29.07.2016

[Rezi] Jan Zweyer - Das Haus der grauen Mönche. Das Mündel

Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Historischer Roman
Reihe: Das Haus der grauen Mönche, Teil I
Seitenzahl: 434



Teaser:
Jorge wusste, was Papier war. Bruder Bernados Bibel war noch auf Pergament geschrieben worden, das Rechenbuch des Fibonacci jedoch auf Papier. Bruder Bernado hatte ihm erklärt, dass dieses Material fast so kostspielig wie Pergament sei.



Handlung
Die Bewohner der Stadt Hattingen und der umliegenden Bauernhöfe sind, wie im späten Mittelalter üblich, von der Willkür und der Interessen ihres Herzogs abhängig. Dieser kann ihnen beispielsweise auch nach eigenem Ermessen Landflächen entziehen und diese anderweitig nutzen. Lediglich einen freien Bauer gibt es in besagtem Herzogtum zu verzeichnen und ausgerechnet dieser besitzt eine große Fläche Land, an der der Herzog sehr interessiert ist. Ein Verkauf an die Benediktiner würde ihn nämlich zumindest temporär von seinen Schulden befreien. So kommt es, dass besagter Bauer und seine Frau durch mehr oder weniger geschicktes Fädenziehen ums Leben kommen und das Land auf Grund eines fehlenden Erben wieder an den Herzog fällt.
Unmittelbar vor ihrem Tod allerdings gebar die Bauersfrau einen gesunden Jungen und nahm dem Dominikanermönch Bruder Bernardo den Schwur ab, für ihren kleinen Jorge zu sorgen. 10 Jahre später wird Jorge als Mündel Bernardos im Haus der grauen Mönche - dem Sitz der missionarstätigen Dominikanermönche in Hattingen - versorgt und in Lesen, Schreiben und Mathematik unterrichtet. Während der älter wird, findet er nicht nur immer mehr über seine Eltern und die Umstände ihres Todes heraus, sondern trifft auch auf die Schuldigen an deren Tod.

Meine Meinung
Nach längerer Zeit stand mir mal wieder der Sinn nach einem historischen Roman. Völlig unvoreingenommen bin ich zufällig auf diese Trilogie gestoßen - wobei ich zugeben muss, dass ich erst im Nachhinein festgestellt habe, hier den ersten Teil einer Reihe und keinen Einzelband in den Händen zu halten. Und schon gleich vom ersten Kapitel an war ich sehr begeistert von der Geschichte; und das kommt wirklich nicht sehr oft bei mir vor.

Natürlich werden in diesem ersten Teil zunächst die Grundsteine für den weiteren Handlungsverlauf gelegt und das merkt man der Geschichte deutlich an. Sie ist nicht in sich geschlossen, sondern bedarf auf jeden Fall der Ergänzung. Aber auch hier wird es schon ziemlich spannend.
Jorge ist ein Hauptcharakter, den man im Grunde ab dem Zeitpunkt seiner Geburt begleitet und der sich natürlich entsprechend seines Wachstums, Alters und Lernens sehr stark entwickelt. Zwar ist er auch am Ende des Buches noch ein kleiner süßer Junge, aber einer, der mittlerweile über Witz, geschulten Intellekt und vor allem ein großes Herz verfügt. Vor allem sein ausgeprägter Sinn für Gerechtigkeit bringt ihn in mehr als eine kritische Situation.

Seine Anwesenheit im Haus des Dominikanerordens sorgt sowohl inner- als auch außerhalb der Ordensgemeinschaft für einigen Ungemach. Vor allem aber die Konflikte zwischen den verschiedenen Mönchsorden - hier Dominikaner und Benediktiner - und auch die komplexen Machtverhältnisse zwischen weltlichen und geistlichen Herrschern werden um Jorge zentriert in der Geschichte entwickelt und ziehen aber von dort aus auch weitere Kreise in Richtung Rom, wo die politischen Entwicklungen am Heiligen Stuhl ebenfalls thematisiert werden.
Dass im Roman einige realhistorische Ereignisse und Personen glaubwürdig verarbeitet wurden, hat mich besonders gefreut. Im Nachwort weist der Autor noch einmal explizit auf die dichterischen Freiheiten hin, die er sich genommen hat und erläutert kurz die historischen Fakten, wie sie tatsächlich passiert und bekannt sind.

Lediglich an der Ausarbeitung einiger Charaktere hapert es ein bisschen. Aber auch dies scheint mir der Tatsache geschuldet, dass es sich eben um einen ersten Teil handelt und die betreffenden Figuren erst eingeführt wurden.
Insgesamt halte ich dieses Buch für einen überdurchschnittlich gelungenen Roman, der mich schon ganz gespannt auf die Folgebände blicken lässt. 4 Wölkchen gibt es von mir dafür.


25.07.2016

[Gerede] Niemand hier mag Montage. Eine Ode. Oder so etwas ähnliches

Niemand mag Montage
stellt das jemals jemand in Frage?
Nein. Am Wochenanfang stets die selbe Klage
Herr, hilf, dass ich diesen Tag ertrage!

Überall erschallen wehleidige Beschwerden,
wenn dieser Tag anbricht;
ich sag es deutlich: bei mir nicht.

Montag ist die Chance für die Woche, besser zu werden
als die vergangene. Deshalb sollte man sich lieber berauschen
am süßen Neuanfang - gegen nichts würde ich das tauschen.

Einen schöneren Wochentag ich niemals sah
 - von Samstag vielleicht abgesehen, ja schon klar - 
Egal. Es reimt sich, also ist es wahr,
Montage sind wunderbar.


12.07.2016

[Rezi] Christopher Moore - Die Bibel nach Biff

Erscheinungsjahr: 2002
Originaltitel: Lamb: The gospel according to Biff, Christ's Childhood Pal
Genre: Roman, Humor
Seitenzahl: 563


Teaser:
Josua rempelte die Leute im Gehen an, wie absichtlich, und jedes Mal, wenn er jemanden mit der Schulter oder dem Ellenbogen getroffen hatte, murmelte er gerade laut genug, dass ich ihn verstehen konnte: "Den hab ich geheilt. Die auch. (...)".



Handlung
Um die Wirkungsgeschichte von Jesus Christus zumindest rudimentär zu kennen, muss man nicht unbedingt die Bibel gelesen haben. Und wenn es nach Levi - genannt Biff - geht, muss man die Bibel sowieso nicht gelesen haben, denn erstens fehlen in den vier Evangelien die ersten 30 Jahre vom Leben Jesu, und zweitens waren die Verfasser dieser Biographien offensichtlich bei den Geschehnissen nicht selbst dabei und haben alles aus zweiter, dritter oder vierter Hand aufgeschrieben. Genau das ist auch der Grund dafür, dass Biff von den Toten zurückgeholt wurde,  nun in einem Hotelzimmer der Gegenwart sitzt und das Leben Jesu von Anfang bis Ende aufschreibt. Denn er war dabei - hat die Kindheit und Jugend mit Jesus - oder Josua - erlebt, seine Ausbildung geteilt und Aufstieg sowie Fall begleitet. Denn Biff war der beste Freund des Messias und ist ihm seit dem Jahr 0 nicht von dessen Seite gewichen. Also schildert er die Geschichte des Heiland aus seine ganz eigenen Sicht und mit seinem ganz eigenen Humor - sarkastisch, unverblümt und ohne spirituelle Romantik.

Meine Meinung
Geschichten, die sich auf eine reflektierte, vielleicht auch kritische Weise mit Religion befassen - und sei es der christlichen, muslimischen, buddhistischen oder sonst einer Religion - lese ich ja grundsätzlich für mein Leben gerne. Und diese hier ist dabei etwas ganz besonderes, schildert sie doch die Kindheit und Adoleszenz des späteren Messias Jesus und stellt dabei humoistisch den Bezug des Christentums zu diversen weiteren religösen Lehren heraus. Natürlich alles völlig ohne Wahrheitsanspruch, sondern als Gedankenexperiment. Aber deshalb nicht weniger anregend und spannend.

Erzählt wird die ganze Geschiche von Biff aus der Ich-Perspektive und zwar auf zwei Ebenen. Einmal sitzt er schreibend in einem Hotelzimmer des 21. Jahrhunderts und kommentiert die Erfindungen der neuen Zeit. Und auf der zweiten Ebene gurkt er mit Jesus gemeinsam durch die Weltgeschichte. Währenddessen erlebt er den Messias in verschiedenen Phasen seiner charakterlichen und moralischen Entwicklung, begleitet ihn auf seiner Wanderschaft und teilt seine Ausbildung. Gut, Wasser in Wein kann er leider nicht verwandeln, aber mit seiner Rolle als zweite Geige ist er durchaus zufrieden. Zumal Jesus ohne Biffs Gerissenheit und Gauklertricks ohnehin schon sehr früh mit den Römern oder den Pharisäern in Konflikt geraten wäre.

Natürlich ist die Geschichte weder historisch noch theologisch belegbar. Aber diesen Anspruch hat sie auch gar nicht - sie ist einfach eine Art, über Religionen zu reflektieren und die moralischen Grundlagen, die die meisten Religionen doch gemein haben,zu beleuchten. Außerdem mag ich den Gedanken, dass Jesus nicht der fertige Messias war, der predigend durch die Gegend gewandert ist, sondern sich zuerst selbst bilden musste und durchaus auch an seiner eigenen Position gezweifelt hat.

Was ich allerdings ein bisschen bemängeln muss, sind die durchaus enthaltenen Längen in der Geschichte. Vor allem in der ersten Hälfte des Buches zieht sich das Ganze doch ein wenig unnötig in die Länge. Es war dann zwar keine Qual weiterzulesen, weil der Schreibstil weiterhin von einem trockenen und sarkastischn Humor durchzogen war. Aber ein Buch sollte doch auch vom Inhalt und nicht nur vom Schreibstil getragen werden.

Alles in allem fand ich die Geschichte dennoch sehr lesenswert. Das Nachwort des Autors, in dem er noch einmal die Intention und die Hintergründ dazu erläutert, rundet die ganze Sache sehr schön ab. Es gibt dafür gute 3 Wölkchen und eine große Leseempfehlung von mir.


03.07.2016

Wie ich die Sinnhaftigkeit der Geometrie erkannte

Manchmal wird man ja von einem Geistesblitz getroffen, der einen gefühlt einen riesigen Schritt näher an den Zustand der ewigen Weisheit bringt. Solche erleuchtenden Momente bringen bei mir für gewöhnlich folgende Gedankengänge mit sich:

Immobilien tragen ihren Namen deshalb, weil sie unbeweglich - eben nicht mobil - sind!
Bei den Simpsons ist Gott die einzige Figur mit 5 Fingern an jeder Hand; alle anderen haben nur 4!

Manchmal ist der Erkenntniswert dann aber doch ein wenig höher und verschiebt das für mich etablierte Weltbild tatsächlich ein bisschen mehr als dass er nur die berühmten Schuppen von meinen Augen fallen lässt. So begab es sich jüngst, dass sich meine Wohnstätte um ein paar Kilometer verlagern musste. Im Zuge dessen standen nicht nur einige organisatorische Fragen im Raum, die es möglichst effizient zu lösen galt (eine meiner großen Kernkompetenzen. Nicht.), sondern auch diverse Möbelkäufe. Und Möbelaufbauten. Und Möbel-im-Zimmer-Arrangements. Als Raumplanungsvollprofi - schließlich sehe ich mir regelmäßig Zuhause im Glück und diverese weitere Sendungen dieses Formates an - habe ich selbstverständlich einen maßstabsgetreuen Grundriss meines neuen Zimmers und der intendierten Möbel angefertigt. Und aus diesem ging klar und deutlich hervor, dass der Kleiderschrank und das Bett exakt ! an einer Zimmerseite nebeneinander stehen können. Auf den Millimeter genau! 

Überraschenderweise entspricht diese Berechnung auch wirklich den Tatsachen, sodass das typische Chaos des Vermessens und des daraus entstehenden Improvisierens ausblieb. Was ich allerdings nicht bedacht habe war, dass durch die bereits bestehende Regalanordnung das Bett nur dort aufgebaut werden konnte, wo es auch letztendlich stehen sollte. Und das war nun mal zwischen Schrank und Wand. Pressgenau quasi. Wie allerdings Schrauben und Dübel und ähnliches Gekröse in dieser Anordnung festgezogen und reingehämmert werden sollen, war eine Frage, die sich sowohl meinen fleißigen, tollsten Helfern, als auch mir erst ziemlich spät stellte. Sozusagen erst dann, als das Kopfteil stand und für die Montage des Fußteils eigentlich kein Platz mehr war. 
Doch was taten die schlauen Menschen? Sie schätzten Winkel ab, montierten in Schräglage, hoben Bettgestelle über Schränke und schafften es letzten Endes tatsächlich unfall- und katastrophenfrei dieses Bett an seiner geplanten Stelle zu platzieren. Daraus ergeben sich zwei sehr wichtige Dinge:

1. Irgendwie klappt das meiste schon
2. Nicht alles, was man im Matheunterricht lernt, geht an der Lebensrealität vorbei

Wie sehr gerade letzteres mein Wertesystem in Frage stellt, muss ich wohl kaum jemandem beschreiben. Wobei ich natürlich nicht grundsätzlich den Unterricht in Mathematik in Frage stellen möchte, sondern eher die praxisfernen Aufgabenstellungen. 

Jedenfalls ist es mit Hilfe einfacher geometrischer Gesetze gelungen, mein Zimmer fertig zu möblieren, und das hat mich sehr gefreut. Mehr als das. Ein Scheitern hätte mich vermutlich ziemlich direkt in den Nervenzusammenbruch geführt, der sich seit Anfang der Woche angekündigt und am Wochenende teilweise sowieso schon entladen hatte. Denn die Wahrheit ist: Umziehen ist der Horror. Vor allem, wenn man planlos und grundsätzlich verwirrt ist.
Aber nun ist das Grobe geschafft und es kann nächste Woche endlich mit dem Feinschliff losgehen: Deko! ♥
Und ich bin sicher, dass ein paar Geometrieskills auch dabei von großem Nutzen sein werden!