28.11.2016

[Gerede] Über Haken und To-Do-Listen

Bei meiner ersten Arbeitsstelle nach dem Abi hatte ich sehr schnell einen bestimmten Ruf weg. Während meine Kollegen ihre Rollen als gemütliche Büromama mit Kuchen für alle, als aufgeregter und übermotivierter Azubi oder tendenziell grummelige Organisationsqueen inne hatten, war in meinem Fall schnell klar: ich bin der verwirrte Listenfreak. Nicht eine Liste, nicht zwei Listen, im Durchschnitt zierten 5 - 8 Listen meinen Arbeitsplatz; mit Namen von Anrufern, zu erledigenden Dingen oder einfach Kritzeleien, die ich bei langweiligen Telefonaten anfertigte und nicht wegwerfen konnte. Schließlich waren das Kunstwerke und außerdem war auf dem Zettel noch eine Ecke frei, die beim nächsten Telefonat verziert werden würde. Man spart schließlich Papier.

Tatsächlich bin ich in der Beziehung ein wenig obsessiv. Zum Beispiel liegt gerade hier vor mir eine Liste mit To-Do's für diese Woche. Darauf steht, dass mal wieder ein semi-tiefgründiger, ein bisschen humorvoller und eben typisch ironischer Gelaber-Post auf diesem Blog erscheinen soll. Und vor allem, dass ich ihn heute schreiben muss. Heute. Es steht der Wochentag daneben. Und wenn das da steht, dann muss das auch so gemacht werden. Wo kommen wir denn sonst hin? Sonst herrscht hier bald Sodom und Gomorra und ich kann den Blog gleich an irgendwelche Hooligans verschenken, die über die Qualität von Schlagringen philosophieren. Nein, nein. 
Das Problem ist: Kreativität (so man es in diesem Fall den so nennen möchte) kommt leider nicht, weil es auf einer Liste steht. Manchmal kommt sie und manchmal leider nicht. Deshalb habe ich außerdem auch eine Liste mit Ideen für mögliche Posts vor mir liegen. Diese hätte ich eigentlich schon ausformuliert. Aber leider war ich zum Zeitpunkt der Erleuchtung gerade mit irgendeinem anderen Punkt auf irgendeiner anderen Liste beschäftigt und habe daher einfach die Kurzfassung in mein Büchlein geschmiert. Weil die Idee im Kopf so gut klang, und wenn ich sie da schon gehört habe, kann ich sie ja wohl auch irgendwann später wieder abrufen. Sie ist schließlich im Kopf. Und den habe ich ja eh immer dabei. 
Tja nun. Wie das Leben so spielt, sind die Worte verpufft, verschollen, verloren gegangen in den weiten Winkeln und Wirrungen der Synapsen und Nervenstränge meines Gehirns, sodass ich nun einfach hier sitze und Nonsens in die Tasten tippe, um gleich diesen bekloppten Punkt auf der Liste abhaken zu können.

Listen sind mein Segen und mein Fluch. Wie vielleicht deutlich wurde, ist mein Gehirn ein Sieb. Ohne Listen vergesse ich sofort alles. Wirklich alles. Es kommt manchmal vor, da denke ich in der Küche, dass ich noch Mehl auf die Einkaufsliste setzen muss, und wenn ich 6 Sekunden später mit dem Kulli schreibbereit vor besagter stehe, habe ich nicht mehr den leisesten Schimmer, was ich draufsetzen wollte. Meistens fällt es mir dann aber doch irgendwann wieder ein und ich kann es sofort outsourcen und festhalten, damit es nicht wieder wegflutscht. Deshalb sind Listen ein Segen.
Und Listen sind ein Fluch, weil sie furchtbar reduzieren. Sie reduzieren Gedanken auf wesentliche Stichworte, die vielleicht irgendwie Sinn ergeben, aber einfach keinen Pfeffer und irgendwie keine Seele mehr haben. Deshalb sind Einkaufslisten in Ordnung und Post-Idee-Listen nicht. Zumindest nicht, wenn man grade einer so unproduktiven Phase ist, dass nicht einmal mehr Teelichter und Räucherstäbchen helfen (side note: Räucherstäbchen helfen bei mir sowieso nicht. Ich besitze nichtmal welche. Vielleicht ist auch das das Problem. Kommt sofort auf die Einkaufsliste).

Jedenfalls ist es jetzt so, wie es nunmal ist. Und ich brauche heute ein Erfolgserlebnis und will diesen Haken hinter diesen Punkt auf dieser Liste setzen. Also geht das hier jetzt online. Da müssen wir halt alle durch.

Kommentare:

  1. Das Problem mit der nicht spontanen Kreativität kenne ich ^^.
    Ich habe auch immer super Ideen und denke, die könnte ich ja später ausformulieren, und wenn ich dann die Zeit hätte, ist die Inspiration weg.
    Deshalb schreibe ich mittlerweile oft wie besessen Posts sofort, sobald ich die Idee habe, auch, wenn ich eigentlich etwas sinnvolles tun sollte ^^.

    Und das 6-Sekunden-Gedächtnis kommt mir auch irgendwie bekannt vor :D. Oft schreibe
    ich mir in eine Notiz auf meinem Handy, was ich gleich in mein Notizbuch schreiben will ^^.

    Herzlichen Glückwunsch zum abgehakten Listenpunkt! :D

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke! :D
      Das Problem bei mir ist, dass mir die Ideen oft auch im Bus oder unter der Dusche kommen - also wenn ich wirklich grade gar nicht schreiben kann xD Habe mir aber auch vorgenommen, das in Zukunft strikter zu verfolgen.

      Oooh, du bist auch noch Anhängerin der klassischen Notizbücher - sehr cool! :) Ich mag die einfach lieber als mein Handy, aber deine Kombination finde ich sehr schlau :D

      Löschen