28.01.2016

[Gerede] Koffeinabhängig. Meine Geschichte

Bei Kaffee bin ich, wie bei einigen anderen Dingen auch, ein kleiner Spätzünder. Während zu Schulzeiten runde 85% meiner Mitschüler spätestens in der heißen Phase der Abiturklausuren die Hälfte ihrer Zeit im Koffeinrausch verbrachte (die restliche Hälfte der Zeit übrigens ebenfalls berauscht; nur dieses Mal von Alkohol, einer Praxis, der ich mich zwar nicht gänzlich, aber dennoch teilweise auch verweigerte), konnte man mich mit Kaffee jagen. Selbst mit Milch und viel Zucker war er für mich bloß leidlich genießbar, sodass ich lieber mit heißer Schokolade oder profanem Mineralwasser Vorlieb nahm. Kaffee mochte ich schlicht und einfach nicht.

Wäre dieser Zustand erhalten geblieben, würde ich heute viel Geld sparen. Dabei ging eigentlich alles sehr vielversprechend und in den richtigen Bahnen weiter. Nach dem Abi arbeitete ich für längere Zeit in einem gemütlichen Betrieb zu dessen äußerst positiver Arbeitsatmosphäre die tägliche Frühstückspause nicht unwesentlich beitrug. Nachdem ich den dortigen, zumeist von der Buchhalterin aufgebrühten und entsprechend starken Kaffee (irgendwie müssen sich diese Menschen ja wachhalten) zweimal konsumiert und im darauffolgenden Hyperaktivitätswahn den kompletten restlichen Tag sämtliche Kollegen wahnsinnig gemacht hatte, beschloss ich, von nun an auf dieses soziale Ritual des Kaffeetrinkens zu verzichten und einfach weiter an meinem Wasser zu nippen. Alles schien friedlich, bis ich dann von einer mütterlichen Kollegin sukzessive auf entkoffeinierten Cappuccino umgestellt wurde. Dieser hat geschmacklich mit frischem, echtem Kaffee zwar relativ wenig zu tun und auch der wach-mach-Effekt blieb aus. Aber genau deshalb läutete er meinen Untergang ein. 
Es gibt Menschen, die nur in Gesellschaft rauchen. Und so trank ich zunächst nur in der Gesellschaft meiner Kollegen besagten Cappuccino. So lange, bis ich völlig gehirngewaschen zu diversen Treffen ehemaliger Schulfreunde oder während des Kuchenessens bei meiner Oma fast automatisch einen Kaffee dazu bestellte. Sowieso war ich mittlerweile auch in einem gefährlichen Alter, denn wo vorher die Schule einen Großteil meiner sozialen Kontakte automatisch gefördert hatte, mussten viele nun forciert werden. Plötzlich verabredeten sich alle "auf ein Käffchen", und auch, wenn ich nach wie vor kein Fan dieses bitteren Getränks war, bestellte ich doch nach und nach immer seltener Tee oder Kakao, sondern Cappuccino, Milchkaffee und Karamel-Macchiati (sofern das nicht die korrekte Pluralform sein sollte - großzügige Gutscheine für Italienischkurse nehme ich gerne an).

Schließlich geriet ich an die falschen Freunde, die mich endgültig auf Abwege brachten. Ich sage nicht, dass sie schlechte Menschen sind, denn auf ihre Weise versuchen sie, mit dem Leben so gut es geht zurechtzukommen. Aber es ist nun einmal eine traurige Tatsache, dass das studentische Milieu eine autarke Subkultur mit einem großen Koffein-Problem ist (von anderen Stimulantien möchte ich gar nicht erst anfangen). Die ersten Semester überstand ich noch relativ unbeschadet, weil sich die neuen Bindungen erst aufbauen mussten. Dennoch ertappte ich mich immer öfter dabei, wie ich mich nach einem heißen, erweckenden Kaffee sehnte - vor allem vor und nach diversen Theorieseminaren, bei denen mir der Kopf schwirrte. 
Viel schlimmer allerdings: immer öfter gab ich diesem Drang nach und versorgte mich am Kiosk mit riesenhaften Pappbechern voller Koffeindröhnungen. Denn die mit Milch, Zucker und verschiedenen Sirupsorten verdünnten Kaffees sind auf die Dauer ohne das völlige Abrutschen in die Beschaffungskriminalität finanziell untragbar. Da es mich vor diesem letzten Schritt ins Verderben aber grauste, begann ich, mit dem simplen, hochdosierten Stoff zu experimentieren. Mit dem Ergebnis, dass ich mich langsam an die Bitterstoffe gewöhnte.

Mittlerweile trinke ich Kaffee generell ohne Zucker. Zwar bin ich von der Milch nicht völlig losgekommen, doch fürchte ich, dass dieser Umstand nicht viel zur Entschuldigung meiner Sucht beitragen kann. Wie ein Profi habe ich allerdings mittlerweile das richtige Besteck zu Hause und kann dort selbst Kaffee aufbrühen, sodass ich nicht mehr auf das Wohlwollen der Dealer angewiesen und finanziell wieder im grünen Bereich bin. 

Was ich damit sagen will: lasst die Finger von Drogen. Aber Kaffee ist in Ordnung, denn ohne ein paar kleine Laster ist das Leben auch irgendwie langweilig.

20.01.2016

[Rezi] Frank Schätzing - Der Schwarm

Erscheinungsjahr: 2004
Genre: Roman
Seitenzahl: 997



Teaser:
Nein. Warum sollte es welche kosten? Wir opfern keine Zeit. Wir behalten sie, ob wir nun direkt nach Osten fahren oder erst ein Stück weiter nördlich. Hast du alles vergessen? Hier oben ist es nicht wichtig, wie schnell du ankommst. Wenn du einen Umweg fährst, findet dein Leben trotzdem statt. Keine Zeit ist verloren.




Handlung
Beunruhigende Dinge geschehen überall auf der Welt. An der peruanischen Küste verschwinden kleine Fischerboote und ihre Insassen scheinbar völlig ohne Grund - bei ruhiger See, ohne Sturm und auch ansonsten in relativer Sicherheit befindlich; eine unbekannte Wurmart taucht am Meeresgrund auf und gräbt sich massenhaft in den Ozeanboden vor Norwegen und vor Kanada spielen die Wale verrückt.
Obwohl die Welt durch moderne Technologien der Nachrichtenübertragung so klein geworden ist, schafft zunächst niemand, eine Parallele zwischen diesen seltsamen Vorgängen herzustellen, die sich durch alle Meere auf der Erde ziehen. Wissenschaftler verschiedener Nationen und Schwerpunkte setzen sich damit auseinander, beginnen sich zu vernetzen und versuchen zu ergründen, was im Meer vor sich geht. Doch dieses scheint die Menschen unerbittlich zu bekämpfen, nachdem selbige seit Jahrzehnten ihren Müll in den Fluten versenken und das gesamte Ökosystem durcheinander bringen. Doch wer löst die Vorgänge aus? Wer schafft es, sowohl Wale, Würmer als auch sämtliche andere Organismen des Meeres unter seine Kontrolle zu bringen und sich vereint gegen den Menschen zu erheben? Und haben letztere überhaupt eine Chance, wenn sich das Meer wirklich gegen sie verschworen hat?

Meine Meinung
Absoluter Wahnsinn ist dieses Buch. Und zwar auf allen nur vorstellbaren Bedeutungsebenen. Es ist wahnsinnig spannend, wahnsinnig interessant, komplex, beängstigend und vor allem wahnsinnig grandios zu lesen. Die ersten zwei Wochen dieses Jahres habe ich mich durch diesen Roman nicht nur aus meiner Lebenswelt aus-, sondern irgendwie auch in die tatsächliche Realität eingeklinkt. Wie viel Information dieses Buch vermittelt, lässt sich anhand seines Umfangs natürlich schon erahnen, aber worüber man dann tatsächlich alles nachdenken muss/wird/soll/kann, wenn man es schließlich liest, ist allein durch die Seitenzahl nicht abschätzbar.

Es geht in dem Buch hauptsächlich um ein Gedankenexperiment: was wäre, wenn wir extraterrestrisches Leben nicht im Weltraum, sondern wörtlich außerhalb der Erde, des Landes, zu suchen hätten - also im Wasser? Und was wäre, wenn dieses Leben über ein hohes Maß an Intelligenz verfügt - unter Umständen sogar intelligenter ist als die arroganten Menschen, die sich seit wer weiß wie vielen Jahrhunderten als Krone der Schöpfung betrachten und sich permanent in das Zentrum der Welt stellen? Auf diese wenns und auf noch einige mehr gibt das Buch hypothetische Antworten, die gar nicht so weit hergeholt erscheinen, wenn man sich die politische Situation mal genauer anschaut. Der Roman schafft es, dass man als Leser ein Stück Distanz gewinnt und sich das Verhalten der auf die Gegenwart ausgerichteten Menschen in einem größeren Zusammenhang anschauen kann. Und das zeigt, dass die Menschheit insgesamt - allen voran die westlichen Staaten, auf denen im Buch der Fokus liegt - betrachtet eventuell ein wenig zu sorglos mit ihrem Planeten umgegangen ist und ihr ein klein wenig Demut ganz gut tun würde.

Zu Anfang gibt es mehrere Handlungsstränge, die parallel ablaufen und sich im Verlauf der Geschichte zu einer Haupthandlung verdichten. Dennoch gibt es permanent viele einzelne Sequenzen, die gleichzeitig zu diesem Hauptstrang ablaufen und nicht minder wichtig sind. Die komplexe Verflechtung von Ort- und Zeitstrukturen ist nur ein Merkmal dieses Buches, das zu der atmosphärisch sehr dichten Erzählung beiträgt. ein weiteres ist die Figurenkonzeption, die nicht weniger komplex ist und den einzelnen Charakteren gerecht wird. Handlungsträger sind besonders zwei Wissenschaftler: Sigur Johanson aus Norwegen und Leon Ankawak aus Kanada. Diese beiden bieten auch die größten Identifikationsflächen, erfährt man doch auch neben ihrer Forschung auch einiges aus ihrem Privatleben. So bleibt auch der emotionale Aspekt nicht unbeachtet und verleiht dem sehr naturwissenschaftlich ausgerichteten Buch die nötige Tiefe.

Im Fokus stehen unbestritten die Geschehnisse unter Wasser, weshalb auch ein großer Teil der Geschichte direkt unter der Meeresoberfläche spielt oder zumindest von dort stationierten Kameras eingefangen und nach oben geleitet wird. Viele biologische, chemische und technische Details werden vermittelt. Ich kann wohl nicht ohne zu lügen sagen, dass ich alles verstanden habe und wiedergeben könnte, aber den meisten Ausführungen konnte ich in der Tat gut folgen und habe mit Sicherheit auch einiges dazugelernt. Es war aber auch praktischerweise immer ein Laie unter den anwesenden Figuren, sodass der zuständige Experte die Ergebnisse bewusst vereinfacht hat. Wunderbar, denn zumindest ein Laie war allen immer direkt auf den Fersen - ich als Leser. 
Die Darstellungen der einzelnen kleinen und großen Katastrophen hat mir - technisch gesehen, nicht wirklich inhaltlich - sehr gut gefallen. Alles schaukelt sich immer weiter hoch und nimmt faktisch apokalyptische Ausmaße an, ohne allerdings zu sehr auf die Drama-Tränendrüse zu drücken. Diese bleibt ziemlich außen vor, was der hochqualifizierten, wissenschafltichen Figurenbesetzung auch nur gerecht wird. 

Im Verlauf des Lesens dachte ich irgendwann, dass mit das entworfene Weltbild nicht gefällt. Da wurde jede Entwicklung des Menschen, die Zusammenschlüsse zu Kollektiven, die Ausbildung kultureller Verbände und so weiter auf seine Genetik und die Biologie zurückgeführt. Solche simplifizierten Thesen sind mir suspekt und vor allem ist eine solche Argumentation sehr gefährlich, weil sie leicht instrumentalisiert werden kann. Schließlich scheitert aber dieses Weltbild an seiner Hybris und hat mich wieder versöhnt.

Insgesamt gibt es ganz klar 5 Wölkchen von mir. Wie immer bei solch komplexen, dicken und wundervollen Büchern ist mir der Abschied schwer gefallen, als es beendet war. Vor allem auch wegen dem extrem gelungenen Ende, das das wirkliche Ende doch irgendwie offen lässt. Wollen wir mal das beste hoffen für diese Menschheit, die sich wie Elefanten im Porzellanladen aufführt.


16.01.2016

[Rezept] Gemüse-Curry mit Kokosmilch

Das tolle an Currys ist, dass man sie beliebig variieren kann. In den meisten Ländern gibt es ein Gericht, das zumindest teilweise als Resteverwertung gedacht ist - in Italien die Pizza, in Spanien die Paella, und ich bin fest davon überzeugt, dass es sich beim Curry um die indische oder asiatische Variante davon handelt. Also kann man im Grunde reinschmeißen, was man möchte. Die Variante, die ich euch hier präsentiere, ist mehr oder weniger zufällig nicht nur vegetarisch, sondern sogar vegan, kann aber natürlich um jedes Gemüse und auch um Fleisch, Fisch und natürlich auch Curry-Paste (die ich immer vergesse zu kaufen) erweitern und/oder variieren.

Gebraucht wird
Basmati-Reis als Sättigungsbeilage
3 Schalotten
1 Paprika
1 kleiner Kopf Brokkoli
4 Tomaten
1 kl. Dose Ananas-Stücke
1 Dose Kokosmilch
1 TL Gemüsebrühe
etwas Öl
Salz, Pfeffer, Garam Masala, Currypulver

Außerdem
2 Töpfe
1 große Pfanne
1 scharfes Messer
ein Nudelsieb
Schneidebrettchen

So geht's
Als erstes den Brokkoli in einem Topf mit kochendem Wasser bissfest kochen und dann in dem Nudelsieb abgießen. Damit er seine schöne grüne Farbe behält, sofort danach mit kaltem Wasser abschrecken. Danach den Reis aufsetzen und während dieser gar wird, di Scharlotten würfeln und in der Pfanne mit etwas Öl scharf anbraten. Das restliche Gemüse ebenfalls in kleine Stücke schneiden, zu den Zwiebeln geben und kurz bei mittlerer Hitze mitbraten. Die Ananasstücke dürfen nun ebenfalls in die Pfanne wandern. Anschließend dann die Kokosmilch (Dose vorher gut schütteln! ;) ) und die Gemüsebrühe dazugeben. Mit den Gewürzen abschmecken - dabei nicht am Curry-Pulver sparen. Alles etwa 5 Minuten gemeinsam köcheln lassen und dann mit Reis servieren. Voilà.

Bei mir sah das so aus
Wie gesagt, was die Variationsmöglichkeiten angeht, sind da keine Grenzen gesetzt. Ich lasse die Ananas eigentlich meistens weg und gebe zusätzlich noch Karotten dazu. Die passen super gut zu Kokosmilch, wie ich finde. Aber auch in dieser Kombination hat es sehr lecker geschmeckt. Falls euch also demnächst der Wunsch nach einem Gemüse-Vitamin-Schock überkommt, lege ich euch dieses Gericht wärmstens ans Herz. Guten Hunger! ;)

13.01.2016

[Challenge] 9 3/4 Hogwarts Challenge - wie hätte ich da nein sagen sollen?

Es gibt ein paar Trigger, Zauberworte quasi, mit denen man mich so ziemlich sofort überzeugt und für sich gewinnt. Dazu gehört im Grunde alles, was in irgendeiner Form mit dem Harry-Potter-Universum zusammenhängt. Also sitze ich hier nun und kann nach fast 3 Jahren Challenge-Abstinenz meine Teilnahme verkünden bei der:


Die beiden Bloggerinnen Sarah und Maike haben diese wirklich liebevoll und schön konzipierte Challenge, wie sie mir bisher nur selten untergekommen ist, ins Leben gerufen. Dazu noch zu einer Buchserie, mit der ich unheimlich viel verbinde und die ich immer wieder gerne lese. Was zwar gar nicht primäres Ziel der Challenge ist, aber natürlich ein paar Bonus-Punkte einbringt ;)

Einmal die Regeln in aller Kürze:
  • Beginn der Challenge ist der 01. März, Ende ist der 24. Dezember 2016 (genau 9 3/4 Monate)
  • Jeder ist einem der vier Häuser zugeteilt (ratet mal, wo ich bin! ;D ) und sammelt auch für sein Haus die Punkte, die dann mit denen der anderen Hausmitglieder zusammengerechnet werden
  • Jeden Monat gibt es eine büchrige Aufgabe, die es zu erfüllen gilt; Rezensionen zu den gelesenen Büchern sind Pflicht
  • Für jedes zur Aufgabe passende Buch gibt es 25 Punkte; jedes gelesene HP-Band bringt 10 oder sogar 15 Punkte (wenn es in einer anderen Sprache gelesen wird) ein; außerdem gibt es noch ein paar Möglichkeiten, zusätzliche Punkte zu erlesen
Wenn ihr mehr zu den Regeln, der Punkteverteilung und den Monatsaufgaben wissen wollt, schaut gerne auf den oben von mir verlinkten Challenge-Seiten der beiden Organisatorinnen nach.
Und wenn euch meine Fortschritte interessieren (die zu diesem Zeitpunkt logischerweise noch nicht existent sind), könnt ihr gern auf meiner eigenen Challenge-Seite nachschauen.

Übrigens weiß ich aus sicherer Quelle, dass wir Hufflepuffs noch ein wenig unterrepräsentiert sind. Falls also Interesse besteht, kann sicher der eine oder andere noch einsteigen, bevor es los geht. Sind ja auch noch ein paar Tage Zeit zum Überlegen :D

Jedenfalls freue ich mich jetzt schon riesig auf die Challenge und ich bin sehr gespannt, welches Haus am Ende das Rennen machen wird. Und vor allem freue ich mich darauf, endlich mal wieder in die HP-Welt einzutauchen und die Bücher nach langer Zeit wieder zu lesen. Manchmal braucht man ja einen kleinen Anschupser dazu! :)

10.01.2016

[Musik] Sonntagslieder #132

Die erste offizielle Woche des neuen Jahres ist vergangen und trotz des dunkel-deprimierenden Winterwetters bin ich nach wie vor voller Tatendrang und Motivation. Diesem für mich relativ untypischen Zustand misstrauend (und jeden Tag mit seinem Ende rechnend) habe ich den Aktivismus nicht nur in Bezug auf meine Abschlussarbeit und die Zukunftsplanung gerichtet, sondern auch mal wieder ein bisschen nach neuer Musik gefahndet. Denn eine solche Stimmung macht mich nicht nur hibbelig, sondern auch und vor allem offen für neues. Dieser Kombination habe ich nun den einen oder anderen musikalischen Hoch-Moment zu verdanken. Seht selbst:

Es war schon immer so
Massendefekt


Liebste Textstelle:
Alles was ich machen will hast du schon längst getan
Und weiß man nicht, wies richtig geht, wird man's von dir erfahr'n.
So unglaublich gut kann doch keiner sein,
du sammelst fleißig Orden im Klugscheißerverein.


Graffiti on a train
Stereophonics


Liebste Textstelle:
Gibt es nicht. Der gesamte Text erzählt so eine tragisch-traurige Geschichte, ich kann absolut nichts aus dem Zusammenhang gerissen hier präsentieren.

Times like these
Foo Fighters

Liebste Textstelle:
I am a new day rising 
I'm a brand new sky to hang the stars upon tonight 
I am a little divided do
 I stay or run away and leave it all behind?

An dieser Stelle möchte ich betonen, dass nur die ersten beiden Bands Neuentdeckungen sind und die Foo Fighters mich schon ein bisschen länger begleiten. Vor allem mit diesem Song ♥
Einen gemütlichen Rest-Sonntag mit guter Musik, leckerem Essen und entspannter Atmosphäre wünsche ich! Habt einen motivierten Start in die neue Woche!

05.01.2016

[Gerede] Perfektion ist quatsch!

Wenn es in den letzten Wochen und Monaten ein Wort gab, das mich am allermeisten nervte, dann das Wort "perfekt" und vor allem das Konzept, das damit einhergeht und bei so manch einem zu einem gesamten Lebensentwurf mutiert. 
Das Motto dieser pseudo-reflektierten Einstellung lautet: 

Werde zu einer besseren Version deiner selbst.

Dieser Satz löst auf so vielen Ebenen Unmut und auch einen leichten Brechreiz bei mir aus, dass ich mir das heute und hier alles einmal von der Seele schreiben muss. Quasi als Gegengewicht zu den ganzen Diät- und Fitnesstipps, die pünktlich zu den Neujahrsvorsätzen in der on- und auch in der offline-Welt eintrudeln.
Was mich schon einmal grundlegend am angestrebten perfekten Körper/Leben/was auch immer stört, ist die eindeutige Unerreichbarkeit, die zwangsläufig zu Frustration führen muss. Wie wir alle wissen, die wir etwas kritisch eingestellt sind, ist Perfektion ein Zustand, der niemals erreicht werden kann. Du hast die angepeilten 4 Kilo abgenommen? Prima! Aber deine Bauchmuskeln lassen wirklich zu wünschen übrig, also ab ins Fitnessstudio! Du verzichtest ab jetzt auf Fleisch von Aldi und Co. und achtest auf regionale Produkte? Prima! Aber besser für dich und die Umwelt wäre es, gänzlich auf Fleisch und tiereische Produkte zu verzichten. Also werde lieber Veganer und iss deinen Chiasamen-Pudding. Und so feiert man nicht die Erfolge und gibt sich damit einfach zufrieden, sondern sucht sich immer neue Baustellen, an denen rumgeschraubt werden kann. Und so ein Leben ist ja auch so vielfältig, da gibt es endlose Möglichkeiten! Das eigene Gesicht von Falten befreien, das Bücherzimmer nach ikea'schem Vorbild einrichten und das Ergebnis tausendfach auf Instagram posten oder einfach gleich die ganze Welt retten, indem man nur noch rohes Obst und Gemüse zu sich nimmt! Alles ist möglich! Aber perfekt wird es nie sein.
Da frage ich mich doch direkt auch: wozu das ganze? Wo keine Probleme sind, muss ich mir doch auch keine machen, oder? Jüngst verkündete ich vor meinen Kolleginnen, dass ich in meinem ganzen Leben noch nie eine Diät gemacht habe. Woraufhin ich einerseits sofort mehr oder weniger geächtet und andererseits eines prüfenden Blicks unterzogen wurde. Mit dem Ergebnis, dass meine Figur ja ganz okay ist, aber mit 3 oder 4 Kilo weniger wäre sie doch quasi perfekt. So gesehen sollte ich jetzt auf Grund von der rein subjektiven Beurteilung einiger Menschen etwas an meinem Lebensstil ändern - oder an meinem Körperumfang - obwohl ich mit beidem wirklich zufrieden bin? Natürlich, nach aktueller ästhetischer Auffassung bin ich unter Umständen relativ nah an einer "perfekten" Figur dran (zumindest mit speck-quetsch-Tops und einem Pulli drüber sieht es so aus), da könnte ich ziemlich schnell ziemlich optimal aussehen. Aber was soll mir eine vermeintlich perfekte Figur denn bringen? Die ja auch nicht einmal erreicht einfach bleibt, sondern für die ich den Rest meines Lebens arbeiten müsste. Gesteigertes Selbstwertgefühl? Das bezweifele ich doch stark. Wer sich so einem vermeintlichen Perfektionismus hingibt, hat meiner Meinung nach alles, aber kein Selbstwertgefühl.

Denn sehen wir die Sache doch mal so: Ist man selbst mit sich im Reinen, gesund und fühlt sich wohl, dann ist man bereits eine absolut menschlich-optimale Version seiner Selbst. Die keiner Verbesserung bedarf. Und das ist auch mein zweiter großer Punkt bei diesem Thema. Was sind meßbare Werte, Zahlen und selbst optische Standarts im Angesicht des menschlichen? Im Angesicht der individuellen Konstitution? Menschen sind einfach nicht objektivierbar. Und optimale maschinelle Vorgänge sind nicht zu vergleichen mit optimalen menschlichen Zuständen. Letztere unterliegen immer einer Wertsetzung, müssen interpretiert werden. Und wenn ich meine Figur als optimal interpretieren kann, dann haben alle anderen, die das nicht können, das Problem. Und nicht ich.
Also plädiere ich hiermit dafür, weniger an den äußeren Parametern seines Lebens rumzuperfektionieren, sondern lieber die eigene innere Einstellung zu reflektieren und dann einfach mal zu chillen. Es gibt Bereiche, da ist ein bisschen Kritik und Ehrgeiz gut. Föderlich. Sinnvoll. Wenn man Häuser baut zum Beispiel, oder Staudämme. Oder einen Hubschrauber landen will. Das permanente Basteln am eigenen Leben gehört meiner Meinung nach aber nicht dazu. Und wenn man das verinnerlicht hat, läuft man sehr viel weniger gestresst durchs Leben. Es passt doch schon alles irgendwie. Auch, wenn es nicht perfekt ist. So ein Kilo zuviel ist vielleicht bei einer Flugzeugschraube fatal, bei einem Menschen aber doch eher sympathisch.