19.04.2016

# Rezensionen

[Rezi] Michael Ende - Die undendliche Geschichte

Erscheinungsjahr: 1979
Genre: Erzählung, Phantastik
Seitenzahl: 428




Teaser:
"Nur der richtige Name gibt allen Wesen und Dingen ihre Wirklichkeit", sagte sie. "Der falsche Name macht alles unwirklich. Das ist es, was die Lüge tut."





Handlung
Phantásien ist in Gefahr! Überall im ganzen Land tauchen Flächen auf, die einfach Nichts sind - nicht einmal ein schwarzes Loch oder ähnliches, sondern einfach Nichts. Wenn man seinen Blick auf diese Flächen richtet, hat man das Gefühl, erblindet zu sein. Und wenn man zu nahe ran kommt, dann zieht es einen unweigerlich an und man verschwindet einfach so in diesem Nichts. Niemand ist sicher und niemand kann sich entziehen - die Riesen nicht, die Winzlinge nicht, kein magisches Wesen und überhaupt niemand. Die Flächen des Nichts breiten sich immer weiter aus, werden größer und Bedrohen die Existenz Phantásiens und all seiner Bewohner.
Im Zusammenhang damit steht die mysteriöse Krankheit der Kindlichen Kaiserin - der Herrscherin Phantásiens, aus deren Kraft das gesamte Reich existiert und der deshalb jedes Wesen gehorcht, obwohl sie nie Gewalt anwendet. Um ein Heilmittel gegen diese Krankheit zu finden - denn die 500 besten Ärzte des ganzen Landes wissen sich keinen Rat - wird der 10-jährige Atréju von den Grünhäuten ausgesandt.
Ganz gebannt von der Geschichte rund um Atréjus Expedition ist der kleine Bastian Balthasar Bux. Der findet nämlich genau diese Geschichte in einem Buch mit dem Titel "Die unendliche Geschichte". Für ihn, die Leseratte, ist eine Geschichte, die niemals endet, natürlich der Traum schlechthin. Und weil sein Leben sowieso ziemlich schwierig ist, zieht er sich kurzerhand auf den Speicher der Schule zurück und versinkt einen Tag und eine Nacht in der Lektüre des Buches. Und zwar tiefer, als er zunächst ahnt.

Meine Meinung
Hach, Michael Ende ist ein Genie. Zum gefühlt 1000. Mal habe ich dieses Buch gelesen und es wird mir einfach nicht langweilig - so viel Kreativität, Zauber und Weisheit steckt darin, ich möchte es am liebsten pathetisch jedem anpreisen, der es noch nicht gelesen hat.

Ein besonderes Merkmal ist sicher die formale und inhaltliche Kennzeichnung der beiden Parallelwelten, in denen die Geschichte angesiedelt ist: wir haben in roter Schrift die Handlung in der fiktiven Realität und daneben in grüner Schrift und mit wunderschön gestalteten Anfagsbuchstaben zu Beginn eines jeden Kapitels die Geschichte, die Bastian in der Realität liest und die im Buch selbst als Buch mit dem Titel "Die unendliche Geschichte" bezeichnet wird. Viele Ebenen also, die es zu beschreiten und erforschen gibt.
Bleiben wir einmal kurz bei Bastian. Der hat es nämlich alles andere als leicht und flüchtet sich schon seit jeher in die Welt der Bücher, um seinen Problemen zu entkommen und immer neue Abenteuer zu erleben. Nach dem Tod seiner Mutter ist Bastians Vater in einer Depression versunken und schafft es nicht mehr, sich um seinen Sohn zu kümmern. Und in der Schule wird Bastian auch sehr schlimm gehänselt und von seinen Mitschülern gequält. Er, der er immer dicklich, unsportlich und blass war, fühlt sich ungeliebt, unbeachtet und einfach unglücklich. Als ihm dann besagtes Buch in einem Antiquariat in die Hände fällt, überlegt er nicht lange, sondern steckt es ein ohne zu bezahlen. Und als Krimineller auf der Flucht - schließlich ist er nun ein Dieb - beschließt er kurzerhand, sich auf dem selten besuchten Dachboden der Schule einen Unterschlupf einzurichten und nie wieder nach Hause zurückzukehren.

Was in Phantásien passiert, ist nicht nur eine Geschichte, die für sich schon bezaubernd ist, sondern sie ist außerdem Bastians Weg aus seiner misslichen Lage. Wer selbst schon einmal von einem Buch so beeinflusst wurde, dass die Lektüre sein Leben verändert hat, kann vielleicht nachvollziehen, was das Buch mit dem kleinen machtlosen Jungen anstellt, als es ihn plötzlich IN die Handlung integriert und Bastian buchstäblich Teil Phantásiens wird. Mit Atréju an seiner Seite erlebt er, wie es ist, beliebt, bewundert und wunderschön zu sein. Gleichzeitig muss er allerdings auf die harte Tour erfahren, welche negativen Eigenschaften damit einhergehen können. Oder hauptsächlich eine bestimmte Eigenschaft: die Gier. Nach immer mehr Bewunderern, nach immer mehr Macht. Und am Ende seiner Reise steht ein verwandelter, ganz neuer, alter Bastian, der erst seine Identität verlieren musste, um sie schließlich finden zu können.

Wunderschön sind nicht nur die Ideen, sondern auch die Worte, mit denen sie geschildert sind. Kindgerecht (ich kann es aus erste Hand beurteilen, denn schon als Kind habe ich dieses Buch geliebt), aber ganz und gar nicht anspruchslos. Eine sehr bildliche Sprache paart sich in diesem Buch mit bezaubernden Ideen und moralisch komplexen Lektionen. Doch was gerade so schön und besonders an diesen Lektionen ist, ist die Tatsache, dass sie nicht mit erhobenem Zeigefinger lediglich eine einzige Richtung gelten lassen, sondern der Leser animiert wird, selbst zu denken und erstmal ähnlich wie die Kindliche Kaiserin alles für gleich gültig und gleich wichtig zu erachten, bevor er dann zu einem finalen Ergebnis kommt.

So viel mehr könnte ich noch zu diesem Buch schreiben und würde der Geschichte doch nicht gerecht werden. Ich kann es wirklich nur jedem ans Herz legen, mal einen Blick in das Buch zu werfen. Phantásien ist auch nach 15 Jahren immernoch ein Ort, den ich gerne besuche und der, weil ständig im Wandel, nichts von seinem Zauber eingebüßt hat. 5 rosa Wölkchen gibt es von mir. Und ein Herz! ♥


Kommentare:

  1. Guten Morgen!

    Dieses Buch muss einfach großartig sein, man liest es ja schon allein durch deine Begeisterung heraus. Ich kenne leider nur die Verfilmung, aber irgendwann möchte ich es auf jeden Fall lesen, denn sonst habe ich sicher etwas versäumt.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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    1. Hach ja, ich liebe es auch wirklich :) Die Verfilmung kenne ich dagegen gar nicht, weil ich meine Kindheitsillusionen nicht zerstören will :P
      Aber das Buch lege ich dir wirklich sehr ans Herz! ♥

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  2. Hach, das liest sich so großartig. Tatsächlich habe ich die unendliche Geschichte leider nicht gelesen. Ich erinnere mich aber noch an die Filme. Wir hatten die auf VHS - also so aus dem Fernsehen aufgenommen - und ich hab mir das so gerne angeschaut.

    Hatte mir vor einer Zeit schon vorgenommen, das Hörbuch mal zu hören. Hab jetzt aber zunächst noch die Tribute von Panem, die ich derzeit höre - danach kommt dann aber die unendliche Geschichte dran :)

    <3

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    1. Den Film kenne ich dagegen gar nicht. Muss ich mir aber dringens mal anschauen! :)

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