem haben sie inhaltlich keinen Zusammenhang mit der Geschichte - sehen wir davon ab, dass Ellie Briefe findet und es auch in diesen letzte Worte gibt. Die Worte der Briefe würde ich aufheben, eine Schluss-Mach-SMS wohl eher weniger. Einzig das Plädoyer für das haptisch greifbare geschriebene Wort mochte ich an diesen Textstellen. 

Die Figuren an sich sind vermutlich weniger klischeehaft gestaltet als in anderen Romanen dieses Genres. Trotz allem haben mich die Stereotype - wobei meiner Meinung nach ausschließlich Jennifer überraschenderweise kein solcher ist - ein wenig gestört. Vor allem die Nebencharaktere sind mehr oder weniger lieblos und völlig starr gestaltet. 
Und dann der Schreibstil. Eigentlich sehr solide, wären da nicht diese endlosen und ausschweifenden Beschreibungen völlig irrelevanter Details, bei deren Kürzung man locker 100 Seiten hätte einsparen können. Ja, es ist schön, wenn man ein genaues Bild der Figuren und deren Umgebung zeichnet. Aber bis ins Kleinste muss das wirklich nicht beschrieben werden, wenn die einzige Intention dabei die ist, eben zu beschreiben. Wäre noch ein wenig Symbolik enthalten, würde ich ja durchaus Zugeständnisse machen. Aber so bin ich da doch ein wenig ungnädig.

Insgesamt also eher ein Reinfall für mich. Ordentliche Ansätze, aber einfach für mich sehr unspannend umgesetzt. 2 Wölkchen von mir.


07.06.2016

[Rezi] Oscar Wilde - Das Bildnis des Dorian Gray

22:01 8 Comments
Erscheinungsjahr: 2006 (Erstausgabe 1890)
Originaltitel: The Picture of Doran Gray
Genre: Roman
Seitenzahl: 298


Teaser:
Dorian gab keine Antwort, sondern ging, ohne hinzuhören, auf das Bild zu. Als er es sah, trat er zurück, und seine Wangen erröteten einen Augenblick vor Vergnügen. Ein Ausdruck der Freude kam in seine Augen, als ob er sich zum ersten Mal selbst gesehen hätte.




Handlung
Die Grundzüge der Geschichte um den für immer jung bleibenden Dorian Gray sind den meisten vermutlich geläufig. Der Maler Basil Hayward kreiert nach Dorians Modell ein meisterliche Porträt. Es ist ein Bild, dass das Wesen seiner Vorlage auf zauberhafte Weise widerspiegelt und dessen Unberührtheit, Jungend und Unschuld perfekt einfängt. Leider bleibt dieser Zustand nicht bestehen - weder bei Dorian selbst, noch bei seinem Bild. Dank einer Unterhaltung mit Lord Henry Wotton, einem Freund Basils, wünscht sich Dorian nämlich nichts sehnlicher, als dass nicht sein eigener Körper altern und die Zeichen des Lebens tragen möge, sondern lediglich das Bild. Dieser Wunsch geht in Erfüllung. Und weil Dorian dank seines lieblichen Äußeren in der Gesellschaft mehr oder weniger tun kann, was er möchte, testet er die Grenzen der Konventionen aus und übertritt diese regelmäßig. Mehr als eine Person führt er ins Verderben und doch bleibt er selbst völlig unberührt. Lediglich sein Porträt wird hässlicher und hässlicher, sodass er es irgendwann selbst nicht mehr betrachten kann, ohne vor seinem grässlichen Seelenleben verschreckt zu sein.

Meine Meinung
Mein erster Oscar Wilde sollte unbedingt dieser absolute Klassiker sein. Ich dachte, wenn mich ein Buch an diesen Autoren heranführen kann, dass dieses. Und ich hatte Recht.

Schon alleine das Setting macht bei mir unendlich viele Pluspunkte. Aus Gründen, die mir selbst nicht bewusst sind, liebe ich Geschichten, die in London spielen. Und genau dort sind wir auch. In der gesellschaftlichen Oberschicht, um genau zu sein. Dorian Gray bewegt sich in sehr elitären Kreisen und hält sich selbst für etwas sehr besonderes - nicht zuletzt, weil ihm jeder sagt, wie wunderschön und besonders er ist. Vor allem der zynische Henry hat einen Narren an Dorian gefressen und wird nicht müde, ihn mit seinen sehr speziellen Lebensweisheiten zu füttern.

Tatsächlich finde ich Henry als Figur wesentlich interessanter und spannender als Dorian. Der ist für mich irgendwie der arme kleine Junge geblieben, dessen Handeln in einer sehr oberflächlichen Gesellschaft immer ohne Konsequenzen geblieben ist und der deshalb immer weiter die moralische Leiter hinabsteigt, bis er schließlich an sich selbst und seinem Narzissmus scheitert. Henry dagegen hat zu allem eine Meinung - und die artikuliert er höchst eloquent. Dennoch kann diese Wortgewandtheit nicht darüber hinwegtäuschen, dass seine Ansichten sehr ins Extreme neigen und eigentlich von einer gewissen Lebens-Müdigkeit und Morbidität sprechen. Er ist meiner Meinung nach wesentlich komplexer angelegt als Dorian, den er mit seinen Reden auf Abwege bringt.

Spannend fand ich auch, dass es in diesem Buch keinen wirklichen Sympathieträger gibt. Abgesehen von Basil vielleicht, sind alle Figuren absolut keine liebenswerten Charaktere. Auch, wenn sie sich durchaus dafür halten. Aber dennoch bieten sie einiges an Identifikationsfläche und ich kann mir vorstellen, durchaus einen Hauch Katharsis-Wirkung bei der Lektüre verspürt zu haben.

Der Sprachstil ist äußerst wortgewaltig und schnörkelig - absolut passend zur Atmosphäre, den Charakteren und der Thematik.
Insgesamt vergebe ich 5 Wölkchen für diesen vor allem gegen Ende sehr starken Klassiker.


29.05.2016

[Musik] Sonntagslieder #139

23:30 2 Comments
Die letzte Stunde dieses Sonntages nutze ich nun für eine Kombi-Mission. Selbstverständlich gibt es gleich wie gewohnt eine kleine Liste meiner aktuellen Lieblingslieder. Vorher allerdings ein kurzer Text zur aktuellen Blog-Situation.

Falls man überhaupt von einer Situation sprechen kann. Tatsache ist nämlich, dass ich seit der zweiten Mai-Woche weder zu Gast im Haus des Wahnsinns, noch bei anderen Blogs war. Und jetzt, wo ich darüber nachdenke, wird mir bewusst, wie kurz diese Zeitspanne eigentlich war und wie lange sie mir trotzdem vorkommt. Einfach, weil in diesen Wochen einiges passiert ist, was meine volle Aufmerksamkeit beanspruchte und immernoch beansprucht. Und das zusätzlich zu der Baustelle, die gerade meine Lebensplanung ist. Ich war deshalb weder zeitlich noch emotional dazu in der Lage, mich mit den müsigen Dingen des Lebens zu beschäftigen. Das bedeutet: keine Serien, keine Filme, keine Bücher und keine Blogs. So sehr mich das auch schmerzt, hat mein Gehirn gerade einfach keine Kapazitäten, um auch noch diesen Input aufzunehmen. 
Besonders leid tut es mir dabei auch um die Harry-Potter-Challenge. Da werde ich aber alles geben und in den nächsten zwei Tagen vielleicht wenigstens das Monatsthema abhaken können. Die Chancen stehen 50:50, aber mein Optimismus ist trotz allem ungebrochen.
Das soll hier auch gar keine Jammer-Parade werden und ich denke auch nicht, dass dieser Text so klingt. Ich wollte bloß kurz erklären, warum es hier in letzter Zeit so ruhig ist. Jeder Blogger hat mal ein Tief und bei mir ist es eben gerade soweit. Doch noch ist nicht aller Tage, ich komme wieder, keine Frage!

Und jetzt schnell zu den Liedern, die in meiner Playlist gerade sehr prominent vertreten sind. Das sind auch wieder keine Neuheiten, denn ich brauche gerade auch musiktechnisch sowas wie einen sicheren Hafen :D Aber dafür sind diese Songs optimal, weil ich sie schon ewig kenne und ewig liebe.



The Riddle
Gigi d'Agostino


Liebste Textstelle
Keine. Am liebsten mag ich das Pfeifen :D



Hirngespenster
Tonbandgerät

Liebste Textstelle:
Dann wurd' unsere Welt zu groß und 
unsere Zeit zu klein 
und außer ein paar Mails hin und her 
lebt man sich in fremde Städte ein


Mulholland Drive
The Gaslight Anthem


Liebste Textstelle:
But it scared you, love, to need someone 
So you killed it all instead 
But in the mist up on Mulholland
 I could've sworn I heard you say
That I'd just die
If you ever took your love away


Ihr Lieben, wir lesen uns. Bis dahin wünsche ich euch eine tolle Zeit, gute Bücher, liebe Menschen und viel Sonne - am Himmel und im Herzen (das klingt kitschig. Ist es auch. Und vor allem ist es ernst gemeint) ♥

07.05.2016

[Rezi] Petra Hülsmann - Hummeln im Herzen

18:51 1 Comments
Erscheinungsjahr: 2014
Genre: Liebsroman
Seitenzahl: 394




Teaser:
Und dann war er plötzlich da. Freitag, der 24. Juni. Heute war mein dreißigster Geburtstag. Heute hätte ich heiraten wollen. Happy Birthday, Lena.





Handlung
Gibt es etwas schlimmeres, als eine Woche vor der Hochzeit von seinem Verlobten wegen einer anderen verlassen zu werden? Vermutlich. Dennoch hilft der Vergleich mit vermeintlich schlimmeren Schicksalen Lena auch nicht weiter, als ihre ganze Welt einschließlich ihrer Zukunftspläne in sich zusammenstürzt, weil Simon ihr seine Liebe zu Cordula gesteht und die Hochzeit absagt. Lena zieht zu ihrem Bruder in dessen Chaos-WG und hat damit nicht nur ihre beste Freundin Juli, sondern auch den besten Freund ihres Bruders Ben als neue Mitbewohner. Und als würde das noch nicht reichen, verliert sie außerdem kurz danach ihren Job und findet sich vor den Trümmern ihrer Existenz als kleines Häufchen Elend wieder. Sie fühlt sich wie die letzte Versagerin und versinkt für einige Zeit in Selbstmitleid.
Doch weil auch das nichts bringt, beschließt sie kurzerhand, ihr Leben völlig neu aufzuzuziehen und stellt dafür einen wohldurchdachten Plan und diverse Listen auf. Ihre Ziele: einen Job in der PR-Branche, einen neuen Mann und vor allem eine charakterliche Generalüberholung. Doch wie das mit Plänen nunmal so ist - am Ende kommt doch alles ganz anders, als man denkt.

Meine Meinung
Gut, der letzte Satz der Handlungszusammenfassung ist ein bisschen gelogen. Denn eigentlich kommt es am Ende des Romanes ziemlich genau so, wie man es von Anfang an ahnt. Aber Lena selbst liest ja nicht mit, also ist es für sie durchaus überraschend.

Im Grunde genommen haben wir hier mit diesem Buch einen typischen Liebes-/Frauenroman, wie er sich ja nur selten in meine Hände verirrt. Aber ich muss sagen, dass mich die Lektüre bei aller Vorhersehbarkeit und den stereotypen Figuren doch sehr unterhalten hat. 
Lena ist so eine typische Identifikationsfigur, die sich jede Frau wie eine Stretchhose überstreifen kann. Tollpatschig, unsicher, mit diversen Macken - ich vermeide das Wort "Neurose", obwohl es durchaus angebracht wäre - und dennoch einer liebenswerten Art und einem spritzigen Humor. Nachdem ihr gewohntes Leben vorbei ist, erhebt sie sich raus aus ihrer Komfortzone und beginnt, endlich selbstständige Entscheidungen zu treffen. Sie lernt viele neue Leute kennen und schafft sich innerhalb eines Jahres ein neues, zugegebenermaßen chaotisches, Zuhause voller Wärme und Zuneigung.

Einzig mit der Liebe hapert es halt. Und das, obwohl wir als Leser sehr schnell wissen, wer der ideale Mann für Lena ist. Nur die muss das erst noch herausfinden und dieser Weg ist lang. Aber dafür hat Lena genug Zeit, um sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten - also der Möglichkeiten einer relativ stereotypen Figurenkonzeption - von einem weinerlichen Häufchen Elend in eine selbstbewusste, mehr oder weniger toughe junge Frau zu entwickeln.
Sehr hilfreich dabei ist Ben, der ihr bereitwillig Auskunft darüber gibt, welche Garderobe, welches Make-Up und welches Verhalten anziehend auf Männer wirkt. Und das tut er selten, ohne Lena auf irgendeine witzige Art zu beleidigen. Die Dialoge zwischen den beiden gibt der Geschichte wirklich Schwung und hat mich ernsthaft mehr als einmal wirklich zum Lachen gebracht.

Insgesamt würde ich das Buch als nicht so platt wie viele seiner Genre-Genossen einordnen. Die Figuren sind zwar von dem fürsorglichen Elternersatz, über den windigen aber weisen Bekannten, bis hin zu den unsympathischen Kurzzeitbeziehungen relativ standardmäßig besetzt, aber dennoch auf eine teilweise überzeichnende Art und Weise mit Geist versehen, dass ich die Lektüre wirklich genießen konnte. Als schönes Buch für zwischendurch, wenn man einfach mal ein bisschen abschalten will, vergebe ich 3 gute Wölkchen.

04.05.2016

[Challenge] 9 3/4 Hogwarts-Challenge. Update #2

08:54 0 Comments

Ahoi Potterheads und willkommen zu meinem etwas verspäteten Challenge-Update für den Monat April. Wie ich eben erfahren habe, war der anscheinend ziemlich turbulent und es hätte auch von meiner Seite viel zu berichten geben können - aber aus noch zu erläuternden Gründen bin ich schon ganz froh, neben der Monatsaufgabe noch ein paar weitere Punkte erlesen haben zu können.

Unter folgendem Motto stand der April:

Da in Harry Potter und die Kammer des Schreckens das Rätsel um den Erben Slytherins thematisiert wird, widmen wir den April dem Thema Krimis.

Da traf es sich doch gut, dass Krimis und Thriller fester Bestandteil meiner regelmäßigen Leseliste sind und ich tatsächlich noch ein passendes Buch auf dem SUB hatte. Leider war es kein wirklich gute Buch, aber die Tatsache, dass es bei der Challenge wenigstens ein paar Punkte gebracht hat, war immerhin ein bisschen tröstend.
Das Rachspiel (Monatsaufgabe Krimi)

Ansonsten habe ich es geschafft, fast allen Büchern, die ich gelesen habe, ein Schulfach zuzuordnen und damit noch ein paar Pünktchen gut zu machen. Nur eines hat es beim besten Willen nicht geschafft, aber das ist schon okay. Zu der Schulfachgeschichte muss ich später sowieso noch ein bisschen was loswerden.

Angriff auf die Sicherheit (Schulfach: Muggelkunde)
Die unendliche Geschichte (Schulfach: Verwandlung; mehr als 394 Seiten)
Percy Jackson V (Schulfach: Geschichte der Zauberei/Pflege magischer Geschöpfe; mehr als 394 Seiten)
Die Erfindung der RAF (Schulfach: Wahrsagen; mehr als 394 Seiten)

Insgesamt ergeben das laut meiner Rechnung 90 Punkte für den Monat und damit eine ziemlich gute Steigerung im Vergleich zum letzten Monat. 
Was ich allerdings sagen muss (und ich bin froh, dass sich dieses Problem gewissermaßen bereits gelöst hat, denn es gab ein paar berechtigte Regeländerungen), ist, dass diese Schulfachgeschichte schon ein bisschen schwammig ist. Mir fiel im letzten Monat immer öfter auf, dass die Zuordnung doch recht willkürlich und sehr weit hergeholt erfolgte. Tatsächlich kann man es bei fast jedem Buch so hinbiegen, dass es zu einem oder mehreren Schulfächern passt, aber ich finde, das ist nicht unbedingt Sinn der Challenge. Ich habe mich schon bei "Die Erfindung der RAF" ein bisschen hochstaplerisch gefühlt, obwohl das Buch auf jeden Fall zukunftsprognostizierende Aspekte hat.
Aber gut, dem ist ja nun ein bisschen entgegengewirkt. Und das ist auch wirklich Meckern auf hohem Niveau - was ich jetzt aber auch lieber bleiben lasse. Denn ich habe immernoch sehr viel Spaß an der Challenge. 
Im Mai geht es weiter mit dem Thema Lüge und ich habe tatsächlich schon 2 Bücher dafür im Auge. Mal sehen, was es zuerst wird ;)

28.04.2016

[Rezi] Frank Witzel - Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969

10:44 2 Comments
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Roman
Seitenzahl: 802



Teaser:
Entwicklung von Sprache und Menschsein ist darum vielleicht nichts weiter als ein Ablenkungsmanöver, aus dessen Verkettung sich das sogenannte Bewusstsein über die eigene Sterblichkeit, auf das wir auch noch stolz sind, quasi als Abfallprodukt entwickelt hat.


Handlung
Dieser 800 Seiten lange Schmöker erzählt die Lebensgeschichte eines Menschen. Anfang und Ende sind dabei durch die Erzählstruktur schwer festzulegen; klar ist allerdings, dass der Sommer des Jahres 1969, als dieser Mensch 13 Jahre alt war, eine tragende Rolle in der Entwicklung seiner Persönlichkeit und damit auch in der Entwicklung der Geschichte spielt. 
Als Teenager wächst der Mensch in einer kleinen Stadt in Westdeutschland auf, sein Vater ist ein recht wohlhabender Mann, während seine Mutter durch eine Krankheit zu einem Pflegefall geworden ist. Und auch der Teenager ist psychisch alles andere als stabil. Verschiedene Therapiemethoden, die er mitmachen muss, blieben erfolglos und führen den Teenager und späteren Erwachsenen immer tiefer in einen Zustand der Fiktionalisierung, wo er in seiner Fantasie eine eigene Wirklichkeit imaginiert. In dieser verarbeitet er Informationsfragmnete aus der tatsächlichen Realität und Verfremdet diese in höchstem Maße. Von seiner Depression und dem Zwang, sein Leben und die politischen und Gesellschaftlichen Geschehnisse bis ins Kleinste zu analysieren, getrieben, versinkt er immer tiefer in seiner "erfundenen" Realität.

Meine Meinung
Endlich! Nach fast 8 Wochen bipolaren Lesens ("Grandioses Buch!" - "Schreckliches Buch!" - "Grandioses Buch!" - "Schreckliches Buch!") habe ich dieses Werk tatsächlich beendet und fühle mich nach wie vor unentschlossen, was ein finales Urteil angeht. 
Damit meine ich, das ich seit 6 Jahren diverse Geisteswissenschaften studiere und das Buch allein vom Titel her wirklich mögen wollte, und es dennoch nich geschafft habe, es völlig zu durchdringen. Dabei kenne ich mich von Haus aus eigentlich mit Meta-Ebenen und intertextuellen Verfahren aus. Aber phasenweise habe ich mich unfassbar mit diesem Buch gequält. In anderen Phasen konnte ich es dafür kaum aus der Hand legen, weil es mich so fasziniert hat. Und gerade deswegen halte ich es im Grunde für ein absolut geniales Werk - auch wenn ich nicht sagen kann, dass das Lesen ein Vergnügen war.

Die Handlung ist in ihrem Kern so simpel wie in ihrer Darstellung komplex. Eigentlich geht es darum, die Lebensgeschichte eines Menschen aus dessen Sicht zu erzählen - also dieser Mensch ist der namen-und gesichtlose Ich-Erzähler seines eigenen Lebens. Das Problem dabei ist, dass dieser Erzähler laut eigener Aussage (die ich bestätigen kann) leider wahnsinnig ist, weshalb man ihm nur schwer folgen kann. Trotzdem ist alleine diese schwer zu fassende Hauptperson allein schon ein erzählerischer Kniff, weil er so stellvertretend für eine ganze Generation alle Irritationen, Konflikte und Verwirrungen durchlebt und analysiert. Über-analysiert trifft es vielleicht besser. Jedenfalls kennzeichnet seine Erzählung die völlige Abwesenheit einer Chronologie, es gibt zunächst keinen erkennbaren roten Faden, was mich beim Lesen fast selbst in den Wahnsinn getrieben hat. Und doch lässt sie früher oder später (tendenziell später; ich hatte erst ab Seite 260 das Gefühl, nicht mehr völlig planlos zu sein) eine Logik innerhalb der Geschichte ausmachen, die ihr dann doch etwas Struktur verleiht.

Es werden so viele Themen angesprochen und abgearbeitet, dass man ohne Hintergrundwissen zur politischen Situation der Zeit, zu wissenschaftlichen Arbeiten verschiedener schlauer Köpfe und vor allem zur Popkultur der 60er/70er völlig aufgeschmissen ist. Oder einen Anreiz hat, seine Wissenslücken zu schließen, je nachdem. Jedenfalls gehen die Konflikte los beim katholoschen Glauben und problematisieren generell eine autoritäre Erziehung und wandern von dort aus ab zu Politik, Gesellschaft und Musik. Der Teenager ist ein absoluter Fan des Albums "Rubber Soul" der Beatles und analysiert es in mehrere Kapiteln rauf und runter. Musik und Popkultur ist im Grunde einer der wenigen Fixpunkte im Leben dieses Menschen, auf die er immer wieder zurück kommt.

Und was hat das nun alles mit der RAF zu tun? Die außerdem nachweislich erst 1970 gegründet wurde? Nun, die liefert den Ansatz, ohne den dem Leser der Sinn dieses Werkes verschlossen bleibt. In der fiktiven Realität unseres anscheindend Wahnsinnigen bilden die Mitglieder der 1. Generation der RAF eine Art Identifikationsfiguren, durch die der Teenager und spätere Erwachsene seinen Widerstand gegen die Geschehnisse seiner Zeit ausdrückt. Mangelnde Informationen, politische und gesellschaftliche Umbrüche, die er nicht richtig versteht und die bis heute nicht wirklich aufgearbeitet sind, führen dazu, dass er das gehörte selbst verdichtet und sich Geschichte damit selbst konstruiert. 

Also, alles ist sehr kompliziert. Aber ich bewundere die Komplexität dieses Romanes, die Vielfalt, die sprachliche Gestaltung und einfach die ganze Konzeption. Im Grunde müsste ich ihn allerdings noch mindestens einmal lesen, um ihn mir annähernd erschließen zu können. Und das habe ich auch fest vor. Bis dahin bekommt er von mir 4 Wölkchen. Allerdings gekoppelt mit einer sehr eingeschränkten Leseempfehlung. Man kann bei der Lektüre nicht entspannen, nicht den Kopf abschalten und hat keine Geschichte, in die man sich fallen lassen kann. Eher geht man darin unter, wenn man nicht aufpasst. Aber ich finde, das ist es wert.


25.04.2016

[Rezi] Arno Strobel - Das Rachespiel

07:23 1 Comments
Erscheinungsjahr: 2014
Genre: Thriller
Seitenzahl: 332



Teaser:
Das Bild, das nach wenigen Sekunden erschien, glich dem, das Frank bei seinem ersten Besuch auf der Website am Vortag gesehen hatte. Die ausgemergelte Gestalt auf dem Boden, die überfüllten Käfige mit den Ratten.




Handlung
Im Leben von Frank ist gerade alles ziemlich perfekt: er führt eine harmonische Beziehung mit seiner Frau und sogar mit seiner Teenager-Tochter versteht er sich gut. Außerdem hat er es mit seiner Software-Firma mittlerweile geschafft, sich wirtschaftlich stabil zu positionieren. Es könnte zur Zeit also nicht besser laufen. Doch eines Tages erreicht ihn ein Umschlag, der nicht weiter als einen USB-Stick enthält. Dieser Stick führt Frank zu einer Internetseite, die ihn zum Zeugen eines grausamen Mordes macht. Im Anschluss daran wird er dazu aufgefordert, an einem mysteriösen Spiel teilzunehmen, um weitere Morde - unter anderem und vor allem an seiner Familie - teilzunehmen. Er muss mit drei Mitspielern die gestellten Aufgaben lösen, sonst verlieren nach und nach weitere Personen ihr Leben. Und diese Mitspieler sind keine Unbekannten für Frank, sondern alte Freunde aus Kindertagen, die es nicht umsonst nicht in seine Zukunft geschafft haben.
Alle vier lassen sie sich auf das gefährliche Spiel ein und begeben sich damit nicht nur in die Hände eines offensichtlichen Psychopathen, sondern müssen auch traumatische Erlebnisse ihrer Jugend neu durchdenken. Denn eins ist sicher: was die vier damals getan haben, holt sie nun nach 30 Jahren der Verdrängung endgültig ein.

Meine Meinung
Man hört und liest ja viel positives von Arno Strobel, dass ich es mir natürlich nicht nehmen lassen konnte, auch mal einen Thriller von ihm zu lesen. Leider leider kann ich mich den lobenden Worten nicht wirklich anschließen, hatte ich mit diesem Buch doch eher eine durchschnittliche Geschichte vor mir, die mich weder fesseln konnte, noch den gewünschten Thrill-Effekt hervorrief.

Beginnen wir doch einfach mal am Anfang: da erhalten vier Leute von einer unbekannten Quelle eine psychopathische, gewaltvolle Botschaft. Werden indirekt Zeugen eines Mordes. Und werden dann dazu aufgefordert, sich in einem alten, verlassenen Atombunker zu treffen. Und gehen dann da rein!! Einfach so! Gut, die Polizei wollten sie nicht einschalten, damit diese Sache von vor 30 (!) Jahren nicht rauskommt und für gewaltigen Wirbel sorgt. Alles klar. Ich bin zwar kein Jurist, fand aber schon bevor ich die Faktenlage kannte, dass sie dieses Risiko durchaus hätten eingehen können. Zumindest, wenn die Alternative ist, von einem Psychopathen mit Rattenfetisch in einem Bunker eingeschlossen zu werden.
Also: die Geschichte ging schon mit einer sehr schlechten Ausgangsposition an den Start. Und ich muss sagen, es wurde leider nicht besser. Im Grunde erleben wir eine niedergeschriebene und etwas weichgespültere Version der Saw-Filme. Die Protagonisten sind von der Außenwelt völlig abgeschottet und müssen diverse Aufgaben erfüllen, um am Ende der Nacht lebend aus der Geschichte rauszukommen. Dabei ist von Anfang an klar, dass von den vieren nur zwei überleben können. Denn das sind die Spielregeln.

Die Figuren sind ganz in Ordnung - bei diesem Genre gibt es ja selten eine wirklich tiefgehende Figurenkonzeption und auch hier ist das nicht der Fall. Trotzdem haben sie alle einen eigenen, relativ stark ausgearbeiteten Charakter. Was aber nichts daran ändert, dass sie sich ausnahmslos in ihrer Rolle bewegen und ihre Handlungen sehr schnell sehr vorhersehbar waren.

Vorhersehbar war auch das Ende, das mich nicht nur nicht überrascht, sondern in seiner Kürze und Appruptheit sowohl inhaltlich wie auch formal eher enttäuscht hat. Außerdem war es wirklich konstruiert und einfach gefühlt sehr lieblos gestaltet.

Insgesamt hat das Buch mir zwar meine Busfahrzeit ein bisschen verkürzt, aber die erhoffte Spannung hat es mir nicht gebracht. Leider gibt es dafür nur 2 kleine Wölkchen.


22.04.2016

[Gebastel] Frühlingshafter Blütentraum. Oder: Kitschige Deko

13:06 2 Comments
Da ich vorhabe, in nächster Zeit von meinem möblierten Studentenzimmer in ein selbstständiges Leben umzuziehen und mein ohnehin kaum vorhandenes Budget daher in diverse Möbelstücke investieren möchte (natürlich könnte ich auch ein paar Monate auf meiner Klappmatratze schlafen, aber man wird ja auch nicht jünger und meinem Rücken würde das vermutlich nicht so gut gefallen), durchforste ich in den letzten Wochen das Internet nach günstigen Dekorationsmöglichkeiten, die vor allem auch für Grobmotoriker zu realisieren sind. Und gefunden habe ich so einiges. Unter anderem folgende Pompom-Deko-Blümchen, die ich jetzt schon gebastelt und aufgehängt habe. Einfach weil Frühling ist und ich ein bisschen mehr rosa um mich herum haben wollte.

Material:
Servietten
Schere
Bindfaden oder auch ein schönes Band

Ich würde sogar behaupten, dass die meisten gut sortierten Haushalte diese Dinge sowieso vorrätig hat und daher eigentlich nur ein bisschen Fummelarbeit nötig ist, um eine wirklich schöne Girlande zu basteln.

Und los geht's:
  • Wie auf dem oberen Bil zu sehen, muss die Servietten erstmal ausgebreitet werden
  • Dann wird sie gefaltet wie eine Ziehharmonika. Ich habe dabei einfach die Breite der Steppung am Rand als Orientierung genommen.
  • Es folgen die vier Schritte, die die Größe des Pompoms bestimmen. Für die kleine Variante wird jetzt diese Serviette 1. in der Mitte gefaltet 2. dort von beiden Seiten ein bisschen eingeschnitten - aber nicht ganz durchschneiden! 3. um dann ein Stück Bindfaden einzufädeln und zu verknoten. Je nachdem, wie die Pompoms aufgehängt werden sollen, muss dieser Faden länger oder kürzer sein. Meiner ist relativ kurz, weil ich eine waagerechte Girlande herausbekommen möchte. Es folgt dann noch 4. den Bruch aufschneiden, damit man quasi einen Schmetterling vor sich hat.
     
  • Jetzt kommt endlich das Gefrimel dran: es werden alles Lagen der Serviette auseinandergezupft und bis zur Mitte aufgezogen. Bis eine Art Blume dabei herauskommt.

  • Und in meinem Fall hatte ich bei genau 4 Stück keine Lust mehr und deshalb eine kleine Minigirlande mit Pompoms verschiedener Größe daraus fabriziert. Macht sich gut am Fenster, finde ich. Wenn ihr größere und bauschigere Pompoms haben wollt, dann faltet ihr nicht eine Serviettenziehharmonika in der Mitte, sondern legt zwei bis fünf davon aufeinander, schneidet sie in der Mitte ein und verfahrt ansonsten wie bei den kleinen.
Ratet, welcher Pompom davon mein erster Versuch war! :D
Leider wurde mir mittlerweile gesagt, dass diese Deko mega kitschig ist. Aber ich vertrete die Ansicht, dass diese Aussage nur und ausschließlich von Banausen getroffen werden kann. Ich mag es auf jeden Fall. Außerdem erinnerte mich das Basteln an ein Schulfest vor 14 Jahren, als meine Klasse und ich diese Dinger im Akkord fabriziert haben, um damit unseren Klassenraum zu dekorieren. Geschmackstechnisch habe ich mich offensichtlich nicht wirklich weiterentwickelt. Und meine Bastelfähigkeiten sind ebenfalls auf dem Level einer 11-jährigen. Aber das reicht mir!

19.04.2016

[Rezi] Michael Ende - Die undendliche Geschichte

08:22 4 Comments
Erscheinungsjahr: 1979
Genre: Erzählung, Phantastik
Seitenzahl: 428




Teaser:
"Nur der richtige Name gibt allen Wesen und Dingen ihre Wirklichkeit", sagte sie. "Der falsche Name macht alles unwirklich. Das ist es, was die Lüge tut."





Handlung
Phantásien ist in Gefahr! Überall im ganzen Land tauchen Flächen auf, die einfach Nichts sind - nicht einmal ein schwarzes Loch oder ähnliches, sondern einfach Nichts. Wenn man seinen Blick auf diese Flächen richtet, hat man das Gefühl, erblindet zu sein. Und wenn man zu nahe ran kommt, dann zieht es einen unweigerlich an und man verschwindet einfach so in diesem Nichts. Niemand ist sicher und niemand kann sich entziehen - die Riesen nicht, die Winzlinge nicht, kein magisches Wesen und überhaupt niemand. Die Flächen des Nichts breiten sich immer weiter aus, werden größer und Bedrohen die Existenz Phantásiens und all seiner Bewohner.
Im Zusammenhang damit steht die mysteriöse Krankheit der Kindlichen Kaiserin - der Herrscherin Phantásiens, aus deren Kraft das gesamte Reich existiert und der deshalb jedes Wesen gehorcht, obwohl sie nie Gewalt anwendet. Um ein Heilmittel gegen diese Krankheit zu finden - denn die 500 besten Ärzte des ganzen Landes wissen sich keinen Rat - wird der 10-jährige Atréju von den Grünhäuten ausgesandt.
Ganz gebannt von der Geschichte rund um Atréjus Expedition ist der kleine Bastian Balthasar Bux. Der findet nämlich genau diese Geschichte in einem Buch mit dem Titel "Die unendliche Geschichte". Für ihn, die Leseratte, ist eine Geschichte, die niemals endet, natürlich der Traum schlechthin. Und weil sein Leben sowieso ziemlich schwierig ist, zieht er sich kurzerhand auf den Speicher der Schule zurück und versinkt einen Tag und eine Nacht in der Lektüre des Buches. Und zwar tiefer, als er zunächst ahnt.

Meine Meinung
Hach, Michael Ende ist ein Genie. Zum gefühlt 1000. Mal habe ich dieses Buch gelesen und es wird mir einfach nicht langweilig - so viel Kreativität, Zauber und Weisheit steckt darin, ich möchte es am liebsten pathetisch jedem anpreisen, der es noch nicht gelesen hat.

Ein besonderes Merkmal ist sicher die formale und inhaltliche Kennzeichnung der beiden Parallelwelten, in denen die Geschichte angesiedelt ist: wir haben in roter Schrift die Handlung in der fiktiven Realität und daneben in grüner Schrift und mit wunderschön gestalteten Anfagsbuchstaben zu Beginn eines jeden Kapitels die Geschichte, die Bastian in der Realität liest und die im Buch selbst als Buch mit dem Titel "Die unendliche Geschichte" bezeichnet wird. Viele Ebenen also, die es zu beschreiten und erforschen gibt.
Bleiben wir einmal kurz bei Bastian. Der hat es nämlich alles andere als leicht und flüchtet sich schon seit jeher in die Welt der Bücher, um seinen Problemen zu entkommen und immer neue Abenteuer zu erleben. Nach dem Tod seiner Mutter ist Bastians Vater in einer Depression versunken und schafft es nicht mehr, sich um seinen Sohn zu kümmern. Und in der Schule wird Bastian auch sehr schlimm gehänselt und von seinen Mitschülern gequält. Er, der er immer dicklich, unsportlich und blass war, fühlt sich ungeliebt, unbeachtet und einfach unglücklich. Als ihm dann besagtes Buch in einem Antiquariat in die Hände fällt, überlegt er nicht lange, sondern steckt es ein ohne zu bezahlen. Und als Krimineller auf der Flucht - schließlich ist er nun ein Dieb - beschließt er kurzerhand, sich auf dem selten besuchten Dachboden der Schule einen Unterschlupf einzurichten und nie wieder nach Hause zurückzukehren.

Was in Phantásien passiert, ist nicht nur eine Geschichte, die für sich schon bezaubernd ist, sondern sie ist außerdem Bastians Weg aus seiner misslichen Lage. Wer selbst schon einmal von einem Buch so beeinflusst wurde, dass die Lektüre sein Leben verändert hat, kann vielleicht nachvollziehen, was das Buch mit dem kleinen machtlosen Jungen anstellt, als es ihn plötzlich IN die Handlung integriert und Bastian buchstäblich Teil Phantásiens wird. Mit Atréju an seiner Seite erlebt er, wie es ist, beliebt, bewundert und wunderschön zu sein. Gleichzeitig muss er allerdings auf die harte Tour erfahren, welche negativen Eigenschaften damit einhergehen können. Oder hauptsächlich eine bestimmte Eigenschaft: die Gier. Nach immer mehr Bewunderern, nach immer mehr Macht. Und am Ende seiner Reise steht ein verwandelter, ganz neuer, alter Bastian, der erst seine Identität verlieren musste, um sie schließlich finden zu können.

Wunderschön sind nicht nur die Ideen, sondern auch die Worte, mit denen sie geschildert sind. Kindgerecht (ich kann es aus erste Hand beurteilen, denn schon als Kind habe ich dieses Buch geliebt), aber ganz und gar nicht anspruchslos. Eine sehr bildliche Sprache paart sich in diesem Buch mit bezaubernden Ideen und moralisch komplexen Lektionen. Doch was gerade so schön und besonders an diesen Lektionen ist, ist die Tatsache, dass sie nicht mit erhobenem Zeigefinger lediglich eine einzige Richtung gelten lassen, sondern der Leser animiert wird, selbst zu denken und erstmal ähnlich wie die Kindliche Kaiserin alles für gleich gültig und gleich wichtig zu erachten, bevor er dann zu einem finalen Ergebnis kommt.

So viel mehr könnte ich noch zu diesem Buch schreiben und würde der Geschichte doch nicht gerecht werden. Ich kann es wirklich nur jedem ans Herz legen, mal einen Blick in das Buch zu werfen. Phantásien ist auch nach 15 Jahren immernoch ein Ort, den ich gerne besuche und der, weil ständig im Wandel, nichts von seinem Zauber eingebüßt hat. 5 rosa Wölkchen gibt es von mir. Und ein Herz! ♥


17.04.2016

[Musik] Sonntagslieder #138

14:51 0 Comments
Noch nie ist mir der April wettertechnisch so verwirrend vorgekommen. Ich kann nicht damit umgehen, wenn sich das Wetter vier- bis fünfmal am Tag grundlegend ändert und die Temperaturen innerhalb eines Tages um 10 Grad schwanken. Vor allem, wenn dabei mehrmals die Grenze zwischen Winter- und Übergangsjacke übertreten wird.
Während ich mich also mit diesen dramatischen First-World-Problems herumschlagen muss, läuft in meiner Playlist momentan altbekannte Lieder, die mir in Erinnerung rufen, welcher Mensch und in welchen Lebensphasen ich vor 10 Jahren war. Irgendwie ist es verrückt, wie sehr Musik mit bestimmten Ereignissen verknüpft sein kann. Es gibt Lieder, die ich beim Lernen fürs Abi gehört habe, und wenn ich die wieder höre, aktiviert das Wissen in meinem Kopf, das ich schon lange verloren glaubte. Vor allem das Gedöns zum Chemie-Abitur, das ich schon Minuten nach der Klausur erfolgreich verdrängt zu haben glaubte.

Himmelblau
Die Ärzte

Liebste Textstelle:
Du hast ein gutes Gefühl
Du denkst an all die schönen Zeiten
Es ist fast zuviel Jetzt im Moment neben dir zu stehen
Du hast kein klares Ziel aber Millionen Möglichkeiten

It's my life
Bon Jovi


Liebste Textstelle:
Tomorrow's getting hard make no mistake 
Luck ain't even lucky 
Got to make your owns breaks 
It's my life It's now or never 
I ain't gonna live forever
 I just want to live while I'm alive 

Sultans of swing
Dire Strates


Liebste Textstelle:
You get a shiver in the dark 
It's raining in the park but meantime 
South of the river you stop and you hold everything 
A band is blowing Dixie double four time 
You feel alright when you hear that music ring 


Leider kann ich diesen Beitrag nicht schließen, ohne darauf hinzuweisen, dass es irgendwie schokierend war, festzustellen, dass ich klare Erinnerungen an Dinge habe, die 10, 15 Jahre her sind. Haaach, die Zeit :D
Und mit dieser ungleich deepen Feststellung schließe ich für heute und wünsche euch einen schönen restlichen Sonntag! ♥