28.05.2014

# Rezensionen

[Rezi] Eugen Ruge - Cabo de Gata

Erscheinungsjahr: 2013
Genre: Erzählung
Seitenzahl: 202


Teaser:
Es mögen zwei Wochen gewesen sein, nicht mehr, aber auch nicht viel weniger, dass ich an den Vormittagen erste Sätze schrieb, die ich an den Nachmittagen wieder herausriss, so lange jedenfalls, bis mein blaues, ringgebundenes Heft verbraucht war, denn ich weiß noch, dass ich gerade das grüne Heft angefangen hatte, als der Engländer kam.



Handlung
Auf der Suche nach Inspiration und Seelenfrieden verlässt ein Mann, dessen Namen wir als Leser nicht erfahren, seine Heimat und lässt sein gewohntes Leben hinter sich. Einfach so setzt er sich in einen Zug, der in den Süden fährt, ohne endgültiges Ziel. Zumindest ist sein Ziel nicht an einen Ort gebunden, sondern an ein Gefühl. Nach einigen Stationen landet er in Cabo de Gata, einem winzigen Fischerdort in Andalusien. Als einziger Gast in einer kleinen Pension passt er sich an den gemütlichen Alltagstrott der Dorfbewohner an und findet in der Einsamkeit nach und nach das, wonach er gesucht hat.

Meine Meinung
Selbstfindung scheint ein Thema zu sein, das Ruge sehr am Herzen liegt. Das zweite Buch, das ich von ihm gelesen habe und das zweite, in dem ein Mann spontan sein Zuhause hinter sich lässt, um in der Ferne sein Identitätskonzept neu zu entwerfen.

In diesem Büchlein verfolgt der Leser die Reise eines Schriftstellers zu sich selbst. Dieser Schriftsteller erzählt seine Geschichte selbst und rückblickend immer mit Verweisen zu seinem jetzigen Leben. Mittlerweile sehr erfolgreich, in Geld schwimmend und zufrieden mit seinem Leben schaut er zurück auf eine Phase, in der kein Verlag seine Bücher wollte, er jeden Pfennig zweimal umdrehen musste und nicht wusste, wie sein Leben verlaufen sollte. Seine Beziehung war kaputt und ihm fehlte Inspiration für sein Buch. Also machte er sich auf den Weg an einen Ort, an dem es ihm möglich war, zu schreiben. Wo das sein sollte, wusste er am Anfang selbst nicht genau, doch mit Cabo de Gata hat er ihn gefunden.

Die Erzählung ist sehr kurz und knapp und überzeugt weniger durch actiongeladene Handlung (wer sowas sucht, wird mit dieser Geschichte nicht glücklich werden) als durch sprachliche Präzision und außergewöhnliche Metaphorik. Die Melancholie, die Einsamkeit und die depressive Stimmung werden durch genauso deutlich transportiert wie die beständige Hoffnung auf einen Neuanfang.

Das Ende fand ich allerdings ein wenig befremdlich - die Erkenntnis, zu der der Protagonist gelangt, ist zwar in Ordnung und darauf hat die Geschichte ja auch nicht gerade subtil hingearbeitet, aber die Art und Weise, wie das geschieht - ich finde, die Sache mit der Katze wurde eindeutig überinterpretiert! - war doch etwas merkwürdig.
Dennoch ist am Ende der Geschichte klar, dass man nicht vor seiner Vergangenheit davonrennen kann, wenn man seine eigene Identität sucht. Ein sehr reduziertes Buch, das man locker zwischendurch lesen kann. Solide aber nicht außergewöhnlich. 3 Wölkchen von mir.


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