17.02.2016

# Rezensionen

[Rezi] Rick Riordan - Percy Jackson. Diebe im Olymp

Erscheinungsjahr: 2006
Originaltitel: Percy Jackson and the Olympians - The Lightning Thief
Genre: Jugend, Fantasy
Reihe: Percy-Jackson-Reihe, Teil I
Seitenzahl: 447


Teaser:
Als ich mich mit der Tatsache abgefunden hatte, dass mein Lateinlehrer ein Pferd war, drehten wir eine nette Runde durch das Camp, wobei ich mir alle Mühe gab, ihn nie vor mir hergehen zu lassen




Handlung
6 Schulen in 6 Jahren - es braucht nicht viel an Kombinationsgabe, um festzustellen, dass Percy mit der Welt nicht so richtig klarzukommen scheint. Als wäre er mit seiner Legasthenie und seiner ADHS-Erkrankung nicht schon gestraft genug, geschehen um ihn herum immer seltsame Dinge. Doch in diesem Jahr schien sich eigentlich alles irgendwie zum Guten zu wenden: auf seiner neuen Schule, einem Internat, hat er in Grover einen guten Freund und in Mr. Brunner einen Lehrer, der ihn unterstützt, gefunden. Doch auch diese Schule muss er verlassen und so kehrt er bedrückt nach New York zu seiner Mutter zurück. Diese lebt zusammen mit ihrem Freund Gabe, dessen liebstes Hobby es ist, Percy zu schikanieren. 
Insgesamt sind es also eher weniger rosige Aussichten, die Percy da hat. Bis zu dem Moment, in dem er erfährt, dass alles, was er bisher erlebt hat, der Tatsache geschuldet ist, dass er kein normaler Mensch ist. Percys Vater ist niemand geringerer als einer der 12 Götter des Olymp, und nur aus diesem Grund fühlt sich Percy in der Welt der Menschen nicht heimisch und findet sich einfach nicht zurecht. Doch im Sommercamp "Half Blood" wird er nun endlich in diese magische und göttliche Welt eingeführt und trifft zudem noch viele andere Halbmenschen-Halbgötter, die in diesem Camp ihre Heldenausbildung ableisten. Alles könnte sich zum besseren wenden, wäre da nicht das kleine Problem, dass Zeug persönlich ziemlich wütend auf Percy ist, weil er diesen verdächtigt, seinen Herrscherblitz gestohlen zu haben. Also macht Percy sich auf den Weg, den wahren Täter zu finden und Zeus seinen Blitz zurückzuholen.

Meine Meinung
Adaptionen bekannter Stoffe finde ich grundsätzlich spannend und wenn sie gut gemacht sind, auch immer unterhaltsam und super toll. Zu meiner großen Freud kann ich verkünden, dass dies hier sehr gut gemacht ist und mir die Reise mit Percy zusammen zu den griechischen Göttern viel Spaß gemacht hat.

Zusammen mit seinem etwas verpeilten Beschützer-Satyr Grover und seiner toughen Freundin Annabeth - Tochter der Athene - kämpft er sich quasi quer durch die USA, um den Herrscherblitz zu finden und zum Olymp zu bringen. Denn dieser ist mittlerweile natürlich nicht mehr in Griechenland zu finden, sondern nach Amerika umgezogen - schließlich residieren die hohen Gottheiten immer in der Mitte der westlichen Zivilisation. Rein ideell war das mein einziger großer Kritikpunkt an dem Buch. Ich finde es manchmal fast unerträglich, wenn amerikanische Autoren solche arroganten Aussagen treffen und ihrer Nation ganz ernst gemeint als Nabel der Welt darstellen. Zumal solchen Feststellungen meistens moralische Werturteile bezüglich der politischen Vergangenheit aller anderen Staaten folgen und die eigene mal eben unter den Teppich kehren. So war es leider auch in diesem Text, aber zum Glück nahm dieses vermessene Gerede nicht viel Raum ein, sodass ich mich nicht lange aufregen musste und mich mit den schönen Seiten der Geschichte befassen konnte.

Erstmal ist der Schreibstil nämlich wirklich richtig witzig. Percy als Ich-Erzähler hat einen dermaßen trockenen und sarkastischen Humor und kommt ja auch immer wieder in Situationen, die einen nüchternen Kommentar seinerseits provozieren, dass die Lektüre zu einem sehr frechen und lustigen Erlebnis macht. 
Die Welt der griechischen Mythologie ist sehr interessant dargestellt, weil viele klassische Elemente verarbeitet wurden, aber die Darstellung der Wesen und Gottheiten doch einer modernen Anpassung unterzogen worden sind. Da hätten wir zum Beispiel Ares, den aggressiven Gott des Krieges, der als Hells-Angels-Verschnitt in Lederjacke auf seinem Motorrad durch die Gegend düst. Generell verbindet die Geschichte Informationen aus der griechischen Mythologie sehr gelungen mit dem Setting der Gegenwart. Und wenn man doch nochmal ein bisschen mehr darüber wissen will, wie ein bestimmtes Wesen, Artefakt oder eine Gottheit eigentlich konzipiert war, kann man im Anhang des Buches eine Art Glossar finden, in dem nochmal alle wichtigen vorkommenden Namen inklusive kurzer Erklärung aufgelistet sind.

Noch ein kleiner Kritikpunkt am Rande: ganz zu Anfang ist mir die stellenweise etwas lieblose Übersetzung und auch die schlampige Rechtschreibkontrolle (ich hasse es einfach, wenn sich Fehler in Büchern häufen) negativ aufgefallen. Beides hat sich im Laufe der Lektüre gelegt; ob das nun daran lag, dass ich mich daran gewöhnt habe, oder ob es zum Ende hin einfach wirklich besser geworden ist, kann ich im Nachhinein nicht mehr sagen.

Die Handlung schreitet zügig voran, Szenen mit actiongeladenen Kämpfen wechseln sich mit erhellenden Passagen ab, sodass es nie langweilig wird. Durch den einfachen Schreibstil kommt man mit dem Lesen schnell weiter. Das hat aber auch den Nachteil, dass sowohl das Setting als auch die Figuren nicht allzu detailliert ausgearbeitet werden können, denn sie haben einfach wenig Raum zu Entfaltung. Die mythologischen Wesen brauchen den auch nicht unbedingt, finde ich, weil man ja durch ein bisschen Hintergrundwissen schon genug zu ihren Charaktereigenschaften erfahren kann - die im Buch ziemlich nah übernommen wurden. Nur bei den restlichen Figuren tat es mir ein bisschen leid, denn abgesehen von unseren drei Protagonisten und den zwei Bezugspersonen aus dem Camp bleiben die meisten anderen Figuren doch etwas blass.

Nichtsdesto trotz eine tolle Verarbeitung mythologischer Stofftradition und ein sehr kurzweiliges Leseerlebnis. Ich vergebe vier Wölkchen.


Kommentare:

  1. Schön, dass ich hier eine Beschreibung lese. Habe mir das schon öfter einmal angeschaut bzw so auf dem Radar gehabt und mir überlegt es entweder zu lesen oder mal als Hörbuch auszuprobieren. Bin leider noch nicht dazu gekommen, aber nach deiner positiven Bewertung werde ich das wieder mehr fokussieren.
    (Als Hörbuch muss ich jetzt zwar erst noch Teil 7 von HP fertig hören, aber danach...)

    Mir gefällt eigentlich so diese griechische Welt auch sehr gut. Hab mir vor ein paar Jahren dazu auch ein Hörbuch über Griechische Sagen gekauft. Das war wirklich sehr unterhaltsam und auch lustig, denn wenn man es hört oder liest, erinnert man sich dann doch schnell wieder an diese Geschichten. Denn irgendwie hat man ja doch schon mal was in der Schule dazu gehört.

    Ok, ich schweife ab :)
    Ich merk mir auf jeden Fall Percy und hoffe dass ich mal dazu komme es zu lesen oder zu hören <3

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das freut mich, dass dir die Rezi was gebracht hat (und dich von der Geschichte überzeugt hat :D ).
      Diese griechischen Mythen und Sagen finde ich auch super spannend. Und es ist wirklich total verrückt, was man alles doch schonmal irgendwie gehört hat. Ich bin gespannt, wie du Percy Jackson finden wirst :)

      Löschen