02.03.2016

[Rezi] Simon Beckett - Der Hof

Erscheinungsjahr: 2014
Originaltitel: Stone Bruises
Genre: Thriller
Seitenzahl: 457



Teaser:
Wenn es einen Vorteil hatte, in die Falle getreten zu sein, dann wohl die Ablenkung von allen unnützen Gedanken. Während meiner Zeit hier war ich zu beschäftigt, um mir über meine Vergangenheit oder meine Zukunft den Kopf zu zerbrechen.



Handlung
Sean ist auf der Flucht. Gehetzt und panisch versucht er, um jeden Preis in Bewegung zu bleiben. Als der Tank des Autos völlig leer ist, lässt er es stehen - allerdings nicht, ohne noch einen letzten Blick auf den mit Blut verschmierten Beifahrersitz zu werfen - und macht sich zu Fuß weiter auf den Weg. Wohin, weiß er nicht, aber immerhin ist es ihm gelungen, von England nach Frankreich zu kommen. Die Sprache spricht er glücklicherweise, auch wenn er diese Fähigkeit lieber nicht an der Polizei erproben will. So flüchtet er, als er einen Polizeiwagen herannahen sieht, auf ein Privatgrundstück in einen dichten Wald. Doch dort kommt er nicht weit, denn er tappt in eine versteckte Trittfalle, die sich felsenfest um seinen Fuß schließt. Nach einigen gescheiterten Befreiungsversuchen wird Sean ohnmächtig.
Wieder erwacht, befindet er sich in der Scheune eines heruntergekommenen alten Bauernhofs, wohin ihn die Töchter des cholerischen Hausherren heimlich gebracht haben. Mathilde, die älteste Tochter, pflegt kompetent seinen entzündeten Fuß und versorgt ihn mit Essen. Die Isolation des Hofes kommt Sean gerade gelegen, auch wenn schnell klar wird, dass er in diesem Szenario nicht der einzige mit einem gut behüteten Geheimnis und Grund zum Verstecken ist.

Meine Meinung
Ich weiß einfach nicht genau, was ich von diesem Buch halten soll. Schon alleine die Genrezuordnung finde ich sehr schwierig, denn ein Thriller im klassischen Sinn ist es sicher nicht, auch wenn es um Verbrechen und Psychotricks geht. Und genauso wenig kann ich eindeutig sagen, ob es mir richtig gut gefallen hat oder ob ich es irgendwie schwierig fand. Allein dieser Zwiespalt weist vermutlich auf letzteres hin.

Sean, der Protagonist, erzählt die Story als Ich-Erzähler und stellt deshalb auch die größte Identifikationsfigur dar. Dennoch hat er ein Geheimnis, das er selbst verdrängt und vor dem er ja auch auf der Flucht ist, sodass dem Leser dieses Geheminis nicht klar ist beziehungsweise nur langsam bewusst wird. Ein ganz guter erzählerischer Kniff, wie ich finde, dass der Leser mit Innensicht in eine Figur trotzdem nicht alles Innere sehen kann. Oder erst aufdecken muss. Bekanntlich entwickelt die eigene Fantasie ja auch immer die wildesten Geschichten und ich habe schon wer weiß welche Gemetzel und Hintergrundgeschehnisse erdacht, was eine ganz schöne Nebenbeschäftigung während des Lesens war.

Doch da stellt sich einfach die Frage: ist es gut, wenn man sich von dem eigentlichen Geschriebenen gedanklich abwendet, um seinen eigenen Thriller zu imaginieren? Das kann ich final nicht beantworten, zeigt aber dennoch deutlich, dass die Geschichte an sich - zumindest für mich - nicht so wirklich fesselnd war. Sie plätschert halt einfach so vor sich hin: das Leben im Hof, die Konflikte mit dem herrischen Vater, der ebenfalls ein Geheimins zu haben scheint und sich am Rande der Illegalität bewegt, die seltsamen Dorfbewohner und die Renovierungsarbeiten am Bauernhaus, die Sean regelmäßig in einen tranceartigen Zustand versetzen. Das alles kann man zwar gut und flüssig lesen, meine gesamte Aufmerksamkeit hat es aber nicht in den Bann gezogen.

Wer andere Bücher von Beckett kennt - zum Beispiel die David-Hunter-Reihe - erwartet hier vielleicht auch einfach das falsche. Nämlich einen nervenaufreibenden Thriller mit rasanter Handlung und einem Spannungshöhepunkt nach dem anderen. Das hat dieses Buch nicht zu bieten. Was es allerdings hat, ist eine dichte Atmosphäre, die trotz eines positiv idyllisch und naturnah konnotierten Handlungsort eine schwelende Bedrohung spürbar macht und einen sehr gut und schlüssig gemachten Showdown am Ende, der mich dann doch wieder mit dem gesamten Buch versöhnt hat.
Insgesamt werden es gerade noch so drei Wölkchen. Man kommt gut durch und wird unterhalten, aber ein großartiges Buch ist es für mich nicht.

Kommentare:

  1. Ja, deiner Meinung muss ich mich anschließen. Ich habe die ganze Geschichte als sehr lasch empfunden, irgendwie war das nichts.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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  2. Das geht auch wirklich vielen so. Man erwartet halt einfach was anderes bei Beckett :D

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