27.09.2012

# Rezensionen

[Rezi] Sara Gruen - Wasser für die Elefanten

Erscheinungsjahr: 2006
Originaltitel: Water for Elephants
Genre: Roman
Seitenzahl: 393


Teaser:
Und jedes Mal, wenn ein Unternehmen auseinanderbrach, war Onkel Al zur Stelle und riss sich die Überbleibsel unter den Nagel: ein paar Eisenbahnwaggons, eine Handvoll gestrandeter Artisten, einen Tiger oder ein Kamel.




Handlung
Jacob Jankowski blickt auf ein buntes, turbulentes Leben zurück. Jetzt, im Alter von 90 (oder 93... aber was macht das schon?) Jahren, sitzt er in einem Altersheim, hadert mit seinem alten Körper und erinnert sich an sein Leben zurück.
Sein Studium der Tiermedizin an der Elite-Universität Cornell bricht er mit 23 Jahren kurz vor seiner Abschlussprüfung ab, weil er vom plötzlichen Tod seiner Eltern völlig aus der Bahn geworfen wird. Ohne Familie, ohne Geld und ohne Obdach - weil die Bank das Haus pfändet, denn es liegen ungedeckte Hypotheken darauf - irrt er ohne bestimmtes Ziel durch die Gegend und landet schließlich an einem Gleisabschnitt. Als ein Zug vorbeifährt, springt er auf und findet sich in der zunächst eher unangenehmen Gesellschaft einiger Zirkus-Arbeiter vor, die ihn nach einigem Hin und Her aufnehmen. Nachdem August, der Boss der Tierpfleger, mitbekommt, dass Jacob eine tiermedizinische Ausbildung hat, stellt er ihn unumwunden als Tierarzt ein. So lernt er neben Onkel Al, dem Zirkusdirektor, auch Marlena kennen. Sie ist Augusts Frau, Artistin im Zirkus und Jacob verliebt sich sofort in sie.
Onkel Al ist stets bemüht, seinen Zirkus zu erweitern. Obwohl die Tiere schon unter sehr grenzwertigen Bedingungen leben - von den Arbeitern mal ganz abgesehen - und Jacob alle Hände voll zu tun hat, kauft er von einem bankrotten Zirkus einen Elefanten samt Elefantenwagen. Die Arbeit mit dem Tier stellt sich als schwieriger heraus, als gedacht, aber eins wird klar: Elefanten vergessen wirklich nie.

Meine Meinung
Nachdem ich vor einiger Zeit die Verfilmung des Buches gesehen habe, wollte ich es unbedingt lesen. Und das hat sich definitiv gelohnt. Die Autorin versetzt uns in die Zirkuswelt der 1930er Jahre und zwar nicht beschönigt aus der Perspektive aus dem Zuschauerraum, sondern schonungslos detalliert mit einem Blick hinter die Manege. Viele Szenen in dem Buch sind ziemlich heftig; vor allem, wenn Tiere gequält und misshandelt werden, geht es mir immer sehr nahe.
Aber unter anderem das macht die Geschichte so authentisch. Die beiden Chefs sind unbarmherzig und brutal, jeder auf seine eigene Weise. Onkel Al ist absolut profitgierig und opportunistisch. Mitleidlos kauft er den Zirkussen, die pleite gemacht haben, die Attraktionen ab, die seiner Meinung nach was taugen und lässt auch mal ein paar Tiere in brütender Hitze ohne Wasser in einem Zelt eingepfercht, um den Preis zu drücken. Und wenn ihm einer der Arbeiter nicht mehr effektiv genug vorkommt, lässt er ihn kurzerhand aus dem fahrenden Zug werfen.
So wie Onkel Al sich um die Menschn 'kümmert', ist August für die Tiere zuständig. Als sehr wankelmütiger Charakter kann er in dem einen Moment die Liebenswürdigkeit in Person sein, und im nächsten Moment drischt er wie von Sinnen auf die Elefantendame Rosie ein, weil sie nicht das tut, was er von ihr verlangt. Und mittendrin ist Jacob. Ein durch und durch sympathischer Protagonist, der seinen Idealen treu bleiben will, und dafür auch mal August widerspricht, was manchmal sehr unangeneheme Folgen hat. Hilfreich ist es dabei auch nicht gerade, dass er in Marlena, Augusts Frau verliebt ist, die neben ihrem mal groben und mal charmanten Mann regelrecht schutzbedürftig wirkt.
Neben dieser Geschichte gibt es immer wieder Einblendungen zu dem Jacob der Gegenwart; wie er im Altersheim sitzt und im wahrsten Sinne des Wortes auf seinen Tod wartet. Geistig noch fast fit, hat er Angst vor dem körperlichen, aber um so mehr um den geistigen Verfall. Seine Kinder kommen ihn einmal in der Woche abwechselnd besuchen und ansonsten ist er umgeben von Altersgenossen, mit denen er nichts anfangen kann, oder Schwestern, die ihn wie ein kleines Kind behandeln. Genauso mitreißend, wie die Zirkussequenzen gestaltet sind, lässt die Autorin den Leser hier die Verbitterung dieses Mannes, dessen einzig wahres Zuhause immer der Zirkus war, spüren.
Die Liebesgeschichte zwischen Jacob und Marlena nimmt verhältnismäßig wenig Raum ein, was mich (als Kitsch-Verächterin) aber nicht im geringsten gestört hat. Im Vordergrund stehen mehr die gesamten Verhältnisse im Zirkus, von denen ein umfassendes Bild gezeichnet wird - vor allem Rosie, die Elefantendame wächst einem richtig ans Herz.
Ein wunderbares Buch, allerdings durch einige krasse Szenen nichts für schwache Nerven. 4 Wölkchen von mir.


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