12.06.2017

# Fotoalbum # Wohnzimmer

Wenn einem selbst die virtuelle Decke auf den Kopf fällt...

... braucht man dringend einen Tapetenwechsel.
Generell ist es bei akuten Anfällen von "Ich weiß einfach nicht wohin mit mir, meinen Sachen oder meinem Leben" hilfreich und daher ratsam, einfach mal ein bisschen was zu verändern. Das Klischee,  dass Frauen nach einer Trennung erst einmal zum Friseur rennen, kommt nämlich tatsächlich nicht von ungefähr. Passieren einschneidende Dinge im Leben, tun Veränderungen, Umstrukturierungen oder Neudenken einen besonderen Dienst: sie markieren den Übergang einer bestimmten (blöden) Phase in eine andere (wieder lichtere) Phase und sind damit meiner Meinung nach äußerst wichtig für einen Verarbeitungsprozess.

Nun kann es natürlich vorkommen, dass man eine richtig miese Zeit erlebt, in der eine Drecksphase auf die nächste folgt. Und dann hilft manchmal nur noch: Koffer packen und umziehen. Denn ein neuer Haarschnitt würde das emotionale Überwinden nicht ausreichend repräsentieren.
Weil das in der realen Welt aber leider nicht so einfach möglich ist, muss man irgendwie lernen, mit der gegebenen Situation umzugehen. Auch, wenn ich sicher bin, dass man manche Dinge nie überwinden kann (und möchte), ist es doch irgendwann geboten, sein Leben wieder auf die Reihe zu kriegen. Daran habe ich zum Ende letzten Jahres schon mal und seit Anfang diesen Jahres schon wieder ziemlich hart gearbeitet. Das Ergebnis waren  nicht nur ein neuer Haarschnitt, die Erkenntnis, dass Familie (ob blutsverwandt oder wahlverwandt) das allergrößte auf der Welt ist, und eine endlich wieder blitzblank geputze Wohnung. Sondern ich habe mich auch wieder mehr mit meinem virtuellen Zuhause beschäftigt.

Das Haus des Wahnsinns existiert seit dem Jahr 2011. Damals war ich frisch an der Uni eingeschrieben, alleine und abenteuerlustig in eine fremde Stadt gezogen und weit weg von allem, was mir vertraut war. Ich wollte hier einen Ort für mich schaffen, an den ich mich zurückziehen und gleichzeitig eine meiner Leidenschaften mit der Welt teilen konnte: ein Bücherparadies gepaart mit Gedanken und Erlebnissen, die mir so in dieser chaotischen Welt widerfahren sind. 
Das ist ein Grundkonzept, das ich auch weiterhin gerne beibehalten möchte. Doch Raumaufteilung, Wandgestaltung, Inhaltsschwerpunkte und Strukturierung haben einfach nicht mehr dem entsprochen, was ich mittlerweile selbst gerne sehe, lese und mit dem ich mich wirklich identifizieren kann. Wie das eben oft nach krisigen Zeiten ist (oder nach sechs Jahren vielleicht auch einfach mal fällig war).

Eigentlich habe ich lange Zeit mit dem Gedanken gespielt, das Bloggen generell sein zu lassen. Zu viel Druck, wenigstens einen Post die Woche, dann im Monat und dann überhaupt mal irgendwann zu veröffentlichen, obwohl ich meine Gedanken gar nicht fokussieren konnte und einfach keinen Drang mehr zum Schreiben hatte. Anstatt meinem Prinzips "Ich habe etwas zu sagen" zu folgen, wurde das hier eine gezwungene "Ich will irgendetwas sagen" - Geschichte, die mich sehr unzufrieden gemacht hat.

Und dann saß ich in einer wunderschönen ruhigen Sommernacht mit einem Bier und zwei Herzensmenschen an der Spree und dachte über verschiedene Dinge nach. Über das letzte Jahr, über letzte Worte und über letzte Gänge. Und darüber, dass langsam wieder alles einen Platz hat, auch wenn ein Platz leer bleibt. Und, dass ich ganz vielleicht bereit bin, auch meinem virtuellen Zufluchtsort wieder Raum zuzugestehen. 

Alles aus dem alten Haus des Wahnsinns gibt es noch. Nur steht es gut verpackt im Keller, um hin und wieder hervorgeholt zu werden. Die Posts sind nicht überarbeitet und die Formatierung ist daher total zerschossen; passend zu archivierten Erinnerungen. Ich wollte sie nicht vergraben, aber mich auch nicht täglich damit umgeben.

So kam also der Umbau, dem hoffentlich auch bald wieder inhaltliches folgt. Wenn nicht, ist das aber auch okay, denn ich will wieder nur dann etwas sagen, wenn ich wirklich auch etwas zu sagen habe. Grundsätzlich habe ich nun offiziell und endgültig den sowieso schwindenden Fokus auf Bücherrezensionen verabschiedet. Wenn ich etwas zu einem Buch schreibe, dann wird es eher in eine thematische Richtung gehen: welche Diskurse werden darin verarbeitet und zu welchen Gedankengängen hat mich die Art der Darstellung und der Inhalt gebracht. Das finde ich mittlerweile sehr viel spannender. Ansonsten will ich mich inhaltlich nicht festlegen und schauen, was da kommt. Alles, was mich in irgendeiner Form inspiriert (so sehr ich dieses Wort eigentlich vermeide, muss ich hier doch mal Lisa Simpson spielen und es nutzen) oder was das Ergebnis einer Inspiration ist, kann und darf hier verarbeitet werden. Auch ich bin gespannt, was da so kommt.

Falls Du es bis hierher durchgehalten hast: Respekt! Eigentlich sollte das hier nur ein kurzer Ja-ich-lebe-noch-Post werden. Der hat sich nun irgendwie verselbstständigt und ist ziemlich lang geworden. Ein Zeichen, dass ich auf dem richtigen Weg bin? Anscheinend hatte ich nämlich doch mal wieder was zu sagen! Ich hoffe, dieser Zustand hält nun wieder für eine Weile an. Für jetzt wünsche ich Dir  erst einmal einen wundervollen Tag mit viel Sonne, deinem Lieblingssommerkleid und vor allem deinen liebsten Menschen um dich herum. Und mit ein bisschen weniger Pathos, als gerade hier serviert wird. Wir lesen uns! ♥

Kommentare:

  1. Ohhh, wie schön einmal wieder von dir zu lesen.

    Die Neugestaltung deines Hauses gefällt mir übrigens außerordentlich gut - da fühlt man sich ja gleich heimelig.

    Umbrüche und Tapetenwechsel sind gut und wichtig. Allerdings freue ich mich sehr, dass du das Bloggen nicht über Bord geworfen hast. <3

    Bei mir herrscht gerade auch eine Flaute, aber beenden will ich das ganze dann doch nicht. Aber manchmal braucht man wohl einfach Zeit, bis man wieder auf den richtigen Pfad zurück findet, mit dem man sich wohl fühlt.

    Auf jeden Fall ist es ganz wunderbar, dass sich hier wieder was geregt hat! <3 <3

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    1. :) Danke für deine lieben Worte! Es ist auch wirklich ein schönes Gefühl, wieder aktiver hier zu sein!

      Solange man die begründete Hoffnung hat, dass es irgendwann weitergeht, ist eine (längere) Pause auch auf jeden Fall besser als gleich alles endgültig bleiben zu lassen. Zumindest was das Bloggen betrifft :)

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