12.07.2016

[Rezi] Christopher Moore - Die Bibel nach Biff

Erscheinungsjahr: 2002
Originaltitel: Lamb: The gospel according to Biff, Christ's Childhood Pal
Genre: Roman, Humor
Seitenzahl: 563


Teaser:
Josua rempelte die Leute im Gehen an, wie absichtlich, und jedes Mal, wenn er jemanden mit der Schulter oder dem Ellenbogen getroffen hatte, murmelte er gerade laut genug, dass ich ihn verstehen konnte: "Den hab ich geheilt. Die auch. (...)".



Handlung
Um die Wirkungsgeschichte von Jesus Christus zumindest rudimentär zu kennen, muss man nicht unbedingt die Bibel gelesen haben. Und wenn es nach Levi - genannt Biff - geht, muss man die Bibel sowieso nicht gelesen haben, denn erstens fehlen in den vier Evangelien die ersten 30 Jahre vom Leben Jesu, und zweitens waren die Verfasser dieser Biographien offensichtlich bei den Geschehnissen nicht selbst dabei und haben alles aus zweiter, dritter oder vierter Hand aufgeschrieben. Genau das ist auch der Grund dafür, dass Biff von den Toten zurückgeholt wurde,  nun in einem Hotelzimmer der Gegenwart sitzt und das Leben Jesu von Anfang bis Ende aufschreibt. Denn er war dabei - hat die Kindheit und Jugend mit Jesus - oder Josua - erlebt, seine Ausbildung geteilt und Aufstieg sowie Fall begleitet. Denn Biff war der beste Freund des Messias und ist ihm seit dem Jahr 0 nicht von dessen Seite gewichen. Also schildert er die Geschichte des Heiland aus seine ganz eigenen Sicht und mit seinem ganz eigenen Humor - sarkastisch, unverblümt und ohne spirituelle Romantik.

Meine Meinung
Geschichten, die sich auf eine reflektierte, vielleicht auch kritische Weise mit Religion befassen - und sei es der christlichen, muslimischen, buddhistischen oder sonst einer Religion - lese ich ja grundsätzlich für mein Leben gerne. Und diese hier ist dabei etwas ganz besonderes, schildert sie doch die Kindheit und Adoleszenz des späteren Messias Jesus und stellt dabei humoistisch den Bezug des Christentums zu diversen weiteren religösen Lehren heraus. Natürlich alles völlig ohne Wahrheitsanspruch, sondern als Gedankenexperiment. Aber deshalb nicht weniger anregend und spannend.

Erzählt wird die ganze Geschiche von Biff aus der Ich-Perspektive und zwar auf zwei Ebenen. Einmal sitzt er schreibend in einem Hotelzimmer des 21. Jahrhunderts und kommentiert die Erfindungen der neuen Zeit. Und auf der zweiten Ebene gurkt er mit Jesus gemeinsam durch die Weltgeschichte. Währenddessen erlebt er den Messias in verschiedenen Phasen seiner charakterlichen und moralischen Entwicklung, begleitet ihn auf seiner Wanderschaft und teilt seine Ausbildung. Gut, Wasser in Wein kann er leider nicht verwandeln, aber mit seiner Rolle als zweite Geige ist er durchaus zufrieden. Zumal Jesus ohne Biffs Gerissenheit und Gauklertricks ohnehin schon sehr früh mit den Römern oder den Pharisäern in Konflikt geraten wäre.

Natürlich ist die Geschichte weder historisch noch theologisch belegbar. Aber diesen Anspruch hat sie auch gar nicht - sie ist einfach eine Art, über Religionen zu reflektieren und die moralischen Grundlagen, die die meisten Religionen doch gemein haben,zu beleuchten. Außerdem mag ich den Gedanken, dass Jesus nicht der fertige Messias war, der predigend durch die Gegend gewandert ist, sondern sich zuerst selbst bilden musste und durchaus auch an seiner eigenen Position gezweifelt hat.

Was ich allerdings ein bisschen bemängeln muss, sind die durchaus enthaltenen Längen in der Geschichte. Vor allem in der ersten Hälfte des Buches zieht sich das Ganze doch ein wenig unnötig in die Länge. Es war dann zwar keine Qual weiterzulesen, weil der Schreibstil weiterhin von einem trockenen und sarkastischn Humor durchzogen war. Aber ein Buch sollte doch auch vom Inhalt und nicht nur vom Schreibstil getragen werden.

Alles in allem fand ich die Geschichte dennoch sehr lesenswert. Das Nachwort des Autors, in dem er noch einmal die Intention und die Hintergründ dazu erläutert, rundet die ganze Sache sehr schön ab. Es gibt dafür gute 3 Wölkchen und eine große Leseempfehlung von mir.


Kommentare:

  1. Guten Morgen Mel :)

    Aaaw, "Die Bibel nach Biff" ist eins meiner absoluten Lieblingsbücher, weil ich den Schreibstil so unglaublich klasse fand und er genau meinen Nerv getroffen hat. Ich denke ich weiß, welche Längen du meinst, mich konnten die allerdings nicht schrecken oder den Eindruck trüben damals :) Ich hab irgendwann aufgehört das Buch in der Bahn zu lesen, weil ich dauernd albern kichern musste.

    Es freut mich gerade total, dass das Buch nochmal jemand ausgräbt <3

    Liebe Grüße
    Ivy

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    1. Hahaha :D Ja, ich musste auch einige Male Kichern - Biff haut schon sehr gute Sprüche raus :D
      Witzigerweise hat mir das Buch eine Freundin empfohlen, weil sie es ebenfalls so mega gut fand - das ist jetzt 5 Jahre her. Als ich es dann aber letztens auf dem Flohmarkt entdeckt habe, ergriff ich sofort die Gelegenheit und habs mitgenommen. Und trotz der Längen mag ich es :)

      Liebe Grüße
      MelMel

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