23.02.2016

[Rezension] Emanuel Bergmann - Der Trick

Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Roman
Seitenzahl: 391


Teaser:
Die Toten nahmen in ihrem Leben einen weitaus größeren Stellenwert ein als die Lebenden. Ständig schwafelte sie über diese oder jene Verwandten, die im Krieg ermordet worden waren. Das war verwirrend, denn ihr schien nicht immer klar zu sein, dass Max seine ausgelöschte Familie nie kennengelernt hatte.




Handlung
Mosche Goldenhirsch wird zum Ende des ersten Weltkrieges hin in Prag geboren. Seine Mutter ist die Frau eines Rabbis, der als Invalide frühzeitig aus dem Krieg nach Hause kommen darf und als Geistlicher nach Erkenntnis und Wundern sucht und diese nicht-rationale Denkweise seinem Sohn weiterzugeben versucht. Dieser hat allerdings für die Religion wenig übrig. Seine wahre Leidenschaft entdeckt er mehr oder weniger zufällig bei einem heimlichen Zirkusbesuch: das Rampenlicht, die Illusion und die Show. Kurzentschlossen lässt er Prag und sein ärmliches Leben hinter sich und schließt sich als Lehrling des Zirkuszauberers und seiner Assistentin an, um fortan Zaubertricks und die Kunst des Mentalismus zu erlernen.

Zwei Generationen später erlebt der kleine Max den Albtraum eines jeden Kindes: seine Eltern schleppen ihn in ein Restaurant seiner Wahl, um ihn von ihrer Trennung in Kenntnis zu setzen. Zwar betonen sie, dass sich für Max nichts ändern wird, aber natürlich merkt er schnell, dass sie dieses Versprechen nicht halten können. Bei dem Auszug seines Dads findet er eine alte Schallplatte, die ihn auf die Spur des großen Zabbatini bringt - ein berühmter Zauberer aus den 80er Jahren, der unter anderem einen Liebeszauber in seinem Repertoire hat. Also macht Max sich auf die Suche ihm, in der Hoffnung, dass seine Eltern durch Magie wieder zusammenfinden.

Meine Meinung
Schon bei der Inhaltsbeschreibung kann man ein magisches Buch erwarten; allerdings geht es um weit mehr, als um Zirkustricks und mutmaßliche Liebeszauber. Es geht um die Aufarbeitung der Vergangenheit im Spiegel der Gegenwart, um Erkenntnisprozesse, verloren geglaubte Seelen und schicksalhafte Begegnungen. Und mitten drin in diesem Wust von Denkanstößen steckt der kleine Max mit seiner Hoffnung, dass seine Eltern wieder zusammen finden.

Rührend ist dabei das erste Wort, das mir einfällt, wenn ich mir noch einmal die Geschichte ins Gedächtnis rufe. Die Probleme von Max und wie er mit seiner kindlichen Logik diese zu lösen versucht, haben mich genauso berührt, wie das Schicksal des kleinen Mosche, der irgendwann ein gar nicht mehr so kleiner, aber dafür umso begabterer Illusionist, Mentalist und Zauberkünstler ist.

Die Geschichte von Max und wie es mit seinen Eltern weitergeht, bildet den einen Handlungsstrang, der für sich genommen verschiedene Thematiken behandelt, von denen die Scheidung der Eltern nicht wirklich im gedanklichen, sondern nur im inhaltlichen Mittelpunkt steht. Weit mehr reflektiert dieser Handlungsstrang die Differenzen und Unterschiede verschiedener Generationen, vor allem durch die Beziehung zwischen Max und seiner Großmutter, die oft und gerne von ihrer Zeit im KZ erzählt, wo sie zur Zeit des Nationalsozialismus als gefangen war. Sowohl ihr Sohn als auch ihr Enkel sind diese Geschichten leid, haben sie doch kaum etwas mit deren eigener Lebenswelt zu tun. Die Problematik des Vergessenwerdens wird hier sehr deutlich an diesem Beispiel illustriert und auch mit diversen Rückblenden auf die NS-Vergangenheit und die Entwicklungen in Deutschland zu den 1930er Jahren unterstützt
Für mich viel spannender war allerdings die parallel erzählte und episodenhafte Geschichte um Mosche Goldenhirsch, dessen Lebensgeschichte als spannendes Einzelschicksal, dasebenfalls mit den schrecklichen Geschehnissen des Nationalsozialismus verknüpft ist, im Kontrast zu den "ollen Kamellen" von Max' Großmutter steht.
Natürlich werden beide Handlungsstränge irgendwann miteinander verknüpft, und ehrlicherweise muss ich sagen, dass mir das ein wenig zu konstruiert war und daher die Geschichte auf dem letzten Drittel ein wenig abgebaut hat. Um mich dann auf den letzten Seiten wieder völlig rumzureißen, weil der letzte Trick des großen Zabbatini einfach ganz wunderschön und herzzerreißend gleichzeitig ist.

Die verschiedenen Zeit- und Ortswechsel waren für mich sehr spannend zu verfolgen, denn Bergmann schafft es, an jedem Punkt in seiner Geschichte eine dichte Atmosphäre zu schaffen - sei es nun in Berlin 1936 oder Los Angeles 2007. Die Sprache macht dabei natürlich einen großen Teil aus - sie ist immer passend gewählt, immer klar und ohne großartiges Metaphergewedel, sondern eher nüchtern, mal kindlich-albern und mal sehr tiefgründig, aber ohne zu komplex zu sein.

Insgesamt ein wirklich schönes Buch, dessen Inhalt so ganz anders war, als ich erwartet habe und mich deshalb gleich doppelt überrascht und auf jeden Fall begeistert hat. Ich vergebe 4 Wölkchen und eine Leseempfehlung an alle, die Lust auf einen magischen Generationen-Roman haben.

Außerdem danke ich vorablesen.de und dem Diogenes-Verlag herzlich für die Bereitstellung dieses Rezensionexemplares!

21.02.2016

[Musik] Sonntagslieder #134

Seitdem ich nahe dran war, mein ausgeglichenes und fröhliches Gemüt zu verlieren und stressbedingt nur noch grummelig durch die Gegend zu laufen, habe ich zwei Dinge beschlossen:
a) Sonntags wird nicht gearbeitet. Nicht im Haushalt, nicht für die Uni, nicht für einen Job. Höchstens ein bisschen für den Blog. Und vielleicht manchmal doch ein bisschen Haushalt. Aber ansonsten nicht.
b) Einen Tag in der Woche muss es geben, an dem ich außerdem trotz Arbeit noch irgendwas schönes mit netten Menschen unternehme. Wie wichtig sowas ist, merkt man manchmal erst, nachdem man 14 Tage ausschließlich geackert hat.

Nach immerhin zwei Wochen, in denen ich diese Punkte befolgt habe, kehrt meine positive Grundstimmung zum Glück langsam wieder zu mir zurück. Weshalb ich auch wieder alles um mich herum viel mehr würdigen kann. Einschließlich der folgenden Lieder, die mir selbst an stressigen Tagen immerhin ein kleines Lächeln ins Gesicht zaubern und die deshalb im Moment bei mir hoch und runter laufen.

Du bist schön
Alligatoah


Liebste Textstelle:
Frag nicht wie alt die sind, die meine Kleider näh'n
Auf einer Skala von eins bis zehn.
Tja, denn Kleider machen Leute,
doch die Leute, die die Kleider machen
leisten sich bis heute leider weniger Designerjacken.


Westerland
Die Ärzte


Liebste Textstelle:
Oh, ich hab' solche Sehnsucht!
Ich verlier den Verstand!
Ich will wieder an die Nordsee, ohoho
Ich will zurück, ich will zurück, ich will zurück, ich will zurück,
nach Westerland!


Das letzte Lied auf der Welt
Fettes Brot


Liebste Textstelle:
Dann fang ich doch einfach mal an
alle Mann, ohne Spaß kein Fun!
Die Welt kommt mir vor, wie in Technicolor
ich bin ein Superpunk, ich bin Rihanna ich bin Drake, ich bin Sly & The Family Stone
ich bin Extrabreit, forever young bin einer von 3 Millionen


Alligatoahs neues Album ist allgemein gerade mein absoluter Hit seit langem. Vielleicht bin ich unibedingt grade so im Analysemodus - wobei ich textlastige Lieder eigentlich immer am meisten mag - aber diese Sprachakrobatik (mir fällt tatsächlich kein besserer, weniger ausgelutschter Begriff ein. Aber es ist auch Sonntag und da darf ich nicht arbeiten :D ) ist der totale Hammer. Und die Ärzte und Fettes Brot sind ja eh classic, wa? :D 
Einen gemütlichen und stressfreien Sonntag allerseits! ♥

17.02.2016

[Rezi] Rick Riordan - Percy Jackson. Diebe im Olymp

Erscheinungsjahr: 2006
Originaltitel: Percy Jackson and the Olympians - The Lightning Thief
Genre: Jugend, Fantasy
Reihe: Percy-Jackson-Reihe, Teil I
Seitenzahl: 447


Teaser:
Als ich mich mit der Tatsache abgefunden hatte, dass mein Lateinlehrer ein Pferd war, drehten wir eine nette Runde durch das Camp, wobei ich mir alle Mühe gab, ihn nie vor mir hergehen zu lassen




Handlung
6 Schulen in 6 Jahren - es braucht nicht viel an Kombinationsgabe, um festzustellen, dass Percy mit der Welt nicht so richtig klarzukommen scheint. Als wäre er mit seiner Legasthenie und seiner ADHS-Erkrankung nicht schon gestraft genug, geschehen um ihn herum immer seltsame Dinge. Doch in diesem Jahr schien sich eigentlich alles irgendwie zum Guten zu wenden: auf seiner neuen Schule, einem Internat, hat er in Grover einen guten Freund und in Mr. Brunner einen Lehrer, der ihn unterstützt, gefunden. Doch auch diese Schule muss er verlassen und so kehrt er bedrückt nach New York zu seiner Mutter zurück. Diese lebt zusammen mit ihrem Freund Gabe, dessen liebstes Hobby es ist, Percy zu schikanieren. 
Insgesamt sind es also eher weniger rosige Aussichten, die Percy da hat. Bis zu dem Moment, in dem er erfährt, dass alles, was er bisher erlebt hat, der Tatsache geschuldet ist, dass er kein normaler Mensch ist. Percys Vater ist niemand geringerer als einer der 12 Götter des Olymp, und nur aus diesem Grund fühlt sich Percy in der Welt der Menschen nicht heimisch und findet sich einfach nicht zurecht. Doch im Sommercamp "Half Blood" wird er nun endlich in diese magische und göttliche Welt eingeführt und trifft zudem noch viele andere Halbmenschen-Halbgötter, die in diesem Camp ihre Heldenausbildung ableisten. Alles könnte sich zum besseren wenden, wäre da nicht das kleine Problem, dass Zeug persönlich ziemlich wütend auf Percy ist, weil er diesen verdächtigt, seinen Herrscherblitz gestohlen zu haben. Also macht Percy sich auf den Weg, den wahren Täter zu finden und Zeus seinen Blitz zurückzuholen.

Meine Meinung
Adaptionen bekannter Stoffe finde ich grundsätzlich spannend und wenn sie gut gemacht sind, auch immer unterhaltsam und super toll. Zu meiner großen Freud kann ich verkünden, dass dies hier sehr gut gemacht ist und mir die Reise mit Percy zusammen zu den griechischen Göttern viel Spaß gemacht hat.

Zusammen mit seinem etwas verpeilten Beschützer-Satyr Grover und seiner toughen Freundin Annabeth - Tochter der Athene - kämpft er sich quasi quer durch die USA, um den Herrscherblitz zu finden und zum Olymp zu bringen. Denn dieser ist mittlerweile natürlich nicht mehr in Griechenland zu finden, sondern nach Amerika umgezogen - schließlich residieren die hohen Gottheiten immer in der Mitte der westlichen Zivilisation. Rein ideell war das mein einziger großer Kritikpunkt an dem Buch. Ich finde es manchmal fast unerträglich, wenn amerikanische Autoren solche arroganten Aussagen treffen und ihrer Nation ganz ernst gemeint als Nabel der Welt darstellen. Zumal solchen Feststellungen meistens moralische Werturteile bezüglich der politischen Vergangenheit aller anderen Staaten folgen und die eigene mal eben unter den Teppich kehren. So war es leider auch in diesem Text, aber zum Glück nahm dieses vermessene Gerede nicht viel Raum ein, sodass ich mich nicht lange aufregen musste und mich mit den schönen Seiten der Geschichte befassen konnte.

Erstmal ist der Schreibstil nämlich wirklich richtig witzig. Percy als Ich-Erzähler hat einen dermaßen trockenen und sarkastischen Humor und kommt ja auch immer wieder in Situationen, die einen nüchternen Kommentar seinerseits provozieren, dass die Lektüre zu einem sehr frechen und lustigen Erlebnis macht. 
Die Welt der griechischen Mythologie ist sehr interessant dargestellt, weil viele klassische Elemente verarbeitet wurden, aber die Darstellung der Wesen und Gottheiten doch einer modernen Anpassung unterzogen worden sind. Da hätten wir zum Beispiel Ares, den aggressiven Gott des Krieges, der als Hells-Angels-Verschnitt in Lederjacke auf seinem Motorrad durch die Gegend düst. Generell verbindet die Geschichte Informationen aus der griechischen Mythologie sehr gelungen mit dem Setting der Gegenwart. Und wenn man doch nochmal ein bisschen mehr darüber wissen will, wie ein bestimmtes Wesen, Artefakt oder eine Gottheit eigentlich konzipiert war, kann man im Anhang des Buches eine Art Glossar finden, in dem nochmal alle wichtigen vorkommenden Namen inklusive kurzer Erklärung aufgelistet sind.

Noch ein kleiner Kritikpunkt am Rande: ganz zu Anfang ist mir die stellenweise etwas lieblose Übersetzung und auch die schlampige Rechtschreibkontrolle (ich hasse es einfach, wenn sich Fehler in Büchern häufen) negativ aufgefallen. Beides hat sich im Laufe der Lektüre gelegt; ob das nun daran lag, dass ich mich daran gewöhnt habe, oder ob es zum Ende hin einfach wirklich besser geworden ist, kann ich im Nachhinein nicht mehr sagen.

Die Handlung schreitet zügig voran, Szenen mit actiongeladenen Kämpfen wechseln sich mit erhellenden Passagen ab, sodass es nie langweilig wird. Durch den einfachen Schreibstil kommt man mit dem Lesen schnell weiter. Das hat aber auch den Nachteil, dass sowohl das Setting als auch die Figuren nicht allzu detailliert ausgearbeitet werden können, denn sie haben einfach wenig Raum zu Entfaltung. Die mythologischen Wesen brauchen den auch nicht unbedingt, finde ich, weil man ja durch ein bisschen Hintergrundwissen schon genug zu ihren Charaktereigenschaften erfahren kann - die im Buch ziemlich nah übernommen wurden. Nur bei den restlichen Figuren tat es mir ein bisschen leid, denn abgesehen von unseren drei Protagonisten und den zwei Bezugspersonen aus dem Camp bleiben die meisten anderen Figuren doch etwas blass.

Nichtsdesto trotz eine tolle Verarbeitung mythologischer Stofftradition und ein sehr kurzweiliges Leseerlebnis. Ich vergebe vier Wölkchen.


13.02.2016

[Gerede] Über die Rolle und das Selbstverständnis von Buchblogs. Ein Kommentar

Vor ein paar Tagen stieß ich bei meiner routinemäßigen Update-Runde durch diverse Zeitungsapps auf diesen Artikel aus der ZEIT, der mich zunächst etwas irritiert, dessen Thematik mich aber seither nicht mehr losgelassen hat. Vor allem, weil ich mittlerweile auf einen inhaltlich ähnlichen Blog-Beitrag getroffen bin, der die ganze Sache von der entgegengesetzten Perspektive aus betrachtet und dem Artikel traurigerweise Recht gibt - wenn auch sicherlich nicht mit Absicht.

Worum es in den beiden verlinkten Beiträgen geht, sei hier schnell und in aller Kürze dargestellt. Zwei Parteien steigen in den Ring: die linke Ecke wird besetzt durch die klassischen Medien mit einem Kompetenzteam aus studierten Literaturkritikern, die über fundiertes geisteswissenschaftliches Fachwissen verfügen. In der rechten Ecke befinden sich die jugendlichen und jugendlich gebliebenen Buchblogger, die aus ihrem Lese-Hobby ein Online-Hobby gemacht haben und mittlerweile von Verlagen zu einer kleinen Marketing-Subkultur funktionalisiert worden sind. Es verspricht, eine großartige Show zu werden, ein Battle klassisch gegen neu, etabliert gegen frisch, Reflektivität gegen Unterhaltung, Akademiker gegen Blogger. Mögen die Spiele beginnen!

Runde 1: Die ZEIT nutzt eine Lücke in der Blogger-Abwehr und schlägt einmal fest zu. Aber auch, wenn ich der Verfasserin des ZEIT-Artikels (die sich selbst, wie ich nach kurzer Recherche vermute, gar nicht zu dem elitären Kreis der Literaturkritiker zählt) in einigen Punkten durchaus zustimmen muss und möchte, sind wir doch grundsätzlich nicht der selben Meinung.
Man kann nicht umhin, peinlich berührt zu nicken, wenn sie den Bloggern vorwirft, in der breiten Masse leichte, schnelle Bücher zu bevorzugen und an komplexen Texten eher prinzipiell rumzukritteln, anstatt sich näher damit und der ästhetischen Wirkung auseinanderzusetzen. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass relativ seichte Fantasy- und RomCom-Literatur präsenter in der Buchblogszene ist als der neue Roman von Christian Kracht. Dass nicht nur die Bücher nicht zu viel Hirneinsatz erfordern sollen, sondern auch die Rezensionen dazu auf den Blogs bitte kurz und knackig sein müssen, wenn sie jemand lesen soll. Lange Rezensionen stehen oft gleichermaßen für Geschwafel wie für Phrasendrescherei. Und sind wir mal ehrlich: was soll man zu einem Jugendbuch denn auch großartiges schreiben, was nicht schon jemand anderes auf seinem Blog dazu geschrieben hat? Dann doch lieber das wunderschön gestaltete Cover positiv hervorheben, da kann schließlich jeder mitsprechen. Und hübsch im Regal sieht es auch noch aus. 

Was hier so überspitzt formuliert ist, stellt nach meinen Beobachtungen eine Regel dar, von der es glücklicherweise erfrischende Ausnahmen gibt, der aber doch das Gros an Buchbloggern folgt. Während ich ganz persönlich dieses Phänomen von einem rein ideellen Standpunkt als bedrückend wahrnehme (war ich, bin ich und werde ich immer der Meinung sein, dass die besten Texte gerade die sind, zu denen man sich den Zugang erarbeiten muss, die einen nicht nur floskelmäßig zum "nachdenken bringen", sondern regelrecht zum denken zwingen, weil man sie sonst nicht oder nur ungenügend versteht; wodurch man am meisten über das Buch, die Welt und sich selbst lernen und einen viel größeren Erkenntnisgewinn haben kann), ist dieser ganze Konflikt doch eigentlich erst wirklich hochgekocht, seit es absolut profan um Geld geht. Seit die Verlage entdeckt haben, dass Besprechungen aus der Zielgruppe die Leser in der Zielgruppe mehr berühren, als Besprechungen von professionellen Menschen und ihre Rezensionsexemplare deshalb aufteilen und einige an Blogger und nicht mehr nur an den exklusiven Journalistenkreis schicken. Seit aus den Blogs ein Geschäft geworden ist. Und wie es allgemein auch bei den Youtube-Stars zu beobachten ist, wächst mit zunehmender Professionalisierung auch die Kritik. Und das absolut zu Recht, denn jeder, der öffentlich Inhalte generiert und publiziert, steht in einer gewissen Verantwortung, vor allem, wenn diese Inhalte eine gewisse Reichweite haben. Bei Buchblogs ist das nicht anders. Und wer freiwillig in den Ring steigt mit wissenschaftlich ausgebildeten Literaturkritikern, der muss sich bewusst sein, dass da ab und an mal ein rechter Haken kommen wird.

Nun ja. Wie selbst Cassandra Clare weiß, ist ein Text nichts ohne einen wirkungsvollen Plot Twist. Deshalb hier das große ABER: die wenigsten Buchblogger wollen tatsächlich Literatur kritisieren und haben mit Literaturkritik so viel am Hut wie Harry Potter mit Gut Pemberley. Es gibt viele Motivationen, Bücher zum Thema eines Blogs zu machen: eine Art Lesetagebuch führen, kurz seinen Senf zu den gelesenen Sachen geben oder sich allgemein einfach zwanglos ein bisschen mehr mit dem Hobby beschäftigen. Das hat nichts mit reflektierender Auseinandersetzung zu tun und ist genau deshalb als Marketing für die Verlage so interessant (wobei ich der Meinung bin, dass in vielen Diskussionen die Bedeutung der Buchblogs für die Verkaufszahlen absolut überschätzt wird, aber das ist ein anderes Thema), denn seit wann ist Marketing reflektiert oder geistig anspruchsvoll? Wie Adorno schon zu befürchten wusste, macht es gerade das Geistlose aus, das etwas für die Massen attraktiv macht. Zerstreuung, Unterhaltung, Konsum. Darum geht es und um nichts anderes. Ob das gut oder schlecht ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Fakt ist jedoch: Buchblogger können Literatur nicht auf die Art behandeln, wie es die Literaturkritik in den Feuilletons oder die Literaturwissenschaft an den Universitäten tun, denn sie haben weder die Ausbildung noch das Medium dazu. Und das müssen sie auch nicht, denn für die meisten geht es einfach um Spaß an der Sache. Und das ist wichtig. Es ist wichtig, dass Bücher Spaß machen und dass es Leute gibt, die diesen Spaß nach Außen kommunizieren. Es ist wichtig, nicht immer alles so furchtbar ernst zu nehmen. Und vor allem ist es wichtig, dass sowohl in der rechten als auch in der linken Ecke passionierte Leute stehen, die Literatur auf ihre jeweilige Art lieben und für ein Gleichgewicht bei der öffentlichen Auseinandersetzung damit sorgen. Liebe und Frieden.

10.02.2016

Lena Gorelik - Lieber Mischa

Erscheinungsjahr: 2011
Genre: Humor
Seitenzahl: 184



Teaser:
Wir waren gerade zu Besuch bei der Familie von Freunden auf deren Bauernhof, und der selbst gebrannte Schnaps machte die Runde und floss indirekt auch in die Namensvorschläge deines Vaters ein. Unser Freund hängte dem Schlomo ein Grinblum an, Schlomo Grinblum, das fanden alle schön.




Inhalt
"Lieber Mischa, der du fast Schlomo Adolf Grinblum gehießen hättest, es tut mir so leid, dass ich Dir das nicht ersparen konnte: Du bist ein Jude" - so lautet der vollständige Titel dieses Buches und beschreibt damit auch gleich die Programmatik, unter der sich sein Inhalt entfaltet. Die Autorin richtet in einer Art Briefsammlung das Wort an ihren einjährigen Sohn und gibt ihm - also eigentlich uns als Rezipienten, denn mit einem Jahr kann selbst ein kluges Baby vermutlich noch nicht lesen - einen Überblick darüber, in welche verworrene Welt er da hineingeboren wird, was für Vorurteile ihm als Juden begegnen können und wie sie sich seine Zukunft für ihn und irgendwie auch für die ganze Gesellschaft wünscht.

Meine Meinung
Ich bin ein bisschen unschlüssig, wie ich dieses Buch letztendlich bewerten möchte, weil es auf der einen Seite ganz unterhaltsam und nett zu lesen war und sicherlich keine allzuhohen Ansprüche stellt, ich vieles aber doch irgendwie problematisch finde.

Fangen wir aber doch mal einigen positiven Aspekten an. Mit einem eloquenten, selbstironischen (Ironie ist wohl das prägende Stilmittel dieses Buches und wird auch schon am Titel deutlich) und humorvollen Sprachstil und wechselnden Formaten berichtet der Text von den Erfahrungen, die sie gemacht hat, als sie mit ihrer Familie als so genannter Kontingentflüchtling aus Russland nach Deutschland gezogen ist und erst dort so richtig gemerkt hat, dass sie Jüdin ist. Die Kapitel wechseln sich mit solchen und weiteren Rückblicke auf ihre Vergangenheit - unter anderem auch ihren Aufenthalt in Israel oder der Berichte von diversen Familienfesten - und verschiedenen Listen ab, in denen mal die "coolsten Juden der Welt" oder die antisemitischsten Vorurteile aufgelistet werden. Dabei spielt die Autorin einerseits mit bestehenden Klischees und beleuchtet sie als Zielscheibe.
Was mich dabei ein bisschen stört, ist, dass ich einfach nicht weiß, ob man wirklich Vorurteile aus der Welt schaffen kann, wenn man sie immer wieder hervorkramt. Natürlich ist eine Auseinandersetzung wichtig, aber ich hatte an manchen Stellen des Buches das Gefühl, im Text wird durchaus eine Art Othering betrieben. Und das ist ja eigentlich das Gegenteil vom erklärten Ziel, würde ich sagen. 

Wie auch immer man dazu steht, insgesamt fand ich den Bericht dieser jüdischen Identitätssuche sehr humorvoll verpackt und kurzweilig zu lesen. Ich habe das Gefühl, die Ich-Erzählerin zu verstehen, die es manchmal leid zu sein scheint, als Jüdin auf den Holocaust - oder Shoa, wie ich gelernt habe - reduziert und immer in eine Art Opferrolle gepresst zu werden. Dies würde sie ihrem Sohn gerne ersparen und plädiert deshalb für einen entspannten Umgang mit Klischees, einem offenen Denken und eine Prise Humor.

Trotzdem kann ich einfach nicht mehr als 2 Wölkchen vergeben. Die Geschichte ist sympathisch und lustig, aber am Ende hat sie mir dann doch nichts gegeben, was ich nicht vorher schon "hatte", keine neuen Denkanstöße und kaum andere Perspektiven. Ein nettes Buch für Zwischendurch ist es dennoch.


07.02.2016

[Musik] Sonntagslieder #133

Heute melde ich mich live aus dem Schlachtfeld, zu dem mein Zimmer immer dann mutiert, wenn ich mal wieder einen Anfall bekomme und alles um- und aufräume. Und mit 'alles' meine ich 'alles'. Weil aber später noch Besuch vorbei kommt, habe ich mich nach 2 Stunden, während derer man abwechselnd den Fußboden gar nicht, ein bisschen und wieder gar nicht gesehen hat, dazu entschieden, nur eine Hälfte meines Zimmers diesem Generalupdate zu unterziehen. Bei einem mittelschweren psychotischen Schub kann ich diese abgeschwächte Umräumform akzeptieren und deshalb auch kurz verschnaufen, weil ich nun nicht mehr ganz so sehr unter Stress stehe. Und das gibt mir die Gelegenheit, kurz meine Putz-Motivationsplaylist nach den passenden Liedern für diesen Post zu durchforsten. Denn heute gibt es die aktuellen Top 3 der Lieder, die ich am liebsten beim Aufräumen höre:


Feuer Frei!
Rammstein


Liebste Textstelle
Gefaehrlich ist wer Schmerzen kennt
Vom Feuer das den Geist verbrennt
BANG!BANG!
Gefaehrlich das gebrannte Kind
Mit Feuer das vom Leben trennt
Ein heisser Schrei
BANG!BANG! Feuer frei!


Applause
Lady Gaga


Liebste Textstelle:
One second I'm a kunst 
Then suddenly the kunst is me 
Pop culture was in art 
Now, art's in pop culture in me


Hard out here
Lily Allen


Liebste Textstelle:
Don't you want to have somebody who objectifies you? 
Have you thought about your butt? 
Who's gonna tear it in two? 
We've never had it so good, uh-huh, we're out of the woods 
And if you can't detect the sarcasm, you've misunderstood


Tatsächlich höre ich sehr gerne Rammstein, wenn ich irgendwas machen muss, wozu ich wirklich keine Lust habe. Die machen mich aggressiv und dann kann ich ganz verbissen Kalk von Duschen schrubben oder ähnliches ohne mit meinem Schicksal zu hadern. Ansonsten mag ich aber gerne bestärkende Lieder; auch wenn Lily Allen vermutlich einen Schreikrampf kriegen würde, wenn sie wüsste, dass ich ausgerechnet diesen Song gerne bei der Hausarbeit höre. Aber so ist das eben.
Einen schönen Sonntag allerseits! ♥

05.02.2016

[Rezi] Jean-Michel Guenassia - Der Club der unverbesserlichen Optimisten

Erscheinungsjahr: 2009
Originaltitel: Le club des Incorrigibles Optimistes
Genre: Roman
Seitenzahl: 685



Teaser:
Es gibt Bücher, die zu früh zu lesen, verboten sein sollte. Man versteht sie nicht oder falsch. Und auch Filme. Man sollte sie mit einem Etikett versehen: Nicht sehen oder lesen, bevor man gelebt hat.





Handlung
Anlässlich der Beerdigung Jean Paul Satre 1980 trifft Michel Marini auf frühere Bekannte aus dem Club der unverbesserlichen Optimisten und erinnert sich in diesem Zuge an die Ereignisse, die 30 Jahre zuvor in den 1950ern zur Gründung dieses Clubs geführt hatten und welche für ihn prägenden Ereignisse ihm in dieser Zeit wiederfahren sind.
Die Haupthandlung beginnt mit dem 12. Geburtstag Michels, der mehr oder weniger eifrig das Gymnasium besucht, dafür aber umso motivierter seinen beiden Leidenschaften nachgeht: Tischfußball spielen und vor allem Bücher lesen. Selten sieht man Michel ohne ein Buch in der Hand - sogar beim Gehen legt er seine aktuelle Lektüre nicht weg. Durch seinen älteren Bruder Franck etabliert er sich nach und nach im Balto, einem Café, in dem immer die grandiosesten Tischfußballpartien stattfinden. Dieses Café verfügt über einen geheimnisvollen Nebenraum, um den Michel sich wie alle anderen nicht weiter kümmert, bis er eines Tages unversehens in diesem Raum landet und dort in den Club der unverbesserlichen Optimisten stolpert. Ein durchwürfelter Haufen von in ihrer Heimat politisch Verfolgten, im Leben gescheiterten und vom Krieg gezeichneten Menschen, die sich an diesem Ort zusammenfinden, Schach spielen und eine besondere Freundschaft pflegen, die nicht zuletzt den Wirt einiges an Nerven kostet, wenn nach einem traditionell russischen Trinkspruch mal wieder alle Gläser auf dem Boden zerschmettert werden.
Vor diesem Hintergrund wird nicht nur Michels Weg des Erwachsenwerdens entfaltet, sondern auch die Folgen des Krieges und speziell des gescheiterten Kommunismus reflektiert.

Meine Meinung
Manche Bücher bekommen einfach viel zu wenig Aufmerksamkeit und sind dabei wahre Perlen. Um einen solchen Geheimtipp handelt es sich auch bei diesem wundervollen Buch, das ganz in postmoderner (oder postpostmoderner, wie auch immer man in dieser Frage Position beziehen möchte) Manier viele verschiedene Querverweise auf andere literaische Werke, realhistorische Ereignisse, philosophische Diskurse mit einer Vielzahl von fiktiven Einzelschicksalen verknüpft und deshalb so abwechslungsreich und vielfältig ist, dass die Lektüre unheimlich viel Spaß gemacht hat - trotz der tragischen Schicksale und einiger dramatischer Wendungen.

Der Hauptstrang der Erzählung wird von dem Protagonisten persönlich erzählt, sodass der Leser unmittelbar an der Entwicklung dieses Charakters teilnehmen kann. Und Michel zu der erzählten Zeit in einem Alter, in dem man bekanntlich einige prägnante Entwicklungen durchmacht. Besonders bei Michel ist die Unterstützung durch ganz außergewöhnliche Freunde - da sind Igor, ein aus Russland geflüchteter Arzt, Leonid, ebenfalls aus Russland, Tibor, ein Schauspieler aus Ungarn, Werner, ein ehemaliger Spion für die Résistance, Imre, Pavel und noch viele andere mehr oder weniger verlorene Existenzen, die durch die Staatsmacht ihrer Freiheit und ihres ehemaligen Lebens beraubt nun in Paris leben und so gut wie möglich mit den Umständen klarzukommen versuchen. Michel lernt von diesen Menschen nicht nur das Schachspiel, sondern auch Lektionen für sein Leben - sowohl positiv als auch negativ. Besonders begeistert hat mich - ob fiktiv oder nicht - die Anwesenheit der philosophischen Größen Statre und Kessel, die tatsächlich Mitglied in diesem Club waren. Warum? Weil auch sie zu dieser Zeit als Flüchtlinge sozial mehr oder weniger ausgegrenzt waren.

Die Geschichte ist eine Abbildung der Zeit- und Sozialgeschichte der 50er und 60er und erzählt von den Schicksalen zweier Generationen: der, die vom zweiten Weltkrieg unmittelbar betroffen war und der, die direkt nach dem Krieg aufwachsen. Aber es dreht sich nicht alles nur um den Krieg, sondern der Fokus liegt auf der erzählten Gegenwart, versehen mit Kommentaren des rückblickend erzählenden Michel. Dieser berichtet auch von seiner Begeisterung für den Rock'n'Roll, der in den 50ern bei Jugendlichen bekanntermaßen Wellen der Euphorie und bei den gutbürgerlichen Erwachsenen eine Welle der Empörung hervorgerufen hat.
Auf politischer Ebene ist es sehr interessant, den Argumentationen dieser beiden Generationen zu folgen. Ob Kommunismus nun gut oder schlecht ist, darauf gibt der Text keine Antwort, aber es ist spannend, diese Ideologie von Kriegsveteranen einerseits und jungen, unbedarften Idealisten andererseits argumentativ zerlegt zu bekommen.

Sprachlich hat mich der Roman auch auf ganzer Ebene überzeugt. Es gibt keine besondere Spannungskurve, die den Leser fesselt; es ist die ruhige Erzählweise, die dafür sorgt, dass man nicht nur an der Oberfläche der Geschichte bleibt, sondern versucht, tiefer zu dringen und am Ball zu bleiben. Die von vorneherein achronisch angelegte Erzählung wird von verschiedenen Rückblenden um die Geschichten einzelner Nebenfiguren ergänzt, sodass nach und nach verschiedene Fragen zu diesen, die neben Michel auch der Leser hat, geklärt werden.
Ein wirklich ganz tolles Buch, für das ich eine absolute Leseempfehlung ausspreche. 5 rosa Wölkchen von mir. Und ein Herz ♥


02.02.2016

[Rezept] Ohne Backen. Apfel-Mascarpone-Kuchen

Manchmal muss es schnell gehen - da braucht man für eine Veranstaltung des örtlichen Sportvereins schnell einen Kuchen, der zum Verkauf angeboten werden kann, oder muss für den spontanen Besuch der Oma noch eben etwas leckeres für die Kuchentafel zaubern. Und hier kommt eine mögliche Lösung dafür - weil der Backofen nicht angeschmissen werden muss und auch die ewig lange Kühlzeit bei herkömmlichen kalten Kuchen durch einen kleinen Trick wegfällt, kann man hier wirklich nur die reine Zutaten-Zusammenschmeiß-Zeit zählen und hat deshalb im Handumdrehen einen in diesem Fall fruchtig leckeren Kuchen zum Anbieten.

Man nehme
100g Zwieback
2-3EL gemahlene Mandeln
120g Butter
1Pk Vanillinzucker
3Pk Agar Agar (der Trick!!)
1 Zitrone
500g Mascarpone (alternativ: 250g Mascarpone und 200g Frischkäse)
ca. 100g Zucker
200g Schlagsahne
4 Äpfel (eher säuerliche)
300ml Apfelsaft

Außerdem
eine Springform (Durchmesser 26 cm)
einen Gefrierbeutel 
ein Nudelholz (alternativ: eine Plastikflasche mit 1,5l Inhalt)
einen Schneebesen (oder ein Handrührgerät)
diverse Töpfe und Schüsseln
Backpapier

So wird's gemacht
Als erstes wird der Boden der Springform mit Backpapier ausgelegt. Dann kommt der Zwieback in den Gefrierbeutel und wird solange mit dem Nudelholz bearbeitet, bis er vollständig zerkrümelt ist. In der Zwischenzeit die Butter langsam schmelzen lassen. Den Zwieback zusammen mit den Mandeln in eine Schüssel geben und mit 3 EL Zucker vermischen. Dann die Butter darüber geben, alles gut verrühren und dann als Boden in der Springform gleichmäßig verteilen und andrücken. Mit Frischhaltefolie abdecken und in den Kühlschrank stellen.
Weiter geht es mit der Füllung. Dazu muss erstmal die Zitrone ausgepresst werden. Den Saft auffangen und auch ein bisschen von der Schale abraspeln. Mascarpone, 80g Zucker, 2 EL Apfelsaft, Vanillinzucker und sowohl Zitronensaft als auch  -abrieb (2 EL Saft unbedingt aufheben!)  miteinander vermischen. Dann kommt der Kraftakt des Rezeptes - zumindest wenn man keinen Mixer hat: die Sahne steif schlagen. Mit dem Schneebesen dauert das ein Weilchen, aber Geduld und Beständigkeit zahlt sich aus. Die Sahne dann unter die Creme heben. 300ml Wasser auf den Herd stellen, 2 Pk Agar Agar darin auflösen und das ganze dann langsam zum köcheln bringen (im Zweifel lieber nochmal auf die Packungsanweisung achten!). Nachdem die Masse dann abgekühlt ist, mit der Creme vermischen und zügig auf den Tortenboden geben. Alles wieder in den Kühlschrank stellen.
Für das Topping dann die Äpfel vierteln, entkernen und ungeschält in kleine Würfel schneiden. In 100ml Apfelsaft und den restlichen 2 EL Zitronensaft ein paar Minuten dünsten. Währenddessen 1Pk Agar Agar in 200ml Apfelsaft auflösen und langsam zum köcheln bringen. Dann beides vom Herd nehmen, kurz abkühlen lassen und schließlich miteinander vermischen. Das muss jetzt nochmal ein gutes Stück runterkühlen bevor es auf den Kuchen darf, denn sonst schmilzt die Füllung. Ist alles genug abgekühlt, auf dem Kuchen verteilen und für ca. 30 Minuten in den Kühlschrank damit. Fertig!

So sah das bei mir dann aus
 
Agar Agar ist deshalb ein wundervoller Ersatz für Gelatine, weil er (abgesehen davon, dass der Kuchen damit vegetarisch wird, was ein absoluter Pluspunkt ist) keine 3 Stunden im Kühlschrank abkühlen muss, sondern schon viel früher fest wird - nämlich bei einer Eigentemperatur von 35°C! Zudem ist er (es?) absolut geschmacksneutral. Probiert das also auf jeden Fall mal aus, wenn ihr es nicht schon kennt :)