05.04.2016

# Rezensionen

[Rezi] Ilija Trojanow / Juli Zeh - Angriff auf die Sicherheit

Erscheinungsjahr: 2009
Vollständiger Titel: Angriff auf die Sicherheit. Sicherheitswahn, Überwachsungsstaat  und der Abbau der bürgerlichen Rechte
Genre: Sachbuch
Seitenzahl: 171

Teaser:
Bislang ist in Deutschland noch kein einziger terroristischer Anschlag aufgrund verschärfter Sicherheitsgsetze vereitelt worden. Viele der neu eingeführten Maßnahmen sind zum angegebenen Zweck der Terrorismusbekämpfung erwiesenermaßen ungeeignet. Politiker argumentieren für mehr Überwachung mit falschen Tatsachen und widersprüchlichen Angaben [...].


Inhalt
Jeder weiß irgendwie, dass der Datenschutz ein wichtiges Thema ist und das Recht an den persönlichen Informationen weder von vielen Einzelpersonen selbst, noch von eigentlich dem Volk verpflichteten Politikern verteidigt und geschützt. Informationen über Personen ist das neue Gold und dennoch laufen die meisten Prozesse und Gesetzesänderungen hinter verschlossenen Vorhängen und unter dem Vorwand der Terrorbekämpfung ab. Ein unschuldiger Bürger hat schließlich nichts zu verbergen, oder? Warum also sollten Geheimdienste irgendetwas über den Bürger wissen wollen, sie kümmern sich schließlich um Terroristen und nicht um Bürger.
Dass diese Dichotomie so eindeutig und einfach nicht ist, und dass es beim Thema Datenschutz nicht um potentielle Kriminalität, sondern krasse Beschränkung der individuellen Freiheitsrechte geht, zeigen Zeh und Trojanow in diesem Buch so kurz und komprimiert wie möglich auf.

Meine Meinung
Dieses von verschiedenen Kritikern als Pamphlet, Streitschrift und sogar Ratgeber betitelte Buch kam bei den meisten Rezensenten nicht sonderlich gut weg. Obwohl ich deren Kritikpunkte durchaus verstehen kann, bin ich doch der Meinung, dass dieses Buch in seinem stark begrenzten Rahmen durchaus eine Sensibilität für die Thematik schafft und aufzeigt, wie dringend sowohl Gesetze zum digitalen Datenschutz her, als auch die demokratischen Rechte und Werte verteidigt werden müssen.

Gerade jetzt, zu Zeiten des IS und des gefühlt allumfassenden Terrors, mobilisiert die Angst große Teile der eigentlich gesichert lebenden Bevölkerung dazu, Beschneidungen der eigenen Freiheit dankend abzunicken und den Staaten so immer mehr Macht zu übertragen. Alles, um einem nach Meinung der Autoren falsch verstandenen Sicherheitsgefühl nachzugehen. Diese Maßnahmen führen aber bei näherer Betrachtung nicht zu Ruhe und Frieden, sondern nur zu immer mehr Unsicherheit.

Ein sehr intelligenter Text, der die Argumentationsstrukturen von Politikern - mit konkreten Beispielen! - und den Massenmedien ihrer Scheinlogik und Widersprüchlichkeit entlarvt und versucht, sowohl die Angst vor einem omnipräsenten Terror zu nehmen, als auch die Werte demokratischer Staaten ins Bewusstsein des Lesers zu rufen.

Normalerweise ist mir bei Büchern die Autorenbiografie relativ egal, aber in diesem Fall erklärt diese sowohl die politische Richtung des Buches und die Schlagkraft des Schreibstils. Denn mit politischen Verbrechen kennen sich sowohl Trojanow als auch Zeh bestens aus, und das merkt man dem Buch auch an.
Was man ebenfalls merkt, ist, dass es sich bei dem Buch nicht um eine neutrale Darstellung der Sachlage handelt, sondern ganz klar um eine Meinung. Der Text soll die Gedanken des Lesers durchaus in eine bestimmte Richtung lenken und in gewisser Weise auch manipulieren. Damit hat er einiges gemein mit den kritisierten Aussagen von Politiker un Journalisten und auch, wenn im Anhang eine umfangreiche Fußnotensammlung existiert, sollte man durchaus auch mit diesem Text kritisch umgehen. Aber gerade bei solchen polemisch formulierten und teilweise sehr einseitig dargestellten Texten sollte eine kritische Haltung sowieso die Grundhaltung sein.

Der Kernaussage stimme ich trotz aller Kritik aber zu: eine Demokratie schützt man nicht durch eingeschränkte Freiheitsrechte und einen autoritären Staat. Aber auch, wer anderer Meinung ist, kann sich dieses Buch dennoch einmal ansehen, denn Diskussionsstoff liefert es auf jeden Fall zur Genüge.
5 Wölkchen erhält es von mir.


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