30.07.2013

# Rezensionen

[Rezi] Ursula Poznanski - Fünf

Erscheinungsjahr: 2012
Reihe: Beatrice-Kaspary-Reihe, Teil 1
Genre: Thriller
Seitenzahl: 380



Teaser
Sie kannte diese Phasen aus früheren Fällen, dieses lähmende Fischen im Trüben. Am falschen Platz, mit dem falschen Köder. Da war Geduld gefragt, etwas, womit sie schon unter normalen Umständen Probleme hatte.




Handlung
Ein Einsatzteam der Kriminalpolizei Salzburg wird zu einer Frauenleiche gerufen. Beatrice und Florin gehören eben diesem Team an und sind mit der Spurensicherung mit die ersten am Tatort. Die tote Frau wurde von einem Bauern auf einer Kuhwiese gefunden und es ist keine Autopsie nötig, um zu sehen, dass es sich bei diesem Fall um keinen gewöhnlichen Mord handelt. Auf ihren Fußsohlen eintätowiert ist eine Botschaft bestehend aus zwei Koordinaten, die die Ermittler zu einem weiteren Toten führen. Oder zumindest zu dem Teil eines toten Körpers, denn an der bezeichneten Stelle befindet sich in einer Plastikdose eine abgetrennte Hand. Zwei Zettel sind ebenfalls dabei; auf einem davon befindet sich ein Rätsel, aus dessen Lösung sich weitere Koordinaten ergeben.
Stefan, ein Kollege von Beatrice und Florin, erkennt ziemlich schnell, was es mit dieser Schnitzeljagd auf sich hat: der Täter schickt die Ermittler zum Geochachen - und am Ende stellt sich der Cache als ein weiteres Teil einer Leiche heraus. Alle Spuren führen im besten Fall ins Nichst - im schlimmsten Fall verschwinden die Zeugen, die die beiden befragt haben und tauchen kurz darauf später tot wieder auf.
Zusätzlich nimmt der Mörder persönlichen Kontakt zu Beatrice auf; schreibt ihr SMS, mit denen er sie verhöhnt, indem er auf ein schreckliches Ereignis aus ihrer eigenen Vergangenheit anspielt, von dem kaum jemand sonst weiß. Sie geht auf die Spielchen ein und scheint die Lage damit eher zu verschlimmern als zu verbessern. Wer ist für die Morde verantwortlich und welche Rolle hat der Täter Beatrice in seinem makaberen Spiel zugedacht?

Meine Meinung
Menschliche Körperteile, die wie ein Schinken in Plastikfolie eingeschweißt und dann irgendwo in der Pampa versteckt werden, ein nicht aufzufindender Mörder, der einen perfiden Plan verfolgt und ein sympatisches Ermittlerteam, das diesem Schritt für Schritt auf die Spur kommt. Dazu die ziemlich geniale Grundidee, die Jagd nach dem Mörder als moderne Schnitzeljagd zu konzipieren. Eigentlich sollte man meinen, dieses Buch hat alles, was das Thriller-Herz erfreuen kann. Allerdings konnte es mich irgendwie trotzdem nicht zu 100% überzeugen.

Die Protagonistin des Buches ist Beatrice Kaspary, grade frisch geschieden und ein bisschen damit überfordert, ihre beiden kleinen Kinder und ihren sehr fordernden Job unter einen Hut zu bringen. Außerdem beschäftigt sie ihr Ex-Mann, indem er sie mit nächtlichen Anrufen terrorisiert und die Kinder gegen sie aufhetzt. Dazu kommt dann zum normalen Druck, den so eine Mordermittlung mit sich bringt, noch zusätzliche Belastung durch die Psychospielchen des Mörders, der ein altes Trauma in Beatrice wieder aufleben lässt und sie damit quält. Schritt für Schritt tastet sie sich an diesen Täter heran, der dem Team immer wieder kleine Puzzelstücke hinwirft. Diese lassen sich aber auch im Verlauf der Ermittlung nicht sinnvoll zusammenfügen, sodass die gesamte Komission am Rande der Erschöpfungsgrenze agiert. Die Darstellung dieser schleppend voranschreitend - beziehungsweise zum Teil auch eher stagnierenden - Ermittlungen gelingt Poznanski sehr gut. Frustration und Verbissenheit werden nachfühlbar vermittelt. Allerdings ist hier auch ein kleiner Minuspunkt für mich gewesen, denn genau dieser Effekt hat die Kehrseite, dass es ein paar Längen in dem Buch gibt, die, vielleicht auch wegen der negativen Grundstimmung, eher schwierig zu überwinden waren. Ob man das jetzt positiv oder negativ bewertet, bleibt natürlich jedem selbst überlassen; ich persönlich sehe darin einen Nachteil, weil es das Tempo aus der an sich rasanten Geschichte genommen hat.

Im Gesamten hat mir einfach der Thrill-Effekt gefehlt, der bei diesem Genre natürlich maßgeblich ist. Meiner Meinung nach ist das Buch eher ein Kriminalroman mit Hauptaugenmerk auf den einzelnen Ermittlungsschritten. Es gibt keine Psychotricks für den Leser, denn trotz aller Empathie reicht Beas Psychterror nicht aus, um auch im Hirn des Rezipienten einen Adrenalin-Ausstoß hervorzurufen, wie ich ihn von einem Thriller erwarte. Nicht mal die eigentlich brutal angelegten Gewaltszenen konnten mir dieses Gefühl entlocken - und dabei ging es teilweise schon blutiger zu als ich eigentlich mag.

Trotzdem richtig gut gefallen hat mir der Plot - ich habe einiges über Geocaching gelernt und sogar kurz überlegt, ob ich es nicht mal selbst ausprobieren soll. Nach der Auflösung der Geschichte habe ich mir das wider anders überlegt; die ist aber auf jeden Fall ein großer Pluspunkt. Genauso wie die Charaktere. Vor allem Bea und Florin sind vielschichtig angelegt und gut ausgestaltet; bei den Nebenfiguren fehlte es in dieser Hinsicht an der ein oder anderen Stelle, aber trotzdem habe sie genug Identifikationsfläche angeboten.

Es ist wirklich schade, dass für mich bei diesem Buch das gewisse Etwas gefehlt hat. Trotz allem war es ein lockerer Zeitvertreib und allein der Plot macht es schon lesenswert genug, auch wenn die Umsetzung meiner Meinung nach definitiv mehr Spannung vertragen hätte und da einiges an Potential verschenkt wurde. Von mir gibt es dafür gute 3 Wölkchen.


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