11.12.2016

[Gerede] Überlegungen zu Ratgeberliteratur

15:59 5 Comments
Manchmal wehrt man sich vehement gegen Dinge und weiß eigentlich gar nicht so genau, warum. Meistens liegt das an Vorurteilen, die man gegen eben diese Dinge hegt und von denen man nicht loskommen kann oder möchte.

So geht es mir grundsätzlich mit so genannter Ratgeberliteratur oder Selbsthilfeliteratur. Zwar habe ich noch nie ein Buch gelesen, das in diese Kategorie passt, aber dennoch hege ich eine starke, offensichtlich unfundierte Abneigung dagegen. Dabei ist es vermutlich ebenso logisch zu sagen "Ich mag keine Ratgeberbücher", wie zu sagen "Ich mag keinen Salat" - einfach, weil es so viele verschiedene Salate gibt und es Unsinn ist, grundsätzlich alles abzulehnen, nur weil es eben Salat heißt.
Genauso verhält es sich auch mit der hier thematisierten Literatur, die ich Zeit meines Lebens immer nur schief angesehen habe. Ähnlich wie deren Leser. Und das ist gar kein böser Wille, aber Ratgeberbücher haben für mich einen sehr negativen Beiklang. Oder doch zwei. Zum Einen halte ich viele dieser Bücher einfach für unseriös. Titel wie "Kuriere dich selbst mit Heilerde" oder ähnliches lassen mich einfach an der Zurrechnungsfähigkeit des Autoren zweifeln. Abgesehen davon, dass ich es für gefährlich halte, Laien alternative Selbstbehandlungsmethoden vorzuschlagen - sei es physisch oder psychisch - weisen viele Autoren auch offensichtlich nicht die nötigen Kompetenzen auf, um solche Tipps zu geben.
Zum Anderen ist neben der Unseriösität der Autoren auch immer ein bisschen Stigmatisierung bei der Leserschaft im Spiel. Solche Bücher brauchen doch nur Leute, die nicht selbstständig und reflektiert genug sind. Oder die keine "echten" Ratgeber in ihrem Leben haben. Deshalb müssen sie auf Bücher zurückgreifen, um diese Lücken zu füllen. Oder nicht?
Natürlich nicht. Vielleicht sind es auch einfach Leute, die mal einen neuen Denkanstoß brauchen oder generell ihren Horizont erweitern möchten und mit Hilfe eines solchen Buches ihre Denkweise und Lebensführung nochmal mit ein wenig Abstand beleuchten wollen. Und das ist doch eigentlich nie verkehrt - wie gerade ich als Geisteswissenschaftlerin wissen müsste.

Wie komme ich eigentlich zu diesen Gedankengängen? Mir wurde ein Buch vererbt, das eindeutig in die Kategorie der Ratgeberliteratur fällt. Beim kurzen Durchblättern fand ich es tatsächlich ziemlich inspirierend. Ich werde es also auf jeden Fall lesen - zwar nicht mit dem Ziel, meine (eingebildeten oder realen) psychischen Probleme zu lösen, sondern aus Interesse. Keine Ahnung, ob der Autor kompetent ist, aber er scheint ganz spannende Sachen zu schreiben. Und am Ende ist es doch eigentlich egal, wer der Autor ist und warum man solche Bücher liest. Wenn sie einem irgendwas mitgeben, irgendjemandem helfen oder irgendwie zum Nachdenken anregen, dann haben sie - auch wenn es vermutlich nie zu meinem Lieblingsgenre gehören wird - doch durchaus eine Existenzberechtigung.