24.10.2017

# Bücherregal # Medienschrank

The Circle - Gedanken zu Buch und Film



Zum Kinostart des mit Emma Watson und Tom Hanks hochkarätig besetzten "The Circle" habe ich es endlich geschafft, das dem Film zu Grunde liegende Buch zu lesen. Natürlich noch bevor ich mit Popcorn und Cola beladen im gemütlichen Kinositz saß - ist doch Ehrensache!

Um das Gesamtfazit vorzuziehen und einen zu krassen Vergleich zu vermeiden, sei gesagt: sowohl Buch als auch Film sind ihrem dystopischen Charakter gerecht geworden und haben deutlich gezeigt, wie stark ein einziges Unternehmen alle Bereiche des individuellen privaten Lebens durchdringen und auch steuern kann, wenn nur genug Leute genügend ihrer Daten mehr oder weniger bereitwillig zur Verfügung stellen.
Der Film ist auch reeeelativ nah an der Buchvorlage gehalten - von den fehlenden Handlungssträngen und den mediumbedingten Abwandlungen einmal abgesehen. Ich finde ja, man hätte auch wunderbar eine Serie aus dem Buch machen können und hätte dann wesentlich mehr Spielraum gehabt. Aber auch so ist es eine meiner Meinung nach recht gelungene Buchverfilmung, die zwar ein wenig Bedrohlichkeit verloren hat aber dafür in anderen Punkten gewinnt.

Ganz kurz zur Handlung: The Circle ist ein riesiges, erfolgreiches Unternehmen - was genau sie da eigentlich tun, weiß niemand so genau. Aber Mae, Mitte 20 und in einer Kleinstadt aufgewachsen, ist ganz begeistert von der kosmopolitischen, riesigen und vernetzten Firma. Dank ihrer Studienfreundin Annie darf sie beim Circle in der Kundenbetreuung anfangen und kann ihr Glück kaum fassen. Nach und nach wird sie hineingezogen in die sektenartige Gemeinschaft beim Circle, wo sie nach und zwischen ihren Arbeitszeiten noch bei diversen Veranstaltungen anwesend sein muss - freiwillig verpflichtend natürlich! - und daher den Kontakt zu ihren Eltern und zu der Welt außerhalb des Circles nach und nach verliert. Dieser Kreislauf aus Teilhabe-Vorteile genießen-Teilhabe-noch mehr Vorteile lullt Mae und so sehr ein, dass sie diese Distanz zu ihren Eltern und ihrem Jugendfreund Mercer gar nicht mehr wahrnimmt. Sie verbringt einen großen Teil ihrer Zeit online, um irgendwelche Postings zu lesen, darauf zu reagieren und zu verfassen. Je mehr sie das tut, desto höher steigt sie auf den Ranglisten des Circles. Bis sie irgendwann dann der erste Prototyp des umfassend gläsernen Menschen ist, der ständig und überall unter der Beobachtung aller steht.

So weit, so schrecklich. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Technologie und Algorithmen, die in der Geschichte geschildert werden, tatsächlich existieren und zum Teil auch bereits eingesetzt werden, sodass die Geschichte alles andere als entfernte Zukunftsmusik ist. Bei mir haben das Buch und der Film letzten Endes dazu geführt, meine Zeiteinteilung und Online-Aktivitäten mehr zu hinterfragen. Muss ich wirklich alles fotografieren, was mir gerade schön vorkommt und es mit der Welt teilen? Oder darf ich vielleicht auch viel mehr ganz alleine für mich behalten und die Flüchtigkeit eines Moments auf gewisse Art und Weise auch genießen? Muss ich wirklich alles liken, was mir gefällt, um mich damit irgendwie zu profilieren? Was habe ich eigentlich nochmal davon? Die Antwort ist: wenig bis nichts, abgesehen von einer krassen Reizüberflutung und der Erwartungshaltung, immer verfügbar für andere sein zu müssen. Momentan gebe ich also viel mehr Acht darauf, was ich poste und worauf ich reagiere - und zwar auf allen Kanälen. Völlig aufgeben und missen möchte ich freilich nichts davon; dieses andere Extrem ist auch nicht die Lösung allen Übels. Eine solche bietet leider weder Buch noch Film an, da beides genretypisch nicht gut ausgeht. Für mich kann ich sagen, dass ich mich ohne das ständige Online-Sein irgendwie befreit fühle. Befreit von dem Druck, immer auf dem Laufenden sein zu müssen und befreit von ständigem Input, der mich oft sowieso nicht interessiert. Ich kann das nur empfehlen - genau wie "The Circle" auch.

Kommentare:

  1. Huhu! :)

    Eine tolle Buch-Film Rezension! Ich habe das Büchlein noch nicht gelesen, dafür den Film schon gesehen. Ganz so umgehauen hat mich der leider nicht, weil mir doch auf manches zu wenig eingeganen wurde. Eine Serienlösung hätte mir, glaube ich, auch besser gefallen.

    Liebste Grüße
    Nina von BookBlossom

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    1. Danke dir! :)
      Wenn der Film für dich zu wenig auf bestimmte Aspekte eingegangen ist, kann ich die das Buch nur sehr ans Herz legen - da gibt es wie gesagt ganze Themenstränge, die der Film nicht aufgegriffen hat und die gesellschaftliche Entwicklung wird sehr viel deutlicher reflektiert.

      Liebe Grüße
      Mel

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