28.04.2016

[Rezi] Frank Witzel - Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969

Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Roman
Seitenzahl: 802



Teaser:
Entwicklung von Sprache und Menschsein ist darum vielleicht nichts weiter als ein Ablenkungsmanöver, aus dessen Verkettung sich das sogenannte Bewusstsein über die eigene Sterblichkeit, auf das wir auch noch stolz sind, quasi als Abfallprodukt entwickelt hat.


Handlung
Dieser 800 Seiten lange Schmöker erzählt die Lebensgeschichte eines Menschen. Anfang und Ende sind dabei durch die Erzählstruktur schwer festzulegen; klar ist allerdings, dass der Sommer des Jahres 1969, als dieser Mensch 13 Jahre alt war, eine tragende Rolle in der Entwicklung seiner Persönlichkeit und damit auch in der Entwicklung der Geschichte spielt. 
Als Teenager wächst der Mensch in einer kleinen Stadt in Westdeutschland auf, sein Vater ist ein recht wohlhabender Mann, während seine Mutter durch eine Krankheit zu einem Pflegefall geworden ist. Und auch der Teenager ist psychisch alles andere als stabil. Verschiedene Therapiemethoden, die er mitmachen muss, blieben erfolglos und führen den Teenager und späteren Erwachsenen immer tiefer in einen Zustand der Fiktionalisierung, wo er in seiner Fantasie eine eigene Wirklichkeit imaginiert. In dieser verarbeitet er Informationsfragmnete aus der tatsächlichen Realität und Verfremdet diese in höchstem Maße. Von seiner Depression und dem Zwang, sein Leben und die politischen und Gesellschaftlichen Geschehnisse bis ins Kleinste zu analysieren, getrieben, versinkt er immer tiefer in seiner "erfundenen" Realität.

Meine Meinung
Endlich! Nach fast 8 Wochen bipolaren Lesens ("Grandioses Buch!" - "Schreckliches Buch!" - "Grandioses Buch!" - "Schreckliches Buch!") habe ich dieses Werk tatsächlich beendet und fühle mich nach wie vor unentschlossen, was ein finales Urteil angeht. 
Damit meine ich, das ich seit 6 Jahren diverse Geisteswissenschaften studiere und das Buch allein vom Titel her wirklich mögen wollte, und es dennoch nich geschafft habe, es völlig zu durchdringen. Dabei kenne ich mich von Haus aus eigentlich mit Meta-Ebenen und intertextuellen Verfahren aus. Aber phasenweise habe ich mich unfassbar mit diesem Buch gequält. In anderen Phasen konnte ich es dafür kaum aus der Hand legen, weil es mich so fasziniert hat. Und gerade deswegen halte ich es im Grunde für ein absolut geniales Werk - auch wenn ich nicht sagen kann, dass das Lesen ein Vergnügen war.

Die Handlung ist in ihrem Kern so simpel wie in ihrer Darstellung komplex. Eigentlich geht es darum, die Lebensgeschichte eines Menschen aus dessen Sicht zu erzählen - also dieser Mensch ist der namen-und gesichtlose Ich-Erzähler seines eigenen Lebens. Das Problem dabei ist, dass dieser Erzähler laut eigener Aussage (die ich bestätigen kann) leider wahnsinnig ist, weshalb man ihm nur schwer folgen kann. Trotzdem ist alleine diese schwer zu fassende Hauptperson allein schon ein erzählerischer Kniff, weil er so stellvertretend für eine ganze Generation alle Irritationen, Konflikte und Verwirrungen durchlebt und analysiert. Über-analysiert trifft es vielleicht besser. Jedenfalls kennzeichnet seine Erzählung die völlige Abwesenheit einer Chronologie, es gibt zunächst keinen erkennbaren roten Faden, was mich beim Lesen fast selbst in den Wahnsinn getrieben hat. Und doch lässt sie früher oder später (tendenziell später; ich hatte erst ab Seite 260 das Gefühl, nicht mehr völlig planlos zu sein) eine Logik innerhalb der Geschichte ausmachen, die ihr dann doch etwas Struktur verleiht.

Es werden so viele Themen angesprochen und abgearbeitet, dass man ohne Hintergrundwissen zur politischen Situation der Zeit, zu wissenschaftlichen Arbeiten verschiedener schlauer Köpfe und vor allem zur Popkultur der 60er/70er völlig aufgeschmissen ist. Oder einen Anreiz hat, seine Wissenslücken zu schließen, je nachdem. Jedenfalls gehen die Konflikte los beim katholoschen Glauben und problematisieren generell eine autoritäre Erziehung und wandern von dort aus ab zu Politik, Gesellschaft und Musik. Der Teenager ist ein absoluter Fan des Albums "Rubber Soul" der Beatles und analysiert es in mehrere Kapiteln rauf und runter. Musik und Popkultur ist im Grunde einer der wenigen Fixpunkte im Leben dieses Menschen, auf die er immer wieder zurück kommt.

Und was hat das nun alles mit der RAF zu tun? Die außerdem nachweislich erst 1970 gegründet wurde? Nun, die liefert den Ansatz, ohne den dem Leser der Sinn dieses Werkes verschlossen bleibt. In der fiktiven Realität unseres anscheindend Wahnsinnigen bilden die Mitglieder der 1. Generation der RAF eine Art Identifikationsfiguren, durch die der Teenager und spätere Erwachsene seinen Widerstand gegen die Geschehnisse seiner Zeit ausdrückt. Mangelnde Informationen, politische und gesellschaftliche Umbrüche, die er nicht richtig versteht und die bis heute nicht wirklich aufgearbeitet sind, führen dazu, dass er das gehörte selbst verdichtet und sich Geschichte damit selbst konstruiert. 

Also, alles ist sehr kompliziert. Aber ich bewundere die Komplexität dieses Romanes, die Vielfalt, die sprachliche Gestaltung und einfach die ganze Konzeption. Im Grunde müsste ich ihn allerdings noch mindestens einmal lesen, um ihn mir annähernd erschließen zu können. Und das habe ich auch fest vor. Bis dahin bekommt er von mir 4 Wölkchen. Allerdings gekoppelt mit einer sehr eingeschränkten Leseempfehlung. Man kann bei der Lektüre nicht entspannen, nicht den Kopf abschalten und hat keine Geschichte, in die man sich fallen lassen kann. Eher geht man darin unter, wenn man nicht aufpasst. Aber ich finde, das ist es wert.


25.04.2016

[Rezi] Arno Strobel - Das Rachespiel

Erscheinungsjahr: 2014
Genre: Thriller
Seitenzahl: 332



Teaser:
Das Bild, das nach wenigen Sekunden erschien, glich dem, das Frank bei seinem ersten Besuch auf der Website am Vortag gesehen hatte. Die ausgemergelte Gestalt auf dem Boden, die überfüllten Käfige mit den Ratten.




Handlung
Im Leben von Frank ist gerade alles ziemlich perfekt: er führt eine harmonische Beziehung mit seiner Frau und sogar mit seiner Teenager-Tochter versteht er sich gut. Außerdem hat er es mit seiner Software-Firma mittlerweile geschafft, sich wirtschaftlich stabil zu positionieren. Es könnte zur Zeit also nicht besser laufen. Doch eines Tages erreicht ihn ein Umschlag, der nicht weiter als einen USB-Stick enthält. Dieser Stick führt Frank zu einer Internetseite, die ihn zum Zeugen eines grausamen Mordes macht. Im Anschluss daran wird er dazu aufgefordert, an einem mysteriösen Spiel teilzunehmen, um weitere Morde - unter anderem und vor allem an seiner Familie - teilzunehmen. Er muss mit drei Mitspielern die gestellten Aufgaben lösen, sonst verlieren nach und nach weitere Personen ihr Leben. Und diese Mitspieler sind keine Unbekannten für Frank, sondern alte Freunde aus Kindertagen, die es nicht umsonst nicht in seine Zukunft geschafft haben.
Alle vier lassen sie sich auf das gefährliche Spiel ein und begeben sich damit nicht nur in die Hände eines offensichtlichen Psychopathen, sondern müssen auch traumatische Erlebnisse ihrer Jugend neu durchdenken. Denn eins ist sicher: was die vier damals getan haben, holt sie nun nach 30 Jahren der Verdrängung endgültig ein.

Meine Meinung
Man hört und liest ja viel positives von Arno Strobel, dass ich es mir natürlich nicht nehmen lassen konnte, auch mal einen Thriller von ihm zu lesen. Leider leider kann ich mich den lobenden Worten nicht wirklich anschließen, hatte ich mit diesem Buch doch eher eine durchschnittliche Geschichte vor mir, die mich weder fesseln konnte, noch den gewünschten Thrill-Effekt hervorrief.

Beginnen wir doch einfach mal am Anfang: da erhalten vier Leute von einer unbekannten Quelle eine psychopathische, gewaltvolle Botschaft. Werden indirekt Zeugen eines Mordes. Und werden dann dazu aufgefordert, sich in einem alten, verlassenen Atombunker zu treffen. Und gehen dann da rein!! Einfach so! Gut, die Polizei wollten sie nicht einschalten, damit diese Sache von vor 30 (!) Jahren nicht rauskommt und für gewaltigen Wirbel sorgt. Alles klar. Ich bin zwar kein Jurist, fand aber schon bevor ich die Faktenlage kannte, dass sie dieses Risiko durchaus hätten eingehen können. Zumindest, wenn die Alternative ist, von einem Psychopathen mit Rattenfetisch in einem Bunker eingeschlossen zu werden.
Also: die Geschichte ging schon mit einer sehr schlechten Ausgangsposition an den Start. Und ich muss sagen, es wurde leider nicht besser. Im Grunde erleben wir eine niedergeschriebene und etwas weichgespültere Version der Saw-Filme. Die Protagonisten sind von der Außenwelt völlig abgeschottet und müssen diverse Aufgaben erfüllen, um am Ende der Nacht lebend aus der Geschichte rauszukommen. Dabei ist von Anfang an klar, dass von den vieren nur zwei überleben können. Denn das sind die Spielregeln.

Die Figuren sind ganz in Ordnung - bei diesem Genre gibt es ja selten eine wirklich tiefgehende Figurenkonzeption und auch hier ist das nicht der Fall. Trotzdem haben sie alle einen eigenen, relativ stark ausgearbeiteten Charakter. Was aber nichts daran ändert, dass sie sich ausnahmslos in ihrer Rolle bewegen und ihre Handlungen sehr schnell sehr vorhersehbar waren.

Vorhersehbar war auch das Ende, das mich nicht nur nicht überrascht, sondern in seiner Kürze und Appruptheit sowohl inhaltlich wie auch formal eher enttäuscht hat. Außerdem war es wirklich konstruiert und einfach gefühlt sehr lieblos gestaltet.

Insgesamt hat das Buch mir zwar meine Busfahrzeit ein bisschen verkürzt, aber die erhoffte Spannung hat es mir nicht gebracht. Leider gibt es dafür nur 2 kleine Wölkchen.


22.04.2016

[Gebastel] Frühlingshafter Blütentraum. Oder: Kitschige Deko

Da ich vorhabe, in nächster Zeit von meinem möblierten Studentenzimmer in ein selbstständiges Leben umzuziehen und mein ohnehin kaum vorhandenes Budget daher in diverse Möbelstücke investieren möchte (natürlich könnte ich auch ein paar Monate auf meiner Klappmatratze schlafen, aber man wird ja auch nicht jünger und meinem Rücken würde das vermutlich nicht so gut gefallen), durchforste ich in den letzten Wochen das Internet nach günstigen Dekorationsmöglichkeiten, die vor allem auch für Grobmotoriker zu realisieren sind. Und gefunden habe ich so einiges. Unter anderem folgende Pompom-Deko-Blümchen, die ich jetzt schon gebastelt und aufgehängt habe. Einfach weil Frühling ist und ich ein bisschen mehr rosa um mich herum haben wollte.

Material:
Servietten
Schere
Bindfaden oder auch ein schönes Band

Ich würde sogar behaupten, dass die meisten gut sortierten Haushalte diese Dinge sowieso vorrätig hat und daher eigentlich nur ein bisschen Fummelarbeit nötig ist, um eine wirklich schöne Girlande zu basteln.

Und los geht's:
  • Wie auf dem oberen Bil zu sehen, muss die Servietten erstmal ausgebreitet werden
  • Dann wird sie gefaltet wie eine Ziehharmonika. Ich habe dabei einfach die Breite der Steppung am Rand als Orientierung genommen.
  • Es folgen die vier Schritte, die die Größe des Pompoms bestimmen. Für die kleine Variante wird jetzt diese Serviette 1. in der Mitte gefaltet 2. dort von beiden Seiten ein bisschen eingeschnitten - aber nicht ganz durchschneiden! 3. um dann ein Stück Bindfaden einzufädeln und zu verknoten. Je nachdem, wie die Pompoms aufgehängt werden sollen, muss dieser Faden länger oder kürzer sein. Meiner ist relativ kurz, weil ich eine waagerechte Girlande herausbekommen möchte. Es folgt dann noch 4. den Bruch aufschneiden, damit man quasi einen Schmetterling vor sich hat.
     
  • Jetzt kommt endlich das Gefrimel dran: es werden alles Lagen der Serviette auseinandergezupft und bis zur Mitte aufgezogen. Bis eine Art Blume dabei herauskommt.

  • Und in meinem Fall hatte ich bei genau 4 Stück keine Lust mehr und deshalb eine kleine Minigirlande mit Pompoms verschiedener Größe daraus fabriziert. Macht sich gut am Fenster, finde ich. Wenn ihr größere und bauschigere Pompoms haben wollt, dann faltet ihr nicht eine Serviettenziehharmonika in der Mitte, sondern legt zwei bis fünf davon aufeinander, schneidet sie in der Mitte ein und verfahrt ansonsten wie bei den kleinen.
Ratet, welcher Pompom davon mein erster Versuch war! :D
Leider wurde mir mittlerweile gesagt, dass diese Deko mega kitschig ist. Aber ich vertrete die Ansicht, dass diese Aussage nur und ausschließlich von Banausen getroffen werden kann. Ich mag es auf jeden Fall. Außerdem erinnerte mich das Basteln an ein Schulfest vor 14 Jahren, als meine Klasse und ich diese Dinger im Akkord fabriziert haben, um damit unseren Klassenraum zu dekorieren. Geschmackstechnisch habe ich mich offensichtlich nicht wirklich weiterentwickelt. Und meine Bastelfähigkeiten sind ebenfalls auf dem Level einer 11-jährigen. Aber das reicht mir!

19.04.2016

[Rezi] Michael Ende - Die undendliche Geschichte

Erscheinungsjahr: 1979
Genre: Erzählung, Phantastik
Seitenzahl: 428




Teaser:
"Nur der richtige Name gibt allen Wesen und Dingen ihre Wirklichkeit", sagte sie. "Der falsche Name macht alles unwirklich. Das ist es, was die Lüge tut."





Handlung
Phantásien ist in Gefahr! Überall im ganzen Land tauchen Flächen auf, die einfach Nichts sind - nicht einmal ein schwarzes Loch oder ähnliches, sondern einfach Nichts. Wenn man seinen Blick auf diese Flächen richtet, hat man das Gefühl, erblindet zu sein. Und wenn man zu nahe ran kommt, dann zieht es einen unweigerlich an und man verschwindet einfach so in diesem Nichts. Niemand ist sicher und niemand kann sich entziehen - die Riesen nicht, die Winzlinge nicht, kein magisches Wesen und überhaupt niemand. Die Flächen des Nichts breiten sich immer weiter aus, werden größer und Bedrohen die Existenz Phantásiens und all seiner Bewohner.
Im Zusammenhang damit steht die mysteriöse Krankheit der Kindlichen Kaiserin - der Herrscherin Phantásiens, aus deren Kraft das gesamte Reich existiert und der deshalb jedes Wesen gehorcht, obwohl sie nie Gewalt anwendet. Um ein Heilmittel gegen diese Krankheit zu finden - denn die 500 besten Ärzte des ganzen Landes wissen sich keinen Rat - wird der 10-jährige Atréju von den Grünhäuten ausgesandt.
Ganz gebannt von der Geschichte rund um Atréjus Expedition ist der kleine Bastian Balthasar Bux. Der findet nämlich genau diese Geschichte in einem Buch mit dem Titel "Die unendliche Geschichte". Für ihn, die Leseratte, ist eine Geschichte, die niemals endet, natürlich der Traum schlechthin. Und weil sein Leben sowieso ziemlich schwierig ist, zieht er sich kurzerhand auf den Speicher der Schule zurück und versinkt einen Tag und eine Nacht in der Lektüre des Buches. Und zwar tiefer, als er zunächst ahnt.

Meine Meinung
Hach, Michael Ende ist ein Genie. Zum gefühlt 1000. Mal habe ich dieses Buch gelesen und es wird mir einfach nicht langweilig - so viel Kreativität, Zauber und Weisheit steckt darin, ich möchte es am liebsten pathetisch jedem anpreisen, der es noch nicht gelesen hat.

Ein besonderes Merkmal ist sicher die formale und inhaltliche Kennzeichnung der beiden Parallelwelten, in denen die Geschichte angesiedelt ist: wir haben in roter Schrift die Handlung in der fiktiven Realität und daneben in grüner Schrift und mit wunderschön gestalteten Anfagsbuchstaben zu Beginn eines jeden Kapitels die Geschichte, die Bastian in der Realität liest und die im Buch selbst als Buch mit dem Titel "Die unendliche Geschichte" bezeichnet wird. Viele Ebenen also, die es zu beschreiten und erforschen gibt.
Bleiben wir einmal kurz bei Bastian. Der hat es nämlich alles andere als leicht und flüchtet sich schon seit jeher in die Welt der Bücher, um seinen Problemen zu entkommen und immer neue Abenteuer zu erleben. Nach dem Tod seiner Mutter ist Bastians Vater in einer Depression versunken und schafft es nicht mehr, sich um seinen Sohn zu kümmern. Und in der Schule wird Bastian auch sehr schlimm gehänselt und von seinen Mitschülern gequält. Er, der er immer dicklich, unsportlich und blass war, fühlt sich ungeliebt, unbeachtet und einfach unglücklich. Als ihm dann besagtes Buch in einem Antiquariat in die Hände fällt, überlegt er nicht lange, sondern steckt es ein ohne zu bezahlen. Und als Krimineller auf der Flucht - schließlich ist er nun ein Dieb - beschließt er kurzerhand, sich auf dem selten besuchten Dachboden der Schule einen Unterschlupf einzurichten und nie wieder nach Hause zurückzukehren.

Was in Phantásien passiert, ist nicht nur eine Geschichte, die für sich schon bezaubernd ist, sondern sie ist außerdem Bastians Weg aus seiner misslichen Lage. Wer selbst schon einmal von einem Buch so beeinflusst wurde, dass die Lektüre sein Leben verändert hat, kann vielleicht nachvollziehen, was das Buch mit dem kleinen machtlosen Jungen anstellt, als es ihn plötzlich IN die Handlung integriert und Bastian buchstäblich Teil Phantásiens wird. Mit Atréju an seiner Seite erlebt er, wie es ist, beliebt, bewundert und wunderschön zu sein. Gleichzeitig muss er allerdings auf die harte Tour erfahren, welche negativen Eigenschaften damit einhergehen können. Oder hauptsächlich eine bestimmte Eigenschaft: die Gier. Nach immer mehr Bewunderern, nach immer mehr Macht. Und am Ende seiner Reise steht ein verwandelter, ganz neuer, alter Bastian, der erst seine Identität verlieren musste, um sie schließlich finden zu können.

Wunderschön sind nicht nur die Ideen, sondern auch die Worte, mit denen sie geschildert sind. Kindgerecht (ich kann es aus erste Hand beurteilen, denn schon als Kind habe ich dieses Buch geliebt), aber ganz und gar nicht anspruchslos. Eine sehr bildliche Sprache paart sich in diesem Buch mit bezaubernden Ideen und moralisch komplexen Lektionen. Doch was gerade so schön und besonders an diesen Lektionen ist, ist die Tatsache, dass sie nicht mit erhobenem Zeigefinger lediglich eine einzige Richtung gelten lassen, sondern der Leser animiert wird, selbst zu denken und erstmal ähnlich wie die Kindliche Kaiserin alles für gleich gültig und gleich wichtig zu erachten, bevor er dann zu einem finalen Ergebnis kommt.

So viel mehr könnte ich noch zu diesem Buch schreiben und würde der Geschichte doch nicht gerecht werden. Ich kann es wirklich nur jedem ans Herz legen, mal einen Blick in das Buch zu werfen. Phantásien ist auch nach 15 Jahren immernoch ein Ort, den ich gerne besuche und der, weil ständig im Wandel, nichts von seinem Zauber eingebüßt hat. 5 rosa Wölkchen gibt es von mir. Und ein Herz! ♥


17.04.2016

[Musik] Sonntagslieder #138

Noch nie ist mir der April wettertechnisch so verwirrend vorgekommen. Ich kann nicht damit umgehen, wenn sich das Wetter vier- bis fünfmal am Tag grundlegend ändert und die Temperaturen innerhalb eines Tages um 10 Grad schwanken. Vor allem, wenn dabei mehrmals die Grenze zwischen Winter- und Übergangsjacke übertreten wird.
Während ich mich also mit diesen dramatischen First-World-Problems herumschlagen muss, läuft in meiner Playlist momentan altbekannte Lieder, die mir in Erinnerung rufen, welcher Mensch und in welchen Lebensphasen ich vor 10 Jahren war. Irgendwie ist es verrückt, wie sehr Musik mit bestimmten Ereignissen verknüpft sein kann. Es gibt Lieder, die ich beim Lernen fürs Abi gehört habe, und wenn ich die wieder höre, aktiviert das Wissen in meinem Kopf, das ich schon lange verloren glaubte. Vor allem das Gedöns zum Chemie-Abitur, das ich schon Minuten nach der Klausur erfolgreich verdrängt zu haben glaubte.

Himmelblau
Die Ärzte

Liebste Textstelle:
Du hast ein gutes Gefühl
Du denkst an all die schönen Zeiten
Es ist fast zuviel Jetzt im Moment neben dir zu stehen
Du hast kein klares Ziel aber Millionen Möglichkeiten

It's my life
Bon Jovi


Liebste Textstelle:
Tomorrow's getting hard make no mistake 
Luck ain't even lucky 
Got to make your owns breaks 
It's my life It's now or never 
I ain't gonna live forever
 I just want to live while I'm alive 

Sultans of swing
Dire Strates


Liebste Textstelle:
You get a shiver in the dark 
It's raining in the park but meantime 
South of the river you stop and you hold everything 
A band is blowing Dixie double four time 
You feel alright when you hear that music ring 


Leider kann ich diesen Beitrag nicht schließen, ohne darauf hinzuweisen, dass es irgendwie schokierend war, festzustellen, dass ich klare Erinnerungen an Dinge habe, die 10, 15 Jahre her sind. Haaach, die Zeit :D
Und mit dieser ungleich deepen Feststellung schließe ich für heute und wünsche euch einen schönen restlichen Sonntag! ♥

13.04.2016

[Rezi] Rick Riordan - Percy Jackson. Die letzte Göttin

Erscheinungsjahr: 2013
Originaltitel: Percy Jackson and the Olympics. The last Olympian.
Genre: Jugend, Fantasy
Reihe: Percy Jackson Reihe, Teil V
Seitenzahl:460

Teaser:
Die Brücke zum Olymp löste sich gerade in ihre Bestandteile auf. Als wir aus dem Fahrstuhl auf den weißen Marmorübergang traten, öffneten sich vor unseren Füße sofort Risse. "Springt!", sagte, Grover, aber er hatte gut reden, schließlich ist er zum Teil eine Bergziege.

*Achtung!*Spoilergefahr!*Achtung!*Spoilergefahr!*Achtung!*Spoilergefahr!*

Handlung
Die große Schlacht steht kurz bevor - Kronos und seine Monster-Armee machen sich dazu bereit, den Olymp zu stürmen. Weil die Götter, die nicht zum Gegner übergelaufen sind, damit beschäftigt sind, einen anderen - den stärksten - Titanen davon abzuhalten, ebenfalls den Olymp zu stürmen und nebenbei gefühlt halb Amerika plattzumachen, sind Percy und seine Freunde aus dem Camp Half Blood auf sich alleine gestellt. Die einzige Chance, Kronos Vorstoß zu stoppen, besteht darin, jetzt geschlossen zusammenzustehen. Das ist nur nicht so einfach, wenn die gesamte Ares-Hütte - mit den besten Kämpfern obendrein! - quer steht. Das weitaus größere Problem allerdings ist der Spion unter den eigenen Leuten, der Kronos sehr zuverlässig über die neusten Entwicklungen und Pläne der Halbblute informiert.

Meine Meinung
Es hat sich wirklich gelohnt, dass ich trotz der Talfahrt zur Mitte der Reihe weiter durchgehalten und auch diesen letzten Teil noch gelesen habe. Denn dieses Finale entschädigt so ziemlich für die Schwächen der mittleren Bücher. Damit hat der schon wieder etwas bessere vierte Teil sein Verprechen gehalten und die gute Basis noch besser umgesetzt.

Den größten Raum nimmt natürlich das Kampfgeschehen und die strategische Planung der Verteidigung des Empire State Buildings aka des Olymps ein. Aber im Gegensatz zu ähnlichen Episoden in vorangegenagenen Büchern sind die Gegner hier nicht nur ebenbürtig, sondern eindeutig übermächtig und es ist keineswegs gewiss (naja, mehr der weniger halt, wie das so ist), wer die einzelnen Kämpfe gewinnen wird. Auch sehr erfrischend, weil einmalig in dieser Reihe, ist der zeitliche Aufbau. Wo ansonsten immer irgendein Feiertag oder ein bestimmtes Ereignis dazu geführt hat, dass unsere Helden höchstens und maximal 5 Tage Zeit hatten, um ihre Mission zu erfüllen, sonst geht die Welt unter, steht hier der Weltuntergang quasi schon vor der Tür und es werden keine lächerlichen Datumsbegrenzungen mehr aus dem Himmel konstruiert.

Auch merkt man endlich, wie sehr sich die Figuren doch entwickelt haben. Klar, Annabeth ist immernoch das Superhirn und Percy der geborene Anführer/Kämpfer/toller Typ, aber dennoch müssen alle Situationen meistern, an denen sie gewissermaßen wachsen.
Und dann sind da natürlich auch die Hormone, die dem ganzen Kampfgetümmel noch ein wenig Kick geben (und wenn ich das sage, will das schon was heißen), weil sie den Fokus ein bisschen vom Gemetzel nehmen und außerdem den Figuren endlich ein wenig komplexeres Seelenleben zugestehen, als es bis dahin der Fall war.

Insgesamt bin ich sehr damit zufrieden, in welche Richtung die Geschichte geht. Es werden Geheimnisse gelüftet und echte Helden geboren, spannende Schlachten geführt und überraschende Wendungen gibt es obendrauf. Der Sprachstil ist wie immer sehr leicht und geradlinig, zeichnet sich aber durch einen leichten, aber dennoch sehr amüsanten, sarkastischen Humor aus.
Für dieses Finale gibt es knappe, aber dennoch verdiente 5 Wölkchen von mir.


09.04.2016

[Statistik] Gesammeltes Lesewerk des ersten Quartals 2016

Weil es mit in letzter Zeit manchmal ein bisschen unnötig erschien, für jeden Monat eine einzelne Statistik anzufertigen - das Lesen und ich waren zu Jahresanfang nicht die besten Freunde -, ich aber solche Statistiken sehr gerne lese und auch für mich persönlich daran festhalten möchte, halte ich es ab jetzt einfach wie die Krankenkassen und rechne alle drei Monate ab. Das bedeutet zwar komprimierten Inhalt, aber für mich ist das momentan sowieso ein Luxusproblem - ich freue mich schon, überhaupt Inhalt für eine Statistik zu haben. Also, auf zu

Quartal 1: Januar - März 2016

Im Januar gelesen

997 Seiten, Durchschnitt von 4,5 Wölkchen

Und hier ist auch direkt der Grund für besagte kleine Änderung im Statistik-Land. Denn mehr als dieses eine Buch konnte es im Januar bei mir leider nicht auf den Nachttisch schaffen. Dafür ist Der Schwarm ja aber relativ dick und vor allem ein absolut großartiges Buch, das es definitiv wert war, Solist des Monats zu sein.


Im Februar gelesen

2162 Seiten, Durchschnitt von 3,6 Wölkchen

Witzigerweise ging es dann im Februar direkt bergauf. Vermutlich, weil gleich das erste Buch des Monats - Der Club der unverbesserlichen Optimisten - ein kleiner, unvermuteter Schatz war, der mir ganz zufällig in die Füße gestolpert ist. Sowas motiviert mich dann immer ungemein. Diese Motivation hielt sich trotz Lieber Mischa, ein Buch, das mich leider nicht wirklich überzeugen konnte. Aber es muss auch mal Talfahrten geben, damit man die Loopings wieder zu schätzen lernt.


Im März gelesen


1118 Seiten, Durchschnitt von 3,2 Wölkchen

Und dann kam der März und mit ihm so viel Stress und noch mehr Stress, sodass ich abgesehen von der Jugendbuch-Reihe, die aus eben diesen Gründen auch den Blog gerade dominiert, und ein paar Magazinen einfach nichts lesen konnte. Und das, obwohl ich eigentlich so viel vor hatte - vor allem die Harry-Potter-Challenge betreffend, die gerade läuft! Naja, ab jetzt wird alles besser und eigentlich ist auch alles ab 1000 Seiten kein völlig lesemäßig enttäuschender Monat




Wie läuft es im Moment bei euch? Kommt ihr auch nur ab und an mal zum lesen oder seit ihr da gerade besser dran als ich?

05.04.2016

[Rezi] Ilija Trojanow / Juli Zeh - Angriff auf die Sicherheit

Erscheinungsjahr: 2009
Vollständiger Titel: Angriff auf die Sicherheit. Sicherheitswahn, Überwachsungsstaat  und der Abbau der bürgerlichen Rechte
Genre: Sachbuch
Seitenzahl: 171

Teaser:
Bislang ist in Deutschland noch kein einziger terroristischer Anschlag aufgrund verschärfter Sicherheitsgsetze vereitelt worden. Viele der neu eingeführten Maßnahmen sind zum angegebenen Zweck der Terrorismusbekämpfung erwiesenermaßen ungeeignet. Politiker argumentieren für mehr Überwachung mit falschen Tatsachen und widersprüchlichen Angaben [...].


Inhalt
Jeder weiß irgendwie, dass der Datenschutz ein wichtiges Thema ist und das Recht an den persönlichen Informationen weder von vielen Einzelpersonen selbst, noch von eigentlich dem Volk verpflichteten Politikern verteidigt und geschützt. Informationen über Personen ist das neue Gold und dennoch laufen die meisten Prozesse und Gesetzesänderungen hinter verschlossenen Vorhängen und unter dem Vorwand der Terrorbekämpfung ab. Ein unschuldiger Bürger hat schließlich nichts zu verbergen, oder? Warum also sollten Geheimdienste irgendetwas über den Bürger wissen wollen, sie kümmern sich schließlich um Terroristen und nicht um Bürger.
Dass diese Dichotomie so eindeutig und einfach nicht ist, und dass es beim Thema Datenschutz nicht um potentielle Kriminalität, sondern krasse Beschränkung der individuellen Freiheitsrechte geht, zeigen Zeh und Trojanow in diesem Buch so kurz und komprimiert wie möglich auf.

Meine Meinung
Dieses von verschiedenen Kritikern als Pamphlet, Streitschrift und sogar Ratgeber betitelte Buch kam bei den meisten Rezensenten nicht sonderlich gut weg. Obwohl ich deren Kritikpunkte durchaus verstehen kann, bin ich doch der Meinung, dass dieses Buch in seinem stark begrenzten Rahmen durchaus eine Sensibilität für die Thematik schafft und aufzeigt, wie dringend sowohl Gesetze zum digitalen Datenschutz her, als auch die demokratischen Rechte und Werte verteidigt werden müssen.

Gerade jetzt, zu Zeiten des IS und des gefühlt allumfassenden Terrors, mobilisiert die Angst große Teile der eigentlich gesichert lebenden Bevölkerung dazu, Beschneidungen der eigenen Freiheit dankend abzunicken und den Staaten so immer mehr Macht zu übertragen. Alles, um einem nach Meinung der Autoren falsch verstandenen Sicherheitsgefühl nachzugehen. Diese Maßnahmen führen aber bei näherer Betrachtung nicht zu Ruhe und Frieden, sondern nur zu immer mehr Unsicherheit.

Ein sehr intelligenter Text, der die Argumentationsstrukturen von Politikern - mit konkreten Beispielen! - und den Massenmedien ihrer Scheinlogik und Widersprüchlichkeit entlarvt und versucht, sowohl die Angst vor einem omnipräsenten Terror zu nehmen, als auch die Werte demokratischer Staaten ins Bewusstsein des Lesers zu rufen.

Normalerweise ist mir bei Büchern die Autorenbiografie relativ egal, aber in diesem Fall erklärt diese sowohl die politische Richtung des Buches und die Schlagkraft des Schreibstils. Denn mit politischen Verbrechen kennen sich sowohl Trojanow als auch Zeh bestens aus, und das merkt man dem Buch auch an.
Was man ebenfalls merkt, ist, dass es sich bei dem Buch nicht um eine neutrale Darstellung der Sachlage handelt, sondern ganz klar um eine Meinung. Der Text soll die Gedanken des Lesers durchaus in eine bestimmte Richtung lenken und in gewisser Weise auch manipulieren. Damit hat er einiges gemein mit den kritisierten Aussagen von Politiker un Journalisten und auch, wenn im Anhang eine umfangreiche Fußnotensammlung existiert, sollte man durchaus auch mit diesem Text kritisch umgehen. Aber gerade bei solchen polemisch formulierten und teilweise sehr einseitig dargestellten Texten sollte eine kritische Haltung sowieso die Grundhaltung sein.

Der Kernaussage stimme ich trotz aller Kritik aber zu: eine Demokratie schützt man nicht durch eingeschränkte Freiheitsrechte und einen autoritären Staat. Aber auch, wer anderer Meinung ist, kann sich dieses Buch dennoch einmal ansehen, denn Diskussionsstoff liefert es auf jeden Fall zur Genüge.
5 Wölkchen erhält es von mir.


03.04.2016

[Musik] Sonntagslieder #137

Heute gibt es nicht viel Musik. Heute gibt es idealerweise so wenige Geräusche wie möglich. Was das Kinder der Nachbarn über mir leider nicht weiß und deshalb fröhlich auf meinen migränegeplagten Nerven herumtrampelt. Aber das ist schon in Ordnung, weil die Migräne sich mittlerweile dankenswerterweise wieder verzieht, nachdem sie mir erfolgreich das halbe Wochenende verdorben hat. Musik höre ich in diesem Zustand sehr wenig. Und wenn, habe ich in den letzten Monaten bemerkt, dass klassische Musik - nicht jede natürlich, ich teste da noch - solche Nachbeschwerden manchmal ein bisschen mindert. Also hallt gerade sehr leise Vivaldi durch mein Zimmer. Und wenn ihr mögt, dann jetzt auch durch eures.

Die vier Jahreszeiten - Herbst
Antonio Vivaldi


Einen schönen Sonntag wünsche ich allerseits - bleibt gesund und hört euch mal die Vier Jahreszeiten komplett an, das lohnt sich! ♥