29.12.2017

# Garderobe

Weihnachtsgefühl

Eigentlich mag ich keinen Kitsch. Keinen Glitzer. Keine übertriebene Show. Da bin ich wirklich eher so der pragmatische, geradlinige Typ. Kein Tamtam, wenig Schickschnack - ein bisschen ist natürlich okay - und vor allem bitte keine Sentimentalitäten. Wenn ich mit irgendwas nur wenig umgehen kann, dann mit übersprudelnden Gefühlen.

Aber wie das mit Zyklen so ist, kommt dann einmal im Jahr diese Zeit, in der ich wie ein von einer Wespe gestochenes Wiesel durch die Gegend hüpfe, an jedes Fenster Lichterketten klebe, jede freie Oberfläche meiner Wohnung mit Vasen aus Potpourri und Kerzen ausstatte, und überall Kekse und Glitzersterne verteile - auf den Fensterbänken meiner Kollegen, dem Tresen meines Sportvereins, und an allen anderen möglichen Orten. Dazu kommt meine geliebte Weihnachstpost, in der ich meinen Liebsten nicht nur wortreich mitteile, wie wichtig sie mir sind, sondern die mit massenweise Glitzerstickern versehen werden, sodass die Postboten vermutlich halb erblinden, wenn sie die Adresse auf dem Umschlag lesen wollen und zu lange darauf schauen.
Nicht zu vergessen ist natürlich auch die mehrmals wöchentlich stattfindende Weihnachtsbäckerei, wo ich entweder in Gesellschaft oder auch alleine diverse Sorten von Plätzchen, Stollen und Lebkuchen herstelle und damit meine Backstatistik des gesamten Jahres vermutlich um das 50-fache steigere.

Damit möchte ich sagen: in der Weihnachtszeit eskaliert hier alles ein bisschen. Grundsätzlich habe ich nicht das Gefühl, während des restlichen Jahres irgendetwas in mir zu unterdrücken; aber es scheint da schon eine Seite zu geben, die nur zu besonderen Anlässen herauskommt. Hochzeiten gehören übrigens auch dazu, wie ich dieses Jahr herausgefunden habe.
Jedenfalls: heute hat es geschneit. Wenn man mich im Januar nach meiner Meinung zu Schnee fragt, erhält man in der Regel eine äußerst ernüchternde Antwort. Aber niemals in der Weihnachtszeit oder zwischen den Jahren! 4 Wochen im Jahr ist Schnee in jeglicher Form herzlich willkommen und aufs höchste erwünscht!

Momentan ist einfach eine ganz besondere Zeit für ich. Bloß manchma habe ich so viel damit zu tun, alle Punkte auf der Jahresend-Liste abzuhaken, dass ich vergesse, innezuhalten und das auch zu genießen. Als es heute geschneit hat und alles irgendwie gedämpft war, langsamer und leiser als sonst, ist es mir endlich zugefallen. Das besinnliche Weihnachtsgefühl, das Glück, dieses mit lieben Menschen teilen zu können, die nicht nur die Weihnachtszeit über, sondern auch das gesamte restliche Jahr an meiner Seite sind. Und in dem Fall darf man auch mal ein wenig rührselig werden. Und kitschig. Und alles mit viel Glitzer garnieren!

Deshalb an dieser Stelle für alle, die das hier lesen: ich hoffe, ihr hattet kuschelige und zauberhafte Weihnachten, kommt gut ins neue Jahr und wir lesen uns auch 2018 mit mal größerer und mal kleinerer Regelmäßigkeit! ♥

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