28.01.2016

# Katzenjammer # L(i)ebenswert

[Gerede] Koffeinabhängig. Meine Geschichte

Bei Kaffee bin ich, wie bei einigen anderen Dingen auch, ein kleiner Spätzünder. Während zu Schulzeiten runde 85% meiner Mitschüler spätestens in der heißen Phase der Abiturklausuren die Hälfte ihrer Zeit im Koffeinrausch verbrachte (die restliche Hälfte der Zeit übrigens ebenfalls berauscht; nur dieses Mal von Alkohol, einer Praxis, der ich mich zwar nicht gänzlich, aber dennoch teilweise auch verweigerte), konnte man mich mit Kaffee jagen. Selbst mit Milch und viel Zucker war er für mich bloß leidlich genießbar, sodass ich lieber mit heißer Schokolade oder profanem Mineralwasser Vorlieb nahm. Kaffee mochte ich schlicht und einfach nicht.

Wäre dieser Zustand erhalten geblieben, würde ich heute viel Geld sparen. Dabei ging eigentlich alles sehr vielversprechend und in den richtigen Bahnen weiter. Nach dem Abi arbeitete ich für längere Zeit in einem gemütlichen Betrieb zu dessen äußerst positiver Arbeitsatmosphäre die tägliche Frühstückspause nicht unwesentlich beitrug. Nachdem ich den dortigen, zumeist von der Buchhalterin aufgebrühten und entsprechend starken Kaffee (irgendwie müssen sich diese Menschen ja wachhalten) zweimal konsumiert und im darauffolgenden Hyperaktivitätswahn den kompletten restlichen Tag sämtliche Kollegen wahnsinnig gemacht hatte, beschloss ich, von nun an auf dieses soziale Ritual des Kaffeetrinkens zu verzichten und einfach weiter an meinem Wasser zu nippen. Alles schien friedlich, bis ich dann von einer mütterlichen Kollegin sukzessive auf entkoffeinierten Cappuccino umgestellt wurde. Dieser hat geschmacklich mit frischem, echtem Kaffee zwar relativ wenig zu tun und auch der wach-mach-Effekt blieb aus. Aber genau deshalb läutete er meinen Untergang ein. 
Es gibt Menschen, die nur in Gesellschaft rauchen. Und so trank ich zunächst nur in der Gesellschaft meiner Kollegen besagten Cappuccino. So lange, bis ich völlig gehirngewaschen zu diversen Treffen ehemaliger Schulfreunde oder während des Kuchenessens bei meiner Oma fast automatisch einen Kaffee dazu bestellte. Sowieso war ich mittlerweile auch in einem gefährlichen Alter, denn wo vorher die Schule einen Großteil meiner sozialen Kontakte automatisch gefördert hatte, mussten viele nun forciert werden. Plötzlich verabredeten sich alle "auf ein Käffchen", und auch, wenn ich nach wie vor kein Fan dieses bitteren Getränks war, bestellte ich doch nach und nach immer seltener Tee oder Kakao, sondern Cappuccino, Milchkaffee und Karamel-Macchiati (sofern das nicht die korrekte Pluralform sein sollte - großzügige Gutscheine für Italienischkurse nehme ich gerne an).

Schließlich geriet ich an die falschen Freunde, die mich endgültig auf Abwege brachten. Ich sage nicht, dass sie schlechte Menschen sind, denn auf ihre Weise versuchen sie, mit dem Leben so gut es geht zurechtzukommen. Aber es ist nun einmal eine traurige Tatsache, dass das studentische Milieu eine autarke Subkultur mit einem großen Koffein-Problem ist (von anderen Stimulantien möchte ich gar nicht erst anfangen). Die ersten Semester überstand ich noch relativ unbeschadet, weil sich die neuen Bindungen erst aufbauen mussten. Dennoch ertappte ich mich immer öfter dabei, wie ich mich nach einem heißen, erweckenden Kaffee sehnte - vor allem vor und nach diversen Theorieseminaren, bei denen mir der Kopf schwirrte. 
Viel schlimmer allerdings: immer öfter gab ich diesem Drang nach und versorgte mich am Kiosk mit riesenhaften Pappbechern voller Koffeindröhnungen. Denn die mit Milch, Zucker und verschiedenen Sirupsorten verdünnten Kaffees sind auf die Dauer ohne das völlige Abrutschen in die Beschaffungskriminalität finanziell untragbar. Da es mich vor diesem letzten Schritt ins Verderben aber grauste, begann ich, mit dem simplen, hochdosierten Stoff zu experimentieren. Mit dem Ergebnis, dass ich mich langsam an die Bitterstoffe gewöhnte.

Mittlerweile trinke ich Kaffee generell ohne Zucker. Zwar bin ich von der Milch nicht völlig losgekommen, doch fürchte ich, dass dieser Umstand nicht viel zur Entschuldigung meiner Sucht beitragen kann. Wie ein Profi habe ich allerdings mittlerweile das richtige Besteck zu Hause und kann dort selbst Kaffee aufbrühen, sodass ich nicht mehr auf das Wohlwollen der Dealer angewiesen und finanziell wieder im grünen Bereich bin. 

Was ich damit sagen will: lasst die Finger von Drogen. Aber Kaffee ist in Ordnung, denn ohne ein paar kleine Laster ist das Leben auch irgendwie langweilig.

Kommentare:

  1. Meine liebe Mel,
    das war so schön, amüsant und auch spannend zu lesen. Wie du langsam und nach und nach in dieses Milieu abgerutscht bist.
    Ich erkenne da übrigens mal wieder einige Parallelen wieder. Bei mir war es nämlich relativ ähnlich und Kaffee war mir lange Zeit sehr verhasst und ich habe erst mit 23 oder so angefangen, mich diesem Gebräu zuzuwenden. Da ging es auch nach und nach über Cappuchino und Latte Macchiato. Das ist wohl eine Einstiegsdroge. Mittlerweile hat sich da meine Verhalten auch gewandelt (oder weiterentwickelt). Kaffee gibts bei mir schwarz mit ein bisschen Zucker (etwas, was ich früher niemals für möglich gehalten habe). Zumindest gibt es im Büro kostenlos und wirklich sehr guten Kaffee aus frisch gemahlenen Bohnen.

    Hallo, ich bin FrauHeldin und ich mag Kaffee!

    <3

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    1. Hallo FrauHeldin! Bitte nimm in unserem Stuhlkreis platz und herzlich willkommen bei den (nicht so richtig) anonymen Kaffeeabhängigen.
      :D

      Ja, dieses gestreckte Zeug ist wahrscheinlich wirklich die Einstiegsdroge und der Anfang vom Ende. Kritisch wird es vielleicht erst, wenn man ausschließlich schwarzen Kaffee trinkt :D Aber man kommt klar. Vor allem, wenn man so gut und kostenlos versorgt wird wie du. Das klingt nach einem Traum - meine Eltern brühen auch fast nur frischen Bohnenkaffe auf (die haben sogar eine kleine elektrische Kaffeemühle) und das ist ein himmelweiter Unterschied zu anderem Kaffee.

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  2. Kenne ich gut :-) Ich bin über Pulverkaffee und Kollegen langsam an Kaffee gewöhnt worden. Allerdings achte ich darauf, dass ich ihn genieße. Wenn ich ihn nur noch nebenher "saufe", reduziere ich. Wäre doch schade :-)

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    1. Immer diese Kollegen! :D
      Ich versuche auch manchmal, den Konsum zu verringern, weil Kaffee früher für mich immer Entspannung bedeutet hat (bei Kaffeeklatsch-Treffen zum Beispiel). Aber mittlerweile bin ich ohne nicht wirklich konzentrationsfähig, also gibts den auch zur Arbeit. Naja, so ist das halt jetzt. Bleib du aber nur weiter so standhaft! :D

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  3. Das hast du gut& witzig beschrieben!:D Meine Suchtgeschichte ist deiner sehr ähnlich. Allerdings hab ich teilweise auch schon im Abi eine Koffeindröhnung vebraucht, aber nur wenn ich daheim bis in die Nacht gearbeitet hab. Im Moment versuche ich es einzugrenzen, da er mich eher nervös statt wach macht:S
    So ...ich geh mir dann mal trotzdem mein Käffchen machen.
    Liebe Grüße
    Eli

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    1. Danke :) Ja, man wird manchmal so zittrig und fahrig. Eine Freundin von mir bekommt auch immer Herzrasen, wenn sie zu viel (also 2 Tassen über den Tag verteilt) trinkt. Da sollte man dann wirklich aufpassen.
      Liebe Grüße zurück! :)

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  4. Haha, dein Beitrag war wirklich toll zu lesen - weil ich grade in der selben Situation bin wie du am Anfang. Ich bin jetzt 17, und einige in meiner Klasse lieben Kaffee über alles und können gar nicht ohne. Und ich find das Gesöff einfach so elendig grauslich :D Ich bin total der süße Mensch, also entscheide ich mich wirklich immer für eine schöne heiße Schokolade oder einen gesüßten Tee. Auch wenn das dann nicht so "erwachsen" wirkt ;) Die Anlehnung an Gelegenheits- oder Gesellschaftsrauchen und die Entwicklung zum Kettenraucher finde ich als Außenstehende total witzig - vielleicht geht es mir in ein paar Jahren genauso wie dir!

    Alles Liebe,
    Sandra

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    1. Kaffee war früher für mich auch immer das Getränk für Erwachsene. Vielleicht habe ich auch deshalb selten welchen getrunken, weil ich mich noch nicht groß genug gefühlt habe xD
      Ja, vielleicht :D Denn auch Kaffee kann man süßen, das ist das Fatale daran :D

      Liebe Grüße :)

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