03.10.2017

# Bücherregal # Wohnzimmer

Büchernostalgie. Von Traummalerei und Waldschraten

Bei einem etwas längeren Besuch bei meinen Eltern sind mir zufällig einige Bücher in die Hände gefallen, die ich als Kind immer und immer wieder gelesen habe. So oft und so gerne, dass diese Bücher mittlerweile nicht nur fast auseinanderfallen, sondern ich sie im Grunde auswendig aufsagen konnte - und das zum Leidwesen meiner Familie auch oft und gerne getan habe.

Vor allem an die Bücher von Paul Maar erinnere ich mich mit am liebsten. Wer kennt nicht sein kleines, freches und dennoch charmantes Sams? Aber auch, wenn dieses knuddelige Wünscheerfüllwesen Paul Maars bekannteste Schöpfung ist, war früher mein absolutes Lieblingsbuch doch "Lippels Traum". Als ich in der dritten Klasse war, bekam ich dieses Buch geschenkt und habe es gleich danach und viele weitere Male regelrecht verschlungen. Sei es, weil der Protagonist darin ein lesesüchtiger und traumtänzerischer Junge ist, oder weil Paul Maar so wunderbar einfühlsam und kindgerecht schrieb und ich mich einfach komplett verstanden fühlte. Denn genau wie Lippel auch habe ich oft mit einer Taschenlampe unter der Bettdecke bis in die Abendstunden in dem Buch gelesen; immer wieder fasziniert von der Kreativität des Buches. Grob gesagt geht es darum, dass Lippel - eigentlich Phillipp, aber so wird er nie genannt - jede Nacht das Gleiche träumt. Aber es ist nicht irgendein Traum, es ist vielmehr eine Geschichte, die jede Nacht weitergeht und die sich so real für ihn anfühlt, dass er bald kaum noch zwischen Traum und Wirklichkeit unterscheiden kann.
Bei neuerlichem Durchblättern muss ich sagen, dass die Geschichte auch für mich als Erwachsene nichts von ihrem Zauber eingebüßt hat und noch mindestens genauso viel Charme und Magie versprüht wie früher.

Eine ganz andere und vermutlich wesentlich skurrilere Geschichte enthält mein wohl allererstes Lieblingsbuch. Wie oft kam meine Mutter Abends zu mir ins Schlafzimmer und hat mich unter starkem Protest dazu gezwungen, das Buch aus der Hand zu legen und zu schlafen - damals kannte ich leider den Taschenlampen-Trick noch nicht.
In "Müffi die Schmuddelhexe" von Kaye Umansky geht es um eine kleine, sehr unordentliche Hexe, die leider aus ihrer Wohnung ausziehen muss, weil ihr die ortsansässigen Waldschrate zu sehr auf die Nerven fallen. Da wird doch direkt deutlich, dass ich auch damals schon das komplette Gegenteil von einem Rosa-Glitzer-Mädchen war. Meine Heldin war nicht Barbie, sondern eine im Wald lebende, strubbelige Hexe mit einer Aversion gegen das Waschen und einem frechen Hamster als Haustier. Kein Wunder, dass ich mich damit gut identifizieren konnte!

Es ist schon erstaunlich, wie viele Details ich mich plötzlich erinnern konnte, obwohl ich die vollständig Handlung der beiden Geschichten nicht mehr rekonstruieren kann Schließlich liegt das Lesen auch locker 15 Jahre zurück; aber dennoch wurde ich beim Durchblätten nicht nur in die Bücher, sondern auch in meine Kindheit zurück katapultiert. Neben Einzelheiten aus den Geschichten kamen auch längst vergessen geglaubte Erinnerungen aus der Zeit, in der diese Bücher fester Bestandteil meiner Freizeitgestaltung waren, zu mir zurück. Beides habe ich sehr genossen.


Wie ist es bei euch? Was waren eure ersten Lieblingsbücher und erinnert ihr euch genauso an Details aus den Geschichten wie aus eurer eigenen Kindheit? Oder habt ihr erst später mit dem Lesen angefangen?

Kommentare:

  1. Hi Mel :),

    bei "im Grunde auswendig aufsagen" muss ich dran denken, dass meine Mutter immer erzählt, dass ich, bevor ich lesen konnte, die Bücher, die mir vorgelesen wurden, immer auswendig gelernt habe, sodass ich sie dann meinem Bruder "vorlesen" konnte :D.

    Und bei Details muss ich an gestern denken, als mich meine Familie am Esstisch verstört angeguckt hat, weil ich noch die Intros diverser Hörspielreihen auswendig konnte, die mein Bruder und ich als Kinder gehört hatten :D. In Details erinnern bin ich auch sehr gut, selbst wenn ich sonst den Rest der Handlung vergessen habe :D.

    Eine Reihe, die ich als Kind total geliebt habe, war die Lola-Reihe von Isabel Abedi. Ich habe alle Bücher sofort nach dem Erscheinen gekauft und wenn ich sie grad nicht gelesen habe, habe ich die Hörbücher rauf und runter gehört. Wenn ich schon an die Musik zu den Hörbüchern denke, werde ich ganz wehmütig :D.
    Ich hab auch fest vor, die Reihe noch zu Ende zu lesen, obwohl ich eigentlich zu alt dafür bin :D.

    Keine Grüße :)
    Charlie

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Haha, wie lustig - das habe ich auch immer gemacht! :D Süß :)

      Oh ja, dass man die Lieder sehr schnell wieder im Kopf hat, kann ich mir gut vorstellen - Melodie und Text sind ja extra relativ leicht und eingängig komponiert und man hat sie ja sicher an die Millionen Mal gehört :D

      Ich glaube, die Reihe sagt mir etwas - aber wahrscheinlich war ich dafür schon ein bisschen zu alt und habe sie deshalb nicht wirklich wahrgenommen. Aber ein Buch davon habe ich auch mal gelesen, glaube ich. Ich finde es gut, dass du sie zu Ende lesen möchtest! Man ist nie zu alt, um sich einen Teil seines Kinderherzens zu bewahren :)

      Keine Grüße? :D Von mir kriegst du welche :D

      Viele Grüße also
      Mel :)

      Löschen