15.06.2013

# Rezensionen

[Rezi] Nick Hornby - Slam

Erscheinungsjahr: 2008
Originaltitel: Slam
Genre: Roman
Seitenzahl: 300



Teaser:
Ich wusste, woher das kam. Es kam davon, eine Mum zu haben, die bei meiner Geburt sechzehn gewesen war. Wenn jemand meine Familiengeschichte kennt, kann er nichts anderes mehr sehen und nichts anderes mehr hören.




Handlung
Wie jeder weiß, ist Tony Hawk der absolut weltbeste Skater der Welt und für seinen wohl größten Fan - den 15-jährigen Sam - ist er außerdem so etwas ähnliches wie eine Gottheit. Nicht nur als Skateboarder ist Hawk Sams größtes Vorbild, sondern auch in allen anderen Lebenslagen greift der Junge immer wieder auf Passagen der Biographie des Skate-Stars zurück und wendet die Sätze, die er dort findet, als Ratschläge für sein eigenes Leben an. Dieses Buch hat er auch ungefähr 1000 Mal gelesen und kennt es deshalb praktisch auswendig. Hawk ist sozusagen Sams Vaterersatz, denn seine Eltern sind geschieden und seinen richtigen Dad sieht er nicht so oft. Deshalb spricht er mit seinem Poster von tony Hawk, wenn er Probleme hat. Aber im Moment läuft eigentlich alles soweit ganz gut. Von seiner Lehrerin wurde Sam vorgeschlagen, soch Kunst und Design zu studieren, weil sie seine Begabung im künstlerischen Bereich erkannt hat. Damit wäre Sam der erste seiner Familie überhaupt, der jemals ein College von Innen gesehen hat und das macht ihn unglaublich stolz. Außerdem hat er seit kurzem eine richtige Beziehung mit einem hübschen und lustigen Mädchen. Doch dann wendet sich das Schicksal - Alicia, seine Freundin, ist vielleicht schwanger und Sams Träume scheinen zu zerplatzen.

Meine Meinung
Von Nick Hornby habe ich schon viel Gutes gehört und nach der Lektüre dieses Buches, kann ich mich den vielen Lobeshymnen nur anschließen.
Das (für mich leidige, weil 100 Mal in der Schule durchgekaute) Thema Teenagerschwangerschaften wurde in diesem Buch meiner Meinung nach extrem gut aufgearbeitet, weil Hornby mit dem Protagonisten Sam eine absolut authentische Figur geschaffen hat, die weder klischeebehaftet, noch übermäßig emotional, aber trotzdem sensibel ist. Und auch die Nebenfiguren sind nicht einfach bloß stereotype Statisten, die sinnbildlich für die verschiedenen Konflikte, die eine solche Schwangerschaft mit sich bringen kann stehen, sondern haben tatsächlich auch ein Profil und sind sowohl zu eigenständigem Denken als auch zu Entwicklungen fähig.
Aber das Hauptaugenmerk liegt natürlich ganz klar auf Sam. Er kommt aus einer nicht gerade klassischen Familie: seine Eltern waren beide 16, als er auf die Welt kam und er ist sich seines Status' als Unfall-Kind durchaus bewusst. Allerdings betrachtet er seine Position sehr erwachsen, denn er weiß, dass seine Eltern ihn trotzdem lieben und es nicht seine Schuld ist, dass beide nie zum College gehen konnten, weil sie wegen der Schwangerschaft und der anschließenden Kindeserziehung schon Probleme genug hatten. Aber weil sich auch schon die Generationen vor seinen Eltern nicht selbst verwirklichen konnten und ihr Leben nicht dem Idealfall gemäß verlaufen ist, möchte er versuchen, alles besser zu machen. Er hat die Chance aufs College zu gehen und ist sich durchaus bewusst, dass er seinen Lebensunterhalt nicht wie Tony Hawk mit dem Skaten verdienen kann. Trotzdem geht er voll in seinem Hobby auf und braucht es als Ausgleich zu seinem Alltag.
Dann lernt er Alicia kennen, die einen komplett anderen familiären Hintergrund hat als er. Ihre Eltern sind beide Akademiker und haben einen eher gehobenen Lebensstil. Und natürlich viele große Pläne für Alicias Zukunft. Sam behandeln sie mehr oder weniger subtil - meistens eher weniger - von oben herab, geben sich aber zufrieden mit der Beziehung zwischen den beiden, weil sie sie nur als kleine Irrphase ihrer Tochter betrachten.
Und dann ist Alicia plötzlich mit ihrer Periode drei Wochen überfällig und für Sam beginnt eine Zeit des bangen Wartens, die er nicht aushält und die sein noch sehr kindliches Wesen zum Vorschein bringt. Natürlich hat er Panik vor der Verantwortung, die möglicherweise auf ihn zukommt, er hat angst vor der Reaktion seiner Eltern und sieht seine Zukunft den Bach runtergehen. Um nicht mit der Tatsache konfrontiert zu werden, wie Alicias Schwangerschaftstest ausgefallen ist, setzt er sich in den Zug und wandert nach Hastings aus, um sich dort eine neue Existenz aufzubauen. Nach einem Tag kommt er aber wieder nach Hause zurück, kann sich aber immernoch nicht überwinden, mit irgendjemandem zu reden.
Das ist überhaupt sein größtes Problem: er hat niemanden zum Reden. Deshalb nimmt er als Ersatz ein Poster seines Idols Tony Hawk, muss dann aber öfter feststellen, dass die Ratschläge, die es ihm gibt, nicht wirklich nützlich sind. Zumindest nicht auf den ersten Blick.
Obwohl die Thematik ja recht ernst ist und viele Autoren dazu neigen, sie sehr dramatisch zu gestalten, findet hier eine Aufarbeitung damti statt, die auch durchaus Raum für ein paar Lacher gibt, ohne den Ernst der Lage zu verkennen. Der Schreibstil ist sehr locker und ein bisschen auf Teenie-Sprache angelegt. Was mich die ganze Zeit ein bisschen gestört hat, waren die vielen Skater-Tricks, die Sam immer mal wieder macht, sieht oder einfach nur aufzählt. Die werden nämlich nicht erklärt, und ich musste ziemlich viel googlen. Dafür bin ich aber jetzt Expertin, was Stalefishs, Gymnast Plants oder 900°s angeht.
Insgesamt also ein richtig schönes Buch mit einem absolut überzeugenden Protagonisten und einer wichtigen Botschaft am Ende. 4 Wölkchen von mir.


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